Wie Star Trek in den 90ern die Technologie der Zukunft sah - von Retro bis Fantasy
In Teil eins unseres Specials zur Zukunftstechnologie in Star Trek geht es um Datenverarbeitung mit Wassereimern, Glibbertüten und noch viel mehr.
Weil, so erfahren wir hier, Gehirnwellenmuster lediglich auf Quantenebene gespeichert werden können - soso, an dieser Stelle liebäugelt Star Trek kurz mit Quantencomputern - und nur der Bordcomputer diese Möglichkeit bietet, löscht man in der Notsituation den gesamten Speicher der riesigen Raumstation, um Platz für die Erinnerungen und Gedanken der zwölf Individuen zu schaffen (denn in dem Symbionten schlummern die Erfahrungen von sieben vorangegangenen Wirtskörpern).
Apropos Körper: Deren Daten passen zusätzlich zu den ganzen neuralen Gedankenmustern nicht auch noch in den Computer, weswegen sie in den eigentlich für Vergnügung ausgelegten VR-Holosuiten ausgelagert werden. Damit sind dann alle zu dem Zeitpunkt verfügbaren, lokalen Festplatten restlos gefüllt.
Chip-Technologie hat sich bei Star Trek in den letzten 300 Jahren weiterentwickelt von Silizium hin zu den der Fantasie entsprungenen isolinearen Chips - das sind etwa feuerzeuggroße, platte, halbtransparente Scheibchen, die man aus Slots herausnehmen und wieder hineinstecken kann. Durch dieses Umschichten - und nicht etwa durchs Programmieren am Quellcode - werden im Laufe der Next Generation zahlreiche technische Geräte auf spontan benötigte, andere Funktionsweisen umprogrammiert.
Unvergessen die erste Episode nach dem Pilotfilm The Naked Now (Gedankengift), in welcher der trunkene Eintagsfliegen-Chefingenieur Jim Shimoda mit breitem Grinsen hunderte dieser Chips aus einer Konsole zieht und auf dem Fußboden wie ein Kind damit herumspielt - nur, damit sie am Ende der übermenschlich schnelle Data wieder in richtiger Reihenfolge einsteckt, Sekunden, bevor die Enterprise katastrophalen Schaden nehmen kann.
Quelle: Paramount
Wenn der Nahrungsreplikator ausfällt, muss Bordkoch Neelix an die Pfanne.
Sieben Jahre später dann bei Voyager extrapolieren die Autorinnen und Autoren eine Weiterentwicklung der isolinearen Technologie aus tatsächlicher Wissenschaft und Forschung. Seit einigen Jahrzehnten wird heute im 21. Jahrhundert postuliert, dass Biocomputer basierend auf DNS so viele parallele Rechenschritte vollziehen könnten, dass zwischen dieser und herkömmlicher Chip-Technologie gleich zwei Zehnerpotenzen Geschwindigkeitsunterschied liegen.
Solche Biocomputermodelle befinden sich noch immer in ihrer theoretischen Phase und damit in den Kinderschuhen. Bei Captain Janeway ist diese Technik Realität geworden in Form der bioneuralen Gelpacks, das sind mit Glibber gefüllte Tüten, die das Raumschiff Voyager zu einem wahren Rechenwunder machen.
Na ja, wenn sich diese Tüten nicht gerade wie in der Episode Learning Curve (Erfahrungswerte) bei den Käsebakterien von Bordkoch Neelix eine gefährliche Infektion abholen. Ebenfalls schließt sich mit dieser biologischen Technologie wieder der Kreis zu meinem Daten-Wasser-Vergleich: Heutzutage ist die Forschung der Ansicht, dass gerade einmal ein Liter mit insgesamt sechs Gramm DNS-Material in einem solchen Biocomputer bis zu 3072 Exabyte speichern kann. Das sind mehr als dreißig Soong-Androiden à la Data.
Kehren wir nach all diesen Datenverarbeitungsbetrachtungen noch einmal zurück in das Büro des Captain Picard. Dann während ich meinen Assam-Tee jeden Morgen nach alter Väter Sitte am Wasserkocher braue, kann Jean-Luc Picard sich sein Lieblingsgetränk aus einem anderen Star-Trek-Alltagsgegenstand zapfen, dem Nahrungsmittel-Replikator, den es zu Kirks Zeiten noch nicht gab.
