Geht nicht, Phantomdiebe! - warum ich mich so schwer von meinen Spielen trennen kann

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Special Annika Menzel - Redakteurin Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Geht nicht, Phantomdiebe! - warum ich mich so schwer von meinen Spielen trennen kann
Quelle: Atlus/Sega, PC Games

Der Abschied von Spielen kann ziemlich weh tun. Schuld daran sind vor allem die Bindungen, die man zu den fiktiven Charakteren aufbaut.

Echte Kontakte sollten zwar auf Dauer nicht dadurch ersetzt werden, allerdings haben sie durchaus das Potenzial, ähnliche Bedürfnisse zu befriedigen. Allerdings sollten die parasozialen Beziehungen keine übertriebenen Ausmaße annehmen, damit die Effekte nicht ins Negative abrutschen.

Denn eine schiere Obsession mit einem eigentlich fremden Menschen oder fiktiven Charakter kann ab einem gewissen Punkt doch ungesund werden. Und falls ihr wie ich seid und bei fast jedem Spiel, Buch und Film sofort die Charaktere ins Herz schließt, keine Panik:

Ihr geht nicht automatisch eine parasoziale Beziehung ein, nur weil ihr jemanden sympathisch findet. Denn dafür ist stets ein erhöhtes Maß an einseitigem, emotionalem Investment vonnöten.

Immersion oder lieber Empathie?

Da dieses Konzept auch bei fiktiven Figuren vorkommt, finden wir es folglich auch bei Videospielen wieder. Allerdings mit einem bedeutenden Unterschied: Während wir bei Büchern, Filmen und Serien lediglich Zuschauer sind und die Handlung von außen betrachten, sind wir bei Spielen ins Geschehen involviert.

Kasumi neben ihrer Persona Quelle: Atlus Persona 5 Royal Dadurch entstehen auf natürliche Weise mehr Interaktionen, als es bei anderen Medien der Fall ist - schließlich redet der Protagonist eines Romans beispielsweise nicht mit euch. Zumindest in der Regel nicht.

Auch wenn sich die Dialoge an unsere Spielfiguren und nicht wirklich an uns richten, können wir mal mehr, mal weniger von unserer eigenen Persönlichkeit durchscheinen lassen. So oder so erleben wir alles aus erster Hand und können uns dadurch direkt angesprochen fühlen, wenn andere Charaktere mit uns ins Gespräch kommen.

Manche Spiele entscheiden sich bewusst dafür, den Protagonisten möglichst unauffällig zu halten. Dadurch wird es den Spielern ermöglicht, sich selbst besser in die Hauptfigur hineinzuprojizieren und sich so stärker selbst im Geschehen wiederzufinden.

Ein Beispiel dafür ist Joker aus Persona 5, der bis auf wenige Ausnahmen nicht einmal synchronisiert wurde - eine Designentscheidung, auf die besonders JRPGs gerne zurückgreifen. Außerdem habt ihr zumeist mehrere Dialogoptionen, die zwischen freundlich und frech rangieren und euch die Möglichkeit geben, nach euren eigenen Präferenzen zu handeln.

Mehrere Charaktere aus Red Dead Redemption 2 Quelle: Rockstar Games Red Dead Redemption 2 Wenn ihr dann also in Form von Joker mit euren Schulfreunden abhängt und gemeinsam die Welt vor korrupten Erwachsenen rettet, wachsen die Gruppenmitglieder mit der Zeit wahrscheinlich nicht nur ihm, sondern auch euch immer weiter ans Herz.

Allerdings ist ein stummer, eher charakterloser Protagonist keine Grundvoraussetzung dafür, sich mit den anderen Charakteren anzufreunden, ganz im Gegenteil. Eine klassische, ausgearbeitete Hauptfigur, wie wir sie auch bei Büchern oder Filmen erwarten, kann ebenfalls zur Bezugsperson in einer parasozialen Beziehung werden.

Wenn ihr beispielsweise in die Rolle von Arthur aus Red Dead Redemption 2 schlüpft, fungiert er nicht nur als Marionette, um euren Willen im Wilden Westen durchzusetzen. Ihr lernt ihn genauso gut kennen, wenn nicht sogar besser, wie es auch bei den anderen anwesenden Charakteren der Fall ist.

Und nicht nur das: Ihr durchlebt gemeinsam mit ihm in Echtzeit seine Gedankengänge, seine Unsicherheiten und seine Handlungsentscheidungen, was euch mit so einem stark ausgeprägten Charakter ebenfalls zusammenschweißen kann. Wenn man bedenkt, wie viele Stunden oft in eine derartige Erzählung fließen, verbringen wir erstaunlich viel Zeit gemeinsam mit den Protagonisten.

