"Skandal-Shooter" Six Days in Fallujah: So viel Aufregung um so wenig Spiel

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Special David Benke - Autor Lukas Schmid - Autor Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen 35,09 €
"Skandal-Shooter" Six Days in Fallujah: So viel Aufregung um so wenig Spiel
Quelle: Victura

Wir haben den Early Access von Six Days in Fallujah getestet: Was kann der "kontroverseste Shooter des Jahres"?

Danach verliert Six Days in Fallujah zunehmend an Reiz: Die Maps fühlen sich mangels Umfang und optischer Abwechslung irgendwann gleich an. Man hat sich trotz Zufallsfaktor schnell sattgesehen. Die Missionen laufen zu allem Überfluss auch relativ ähnlich ab: Ihr säubert Gebäude, verteidigt einen Konvoi oder zerstört feindliche Ausrüstung. Das trägt nicht ewig, zumal ihr im Verlauf des Spiels nicht einmal für eure Fortschritte belohnt werdet. Es gibt nichts freizuschalten, außer ein paar Abzeichen neben eurem Spielernamen. Es fehlt an Inhalten, die über einen längeren Zeitraum motivieren, ganz zu schweigen vom technischen Feinschliff. Ihr könnt nicht auswählen, welche der gerade einmal vier Missionen ihr spielen wollt. Es gibt Audioaussetzer, Verbindungsabbrüche, Performance-Probleme. So ist Six Days in Fallujah am Ende nicht mehr als eine weitere Military-Sim mit spannenden Ansätzen, aber schlampiger Umsetzung.

War das schon alles?

Und wie sieht es bei den Skandalen aus? Auch da zeigt sich der Shooter überraschend unspektakulär, was vor allem daran liegt, dass von den "kontroversen Aspekten", die Highwire ins Spiel einbauen wollte, bis dato jede Spur fehlt: Zivilisten, die ins Kreuzfeuer geraten könnten, gibt es keine. Die sollen im kommenden Frühjahr nachgereicht werden.

Für andere "Features" sieht es sogar noch düsterer aus. Nachtmissionen und Wettereffekte sollen erst diesen Herbst kommen, weitere Missionen und KI-Kameraden erst gegen Ende des Jahres. Die viel diskutierte Story-Kampagne ist frühestens für 2024 angesetzt.

Häuserkampf in Egoperspektive Quelle: Victura Es bleibt vorerst also bei ein paar zusammenhangslosen Feuergefechten: keine ansprechende Geschichte, keine erinnerungswürdigen Charaktere, keine tiefgreifenden Dialoge.

Entsprechend gibt es auch nichts, was das Bildschirmgeschehen in irgendeiner Weise kritisch einordnen würde - oder eben nicht. Aktuell ist Six Days in Fallujah erschreckend emotionslos. Viel Zündstoff wohnt dem Spiel also nicht inne.

Fragwürdig sind lediglich die Ladebildschirme voller patriotischem Gefasel. "Angst ist ansteckend", liest man da etwa. "Du darfst keine Angst zeigen, wenn du die Moral deiner Einheit nicht zerstören willst". Auf dem Game-over-Screen prangen dagegen vermummte Gesichter mitsamt der Botschaft: "Das Einzige, was sie von uns bekommen, ist ein scharfes Schwert". Das zeichnet schon ein recht klares Bild davon, wer hier als Held und wer als Feind wahrgenommen werden soll.

Auch in den Doku-Aspekten blitzt dieser Heroismus durch: Bis dato gibt es zwar lediglich zwei Videosegmente zu sehen, in denen Zeitzeugen ihre Erfahrungen aus Falludscha teilen.

Selbstreflexion scheint aber nicht deren Stärke zu sein. Der kritischste Satz fällt wahrscheinlich direkt zu Beginn: "Ich war mit dem Krieg nicht einverstanden", behauptet Lt. Ackerman, 1. Bataillon US Marine Corps, um dann direkt nachzuschieben:

"Aber mein Land war im Krieg und ich musste eine Entscheidung treffen". Warum sein Land im Krieg war? Das wird in den folgenden drei Minuten kein einziges Mal mehr thematisiert.

Das ist weit entfernt von der kolportierten proamerikanischen Kriegspropaganda. Jedoch hat Six Days in Fallujah Kritikern bisher aber auch sehr wenig gezeigt, was sie von ihrem Standpunkt abbringen könnte. Vielmehr hat sich der Eindruck bestärkt, dass man von Highwire Games kein Endprodukt erwarten darf, dass einen aufgeklärten Blick auf die Ereignisse wirft. Und eines, das sich richtig gut spielt, wohl auch nicht.

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    • Kommentare (11)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von SethWinterstein Mitglied
        Schöner Test, würde man sowas hier auf der Seite nur Standardmäßig präsentiert bekommen...

