Sacred 2 Remaster im Test: Und dafür wollen die wirklich nochmal Geld?
Das deutsche Action-RPG feiert sein fragwürdiges Comeback. Mit Sacred 2 Remaster kehrt Ascarons Sargnagel auf moderne Plattformen zurück, spielt sich aber keinen Deut besser. Warum man sich das kaufen soll? Wissen wir auch nicht.
Einen Klassiker herauskramen, ihn technisch aufpolieren und für ein neues Publikum rausputzen - so entstehen normalerweise Remaster. Dabei können eigentlich nur zwei Dinge schiefgehen: Entweder ist die Neuauflage lieblos gemacht - oder das Spiel selbst war ganz einfach nicht so gut, wie man es vielleicht in Erinnerung hatte.
Beides Dinge, die uns nun zu Sacred 2 Remaster bringen.
Sacred 2 war, bei wohlwollender Betrachtung, ein wahnsinnig ambitioniertes Action-Rollenspiel. Trashig, riesig und seiner Zeit vielleicht ein Stück weit voraus. Viele Fans lieben es dafür bis heute! Aber das Spiel hatte auch mit zig Problemen zu kämpfen, trotz großspuriger Versprechen kam es im Jahr 2008 unfertig auf den Markt. Der Entwickler Ascaron überlebte den chaotischen Release nicht: Ein Jahr nach Sacred 2 musste das deutsche Studio Insolvenz anmelden, kurz darauf war die Kultschmiede, der wir Spiele wie Anstoss und Port Royale zu verdanken hatten, endgültig Geschichte.
Und Sacred 2? Das dümpelte danach viele Jahre vor sich hin. Fan-Patches hielten das Spiel zwar am Leben, doch die Konkurrenz - allen voran Diablo 3 - fegte derweil so radikal über das Genre hinweg, dass Sacred 2 schon kurz nach seinem Release wieder in der Versenkung verschwand. Und mit Sacred 3, das 2014 von Keen Games entwickelt und von den Fans zerrissen wurde, war die Serie dann so richtig am Ende.
Doch davon will Publisher THQ Nordic offenbar nichts wissen, ganz im Gegenteil - dort plant man mittlerweile sogar ein Comeback für die Marke! Den Anfang macht Sacred 2 Remaster (jetzt kaufen 29,99 € / 19,99 € ), mit dem das gebeutelte Action-RPG nach 17 Jahren nochmal eine zweite Chance erhält - und diese gleich wieder verspielt.
In diesem Artikel
Was ist neu in Sacred 2 Remaster?
Wenn ihr schon das originale Sacred 2 richtig, richtig mochtet, dürft ihr euch freuen: Ihr bekommt fast exakt das gleiche Spiel wie damals. Sparklingbit, Funatics und Zeppelin - so heißen die drei neuen Entwicklerteams - haben nur das Allernötigste getan. Inhaltlich erwartet euch also wieder ein lupenreines Action-Rollenspiel aus einer Ära, in der wegweisende Beuteklopper wie Path of Exile noch Zukunftsmusik waren - und in der noch völlig andere Qualitätsstandards galten.
Die Neuerungen im Remaster halten sich in Grenzen, vor allem grafisch hat sich erstaunlich wenig getan. Manche Texturen und Effekte sollen nun etwas schärfer ausfallen, außerdem wurden Beleuchtung, Schatten und Shader überarbeitet. Die Unterschiede zum Original machen sich aber kaum bemerkbar. Weniger Kantenflimmern, bessere Performance und auch an der Farbsättigung wurde leicht geschraubt - viel mehr ist es eigentlich nicht.
Bei den Physik-Effekten gibt es sogar einen Rückschritt: Sacred 2 Remaster unterstützt keine Apex-Partikel mehr, dadurch fallen einige animierte Effekte (z.B. bei Fell oder Vegetation) weg. Die Entwickler wollen hierfür zwar eine andere technische Lösung finden, doch im Moment müsst ihr noch darauf verzichten.
Tipp: Auch unsere Kollegen von PC Games Hardware haben sich die Settings und Verbesserungen genauer angesehen, den Artikel findet ihr hier.
Natürlich war Sacred 2 bei seinem Release ein technisch bemerkenswertes Spiel! Doch der Look ist nicht gut gealtert, selbst das gerenderte Intro strotzt vor Kompressionsartefakten. Zumindest lässt die riesige Welt mit ihren Tag- und Nachtwechseln, ihren lauschigen Landschaften und lebendigen Siedlungen aber noch erahnen, warum sie uns vor 17 Jahren in Staunen versetzt hat.
Trotzdem braucht es nicht viel Spielzeit, bis sich eine nüchterne Erkenntnis einstellt: Im direkten Vergleich hat sich sogar Titan Quest deutlich besser gehalten, und zwar in jeder Hinsicht. Zur Erinnerung: Das Spiel ist ganze zwei Jahre älter als Sacred 2.
Bildergalerie
Fortschritt trifft Rückschritt: Das neue HUD
Technisch hat sich zumindest unter der Haube etwas getan. Laut den Entwicklern gingen viele Quell-Dateien verloren, alte Editoren sind außerdem nicht mehr lauffähig. Dadurch mussten manche Teile des Codes neu geschrieben werden, dabei wurde das Spiel auch gleich auf 64-Bit portiert. Modder sollten es damit in Zukunft etwas leichter haben.
