Der Einfluss von Streaming auf Spiele: Communitys & Entwicklerstudios
Streaming hat die Art, wie wir Spiele entdecken, verändert. Daraus ergeben sich nicht nur Communitys, sondern auch Chancen und Risiken für Entwickler.
Auf dieser Seite
Communitys rund um die Streams
Durch Streaming wird der Akt des Spielens auch zu einem Gemeinschaftserlebnis. Was früher ein privates Vergnügen war, wird heute öffentlich gelebt. Zuschauer können den Fortschritt aktiv erleben, mitfiebern, sich aufregen und Erfolge mitfeiern. Dadurch fühlt sich ein Spiel oft größer an, als es tatsächlich ist.
Erlebt ein Streamer beispielsweise einen besonders spannenden Bossfight, sitzen zu Hause vor den Bildschirmen tausend andere, die gespannt mitfiebern und dabei ähnliche Emotionen verspüren. Die gemeinsam erlebten Momente sind einer der größten Gründe, warum vor allem Indie-Spiele durch Streams so erfolgreich werden können.
Diese Dynamik wird zunehmend gezielt genutzt. Viele veröffentlichen Demos oder Early-Access-Versionen schon lange vor dem offiziellen Release - und das nicht nur, um bereits erstes Feedback einzuholen, sondern auch, um an Sichtbarkeit zu gewinnen. Diese früheren Versionen sind in der Regel noch weit davon entfernt, perfekt zu sein, aber das müssen sie auch nicht sein.
Außerdem kann es der Community auch das Gefühl geben, dem Projekt aktiv beim Wachsen zuzusehen und sich so verbundener zu fühlen. Währenddessen sehen die Entwickler bereits, welche Mechaniken besonders viel Freude bereiten, welche noch zu komplex wirken und wo es noch Verbesserungspotenzial gibt.
Quelle: PC Games
Cozy Games wie Animal Crossing: New Horizons sind immer wieder gern gesehene Spiele in Streams. Theoretisch könnt ihr sogar währenddessen selbst auf eurer Insel unterwegs sein und "zusammen" spielen.
Ein weiterer besonders spannender Aspekt ist, wie sehr Streaming bestimmte Nischen stärkt. Genres, die früher kaum Beachtung fanden, haben durch die vielen verschiedenen Plattformen mittlerweile ihr eigenes Plätzchen gefunden. Dazu gehören zum Beispiel Simulatoren, Cozy Games oder Hardcore-Roguelikes.
Spiele, die vielleicht nie im Mainstream ankommen würden, finden in diesen Communitys oft schnell ihr Publikum. Durch Streamer, die genau diese Genres lieben, bekommen verschiedenste Projekte, die innerhalb der Szene relevant sind, eine Bühne.
So werden Games innerhalb ihrer eigenen Nische nicht nur viel schneller entdeckt, sondern auch deutlich mehr geschätzt. Sie müssen der breiten Masse gar nicht gefallen, um erfolgreich zu sein. Es reicht, wenn sie genau die richtigen Menschen erreichen.
Ein weiterer Trend, der immer häufiger zu beobachten ist, ist die Mitgestaltung im Stream. Spiele integrieren hier Features, bei denen Zuschauer direkt ins Geschehen eingreifen können - sei es durch Abstimmungen, die das Spiel beeinflussen, zufällige Ereignisse, die vom Chat ausgelöst werden, oder durch direkte Interaktion im Game.
So wird der Stream zu einer interaktiven Bühne verwandelt und das macht Spaß - für beide Seiten. Jedenfalls meistens. Die Zuschauerschaft kann die Features teilweise nämlich auch dazu nutzen, um das Erlebnis der Streamer zu beeinträchtigen und bewusst Chaos zu stiften.
Quelle: PC Games
Hollow Knight: Silksong hat nicht nur während der langen Entwicklungszeit für Hype gesorgt. Schon kurz nach dem Launch wurde das Spiel zum Streaming-Hit.