Trotz der in jeglicher Hinsicht fundamentalen Unterschiede zwischen den beiden Titeln haben Persona 5 und Red Dead Redemption 2 eine große Gemeinsamkeit: Beide Spiele sorgen für ein ausgeprägtes Gefühl der Gruppenzugehörigkeit. Und gerade, wenn man im realen Leben nicht über etwas Vergleichbares verfügt, kann es einem viel Trost spenden, in einer virtuellen Welt dazuzugehören.

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    • Kommentare (5)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Gast1754039402 Mitglied
        Zitat von Nevrion
        Ich meinte das eine Ende was man über Phantom Liberty frei schalten konnte. Das geht zwar halbwegs gut für V aus, aber dafür bekommt man halt keine Judy.
        Ach dieses Ende im DLC.
        Das hatte ich nicht beim ersten Mal, muss ich mal ausprobieren.
      • Von Gast1754039402 Mitglied
        Zitat von Nevrion
        Ich meinte das eine Ende was man über Phantom Liberty frei schalten konnte. Das geht zwar halbwegs gut für V aus, aber dafür bekommt man halt keine Judy.
        Ach dieses Ende im DLC.
        Das hatte ich nicht beim ersten Mal, muss ich mal ausprobieren.
      • Von Nevrion Spiele-Kenner/in
        Zitat von LaserFocus
        Du kannst eine Beziehung mit Judy eingehen und im Nomanden-Ende gemeinsam mit ihr und den Aldecaldos Night City verlassen. Vorausgesetzt, man wählt dieses Ende. Oder was meinst du?
        War mein erstes Ende im Spiel. Das zweite Ende zusammen mit Panam. Finde die beiden für mich als am besten.
        Ich meinte das eine Ende was man über Phantom Liberty frei schalten konnte. Das geht zwar halbwegs gut für V aus, aber dafür bekommt man halt keine Judy.
      • Von Gast1754039402 Mitglied
        Zitat von Nevrion
        Bei Judy aus Cyberpunk 2077 hab ich es zum Beispiel nicht übers Herz gebracht, trotz eines eigentlich verträglichen Ende für V, dieses auch für das Ende des Spiels zu akzeptieren, weil es dazu führte, dass man am Schluss nicht mit ihr zusammen das Ende verbringen würde. Die Motivation: nach all der Zeit mit ihr wollte ich mich schon belohnt dafür wissen und nicht das wichtigste verlieren, was man sich vorher aufgebaut hat.
        Du kannst eine Beziehung mit Judy eingehen und im Nomanden-Ende gemeinsam mit ihr und den Aldecaldos Night City verlassen. Vorausgesetzt, man wählt dieses Ende. Oder was meinst du?
        War mein erstes Ende im Spiel. Das zweite Ende zusammen mit Panam. Finde die beiden für mich als am besten.
      • Von Schalkmund Nerd
        Persona 5 hat sich doch ganz schön in die Länge gezogen, am Ende war ich froh als es vorbei war. Noch mehr Zeit hätte ich jetzt nicht mit dem Spiel oder den Charakteren verbringen wollen.
      • Von Nevrion Spiele-Kenner/in
        Dass ich mich mit den spielbaren Protagonisten eines Spiels so tief verbunden fühle, dass ich da tiefergehende wie auch immer geartete Beziehung dazu aufbaue, passiert mir eher gar nicht oder so selten, dass es nicht der Rede wert wäre. Meistens tritt die virtuelle Zuneigung eher mit virtuellen Gefährten auf. Ob nun Tali, Kasumi und Zaeed aus der Mass Effect Reihe oder Merrill aus Dragon Age 2, Sera aus Dragon Age 3, Aerie und Edwin aus Baldurs Gate 2 oder auch Judy aus Cyberpunk 2077 oder Quiet aus Metal Gear Solid 5 - ja, es gibt diese Charaktere, die man immer wieder gerne sieht.

        Bei Judy aus Cyberpunk 2077 hab ich es zum Beispiel nicht übers Herz gebracht, trotz eines eigentlich verträglichen Ende für V, dieses auch für das Ende des Spiels zu akzeptieren, weil es dazu führte, dass man am Schluss nicht mit ihr zusammen das Ende verbringen würde. Die Motivation: nach all der Zeit mit ihr wollte ich mich schon belohnt dafür wissen und nicht das wichtigste verlieren, was man sich vorher aufgebaut hat.

        Solche Spielerlebnisse können einerseits an Romanzen-Features liegen, denn da öffnet man sich oft ja eh ein Stück weit dafür oder weil man sich mit bestimmten fiktiven Charakter einfach stets gut unterhalten fühlt. Am Ende, wenn der Abspann läuft, wünscht man sich dann sicher noch, nur diesen einen DLC noch, mit dem man noch mal ein paar weitere Spielstunden mit besagten Begleitern verbringen kann, aber normalerweise empfindet man das wie nach einem guten Buch wo man für sich weiß, dass man seine Freizeit erfüllend gestaltet hat.
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