Immersion in Videospielen: Wie realistisch müssen Spiele sein?

9
Special Manuel Zippl - Autor Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Immersion in Videospielen: Wie realistisch müssen Spiele sein?
Quelle: mobygames

Zwischen Kunst und Kontroverse: Wie Videospiele Immersion erzeugen, warum Krieg als Setting so häufig genutzt wird und wo moralische Fragen im modernen Gaming 2026 entstehen.

Dass Videospiele eine Form von Kunst sind, hat sich mittlerweile bei vielen als anerkannter Fakt in der Gaming-Landschaft eingebürgert. Als solche hat es verschiedene Daseinszwecke, die sich auch in diversen Spielereihen widerspiegeln. Darunter etwa die kritische Auseinandersetzung mit der Gesellschaft in Persona oder BioShock, die Reflexion historischer Ereignisse in Assassin's Creed oder Total War, das Vermitteln von Schönheit in Journey oder ABZÛ sowie das bloße Ausdrücken von Gefühlen im Allgemeinen.

Gerade der letzte Punkt ist essenziell, um Videospiele von einem stumpfen Zeitvertreib zu einer Form der Kunst zu erheben. Im besten Fall lösen sie beim Spieler eine Gefühlsreaktion aus, regen ihn zum Nachdenken an oder verändern seinen Blick auf bestimmte Sachverhalte nachhaltig.

Setzt man sich mit der emotionalen Bindung auseinander, die ein Spieler zu einem Spiel aufbaut, stößt man früher oder später auf den Begriff Immersion. Häufig werden hochgelobte Titel von Kritikern und Gamern als immersiv bezeichnet. Die Frage, was genau hinter diesem abstrakt erscheinenden Begriff steckt und wie sich Immersion in der Gaming-Landschaft manifestiert, ist ein relevantes, aber oft missverstandenes Thema im Bereich der Spieleentwicklung.

Was versteht man unter Immersion?

Um nachvollziehen zu können, wie ein heikles Thema wie Krieg glaubwürdig in ein Spiel eingebaut werden kann, muss man zuerst etwas ausholen, um den Begriff Immersion im Allgemeinen zu verstehen.

Immersion ist im Grunde nur ein fachsprachliches Wort für "Eintauchung". Es beschreibt den psychologischen Effekt, den Menschen erleben, wenn sie sich so stark in eine fiktive Welt hineingezogen fühlen, dass die reale Welt zumindest für einen Moment in den Hintergrund gerät. Im Unterschied zu anderen Medien ist es dem Konsumenten bei Videospielen möglich, die fiktive Umgebung zu beeinflussen und sich in ihr wiederzufinden, wodurch das Gefühl des Eintauchens noch intensiver entsteht. Dieser Effekt ist bei Virtual Reality (VR) naturgemäß am stärksten, kann aber auch bei traditionellem Gaming mit Maus und Tastatur beziehungsweise Controller beobachtet werden.

Bei Virtual Reality ist der Effekt der Immersion naturgemäß am stärksten. Quelle: pexels Bei Virtual Reality ist der Effekt der Immersion naturgemäß am stärksten. Der Effekt feiert dieses Jahr tatsächlich sein 100-jähriges Jubiläum: Bereits 1926 wurde er vom Journalisten Ludwig Kapeller beschrieben, der - ohne den Begriff zu verwenden - davon sprach, wie damals noch zukünftige Fernsehübertragungen Erlebnisse ermöglichen würden, die man nur durch das Drücken eines schwarzen Knopfes mit allen Sinnen erfassen könne.

Bei Immersion handelt es sich um ein persönliches, relatives und vielschichtiges Erlebnis. Wie immersiv ein Spiel wirkt, hängt letztendlich von der Persönlichkeit des Spielers und seinen Empfindungen ab. Trotzdem gibt es im Bereich der Videospielentwicklung ein paar Indikatoren bei der Gestaltung eines Spiels, die sich positiv auf die wahrgenommene Immersion des Spielers auswirken können. Aber eins nach dem anderen.