        Nur zu einem Punkt:
        "Das Interface gestaltet sich eher minimalistisch, um die Spielerfahrung möglichst immersiv zu halten"

        IMO ist eher das Gegenteil der Fall. So minimalistische Interfaces fühlen sich häufig eher gamey an. Ist natürlich immer eine Frage, wie genau es denn gemacht ist aber ohne entsprechendes Design, auf das man bei Minimalismus ja zumeist pfeift, sorgt es bei mir eher für weniger Immersion.
      • Von SethWinterstein Mitglied
        Schöner Test, würde man sowas hier auf der Seite nur Standardmäßig präsentiert bekommen...

        Nur zu einem Punkt:
        "Das Interface gestaltet sich eher minimalistisch, um die Spielerfahrung möglichst immersiv zu halten"

        IMO ist eher das Gegenteil der Fall. So minimalistische Interfaces fühlen sich häufig eher gamey an. Ist natürlich immer eine Frage, wie genau es denn gemacht ist aber ohne entsprechendes Design, auf das man bei Minimalismus ja zumeist pfeift, sorgt es bei mir eher für weniger Immersion.
      • Von fud1974 Mitglied
        Zitat von buchoi
        Das Spiel selber kenne ich nicht. Was ich geschrieben habe ist nur der Eindruck, den ich vom Spiel bekommen habe, nachdem ich den Artikel gelesen habe. Also wenn du das Spiel tatsächlich angezockt hast, dann weißt du mehr als ich.
        Ich habe mich erstmal auf Streams bezogen die ich mir angeschaut habe und mir die Berichte von Leuten angehört die in meinem Umfeld das spielen, und da sah es schon so aus, als wäre da diese Close-Quarter-Combat "Experience" und der Stress dahinter (auch wegen dieser wohl gut integrierten Audio Geschichte, wo man ja den Voice Chat direkt im Spiel hat, je nach Entfernung dann nur noch via Funk usw. und mit entsprechenden Effekten unterlegt) im Vordergrund steht.

        Zitat von bettenlager
        "das seit seinem Release am 22. Juni die Massen spaltet"

        Echt? Wo genau sind diese Massen? Ich hab gerade von meinem Fenster aus meine Nachbarin gefragt, hat mich aber nur doof angeschaut. Also die war es jedenfalls nicht.
        Wollen wir mal nicht heiliger sein als der Papst... in der Gaming Szene war es schon ein Thema, gerade Kotaku ging mächtig darauf ab und deren Kommentarsektion ebenso.
      • Von Gast1715375402 Mitglied
        "das seit seinem Release am 22. Juni die Massen spaltet"

        Echt? Wo genau sind diese Massen? Ich hab gerade von meinem Fenster aus meine Nachbarin gefragt, hat mich aber nur doof angeschaut. Also die war es jedenfalls nicht.
      • Von Gast1730157001 Mitglied
        Zitat von fud1974
        Weiß nicht.. in seiner gegenwärtigen Form sah der Titel für mich eher nach etwas aus, dass den Horror und die Anspannung eines Häuserkampfes sehr glaubwürdig rüberbrachte... fand ich schon beeindruckend soweit, da war es mir dann auch egal ob ich jetzt einen Amerikaner oder was anderes spiele.. ich wurde nur schon vom zusehen bekräftigt dass ich in Echt sowas nie erleben wollen würde wenn es sich vermeiden lässt.

        Solange sie nicht übertrieben heldenhaft durch die Gegend stiefeln und mit zweifelhaften Cutscenes ne komische Message transportieren wäre das für mich okay...
        Das Spiel selber kenne ich nicht. Was ich geschrieben habe ist nur der Eindruck, den ich vom Spiel bekommen habe, nachdem ich den Artikel gelesen habe. Also wenn du das Spiel tatsächlich angezockt hast, dann weißt du mehr als ich.
        Hier habe ich wohl etwas voreilig geurteilt und sollte vielleicht erstmal abwarten, wie das Finale Spiel ist und mich auch etwas mehr mit dem Spiel beschäftigen, bevor ich darüber urteile.
      • Von fud1974 Mitglied
        Zitat von buchoi
        Für mich wirkt das eher so, als würde man hier whitewashing betreiben wollen und die Amerikaner als Opfer darstellen wollen in einem Krieg, den sie verschuldet haben. In einem Angriffskrieg, den die Amerikaner unter falschen Vorwänden geführt haben, der aber im Endeffekt nur darauf abzielte sich Ressourcen zu sichern.
        Weiß nicht.. in seiner gegenwärtigen Form sah der Titel für mich eher nach etwas aus, dass den Horror und die Anspannung eines Häuserkampfes sehr glaubwürdig rüberbrachte... fand ich schon beeindruckend soweit, da war es mir dann auch egal ob ich jetzt einen Amerikaner oder was anderes spiele.. ich wurde nur schon vom zusehen bekräftigt dass ich in Echt sowas nie erleben wollen würde wenn es sich vermeiden lässt.

        Solange sie nicht übertrieben heldenhaft durch die Gegend stiefeln und mit zweifelhaften Cutscenes ne komische Message transportieren wäre das für mich okay...
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