Queer und divers - besser wär's? Ein Blick auf Gender-Identität in Videospielen
Eine Analyse der Inklusion von Queerness und Diversität in Baldur's Gate 3, Starfield und Hogwarts Legacy
Wir Menschen mögen und benötigen oftmals ganz klare Strukturen, Formen, Regeln und Grenzen. Vor allem in den Naturwissenschaften oder explizit der Medizin sind diese auch enorm wichtig. Dahingegen ist es in unserer sozialen Gesellschaft und Kultur eher von Vorteil, wenn wir all das nicht zu strikt halten. Denn auch, wenn eine vermeintliche Ordnung definiert durch Standards uns oftmals Sicherheit verleiht, besteht die Welt um uns herum im Grunde aus Chaos und Diversität. Die Repräsentation dieser Diversität und auch Vielfalt aller möglichen Lebensrealitäten wollen wir uns in diesem Special einmal genauer anschauen. Unser Redakteur Daniel hat sich bereits in einem Interview die Repräsentation von queeren Figuren generell angesehen. Wir wollen nun analysieren, wie die Inklusion von Queerness und Diversität heutzutage in AAA-Titeln aussieht.
Dafür haben wir uns drei der bekanntesten und beliebtesten Games aus dem vergangenen Jahr herausgepickt: Baldur's Gate 3 (Larian Studios), Starfield (Bethesda Game Studios) und Hogwarts Legacy (Avalanche Software). Sie alle eint ihre riesigen Budgets, ihre Rollenspielelemente und damit auch ihr hohes Identifikationspotenzial. Wir haben uns gefragt: Wie wird in ihnen ganz generell Queerness und Diversität repräsentiert? Was ist möglich und was nicht? Und was sagt die Community dazu?
Queerness 101
Zeiten ändern sich. Alles unterliegt einem stetigen Wandel und schreitet stets voran. Das ist auch gut so, ansonsten würden wir uns ja immer noch in der Steinzeit befinden und müssten um unser bloßes Überleben kämpfen. Genau so schreiten parallel auch unser Zeitgeist, unsere Gesellschaft und unsere Kultur voran.
Unsere Normen und Werte, Hierarchien und Strukturen - auch sie verändern sich tagtäglich. Mal passiert das langsamer, mal schneller. Zum Beispiel entstanden neben Print- die Onlinemedien und zu analogen Spielen gesellten sich die digitalen. All diese Phänomene wurden erst von uns Menschen entwickelt und hergestellt.
Aber eines gibt es schon, seitdem wir als Homo sapiens auf dieser Erde existieren: unsere Individualität. Kein Mensch gleicht einem anderen. Klone existieren in ihrer literarischen Interpretation nur in der Fiktion und selbst eineiige Zwillinge weisen trotz ihrer augenscheinlichen Ähnlichkeit oftmals starke Unterschiede in ihren Verhaltensweisen oder Interessen auf.
Anhand dessen lässt sich zum Beispiel auch darauf schließen, dass unsere genetische Zusammensetzung nur einen kleinen Teil unserer individuellen Identität ausmacht. Wir alle sind genetisch gesehen Menschen, dennoch können wir uns ganz unterschiedlich als Personen definieren. Zum Beispiel über unsere Denk- und Verhaltensweisen.
Manchmal ist damit auch die (Nicht-)Identifikation mit unserem biologischen und/oder sozialen Geschlecht (Gender) verbunden. In den letzten Jahren durften wir intensiver und umfangreicher als je zuvor lernen und sehen, wie genau diese Diversität und Individualität in unserer Gesellschaft aussehen. Daneben konnten wir jedoch auch feststellen, wie unterschiedlich die Meinungen dazu sind.
Quelle: Pexels
Aber egal, wie stark sich die Geister darüber scheiden, eines ist und bleibt Fakt: Queere Sexualitäten, Identitäten und Realitäten gab es schon immer und wird es immer geben.
Die biologischen Geschlechter sind anhand des Genoms eines Menschen klar definierbar, das soziale Geschlecht jedoch nicht. Unser soziales Geschlecht, also das, womit wir uns selbst und nach außen hin identifizieren, ist - wie die Bezeichnung schon verrät - ein soziales Konstrukt und hier finden wir ein ganzes Spektrum an Identifikationsmöglichkeiten.
