Wichtig oder böse "Wokeness"? Barrierefreiheit in Videospielen

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Special Andreas Schneider - Autor Lukas Schmid - Autor Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Wichtig oder böse "Wokeness"? Barrierefreiheit in Videospielen
Quelle: Andreas Schneider

In unserer großen dreiteiligen Reportage setzen wir uns mit dem Thema "Barrierefreiheit in Videospielen" auseinander. In Teil eins stellen wir die Frage: Braucht's das überhaupt?

Ubisoft hat beeindruckende Daten veröffentlicht: In den Spielen Far Cry: New Dawn und Assassin's Creed Odyssey wurden die Untertitel standardmäßig aktiviert. Etwa 97 Prozent respektive 95 Proent der Spieler ließen sie aktiviert. Im Gegensatz dazu wurde Tom Clancy's The Division 2 ohne aktivierte Untertitel gestartet, und sogar dann schalteten 75 Prozent der Spieler sie mindestens einmal ein, während 50 Prozent sie dauerhaft aktiviert ließen.

Aber wie das in der realen Welt so ist: Was gut ist für den einen, ist ein Nachteil für den anderen. Manchmal sind Untertitel auch eine Barriere, zumindest in der Art und Weise, wie sie im Großteil der Fälle implementiert werden.

So ist es zum Beispiel oft für Dennis der Fall. Er ist sehbehindert und zockt gerne, am lieben Einzelspielertitel mit tiefgründiger Story, häufig aus dem Indie-Bereich. Seine Sehkraft ist stark eingeschränkt, schnelle Multiplayer-Titel funktionieren gar nicht. Aber auch bei Indie-Titeln ohne Audioausgabe hat er manchmal Probleme. Texte auf dem Bildschirm zu lesen, fällt ihm oft schwer.

Er wünscht sich deswegen mehr Einstellungsmöglichkeiten für Texte in Videospielen. "Stardew Valley konnte ich nur nicht spielen, weil ich diese pixelige Schrift auf dem Bildschirm nicht lesen konnte. Ich hätte mir hier eine Option gewünscht, bei Bedarf eine andere, klarere Schriftart wählen zu können."

Pixelige schrift in Stardew Valley Quelle: Andreas Schneider Unser fiktiver Kommentarspalten-Schreihals hätte mit einer Option für verschiedene Schriftarten nichts verloren, Dennis aber tausende Stunden Spielspaß gewonnen. Barrierefreiheit in Spielen bedeutet nicht, irgendwem etwas wegzunehmen. Barrierefreiheit bedeutet, etwas so zu gestalten, dass auch Menschen, wie Dennis Titl wie Stardew Valley spielen können.

Wo beginnt Barrierefreiheit?

Videospiele sollen Spaß machen, und dafür müssen sie zugänglich sein. Dafür gibt es viele Komfortfunktionen: Baulisten in RTS, die verhindern, dass wir warten müssen, bis eine Einheit fertig ist, um sie noch einmal bauen zu können (wie beim ersten Command and Conquer, uff, war das nervig ...), Quest-Tracking und Kartenmarkierungen in Rollenspielen und so weiter.

Aber auch die Möglichkeit, die Schwierigkeit der Spiele einzustellen. Zu schwere Spiele sind eine Barriere, auch für nicht behinderte Spieler. Also gibt es häufig eine Option, Spiele einfacher zu machen, sodass am Ende alle Spaß haben. Ist das schon Barrierefreiheit? Ist das schon der Untergang von Videospielen, wie wir sie kennen?

Neben solchen Komfortfeatures sind Videospiele voller sogenannter "Foregiveness-Mechaniken", die helfen, dass Videospiele nicht zu frustrierend werden. Seth Coster, Game Designer bei Butterscotch Shenanigans, hat so eine Mechanik an seinem eigenen Spiel Levelhead auf der Game Developers Conference 2020 erklärt.

Levelhead ist ein Jump and Run mit integriertem Levelbuilder. Darin springt man über Hindernisse, berührt man eines davon, bedeutet das "Game Over". Soweit erst einmal nichts Besonderes. Levelhead minimiert das Risiko, zu scheitern, aber durch einen cleveren Designtrick: Der Avatar wird grafisch größer dargestellt, als er im Programmcode für die Kollisionsabfrage tatsächlich ist. Hindernisse erscheinen als spitze Quadrate, obwohl sie eigentlich abgerundete Kanten haben. So wird die Wahrscheinlichkeit reduziert, dass Spieler scheitern, auch dann, wenn sie eigentlich in Kontakt mit einem Hindernis gekommen sind.

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    • Kommentare (27)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von HonestLazyBum Mitglied
        Zitat von Kerplunk
        ist immer ein Publisher/Entwickler Problem, viele Spieleübersetzer kriegen kein Kontext oder Änderungen werden nicht weitergereicht.
        Diese Probleme kann man bei kleinen Entwicklern sofort sehen, Übersetzung beim Menü und im Spiel gleich.

        Ich weiß, ich weiß und damit ist es halt eine Kostenfrage. Macht mir aber wirklich nix, ich spiel einfach auf Englisch, sprech ich zum Glück auf Muttersprachenniveau (deutlich mehr als C2), was aber halt nunmal nicht Allen gegeben ist und wo ich sagen muss: es tut mir leid um die verlorengehenden Details und derlei in Spielen für diejenigen, die sie nur lokalisiert spielen können, so wie beispielsweise mein Schwiegervater. Der ist zwar ein Technik-Ass aber Englisch ist für ihn eine Aliensprache, kann ich aber auch verstehen da ehemaliger Volksschüler.

        Was echt bitter ist, ist wenn es große wirklich finanzkräftige Studios verkacken bei simpelsten Dingen. Mein ewiges Lieblingsbeispiel ist Star Wars Knights of the Old Republic, ein Giga-Etat MMO. In einem "Dungeon" bekämpft man einen Miniboss. Dieser heißt im Englischen "Handler Gattan", weil er halt Tiere zur Unterstützung hat, also ein animal handler ist. Im Deutschen... Händler Gattan. Digger, das macht einfach keinen Sinn :D

        Zitat von Kerplunk
        hast Du FromSoftware mal angeschrieben, ob solche Optionen im neuen Spiele möglich wären?
        Ney, hab ich noch nicht, da ich befürchte dass der Frustfaktor ja Teil des grundlegenden Spielprinzips ist und das ist auch okay für diejenigen, die das ab haben können aber ich kanns nicht so gut und dazu gehören halt auch entsprechende "overloads" nenn ichs mal. Wär aber vielleicht eine Idee wert.
      • Von HonestLazyBum Mitglied
        Zitat von Kerplunk
        ist immer ein Publisher/Entwickler Problem, viele Spieleübersetzer kriegen kein Kontext oder Änderungen werden nicht weitergereicht.
        Diese Probleme kann man bei kleinen Entwicklern sofort sehen, Übersetzung beim Menü und im Spiel gleich.

        Ich weiß, ich weiß und damit ist es halt eine Kostenfrage. Macht mir aber wirklich nix, ich spiel einfach auf Englisch, sprech ich zum Glück auf Muttersprachenniveau (deutlich mehr als C2), was aber halt nunmal nicht Allen gegeben ist und wo ich sagen muss: es tut mir leid um die verlorengehenden Details und derlei in Spielen für diejenigen, die sie nur lokalisiert spielen können, so wie beispielsweise mein Schwiegervater. Der ist zwar ein Technik-Ass aber Englisch ist für ihn eine Aliensprache, kann ich aber auch verstehen da ehemaliger Volksschüler.

        Was echt bitter ist, ist wenn es große wirklich finanzkräftige Studios verkacken bei simpelsten Dingen. Mein ewiges Lieblingsbeispiel ist Star Wars Knights of the Old Republic, ein Giga-Etat MMO. In einem "Dungeon" bekämpft man einen Miniboss. Dieser heißt im Englischen "Handler Gattan", weil er halt Tiere zur Unterstützung hat, also ein animal handler ist. Im Deutschen... Händler Gattan. Digger, das macht einfach keinen Sinn :D

        Zitat von Kerplunk
        hast Du FromSoftware mal angeschrieben, ob solche Optionen im neuen Spiele möglich wären?
        Ney, hab ich noch nicht, da ich befürchte dass der Frustfaktor ja Teil des grundlegenden Spielprinzips ist und das ist auch okay für diejenigen, die das ab haben können aber ich kanns nicht so gut und dazu gehören halt auch entsprechende "overloads" nenn ichs mal. Wär aber vielleicht eine Idee wert.
      • Von Gast1727989802 Mitglied
        Zitat von HonestLazyBum
        Aber apropos Untertitel. Es gibt eine spezielle Hölle für diejenigen die ungenau sind, noch schlimmer sind nur Übersetzungen (denn die sind fast immer ungenau), denn ich bin ein Pedant vor dem Herrn wenn's um Sprache geht.
        ist immer ein Publisher/Entwickler Problem, viele Spieleübersetzer kriegen kein Kontext oder Änderungen werden nicht weitergereicht.
        Diese Probleme kann man bei kleinen Entwicklern sofort sehen, Übersetzung beim Menü und im Spiel gleich.
        Zitat von HonestLazyBum
        ist einer der Gründe wieso ich beispielsweise keine from software Titel spiele und auch keine Spiele mit blitzschnellen Reaktionen in kurzer Folge wie z.B. Rhythmusspiele , auf den Frust hab ich keinen Bock.
        hast Du FromSoftware mal angeschrieben, ob solche Optionen im neuen Spiele möglich wären?
      • Von HonestLazyBum Mitglied
        Cool.

