Style over Stats: Warum Outfits in Spielen wichtiger sind als Werte
Schlechte Werte, aber dafür ein schickes Outfit: Wir nehmen in Spielen und sogar in der Realität echte Nachteile für coole Fashion in Kauf. Aber wieso machen wir das eigentlich?
Immer wieder stehen wir vor einer schwierigen Entscheidung: Der Boss ist besiegt, der Loot blitzt auf, und voller Vorfreude klicken wir uns nach dem Einsammeln durchs Inventar. Doch die Euphorie währt nur kurz, denn schnell stoßen wir auf ein Problem. Der Helm zerschießt uns die Frisur, der Mantel wirkt altbacken, und für diese Stiefel würden uns sogar die schludrigsten NPCs auslachen.
Was soll's, da kehren wir doch lieber wieder zu unserem alten Look zurück und nehmen dabei die rot aufleuchtenden Zahlen in Kauf. Frei nach dem Motto: Lieber stylish als perfekt ausgerüstet. Aber warum nehmen wir für ein cooles Outfit Nachteile in Kauf, sowohl in echt als auch in Spielen? Dieser Frage gehen wir auf den Grund.
In diesem Artikel
Mode im echten Leben: So viel mehr als nur Stoff
Zum Wohle des Outfits auf praktische Vorteile verzichten: Neu ist dieses Verhalten nicht, schließlich war Kleidung nie nur ein Mittel zum Zweck. Außer vielleicht in der Steinzeit, in der die Menschen in erster Linie überleben wollten, wenn sie sich mit Fellen bedeckt haben. Dennoch spielt Mode in der Realität schon lange eine wichtige Rolle.
Und damit meinen wir nicht die teils obskuren Kreationen der Haute Couture, die auf den großen Laufstegen zu sehen sind, oder schnelllebige Trends der Fast Fashion. Es geht stattdessen um den ganz persönlichen Kleidungsstil. Das hat uns Jessica Kathmann-Rosenthal erklärt. Sie ist Psychologin und Expertin für die Schnittstelle zu Games von Behind the Screens.
Kleidung ist also nicht nur eine gesellschaftliche Notwendigkeit, der wir uns im Alltag beugen müssen. Wie wir uns anziehen, ist wichtiger, als man zunächst vermuten könnte - so sehr, dass viele Menschen sogar dazu bereit sind, dafür echte Nachteile in Kauf zu nehmen.
Ihr kennt das doch bestimmt noch von früher, wenn ihr auf dem Sprung wart und eure Mutter euch hinterhergerufen hat, dass ihr doch bitte eine Jacke mitnehmen sollt. Eine Jacke? Über diesem coolen Outfit? Na, die 10 Grad draußen packt man doch locker im T-Shirt!
Natürlich würden wir niemals zugeben, dass wir uns einen abgefroren haben und lieber auf Mutti gehört hätten. Oder dass die Schuhe, die wir auf der letzten Geburtstagsfeier anhatten, tatsächlich unbequem waren. Aber sie haben eben zum Outfit gepasst! Dabei ist es egal, ob es uns in erster Linie um Zugehörigkeit oder das Transportieren der eigenen Selbstwahrnehmung nach außen geht.
Aus rein praktischer Sicht ist das Inkaufnehmen von Unbehagen zwar nicht gerade schlau. Aber: Es ist zutiefst menschlich. Und wenn uns Style im echten Leben schon wichtiger ist als Funktion, liegt es auch nahe, dass wir es in Videospielen genauso handhaben. Schließlich frieren wir uns da auch keinen ab, sondern sitzen gemütlich in Jogginghose vor dem Bildschirm.
Ausdruck durch Kleidung in Spielen
In Spielen dient unsere Figur außerdem nicht nur als Werkzeug, damit wir uns durch die virtuelle Welt bewegen können. Sie wird zu unserem eigenen Charakter - je nachdem, wie stark das Aussehen und die Persönlichkeit vorgegeben sind, in unterschiedlichem Ausmaß.
Quelle: PC Games
Die zwei Stunden im Charaktereditor waren nur der Anfang: Mit den zahlreichen Rüstungsoptionen geht der Spaß in Monster Hunter Wilds erst so richtig los.
Und wenn wir an einem Abend mehr Zeit im Charaktereditor als die gesamte Woche im Tageslicht verbracht haben, verstärkt das die im Verlauf des Spiels entstehende Bindung ebenfalls. Schließlich gehört die Figur dann von Beginn an zu uns, und das wird Stück für Stück mehr.
Dabei spielt auch Kleidung eine wichtige Rolle, und das nicht nur für den rein optischen Eindruck. Denn sie macht das Wesen unseres Charakters und sogar seinen Fortschritt viel stärker in der Spielwelt sichtbar als irgendwelche Werte.
Das ist sogar der Fall, wenn wir unsere Figur kaum zu Gesicht bekommen, zum Beispiel in First-Person-Spielen. Eigentlich könnte es uns gerade da total egal sein, wie wir rumlaufen. Aber für viele gehört das richtige Outfit trotzdem zur Spielerfahrung dazu. Auf der nächsten Seite erfahrt ihr mehr darüber, wie der Wunsch nach stylisher Ausrüstung das Verhalten beeinflusst und welche Außenwirkung so mancher Look haben kann.