Schon wieder ein reichlich schizophrenes Gerät, denn in vielen Folgen wird der Replikator gelobt und gepriesen dafür, dass er jedes nur erdenkliche Gericht oder Getränk herbeizaubern kann. Da wirkt es dann ein wenig komisch, dass Keiko O'Brien in der Episode Whispers (O'Briens Identität) für ihren Ehemann Miles - der gar nicht der echte Miles ist, doch das steht auf einem anderen Blatt - einige dampfende Schüsselchen aus dem Replikator in Richtung Abendessenstisch trägt und stolz verkündet: "Miles, heute Abend habe ich dein Lieblingsgericht gemacht."
Quelle: Paramount
Picard und Vorgesetzter mit einem Notebook des 24. Jahrhunderts
Ich bin verwirrt. Welchen Wert hat eine solche Geste, wenn der Replikator doch ein universelles Zaubergerät darstellt? Verfügt er eventuell doch über ein viel begrenzteres Angebot, als uns viele Next-Generation-Episoden glauben machen wollen? Oder hat jedes einzelne Gerät ein womöglich wöchentlich neu zugeteiltes Vielfaltskontingent?
Gibt es Geheimrezepte von Leib-und-Magen-Speisen, welche unsere Besatzungsmitglieder nur in ihren individuellen Replikator einprogrammieren und hüten wie einen Augapfel, damit die Nachbarn es nicht ohne weiteres nachkochen können? Fragen über Fragen, doch leider keine Antworten.
Wieder zurück zum Picardschen Arbeitsplatz. Vor sich auf dem Schreibtisch hat er etwas stehen, das einem modernen Notebook-Computer relativ nah kommt. Vielleicht ist es ein wenig dickwandiger, klobiger - eine Mischung aus den frühen Laptops der 90er, unhandlichen Multimedia-Notebooks und den Kompaktgeräten, wie sie sich heute präsentieren.
Eine Tastatur scheint dem Gerät zu fehlen, es handelt sich ausschließlich um eine visuelle Ausgabeeinheit, auf der man sich Daten anschauen oder mit Admirals skypen kann. Im besagter Urlaubsepisode hat Picard rätselhafterweise ein Padd in der Hand, während er in den Monitor starrt und seine konzentrierte Arbeit läuft offenkundig an beiden Geräten gleichzeitig.

Ich habe nämlich immer darauf geachtet - und es wird in verschiedenen Folgen unterschiedlich dargestellt.
Entweder werden die Atome durch den Raum an die andere Stelle teleportiert und dort zusammengesetzt oder in anderen Folgen wird die Information kopiert und am Zielort aus dort vorhandener Materie zusammengestellt und am Usprungsort vernichtet.
Beide Versionen kommen vor......ziemlich irritierend wenn man genau darauf achtet.
Beamen wird wie hier bereits geschrieben kein wahrscheinliches Szenario sein, allein schon weil man dafür das Original tötet und an einer anderen Stelle repliziert. Das machen Menschen mit Selbsterhaltungsinstinkt sicher so nicht mit. Denkbar wäre Beamen in Form eines Portals / Wurmlochs, dass Materie transportieren kann, aber auch für mich gilt natürlich ein eingeschränktes Vorstellungsvermögen, da bestimmte Grundlagen für weiterführende Ideen noch gar nicht erforscht worden.
Wenn das Away Team (oder Landing Party) auf einer Planetenoberfläche erreicht werden soll, kann man zwar weiter über Lichtjahre hinweg funken, 500 km zu den Weggebeamten gehts aber wegen "Ionensturms" oder sonstwas gerade mal nicht, weil es das Drehbuch so will.
Reisen mit (Über-) Lichtgeschwindigkeit? Nein, für alle Zeiten nein, da ... (schon wieder) Naturgesetz. Wenn es gelingen sollte, eine ultraleichte Minisonde auf 5 bis 10% von c zu bescbleunigen mittels "Breakthrough Starshot", dann war es das. Bemannte Raumschiffe? Never. Zu schwer, so groß, und nie genügend Energie. Der Warpantrieb beschleunigt nicht das Schiff, er staucht den Raum. Ursprünglich war Warp nur erlaubt wenn kein Planet in der Nähe, weil es für alles in der Umgebung gefährlich wäre. Inzwischen ist auch das egal - weil Drehbücher es wollen. Da schießen zig Schiffe nacheinander flupp-flupp von Zero auf Warp, die nur hunderte Meter Abstand voneinander hatten und immer gern im Orbit um Planeten. Mir ist nicht bekannt, dass es jemals erklärt wurde. Der Podcast Weltraum-Wagner behandelt das Thema umfassend und sehr unterhaltsam. "Interstellare Raumfahrt - Wie reisen wir zu anderen Sternen?"