Der ewige Zyklus
Aber auch auf einer strukturellen Ebene wird Streaming immer wichtiger. Viele Spiele werden heutzutage so gebaut, dass sie für Konsumenten länger relevant bleiben. Dafür sorgen regelmäßige Updates, saisonale Events und Erweiterungen - und die liefern natürlich auch immer wieder neues Material für Streams.
Neue Features sind ein guter Anlass für einen Creator, zu einem Spiel zurückzukehren und das Rampenlicht so wieder darauf zu richten. Dadurch entsteht ein gewisser Kreislauf: Ein Update erzeugt Streams, Streams bringen Aufmerksamkeit und diese Aufmerksamkeit führt zu mehr Käufen, durch welche die Entwickler das Spiel weiter ausbauen können.
Die Livestreams sind so zu einer Art Lebenssignal geworden. Wenn ein Spiel viel gestreamt wird, gilt es als lebendig und ist dazu fähig, weitere Spieler anzulocken. Sobald die Streams aber abnehmen, ist das für die Entwickler kein gutes Zeichen.
Für Indie-Studios, die früher nach dem Release ihrer Spiele eigentlich auf sich selbst gestellt waren, ist diese Entwicklung in der Regel eine positive Neuerung. Sie können darauf hoffen, langfristig relevant zu bleiben, oder selbst nach einiger Zeit der absoluten Stille noch entdeckt werden. Denn selbst nach mehreren Jahren kann ein einzelner Clip oder spontaner Stream ein altes Spiel wieder ins Rampenlicht katapultieren.
Das klassische Releasefenster - also die ersten paar Wochen nach der Veröffentlichung - ist nicht mehr ganz so ausschlaggebend, wie es einmal war. Spiele können langsam Stück für Stück wachsen und plötzlich einen großen Sprung hinlegen, wenn sie von einem Creator aufgegriffen werden.
Quelle: Game Seer Publishing
Twitch muss nicht immer der Ursprung für Hype sein: Half Sword wurde zum Beispiel vor allem auf Social-Media-Plattformen durch zahlreiche Clips populär.
Gleichzeitig hat der schnelle Aufstieg aber auch eine Schattenseite: Indie-Werke, die von großen Streamern entdeckt und getragen werden, können genauso schnell wieder in der Versenkung verschwinden. Wenn der Creator plötzlich weiterzieht oder der Hype nachlässt, bricht das Interesse oft so rasant wieder ein, wie es gekommen ist.
Gerade kleinere Studios spüren das deutlich - sie erleben einen kurzen, explosiven Boom, der aber schwer zu halten ist, wenn sich die Streamingwelt auf das nächste Subjekt stürzt. Das hohe Tempo macht Streaming zwar zu einer riesigen Chance, aber eben auch zu einem mindestens genauso großen Risiko.
Streams sind nicht wegzudenken
Trotz allem kann man dennoch sagen, dass Streaming die Spielekultur nicht nur verändert, sondern auch irgendwie erweitert hat. Sie geht über den Bildschirm hinaus und ist ein soziales Erlebnis, das diskutiert, bewertet und geteilt wird.
Die Streamer sind keine reinen Moderatoren, die ein Produkt vorstellen, sondern auch Vermittler, Entertainer und Übersetzer - manchmal sogar Trendsetter. Sie beeinflussen, welche Spiele gesehen werden, wie sie wahrgenommen werden und welche Genres sich weiterentwickeln.
Streaming hat nicht nur die Art verändert, wie Spiele gespielt werden. Spiele werden anders gebaut, Studios haben ihre Vorgehensweise bei der Arbeit und Vermarktung angepasst, Erfolgsmodelle haben sich verändert und auch Gaming als Ganzes fühlt sich doch etwas anders an.
Es ist heute ein fester Bestandteil der Branchen-DNA - und bisher deutet alles darauf hin, dass dieser Einfluss erst mal nicht zurückgehen wird. Aber was haltet ihr davon? Gibt es Streamer, die ihr gerne verfolgt? Findet ihr, Spiele sollten sich der Streamingbranche stärker anpassen? Lasst es uns gerne in den Kommentaren wissen!
