Zwischen Porno und Pick-me: Ich will mehr richtig gute Girly Games!

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Kolumne Annika Menzel - Redakteurin Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Zwischen Porno und Pick-me: Ich will mehr richtig gute Girly Games!
Quelle: PC Games

In den 2000ern gab es Girly Games im Überfluss, heute sind sie kaum noch zu finden. Redakteurin Anni wünscht sich schon lange mehr AAA-Prinzessinnen mit viel Charme, Glitzer und Budget.

Da habe ich allerdings ein dickes, fettes Pet Peeve und das sind weibliche Charaktere, die ja ganz anders als alle anderen Mädchen oder Frauen sind. Besonders schlimm sind in der Hinsicht die Fantasy-Jugendbücher aus dem letzten Jahrzehnt, bei der sich erschreckend viele weibliche Hauptfiguren dadurch auszeichnen, dass sie kein Rosa mögen und lieber mit den Jungs abhängen.

Diese Pick-me-Girls, wie die Jugend von heute solche Stereotypen nennt, sind letztendlich auch nur ein Symptom von internalisierter Misogynie, doch dieses Fass möchte ich gar nicht aufmachen. Mir geht es in diesem Zusammenhang nur darum, dass nichts falsch daran ist, die Prinzessin auch mal Prinzessin sein zu lassen und sie nicht zur Rechtfertigung ihrer Existenz undercover in die Rittergarde einzuschleusen.

Eines meiner Traumspiele ist daher ein richtiges Rollenspiel, in dem ich in so eine royale Rolle schlüpfen darf und mein Kleiderschrank besser ausgestattet ist als die Waffenkammer. Statt des düsteren und schmutzigen, wenn auch realistischen, Mittelalters möchte ich lieber das Gefühl haben, als würde ich gerade durch die farbenfrohe Welt eines Barbie-Films laufen.

Die Prämisse bedeutet deshalb ja nicht gleich langweiliges Gameplay. Spiele wie Princess Peach: Showtime! oder The Legend of Zelda: Echoes of Wisdom sind mit gutem Beispiel vorangegangen und haben mit ihren besonderen Spielmechaniken gezeigt, wie so etwas aussehen und trotzdem Spielspaß bieten kann.

The Legend of Zelda: Echoes of Wisdom Quelle: PC Games The Legend of Zelda: Echoes of Wisdom Von Intrigen am Hof, denen sich in vielen Dialogen gestellt werden muss, über eine Abenteuerhandlung bis hin zur royalen Dating-Simulation ist alles möglich - und vieles kombinierbar. Ich habe ja auch nichts gegen das Kämpfen, solange sich die Prinzessin sich nicht nachts aus dem Fenster schleicht und heimlich trainieren geht, weil das so viel cooler ist als ihre eigentlichen Verpflichtungen.

Gebt mir einen plausiblen Grund und ausreichend Zeit zum Herumtollen zu Beginn, dann tausche ich im Laufe des Spiels auch gerne die hübschen Kleider ein, um für mein Volk zu kämpfen und dann in einem klassischeren Videospielsetting zu landen.

Alternativ freue ich mich auch sehr über eine entsprechende Lebenssimulation wie bei den Sims, bloß eben in prunkvollen Schlössern. Einen vorsichtigen Schritt in die Richtung hat EA in der Vergangenheit mit Die Sims: Mittelalter ja bereits getan, aber ich finde, es fehlt definitiv noch ein bisschen Pink in der Spielwelt - da darf gerne absolut übertrieben werden!

Alles Ansichtssache

Liebe Spieleentwickler, solltet ihr mich irgendwann erhören und mir die Kindheitsträume erfüllen wollen: Tut das bitte nicht im Chibi-Look! Ein bisschen Anime- oder Comic-Stil ist völlig in Ordnung, aber im Zweifelsfall ist mir realistische Grafik sehr viel lieber als die kleinen Figuren, wie man sie aus jedem zweiten Cozy Game kennt.

Nikki steht vor einer Hauswand mit Blumen Quelle: PC Games Infinity Nikki Ich probierte mich in den letzten Jahren durch einige Spiele und fand zwar oft Aspekte, die mir gefielen, aber kaum mal ein passendes Gesamtpaket. Zum Beispiel fand ich die Magical Girls bei Blue Reflection aufgrund der Persona-Vibes spannend, insgesamt habe ich mich dann allerdings doch ziemlich gelangweilt.

Und fangen wir gar nicht erst von den Hentai-Spielen an, die mir bei meiner unschuldig gemeinten Suche immer wieder begegnet sind. Ich wünsche mir etwas, das irgendwo zwischen Porno und Pick-me liegt und trotzdem liebevoll und mit vernünftigem Budget produziert wurde.

Dafür nehme ich sogar in Kauf, mich mit meinen Wünschen hier auf dünnes Eis zu begeben. Öffentlich zuzugeben, dass ich mir mehr gute Girly Games wünsche, während ich hier mit meinem rosa Kitty-Headset sitze, kostet eine gewisse Überwindung. Und löst den Drang aus, euch zu erzählen, was ich ansonsten in letzter Zeit gespielt habe, um nicht als "Gamer Girl" abgestempelt zu werden.