Beamen? Leider nein, für alle Zeiten, weil (wir ahnen es) Naturgesetze. Man muss dazu wissen, dass Beamen ein Geldspartrick der Desilu-Studios waren. Als TOS gedreht wurde, wären Shuttle-Landeszenen zu aufwändig und zu teuer gewesen. Beamen kann man mit billigem Filmtrick hinzaubern, bisschen Glitzer in Wasserstrudel ins Standbild reinkopiert, fertig. Technisch bedeutet das Beamen die Zerlegung des lebenden Menschen oder jedes Gegenstandes in ein Plasma. Atomkerne werden also von Elektronen getrennt. Dafür brauch es mehr als 10,000 Grad. Zuerst muss der gesamte Körper gescannt werden, jedes Atom mit Koordinaten, dazu Bewegungsrichtung, bestehende Bindung, jene Bindungen die sich bilden, jene die sich lösen, jede Reizleitung jeder Synapse inklusive Aktionspotenzialen u.v.m. Was könnte diese Datenmenge in Sekunden ermitteln und speichern? Was könnte all dieses Plasma dann irgendwo hin senden? Bei Star Trek wird keine Beamkopie erschaffen, sondern die Materie als Plasma zum Zielort geschickt. Was sorgt dafür, dass sich alles am Zielort wieder zusammensetzt? Was könnte diese Datenmenge so schnell auslesen? Wie bekommt man jedes Atom dazu just wieder das zu tun was es in der Nanosekunde seiner Zerlegung tat? Und wenn es dann mehr als 10.000 Grad heiß ist, wie schnell kühlt denn das Ganze dann ab und kann dann wieder leben? Ist jemandem mal aufgefallen, dass beim Beamen das heiße Plasma in wenigen Metern Entfernung den ganzen Transporterraum inkl. Anwesende in Sekundenbruchteilen verdampft? Mir nicht.
Es wird nichts mit Beamen, denn Naturgesetze gelten seit 13,82 Mrd. Jahren und auch in 350 Jahren. Die Unschärferelation nach Heisenberg allein, das wissen auch die Filmschaffenden, steht dem entgegen, und vieles mehr. Daher haben sie den "Heisenberg-Kompensator" erfunden. Dessen Erfinder M. Okuda wurde vom Time Magazin gefragt wie der denn funktioniere. Antwort war: "Danke, gut."
Wir sollten anerkennen, dass Science Fiction neben realistischen technischen Möglichkeiten auch völlig absurde (aber schöne) Phantasien erzählt, und wir sollten uns davor hüten solche Utopien für umsetzbar zu halten. Manche fordern tatsächlich bei der Energieversorgung auf Kernfusion zu setzen, statt auf Erneuerbare. Windturbinen, Solarzellen funktionieren, bei Fusion ist das alles andere als sicher. Sich auf Utopien zu verlassen würde bedeuten das Essenzielle im Jetzt zu vernachlässigen, was uns so gefährlich werden könnte, dass es uns die Existenz als Spezies kostet. Zur Zeit tun wie alles dafür dass wir das 24. Jahrhundert nicht erleben. Dann müssen wir uns auch nicht um die geldlose Gesellschaft sorgen... ein weiteres Konstrukt, das bei Star Trek nie logisch hergeleitet wird. Wie wir wissen, gibt es Handel zwischen den Planeten der Föderation und darüber hinaus. Die Ferengi kassieren in Latinum, aber wie zahlen die anderen? Von UFC (Universal Federation Currency) nix gehört.
Ich finde Star Trek wunderbar, als visionäre Unterhaltung mit gewissen ethischen Betrachtungen des Menschen und seiner Gesellschaften, aber es taugt nicht als Blaupause für eine realistische Zukunft.