Manchmal stimmt für uns das soziale Geschlecht mit unserem biologischen überein und manchmal eben auch nicht. Und manchmal besitzen wir sexuelle Begehren, die vielfältiger aussehen können als nur ein simples Schwarz-Weiß-Bild. Egal, wie - Queerness umfasst im Grunde alles, was nicht unter die Label "cis-geschlechtlich" und "heterosexuell" fällt.
Wir alle wissen: Es gibt nicht plötzlich mehr queere Personen als zuvor, unser Fokus verschiebt sich lediglich Stück für Stück. Mehr Menschen bekennen sich offen zu sich selbst und schon immer dagewesene Identitäten und Realitäten werden erstmalig genauso gesehen und gezeigt, wie bisher sonst nur der vermeintliche (cis-idente und heterosexuelle) Standard.
Ein Flashback zum Backlash
All das geht auch an der heutigen Spieleindustrie nicht spurlos vorbei. Oftmals finden wir in Spielen eine Art "Safe Space" und sie ermöglichen uns die ersehnte Flucht vor der Realität. Daher ist es vielleicht paradox, dass die meisten Spiele - egal welches Setting sie besitzen mögen - allerlei Strukturen, Hierarchien und Lebenswirklichkeiten aus unserer realen Welt und Gesellschaft reproduzieren und abbilden.
Deshalb sollten wir stets bedenken, inwiefern Videospiele grundlegend mit der Repräsentation unterschiedlichster Identitäten und Realitäten umgehen.
Für lange Zeit wurde von den einkommensstarken Studios fälschlicherweise angenommen, dass ihre primäre Zielgruppe aus weißen, cis-männlichen und heterosexuellen jungen Erwachsenen besteht. Vor allem aus Angst vor negativem Backlash dieser Gruppe, wurden queere Individuen oftmals kaum bis gar nicht repräsentiert.
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Wenn sie doch einmal vorkamen, dann meist in völlig überzogener, ironischer Form oder schlichtweg nicht authentisch. Oft wurde den Studios dafür wiederum vorgeworfen, dass sie auf Krampf versuchen würden, mehr Diversität in ihre Spiele einzubauen. Dieser Kritikpunkt nennt sich im Fachjargon Tokenism und besteht auch heute noch fort. Im Gegensatz dazu existieren nun schon lange zahlreiche Indie-Titel auf dem Markt, die häufig dafür gelobt (Link) werden, wie gut und authentisch sie queere Inhalte einbauen.
Die meisten Trans-Menschen, die ich näher kennengelernt habe, nehme ich so als irgendwas dazwischen wahr.
Also wenn ich das Verhalten beobachte, meine (subjektive) Empfindung aber auch wenn ich es von der biologischen Seite aus betrachte (wenn schon Hormone genommen werden etc.).
Ich glaube das ist unterbewusst auch ein Punkt der viele reizt. Wir haben ein natürliches Empfinden dafür und dem wird vor dem Kopf gestoßen. Manche stört das mehr, manche gar nicht.
Das wird in der Diskussion oft übersehen.
Ein befreundeter Trans-Mann hat mich mal danach gefragt und ich habe gemeint das er für mich so eine Art Hybrid ist zwischen Mann und Frau.
Ich habe ihm auch gesagt das ich das völlig ok finde und es ohne Wertung ist. Einfach nur meine Wahrnehmung.
Dann hab ich gefragt wie er sich bei meiner Aussage fühlt.
Er meinte damit kann er leben.
Da hätte vielleicht nicht jeder so reagiert darauf. Also ich hab schon gesehen das es auch innerhalb der Szene sehr unterschiedlich aufgenommen wird.
Ersatzbegriffe, die harmloser klingen, sind deswegen harmloser, weil sie im besten Falle nicht beleidigend sind. Wenn die Meinung selbst eine Beleidigung ist, dann wird sie allerdings auch nicht stehen gelassen und im weiteren Sinne moderieren wir auch danach, wie wohl sich alle Beteiligten in einer Diskussion fühlen. Wenn sich also alle gegenseitig Dinge an den Kopf werfen und keiner sichtlich über die Stränge schlägt, nehmen wir das manchmal hin. Sobald Meldungen bei uns reinkommen, schauen wir genauer hin
Ich hoffe, das hat es einigermaßen verständlich erklärt^^
Das mit den Wording finde ich z.B. bedenklich, denn dann endet das in Euphemismen. Oftmals ist es ja auch subjektiv wie beleidigend ein Begriff ist.