Neben flüssigeren Frameraten gibt es im Grafikmenü auf dem PC nun auch zig neue Einstellungsmöglichkeiten. Manche davon fallen für Normalspieler aber völlig unverständlich aus. Was sich hinter Begriffen wie "Treejob Cullbudget 800" oder "Tree Lodbias 0" verbirgt, können wir jedenfalls nur raten. Wer hat das bitte durchgewunken?
Quelle: PC Games
Auch mit neuem Interface spielt sich Sacred 2 fast exakt so wie vor 17 Jahren. Das Remaster bringt nur unwesentliche Grafikverbesserungen und das Gameplay wurde kaum angerührt.
Offiziell ist das Remaster auf ein 16:9-Format ausgelegt, laut den Entwicklern sollen theoretisch aber auch Auflösungen von 4:3 bis 20:9 funktionieren. Möglich macht das eine komplett neue Benutzeroberfläche, die sowohl auf dem PC als auch auf Konsolen zum Einsatz kommt. Das neue HUD wirkt etwas "sauberer", größer und leider auch deutlich langweiliger als das alte. Außerdem fehlen diesmal einige Mouse-Over-Infos, nützliche Tooltipps bekommt man nur noch selten angezeigt.
Der Kompass wurde entfernt und in die Minimap integriert, zudem gibt es nun keine schwebenden Fenster mehr - ihr dürft also nur einen Menübildschirm auf einmal einblenden. Und ist ein Menü geöffnet, habt ihr keine Kontrolle mehr über eure Figur. Auf dem PC fühlt sich das also eher wie ein Rückschritt an.
So spielt es sich am Controller
Die Controller-Steuerung wurde zusammen mit dem UI völlig neu designt. Und auf den ersten Blick spielt es sich damit gar nicht schlecht: Besonders Fernkämpfer profitieren deutlich von der automatischen Zielerkennung, schon allein, weil man da regelmäßig gegen kleine Gegner wie Ratten kämpft. Die lassen sich mit dem Mauszeiger nur umständlich anvisieren. Darum kämpft es sich am Gamepad tatsächlich bequemer als mit der Maus!
Ein echter Nachteil ist aber die Talente-Auswahl. Wo ihr am PC eure vier Skills einfach direkt aktiviert, müsst ihr sie am Controller erst nacheinander per Tastendruck durchschalten, bevor ihr sie einsetzen dürft. Das wäre deutlich besser gegangen. Eine neue Ausweichrolle wie damals in den Konsolen-Ports von Diablo 3 gibt es auch nicht, am Spielgefühl ändert sich also nichts.
Quelle: PC Games
Spätestens beim Schmied stößt die neue Controller-Steuerung an ihre Grenzen. Die neuen Menüs sind nicht zu Ende gedacht.
Ein weiterer Schnitzer der Controller-Steuerung zeigt sich in den Menüs. Inventar und Talente lassen sich mit etwas Übung zwar noch ganz gut bedienen, doch spätestens beim Schmied stellt sich schon die Frage, ob die Entwickler das auch mal selbst gespielt haben. Hier die passenden Verbesserungen auszuwählen, ist der reinste Krampf.
In mancherlei Hinsicht hat die Controller-Steuerung zwar ihre Vorzüge, doch am Ende gewinnen trotzdem wieder Maus und Tastatur. Auf der nächsten Seite erfahrt ihr, warum die Controller-Steuerung aber ohnehin keine große Rolle mehr spielt - denn die Konsolenfassungen haben noch ganz andere Probleme.

Ich fand Path of Exile vor allem deshalb langweilig, weil die Kämpfe jegliches Gefühl für die Wucht hinter Schlägen vermissen liesen. Auch waren die meisten Quests auch nicht besser.
Und genau das wird aber dann bei Sacred 2 im Test kritisiert. Ich habe damals Sacred 2 mehrmals durchgespielt mit verschidenen Klassen und sogar 1x wirklich 100% der Quests gemacht.
Bei Path of Exile hatte ich schon nach 10 h keine Lust mehr.
Und ich weiß nicht, wann du Path of Exile mal ausprobiert hast, aber es gab im Laufe der Zeit viele Updates und mittlerweile hat es deutlich besseres Trefferfeedback.
Was die Quests angeht: Bei Path of Exile ist jeder Questtext vertont (soweit ich weiß) und man wird nicht einfach mit hunderten MMO-Quests überhäuft - so ziemlich jede Quest ist entweder Teil der Story oder hat mit einem wichtigen Charakter zu tun.
Ich fand Path of Exile vor allem deshalb langweilig, weil die Kämpfe jegliches Gefühl für die Wucht hinter Schlägen vermissen liesen. Auch waren die meisten Quests auch nicht besser.
Und genau das wird aber dann bei Sacred 2 im Test kritisiert. Ich habe damals Sacred 2 mehrmals durchgespielt mit verschidenen Klassen und sogar 1x wirklich 100% der Quests gemacht.
Bei Path of Exile hatte ich schon nach 10 h keine Lust mehr.
PRtechnisch gesehen, wir lassen alles weitere vorne weg, ist das großartig.
Hier wurden sich offensichtlich keine Gedanken gemacht, sondern nur ein paar Tools drüber laufen lassen und rudimentär getestet, ob das Game läuft.
Hier wurden sich offensichtlich keine Gedanken gemacht, sondern nur ein paar Tools drüber laufen lassen und rudimentär getestet, ob das Game läuft.
Dass sowas nicht aus dem PSN fällt, wundet mich.