Content-Fatigue & Zukunft: Wie Gaming wieder Spaß macht
Viele Spiele fühlen sich heute mehr nach Arbeit als nach Freizeit an. Warum Gaming immer öfter ermüdet, welche Designfehler dahinterstecken und was Entwickler und Spieler dagegen tun können.
Pacing & Belohnungssystem: Die oben erwähnte Abwechslung spielt auch im Kontext des Pacings eine Rolle. Der richtige Spannungsbogen führt dazu, dass Spieler motiviert werden, ein Spiel bis zum Ende zu spielen. Dazu gehört auch, dass sich Nebenquests nicht wie ein XP-Grind anfühlen, sondern entweder sinnvoll in die Hauptquest verwoben sind oder zumindest eine Daseinsberechtigung innerhalb der Spielwelt haben.
Genauso sollten wichtige Story-Momente regelmäßig passieren und nicht erst häppchenweise hinter Filler-Content platziert sein. Zum richtigen Pacing gehört auch, dem Spieler immer wieder kleine "Abschlüsse" zu präsentieren und ihm somit zu zeigen, dass seine Aktionen das Spielgeschehen voranbringen. Das können Erlebnisse wie Bosse, Cutscenes oder Veränderungen in der Spielwelt sein, aber auch wertvolle Items, neue spielbare Charaktere oder neue Fähigkeiten.
Quelle: Pexels
In Minecraft und anderen Open-World-Sandbox-Titeln darf sich der Spieler jederzeit selbst aussuchen, wie er seine Zeit verbringt
Wenn ein Spiel den Spieler seinem Aufwand entsprechend sinnvoll belohnt, wird er sich eher motiviert fühlen, das Spiel weiterzuspielen. Wenn diese Belohnungen jedoch unbedeutend, repetitiv oder zu selten ausfallen, bekommt der Spieler schnell den Eindruck, dass sich die investierte Mühe nicht lohnt - etwa beim stundenlangen Grind für minimalen Fortschritt.
Freunde und sozialer Austausch: Während sich Grinden und monotone Spielweisen allein oft ermüdend anfühlen, kann es mit Freunden durchaus motivierend sein, immer dieselben Aufgaben zu erfüllen - vor allem, wenn ein gewisses und gesundes Maß an Konkurrenzgeist in Form von Leaderboards oder Zusammenhalt in Form von Koop-Missionen dazukommen. Dieser soziale Faktor ist auch der Grund, warum Spiele wie GTA Online oder Sea of Thieves meist in Gruppen gespielt werden.
Die Heilmittel aus der Sicht der Spieler
Manchmal ist man tatsächlich selbst der Grund, wieso man sich von einem Spiel erschöpft oder gelangweilt fühlt. Es gibt aber durchaus Methoden, für sich selbst die Content-Fatigue zu reduzieren, die hauptsächlich vom eigenen Mindset abhängen.
Quelle: Rockstar Games
Durch den Grind fühlt sich GTA Online für viele eher wie ein Beruf an.
Keine 100 % anstreben: Ja, die Platintrophäe und die Steam-Medaille beim Freischalten aller Errungenschaften mögen schön anzusehen sein und bringen einem sicherlich Anerkennung bei seinen Freunden, aber manchmal muss man sich einfach fragen, ob es einem die Mühe wirklich wert ist. Zu schnell gerät man in einen Teufelskreis, in welchem man eine schwierige Errungenschaft freigeschaltet hat und sich dann ständig einredet, jetzt müsse man auch die nächste machen, sonst wäre die andere ja quasi "umsonst" gewesen - und sogleich zwingt man sich dazu, auf Biegen und Brechen jedes Achievement in einem Spiel zu holen.