Ja, es gibt Leute, die können dem nichts abgewinnen, aber eben auch solche, die sich für das Thema interessieren - und für die ist der Artikel da. Wer anderweitig mitdiskutieren will, ist gerne eingeladen, das im Rahmen unserer Forenregeln zu tun
Diversität als geisteskrank zu bezeichnen und Gruppierungen von Menschen zu beleidigen, betrachten wir als nicht zulässig im Forum und geht über die Meinungsfreiheit hinaus.
Das sind Leitlinien an die sich die Moderatoren halten und die sie sich nicht einfach aus den Fingern gesaugt haben.
Ebenfalls wurden Kommentare gelöscht, die sich darüber aufregen, dass es die falsche Plattform und der Artikel fehl am Platz ist, weil es die Diskussion in keiner Weise bereichert und aus oben genannten Gründen, salopp gesagt, Schmarrn ist^^
Eine persönliche Antwort als Frau: Ich bin eine menstruierende Person - das ist einfach ein Fakt, das kann ich auch kaum verhindern. Deswegen bin ich aber trotzdem eine Frau. Nicht alle Frauen menstruieren und nicht alle Menschen (zu denen ich mich auch zähle) sind Frauen. Mir wird ja nicht der Titel Frau aberkannt, menstruierend ordnet mich halt als Cis-Frau bzw. als eine ein, die eine funktionierende Gebärmutter hat - das aber ohne jegliche Wertung - zumindest habe ich vonseiten queerer Personen noch nie eine Wertung mitbekommen.
Dass es negativ besetzt sein könnte, ist eher etwas, dass von Personen kommt, die Diversität ablehnen. Was ich als witzig empfinde, da doch darauf beharrt wird, dass man sich nicht beschweren soll, wenn man als das bezeichnet wird, was die Biologie halt hergibt^^
Aber davon ab - ich kenne persönliche so einige queere Personen und nenne davon auch manche meine Freunde. Ich kenne auch Menschen, die nichts mit dem Thema anfangen können und wollen - auch die zähle ich teils zu meinen Freunden. Ich bin nicht betroffen, aber ich finde es schade, dass unter mir engen Menschen teils keine Akzeptanz herrscht. Beide Gruppen haben das Gefühl, sich verstecken zu müssen und nicht sagen zu dürfen, wer sie sind / was sie denken.
Ich habe die Lösung genauso wenig parat, wie jeder andere Mensch. Ich halte es aber für kontraproduktiv, einfach nicht darüber zu reden - die Fronten existieren bereits. Jetzt können wir vielleicht noch dafür sorgen, Räumen zu schaffen, in denen wir uns austauschen und voneinander lernen können. Denn jeder hat eine unterschiedliche Lebensrealität und ist die Summer seiner Erfahrungen.
Weiß nicht, klingt für mich teils sehr nach „passend machen“, weil es nun eben schon im Sprachgebrauch existiert.
Wenn du sagst, du bist nicht „betroffen“, dann klingt das auch schon wieder irgendwie unnormal, wie auch immer, aber nicht wirklich positiv.
Was ich ebenfalls feststelle, es gibt eine teils seltsame Vorstellung von Demokratie, denn Demokratie bedeutet nicht, dass jede - ich nenne sie mal - Gruppierung innerhalb der Gesamtbevölkerung die Aufmerksamkeit bekommt, die sie gerne hätte. Das gilt für die Politik, der Zusammensetzung der Parlamente, wie auch für das öffentliche Leben.
Die Frage ist, wie sehr drängelt sich jemand in den Vordergrund? Entweder aus einem Minderwertigkeitskomplex heraus oder einer gnadenlosen Selbstüberhöhung der eigenen Position. Beides ist der falsche Weg,
Und das Hausrecht greift hier, weil das unser Netzwerk ist. Wir laufen also metaphorisch nicht draußen rum, sondern in unserem eigenen Wohnzimmer und stoßen ein Thema an, dass uns in der Redaktion interessiert und beschäftigt. Wir wissen, dass viele das Thema, wie wir es aufarbeiten, nicht gut finden, aber wir arbeiten es eben so auf, wie wir das für richtig empfinden.