Dabei ist das Interesse an klischeehaft mädchenhaften oder femininen Dingen nichts, wofür sich irgendjemand schämen muss, egal, ob es um Videospiele oder etwas anderes geht. Also werde ich das auch nicht tun und freue mich stattdessen über Spielempfehlungen, falls ihr euch jetzt beim Lesen gedacht habt: Moment, da habe ich doch mal was gesehen!

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    • Kommentare (6)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von TheBadWolf Hobby-Spieler/in
        Diese Spiele sind definitiv nichts für mich. Aber der Artikel ist super geschrieben und es hat Spass gemacht ihn zu lesen.
      • Von TheBadWolf Hobby-Spieler/in
        Diese Spiele sind definitiv nichts für mich. Aber der Artikel ist super geschrieben und es hat Spass gemacht ihn zu lesen.
      • Von OldShatterhand Mitglied
        Musste erstmal goggeln, was Pick Me schon wieder sein soll. Bei den vielen dämlichen Tik Tok-Begriffen verliert man langsam die Übersicht.
      • Von SethWinterstein Mitglied
        Pick me Girls sind Online vor allem eine Abwertung gegenüber Frauen, die sich erlauben nicht mit dem Strom zu schwimmen und die Meinung männlicher Personen vertreten. Also bspw. Frauen die meinen, sie möchten gerne einen kurvigen weiblichen Charakter, der durchaus auch Haut zeigt oder die sich kritisch gegenüber #MeToo zeigt und Ähnliches, bei dem Stereotyp eigentlich Mädchen/Frau eine bestimmte Meinung vertreten soll, es aber nicht tut. Pick Me ist da je nach Kontext das weibliche Äquivalent zum Simp. Internalisierte Misogynie, wie es im Artikel heißt, trifft es eigentlich ziemlich gut.

        Ich würde mich nicht wundern, wenn je nach Plattform eine Person die nach genau diesen Games fragt auch als Pick me bezeichnet würde, weil sie sich eben erlaubt doch gern mehr feminin adressiertes spielen zu wollen. Dabei ist es, wie meistens, einfach eine völlig legitime Meinung. Und ich unterstütze das, ich finde möglichst viel Vielfalt gut. Barbie ist nicht meins aber an und für sich bietet dieses Genre Potential letztendlich mehr als nur Frauen anzusprechen. Bzw. würde ich sogar sagen, das Anziehspiel hat sogar schon transzendiert, wenn man mal an all die Skins und Charaktereditoren denkt und wieviel Zeit Menschen investieren ihre Avatare umzugestalten oder Geld. Wenn aber die Mehrheit der Spieler weiblich bleibt bei den Games ist das genauso in Ordnung, ein Missverhältnis ist völlig in Ordnung. Kritisch wird es nur, wenn es zu Abwertungen wie bei Stellar Blades Eve kommt, nur weil ein Stil oder Darstellung der feminin ist.
      • Von Nevrion Spiele-Kenner/in
        Zitat von Toni
        Vielleicht rollt Toni gerade auch einfach mit den Augen, weil manche User meinen, über mich urteilen zu müssen, ohne mich tatsächlich zu kennen. Falls du auf meinen Feminismus anspielst - der schließt nicht aus, dass Frauen weibliche Dinge mögen dürfen, sondern inkludiert explizit, dass alle Menschen frei von gesellschaftlich geprägten Normen machen können und dürfen, was sie wollen, ohne verurteilt zu werden. Und dazu gehört auch, feministische Dinge zu finden (die nicht radikal sind), ohne dafür in eine explizit nicht-weibliche Ecke geschoben zu werden.
        Der Witz ging eigentlich mehr auf die nicht mehr vorhandenen blauen Haare und hat berücksichtigt, dass du in der Vergangenheit durch mehr oder minder progressive Artikel einen gewissen Eindruck hinterlassen hast. Es sollte aber nicht diffamierend sein, sondern einfach nur einen Kontrast setzen zu den Artikeln, die du geschrieben hast gegenüber dem was Annika geschrieben hat.

        Wenn ich in deinen Augen damit über's Ziel hinaus geschossen bin, dann entschuldige ich mich hiermit aufrichtig bei dir.
      • Von Toni Autorin
        Zitat von Nevrion
        Wer weiß, vielleicht rauft sich Toni gerade ihre verbliebenen blauen Haare, weil sie mit sowas nicht klar kommt ;)
        Vielleicht rollt Toni gerade auch einfach mit den Augen, weil manche User meinen, über mich urteilen zu müssen, ohne mich tatsächlich zu kennen. Falls du auf meinen Feminismus anspielst - der schließt nicht aus, dass Frauen weibliche Dinge mögen dürfen, sondern inkludiert explizit, dass alle Menschen frei von gesellschaftlich geprägten Normen machen können und dürfen, was sie wollen, ohne verurteilt zu werden. Und dazu gehört auch, feministische Dinge gut zu finden (die nicht radikal sind), ohne dafür in eine explizit nicht-weibliche Ecke geschoben zu werden.
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