Eines sollte man dabei aber nicht vergessen: Videospiele sollen Spaß machen. Niemand verlangt, in einem Spiel alles zu machen und zu sehen. Wenn es einem Spaß macht, ist nichts dagegen einzuwenden. Aber sobald man merkt, dass das Sammeln aller Collectibles in Horizon Forbidden West einen mehr frustet als motiviert oder einem die Nebenquests in Assassins's Creed Valhalla zu viel werden, sollte man wissen, wann es Zeit ist, einen Schlussstrich zu ziehen und sich möglichst auf die Hauptquest zu fokussieren. Man sollte also sowohl die eigenen Skill-Grenzen als auch seinen Geduldsfaden kennen.
Nehmt euch Pausen
Wie auch beim Sport ist es beim Gaming wichtig, sich hin und wieder zu regenerieren. Zu lange Gaming-Sessions führen auf Dauer zu Ermüdung und Erschöpfung. Wenn man also merkt, dass man sich durch ein Spiel gelangweilt oder ausgelaugt fühlt, sollte man es für ein paar Stunden, Tage oder sogar länger beiseitelegen und sich anderen Dingen widmen. Sich selbst mit "Überstunden" zu bestrafen, wenn man bei einer Stelle nicht weiterkommt, bestimmte Collectibles noch nicht gesammelt hat, oder ein gewisses Level noch nicht erreicht hat, kann nur nach hinten losgehen. Auch das Mindset, man müsse ein Spiel unbedingt vollends durchspielen, weil man ja Geld dafür ausgegeben habe, kann in diesem Zusammenhang toxisch sein.
Quelle: buffed
Manchmal lohnt es sich, einfach mal eine Pause einzulegen.
Spiele mixen: Jeder braucht Abwechslung. Daher ist es ratsam, nicht zu lange dasselbe oder ähnliche Spiele hintereinander zu spielen, um der Content-Fatigue vorzubeugen. Statt Hunderte Stunden hintereinander in großen RPGs zu verbringen, könnte man zwischendurch auch Shooter, Simulationen oder Puzzle-Games einbauen.
Der Spaß im Vordergrund
Um die wichtigste Botschaft dieses Artikels nochmal hervorzuheben: Gaming soll Spaß machen. Es liegt daher sowohl an den Entwicklern als auch an uns Spielern selbst, dieses Ziel zu erreichen. Zugegeben, der aktuelle Stand der Gaming-Industrie macht uns das nicht immer leicht. "Größer, breiter, länger, ambitionierter" scheint die Richtung zu sein, in die sich viele Genres und Franchises orientieren - sowohl im positiven als auch im negativen Sinne.
Die Content-Fatigue ist eine "Krankheit" der Gamer, die entweder vom Spiel selbst - etwa durch mangelnde Abwechslung, erzwungenen Grind oder zu langen Spielzeiten -, aber auch vom Mindset des Spielers ausgelöst werden kann. Die Heilung für Content-Fatigue seitens der Entwickler durch zeitsparende Features, mehr Abwechslung oder Multiplayer-Elemente ist eine Kunst, die von Deadlines und Budgets noch komplexer gemacht wird. Auch für Spieler selbst kann es schwer werden, sich davon zu überzeugen, dass eine Pause oder ein frühzeitiges Abbrechen eines Titels ratsam wäre, wenn man sich davon erschöpft oder gelangweilt fühlt und das Spiel eigentlich nur noch spielt, um nicht umsonst Geld ausgegeben zu haben oder alle Achievements zu holen.
Fazit
Zuletzt sei abermals erwähnt, dass es sich beim ganzen Thema um eine Geschmackssache handelt. Viele lieben die lange Spielzeit von JRPGs, den gedankenlosen Grind von Spielen wie GTA Online oder das Abschließen aller Points of Interest in Horizon Forbidden West und Ubisoft-Spielen. Auch Dark Souls 2 hat seine Fans. Darüber hinaus gibt es ebenfalls Menschen, die Terraria oder Zelda BOTW als langweilig empfinden. Diese unterschiedliche Definition von "Spaß" macht das Phänomen der Content-Fatigue nicht nur ungemein komplex, sondern auch interessant und tiefgründig.