Und der Vergleich mit dem Schlagen hinkt, insofern dass Beleidigungen und "Unnettigkeiten" nicht zu einer ernsthaften Debatte dazugehören. Wie du ja auch erwähnst, lassen wir recht viel stehen, und die Diskussion wurde mit der Zeit ja auch friedfertiger und umgänglicher, ohne dass Leute ihre Meinung grundsätzlich ändern mussten - das hatten wir schon öfter unter solchen Artikeln und da wollen wir generell auch hin.
Ersatzbegriffe, die harmloser klingen, sind deswegen harmloser, weil sie im besten Falle nicht beleidigend sind. Wenn die Meinung selbst eine Beleidigung ist, dann wird sie allerdings auch nicht stehen gelassen und im weiteren Sinne moderieren wir auch danach, wie wohl sich alle Beteiligten in einer Diskussion fühlen. Wenn sich also alle gegenseitig Dinge an den Kopf werfen und keiner sichtlich über die Stränge schlägt, nehmen wir das manchmal hin. Sobald Meldungen bei uns reinkommen, schauen wir genauer hin
Ich hoffe, das hat es einigermaßen verständlich erklärt^^
Ich verstehe das Dating-Argument da schon, wobei queere Personen meiner Erfahrung nach sehr offen sind, was ihre Sexualität angeht, man das also schon mitbekommt, wenn es in eine romantische Richtung geht. Aber Dating ist aus Sicht einer Frau (oder als Frau lebenden Person^^) natürlich deutlich anders als bei einem Mann.
Damit will ich sagen, dass es mir scheint, als dass es sich weitestgehend um eine Definitionsfrage handelt. Also wovon man spricht, wenn man von Identität redet. Keine queere Person, die ich kenne, bezieht sich auf ihr biologisches Geschlecht, wenn sie sagt, sie ist non-binär. Es geht immer um die soziale Rolle, die sie einnehmen, bzw. in der sie sich wohlfühlen. Ich weiß nicht, ob es das für dich besser macht, aber das ist zumindest mein Einblick - zumindest ich habe das Gefühl ein bisschen schlauer zu sein :)
Ich wage zu behaupten, dass es für die meisten Geschichten, auch nicht wichtig ist, welches Geschlecht jemand hat. Und wenn, dann kann man es dazu erwähnen. Was mich zum nächsten Punkt führt:
Zu den Schubladen: ja das ist einfach so. Unser Gehirn wäre komplett überfordert ohne Schubladen. Sie sollten halt nicht zu fest sein bzw. flexibel wenn erforderlich (finde ich).
Unterschiedliche Verhaltensweisen hast du hauptsächlich durch verschiedene Kulturen und Charakteren. Die Hautfarbe ansich macht da keinen Unterschied.
Beim Geschlecht ist das aber schon so, dass Männer und Frauen zu unterschiedlichen Verhalten tendieren (es ist nicht alles sozialer Einfluss).
Bei meiner Geschichte habe ich tatsächlich nachgefragt, weil der Freund in den Geschichten tatsächlich so war, wie sich kaum ein Mann benehmen würde bzw. hab ich für mich so gedacht "das muss ein Klischee Schwuler sein".
Als sie mir die Info gab, dass es eine biologische Frau ist, hat das alles viel mehr Sinn gemacht.
Zum Rest stimme ich dir größtenteils zu.
Und ja meistens ist die Info irrelevant.
Ich treffe auch öfter auf androgyne Personen. Wenn ich die dann aber frage was sie sind (weil ich z. B. interessiert bin an der Person), kann ich mich heute nicht mehr auf die Aussage verlassen.
Egal ob die Person Mann oder Frau sagt und ich direkt gefragt habe, weiß ich nicht ob ich die Information erhalten habe die ich wollte.
Direkt nach dem Geschlechtsteil fragen, kommt glaub ich nicht so gut an... aber genau diese Info brauche ich wenn ich z. B. nach nem Date fragen möchte.