9
  1. Seite 1 Immersion - Wenn Spiele zu Kunst werden
  2. Seite 2 Was Immersion wirklich ausmacht
  3. Seite 3 Mythen über Immersion & das moralische Dilemma Krieg
  4. Seite 4 Krieg als Immersionsmotor - Chancen und Verantwortung
    • Kommentare (9)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Weedotastisch Hobby-Spieler/in
        Zitat von Orkhammer
        Welches erste Doom meinst du?
        Das tatsächlich erste oder das 2016er Doom?
        Das zum Besipiel hat mich mit seinen Glory-Kills und dem ganzen Gedöns nicht abgeholt. Doom Eternal dann gleich gar nicht. War mir zu viel Herum-Gehopse und zu viele Arena-Fights. The Dark Ages hab ich ganz ausgelassen.
        Aber ich bin auch jemand der sagt, das letzte gute Doom war Teil 3. Das sehen auch viele nicht so.
        Das erste und das zweite aus den 90ern (ich bin allerdings auch ein klassisches Boomershooter Opfer, sind halt leider, immer noch, geil). Die "neuen" Doom sind aber auch sehr geil gemacht. Da haben se die Reihe Anno 2016 gut neu auf den Weg gebracht.
      • Von Weedotastisch Hobby-Spieler/in
        Zitat von Orkhammer
        Welches erste Doom meinst du?
        Das tatsächlich erste oder das 2016er Doom?
        Das zum Besipiel hat mich mit seinen Glory-Kills und dem ganzen Gedöns nicht abgeholt. Doom Eternal dann gleich gar nicht. War mir zu viel Herum-Gehopse und zu viele Arena-Fights. The Dark Ages hab ich ganz ausgelassen.
        Aber ich bin auch jemand der sagt, das letzte gute Doom war Teil 3. Das sehen auch viele nicht so.
        Das erste und das zweite aus den 90ern (ich bin allerdings auch ein klassisches Boomershooter Opfer, sind halt leider, immer noch, geil). Die "neuen" Doom sind aber auch sehr geil gemacht. Da haben se die Reihe Anno 2016 gut neu auf den Weg gebracht.
      • Von Orkhammer Hobby-Spieler/in
        Zitat von Weedotastisch
        Der Witcher 1 ist z.B. das beste Spiel der Reihe
        Uii, das bist du der Erste den ich kenne, der das sagt.
        Meine Reihenfolge aufsteigend: 1, dann 2 und mit ziemlichem Abstand dann der 3. Teil.

        Zitat von Weedotastisch
        Anderseits wollte ich das neue Doom nachholen, das Mittelalterzeug ist ne geile Idee, ich zock aber grad das erste auf der Swich2, weil es mich voll abholt.
        Welches erste Doom meinst du?
        Das tatsächlich erste oder das 2016er Doom?
        Das zum Besipiel hat mich mit seinen Glory-Kills und dem ganzen Gedöns nicht abgeholt. Doom Eternal dann gleich gar nicht. War mir zu viel Herum-Gehopse und zu viele Arena-Fights. The Dark Ages hab ich ganz ausgelassen.
        Aber ich bin auch jemand der sagt, das letzte gute Doom war Teil 3. Das sehen auch viele nicht so.
      • Von Neawoulf Mitglied
        Immersion und Realismus sind für mich an sich auch zwei verschiedene Dinge, auch wenn beide sehr gut miteinander harmonieren. Der Realismus (Physik, echte Fahr- und Flugzeuge usw.) in einer guten Flug- oder Fahrsimulation hilft auf jeden Fall bei der Immersion. Nicht nachvollziehbare Physik dagegen würde die Immersion zerstören, zumindest bei Spielen bei denen diese Spielmechaniken im Vordergrund stehen.

        Anders sieht es bei nem Shooter, Adventure, Action Adventure oder sowas aus. Grafik, eine glaubwürdige lebendige Spielwelt, passende Soundkulisse und viele Interaktionsmöglichkeiten und Arten, wie die Spielwelt auf einen reagiert können solche Spiele sehr immersiv machen, auch unabhängig vom Realismus.

        Umgekehrt ist z. B. Workers & Resources: Soviet Republic eine sehr detaillierte und realistische Stadtbausimulation. Aber Immersion ist da nicht wirklich ein Thema.