        Ich bin einer der knapp 10%. Wisst ihr, was ich scheiße finde? So richtig scheiße? Wenn ich mir reinziehen muss, dass sich Leute primär an der (falschen!) Zuordnung zum Thema woke stören, aber weniger daran, wie sehr das Ganze zu einem Möchtegernkulturkampf hochstilisiert wird und auch hier eifrige Anhänger findet.

        Wisst ihr was? Steckts euch sonstwo hin. Der Artikel hat zweifelsfrei große Probleme, eben besagte Zuordnung, ja. Aber dafür gleich wieder dieselben ollen Kamellen aus dem Handbuch des "Wie nehm ich an Kulturkampfaufruf XY teil" ist genauso wenig förderlich. Meine Fresse, kommt mal klar. So, nu zum eigentlichen Thema:

        Ich aktiviere grundsätzlich immer Untertitel. Wieso? Weil ich es einfach angenehm finde, das gilt für Serien und Filme genauso wie für Spiele und ich bin nicht sehbehindert. Aber ich mags nicht, wenn ich Details nicht mitgkriege weil mal wieder jemand genuschelt hat oder, in Spielen mein Favorit, WÄHREND ACTIONSEQUENZEN mir wichtige/interessante Colour-Kommentare gibt die ich gerne mitkriegen würde (Ja, GTA V, ich meine dich - aber nicht nur). Da hätt ich gern ein Log in dem ich das zumindest nachlesen könnte. Aber apropos Untertitel. Es gibt eine spezielle Hölle für diejenigen die ungenau sind, noch schlimmer sind nur Übersetzungen (denn die sind fast immer ungenau), denn ich bin ein Pedant vor dem Herrn wenn's um Sprache geht.

        Eine Option die ich gerne hätte, wäre dass ich optional nicht mit Multitasking bzw. starken Aufmerksamkeitsproblemen kämpfen müsste. Es ist nicht so, als ob ich eine niedrige Spanne hätte, ganz im Gegenteil. Das Problem ist, dass ich seit meiner klitzekleinen Gesundheitseskapade einfach dicht mache, wenn mich etwas akut überfordert. So richtig mit "nope, nein, nö, neinneinnein ich seh es nicht, ich hör es nicht noooope". Da wäre es nett sowas vermeiden zu können, ist einer der Gründe wieso ich beispielsweise keine from software Titel spiele und auch keine Spiele mit blitzschnellen Reaktionen in kurzer Folge wie z.B. Rhythmusspiele , auf den Frust hab ich keinen Bock.

        Dieser Kommentar wurde geschrieben auf meiner höhenangepassten Couch an die ich täglich mit meinem Rollstuhl gefahren werde und auf die ich dann per Rutschbrett transferiere. Ebenso gehts dann in revers zurück aufs gemütliche Pflegebett für die Nacht. 24/7 Betreuung hab ich durch meine, im Übrioigen autistische, Verlobte die das "mal eben so" nebenbei wuppt und natürlich alles im Haushalt macht weil, tjo, ich kann weder stehen noch gehen.

        Fazit:

        Lasst diesen woke-Scheiß und damit meine ich die Beteiligung am Debattieren darüber, doch einfach sein. Inklusion ist cool für Alle und meinetwegen kanns für diejenigen, die sich an LGBTQIA+ oder anderskulturellen Mitmenschen stören ja auch Optionen geben, diese auszuschalten und zu ersetzen. Dann gerne durch , damit auch die Schneeflöckchen die sich davon gestört fühlen, dass Andere marginalisiert werden, sich nicht mehr marginalisiert fühlen. Muss ein schreckliches Gefühl sein. Furchtbar, ich bin als weißer Mann wirklich ganz gaaaaanz kurz vor dem Exitus, ich sag et euch!

        So. Feddich.
      • Von ZgamerZ Gelegenheitsspieler/in
        Zitat von Bast3l
        Hier ist noch einer, nicht so unbekannt das Spiel: [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen]
        Stimmt.

        Als ich meinen PC aus hatte und beim rausgehen an meiner Spielesammlung vorbeigegangen bin, ist er mir auch eingefallen als ich GTA V dazwischen gesehen habe. 8)

        Er ist zwar auch eher ein Nebendarsteller, aber immerhin weitaus mehr als die beiden die mir spontan eingefallen sind. Der Opa und der Mechaniker sind nur Statisten und Nebenquestgeber. Der Kollege hier hat umfangreiches Writing und tatsächlich einen wichtigen Platz in der Story.
      • Von Bast3l Hobby-Spieler/in
        Zitat von ZgamerZ
        Ich kann mich jetzt gerade nur an zwei Rollstuhlfahrer erinnern: Den Arche-Mechaniker aus RAGE und den Hillbillie-Opa aus Borderlands 2. Ansonsten hat gerne mal jemand ne Roboterprothese, die aber genauso funktioniert wie die normalen Körperteile, und deshalb: Tadaaaa! Wir haben wen drin dem ein Arm oder Bein fehlt! Wir sind inklusiv!"

        Ganz schön UN-WOKE :B
        Hier ist noch einer, nicht so unbekannt das Spiel: [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen]
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