- Seite 1 Seite 1: Einstieg & Begriffsklärung
- Seite 2 Seite 2: Wie kommt es zur Content-Fatigue
- Seite 3 Seite 3: Wenn Open Worlds gesund sind - Design, Freiheit, Flow
- Seite 4 Seite 4: Jenseits der Open Worlds - Genres, Grind & Wiederholung
- Seite 5 Seite 5: Ursachen, Gegenmittel & Fazit - Wege aus der Müdigkeit
- Seite 6 Seite 6: Die Zukunft der Freizeit - Wie gegen Content-Fatigue vorgegangen wird
- Seite 7 Seite 7: Die Lösung gegen Content-Fatigue

Langweiliger generischer slop.
Und sie kommen, bei Amazon, wohl nur mobil, EA,ubi, usw.
Alle haben und werden gerade kreative entlassen. Gerade was ai so gar nicht kann.
Hatte gerade Spaß mit Claude und der Ideensammlung für ein NEUES Würfel Spiel.
Claude hat dabei immer und immer wieder als Idee ein Kniffel.
Also zu viel Content ist das eine Problem, aber ein anderes ist slop Content. Und der wird kommen. Billig
Ich frag mich gerade was Ubisoft (hol gerade AC Odyssee nach) von mir will? Meinen die jetzt wirklich, daß ich um die letzten Aufrüststufen für mein Schiff zu kaufen in den Geldbeutel lange, nur weil das so ressourcenaufwendig ist? Oder mir Mittelalterklamotten für meinen Assassinen kaufe, weil das so immersiv ist. Und dann deinstalliere ich das und freue mich die nächsten paar Monate über die gute Anschaffung? Früher haben sich Studios Zusatzgeld mit Addons verdient, welche man ja dann immer wieder spielte, weil mehr Story etc.
Ganz im Gegenteil, der Begriff Open World ist eher zu einem Warnhinweis geworden. Ich weiß nicht, woher irgendwann mal die Erkenntnis bei Entwicklern und Publishern gekommen ist, man müsse ein Spiel nur möglichst umfangreich machen, damit es Spaß macht. Es ist meistens nämlich genau das Gegenteil der Fall.
Natürlich gibt es Spieler, die kaufen sich nur ein oder zwei Spiele pro Jahr, haben wenig Freizeit und arbeiten sich an diesen Spielen dann ein Jahr lang ab. Ist okay, nur reicht das, um ein Spiel auch erfolgreich zu machen? Hab da meine Zweifel. Das würde vielleicht besser funktionieren, wenn es nur eine Handvoll solcher Spiele gäbe.
Ja, das Thema Zeit ist entscheidend.
Egal wieviel Zeit jeder Einzelne zum spielen hat, der Tag insgesamt hat nun mal nur 24 Stunden und für mich stellt es sich sich so dar, dass nicht mein Geld, sondern meine Lebenszeit das Wertvollste ist, was ich zu vergeben habe und wenn ein Spiel das nicht mehr respektiert und mich mit - sorry - bescheuetem Kram zuballert, bis ich nicht mehr aus den Augen schauen kann, dann bin ich raus.
Es mag stimmen dass vieles mit AC begann, aber wenn man mal ehrlich ist:
Verglichen mit den heutigen Titeln Origins, Odyssee, Valhalla, Shadows sind gerade die älteren Spiele fast schon kompakt und grenzen - wenn überhaupt - maximal an der 50 Stunden-Grenze. Was für mich noch vollkommen in Ordnung ist... Aber auf 100+ Stunden hab ich einfach kein Bock, dann fokussier ich mich lieber auf die Main-Quest, nimm unterwegs vielleicht noch was mit und mach dann nen Schlussstrich.
Heutige Open Worlds schrecken mich tatsächlich vermehrt ab. Ich hab die Angst zu viel anderes in der Games-Landschaft zu verpassen wenn ich Wochen/Monate nur an einem Titel für die 100%-Meisterung sitzen müsste.