        Im Endeffekt geht es meiner Meinung nach bei Immersion einfach darum, dass einen etwas so sehr "umschließt" beim Spielen, Lesen, Anschauen etc., dass man für die Dauer des Konsums Zeit und Raum um sich herum vergisst. Das ist eine sehr subjektive Sache und kann bei jedem anders aussehen.

        Realismus dagegen ist objektiv beweisbar. Da müssen Zahlen und andere Daten stimmen.

        Immersion = Emotion, subjektiv
        Realismus = Mathematik, objektiv
      • Von Weedotastisch Hobby-Spieler/in
        Zitat von Orkhammer
        Findest du wirklich, dass der Grad der Immersion automatisch im umgekehrt proportionalem Verhältnis zur Grafik steht?
        Ich finde, das hat miteinander überhaupt nichts zu tun.
        Dann müsste ja ein Witcher 2 weniger immersiv sein als ein Witcher 1 und ein Witcher 3 deutlich weniger immersiv als die Teile 2 und 1 oder ein KCD 2 ebenso gegenüber dem ersten Teil.
        Es mag durchaus Spiele geben, da trifft das zu, dass ein Nachfolger oder allgemein neue Spiele mit hübscherer Optik weniger immersiv sind oder einem so erscheinen als Vorgänger oder ältere Vertreter des gleichen Genres, aber das liegt dann bestimmt nicht an der Grafik, sondern an vielen anderen Dingen, die in den älteren Spielen besser gemacht wurden.
        Wie gesagt, das kannst schlecht beurteilen. Der Witcher 1 ist z.B. das beste Spiel der Reihe, weil es von der Atmo einfach fett abliefert. Der zweite Teil sieht viel besser aus und spielt sich auch einfach geiler, ist aber nicht mehr so ein Brett. Der dritte Teil ist ja ja endsgeil und besser als der zweite Teil.

        Kopfkino ist da glaub ich entscheidend. Wenn das Spiel und die Atmo stimmt zieht das einen mehr rein als gute Grafik. Es geht aber auch beides, schau Dir Cyberpunk 2077 oder ein Kongdome Come an.

        Die Geschichte, welche sich die Spieler selber dazu machen ist wohl "immersionsentscheidend". Bei nem Doom oder nem Fifa brauch ich jetzt keine tolle Story für die "Immersion", da ist es eher wieder die Grafik. Anderseits wollte ich das neue Doom nachholen, das Mittelalterzeug ist ne geile Idee, ich zock aber grad das erste auf der Swich2, weil es mich voll abholt.

        Das mit der Grafik ist die Idee von Realität in der Digitalität und daß das irgendwann mal verschmilzt. Nun wird erschreckt festgestellt, daß egal was man tut, die Fiktionalität in ihrer (versuchten) Perfektion niemals das Begehren nach der unperfekten Realität verdrängen kann. Ist wohl wie mit Frauen. :D :D :D
      • Von Orkhammer Hobby-Spieler/in
        Zitat von Weedotastisch
        Anbei, je besser die Grafik wird, desto weniger "immersiv" wird ein Spiel.
        Findest du wirklich, dass der Grad der Immersion automatisch im umgekehrt proportionalem Verhältnis zur Grafik steht?
        Ich finde, das hat miteinander überhaupt nichts zu tun.
        Dann müsste ja ein Witcher 2 weniger immersiv sein als ein Witcher 1 und ein Witcher 3 deutlich weniger immersiv als die Teile 2 und 1 oder ein KCD 2 ebenso gegenüber dem ersten Teil.
        Es mag durchaus Spiele geben, da trifft das zu, dass ein Nachfolger oder allgemein neue Spiele mit hübscherer Optik weniger immersiv sind oder einem so erscheinen als Vorgänger oder ältere Vertreter des gleichen Genres, aber das liegt dann bestimmt nicht an der Grafik, sondern an vielen anderen Dingen, die in den älteren Spielen besser gemacht wurden.
      Direkt zum Diskussionsende
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 07/2026 PCGH Magazin 08/2026 play5 08/2026 N-Zone 07/2026 Linux Magazin 08/2026 LinuxUser 08/2026 Raspberry Pi Geek 09/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk