Meisterwerke: Space-Sims - Seite 2

2
Special Heinrich Lenhardt - Autor Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
PC Games Meisterwerke: Space-Sims - Zurück in die Zukunft. (2)
Quelle: PC Games

Mit Lichtgeschwindigkeit in die Neunziger: Das goldene Zeitalter der Weltraum-Simulationen bescherte uns interstellare Meisterwerke und Merkwürdigkeiten. Wir werfen in unserer Meisterwerke-Reihe einen Blick auf die großen Vertreter eines lange Zeit für Tot gehaltenen Genres.

Mehr Story, weniger Freiheit

Die Freiheit eines Elite gab es bei Wing Commander nicht. Hier waren wir Nachwuchspilot in der Sternenflotte der Menschheit und bekamen in Einsatzbesprechungen genau gesagt, was in der nächsten Mission zu erledigen ist. Die Präsentation wurde 1990/91 als filmreif bestaunt: Vor dem nächsten Einsatzbriefing konnte unser Held in der Kantine vorbeischauen und mit anderen Piloten plaudern. Im Gegensatz zu den einsamen Elite-Einsätzen flogen wir an der Seite computergesteuerter Charaktere, die ihren eigenen Stil pflegten. Selbst das Ableben unseres Piloten hatte Inszenierungskonsequenzen: Vorm Laden des Spielstands durfte man beim letzten Halali des Weltraum-Heldenbegräbnisses verstohlen zum Taschentuch greifen.

Nach dem Riesenerfolg von Wing Commander ließ der zweite Teil nicht lange auf sich warten. Auch Vengeance of the Kilrathi entzückte mit einer eindrucksvoll erzählten Story. Quelle: PC Games Nach dem Riesenerfolg von Wing Commander ließ der zweite Teil nicht lange auf sich warten. Auch Vengeance of the Kilrathi entzückte mit einer eindrucksvoll erzählten Story. Als sich Elite Plus 1991 auf MSDOS-PCs blicken ließ, war die Grafik des Bell&Braben-Klassikers verbessert, aber im Vergleich zu Origins Weltraumaktivitäten wirkte das Spielgeschehen etwas langatmig und abgestanden. Nach den Zusatzdisketten der Secret Missions wurde flugs Wing Commander 2 nachgereicht, das basierend auf der Engine des Vorgängers ein leicht verbessertes Spielerlebnis bescherte. Das war nicht mehr ganz so originell und aufsehenerregend wie im Vorjahr, aber immer noch höchst unterhaltsam – dafür räumte man gerne die exorbitanten 12 MByte für die Installation auf der Festplatte frei. Aber die Serie machte danach für einige Jahre Innovationspause und beschränkte sich auf eher mittelprächtige Ableger wie Wing Commander Academy. Die nächste Weltraumspiel-Rakete wurde 1993 von einer ganz anderen Macht gezündet.

Star Wars schlägt zurück

Die Games-Abteilung von Lucasfilm bestand bereits seit über einem Jahrzehnt, als sie Anfang 1993 endlich ihr erstes offizielles Star Wars-Spiel veröffentlichte. Dessen Entwicklung war schon arg naheliegend. Schließlich war Wing Commander ein riesiger kommerzieller Erfolg, zugleich konnte LucasArts auf Fliegerkompetenz in seinen Reihen zurückgreifen: Larry Holland hatte bereits die Entwicklung von Flugsimulationen wie Their Finest Hour oder Secret Weapons of the Luftwaffe geleitet. Für X-Wing wurden die Flugzeuge des Zweiten Weltkriegs gegen Raumschiff-Modelle der Star Wars-Rebellen ausgetauscht. Auch in Sachen Präsentation war man bestens gewappnet, um es mit Wing Commander aufzunehmen: Filmmusik von John Williams, wiedererkennbare Schiffe, animierte Introbilder und einige Brocken Sprachausgabe bescherten einen Atmosphärebonus.

Nach einer Reihe von erfolgreichen Flugsimulationen verschlug es Larry Holland ins Star Wars-Universum. X-Wing spielte sich anspruchsvoller als Wing Commander und verwendete realistischer wirkende Polygongrafik. Quelle: PC Games Nach einer Reihe von erfolgreichen Flugsimulationen verschlug es Larry Holland ins Star Wars-Universum. X-Wing spielte sich anspruchsvoller als Wing Commander und verwendete realistischer wirkende Polygongrafik. Noch bemerkenswerter war die technische und spielerische Abgrenzung zu Chris Roberts' Space Opera. Wing Commander hatte noch mit Bitmap-Bildchen getrickst, aber X-Wing verwendete ausgefüllte 3D-Polygongrafik. Die sah etwas trister aus als die bunten Origin-Raumschlachten, wirkte aber um einiges flüssiger, schnittiger und damit auch realistischer. Das X-Wing-Spielgefühl bewegte sich stärker in Richtung Simulation, was sich sowohl bei der gewöhnungsbedürftigen Bedienung als auch den komplexen Missionen bemerkbar machte. X-Wing-Piloten konnten zum Beispiel Reparaturprioritäten festlegen, Schildenergien verteilen oder die Defensive vernachlässigen und dafür den Waffen mehr Saft gönnen. Neben frei wählbaren Einzelszenarien gab es auch eine "Tour of Duty", deren Geschehnisse an den ersten Star Wars-Film angelehnt waren. Was man in den abwechslungsreichen Einsätzen genau anstellen sollte, war nicht immer ganz klar – von einigen Spielern wurde der gehobene Schwierigkeitsgrad als Herausforderung, von anderen als anstrengend empfunden. 1993/94 ließen sich PC-Spieler in zwei Lager einordnen: Jene, welche die Action-Gaudi von Wing Commander bevorzugten, und solche, die lieber das anspruchsvollere X-Wing spielten – oder noch besser: dessen Nachfolger.

Das bessere Böse

Erst neun Jahre nach dem Erscheinen von Elite veröffentlichte David Braben den Nachfolger Frontier. Das 'realistische' Flugsystem killte den Spielspaß bei der Kampfsteuerung. Quelle: PC Games Erst neun Jahre nach dem Erscheinen von Elite veröffentlichte David Braben den Nachfolger Frontier. Das "realistische" Flugsystem killte den Spielspaß bei der Kampfsteuerung. X-Wing gebühren allerlei Innovationsehren, aber ansonsten war das im Sommer 1994 veröffentlichte TIE Fighter in allen Belangen überlegen. Das lag nicht nur daran, dass die Story einen Fraktionswechsel vollzog und man nun für die Dunkle Seite der Macht Einsätze flog – Darth Vader als Vorgesetzter sorgt für Extra-Motivation. Viele Kinderkrankheiten wurden beseitigt, die Grafik verbessert, die Missionen besser erklärt und die Zielauswahl erleichtert. Bei allem Simulationsanspruch war TIE Fighter um einiges spielbarer und dank neuer Tutorials auch einsteigerfreundlicher. Das Imperium verfügte zudem über ziemlich aufregende Fluggeräte, wendig und stark bewaffnet, aber nicht allzu robust. Mit TIE Fighter und der verbesserten CD-ROM-Version von XWing hatte LucasArts den Thron der Weltraum-Simulationen bestiegen.

Das war ja schön anzusehen, wie sich Origin und LucasArts gegenseitig mit ihren Raumschlachten übertrafen. Aber was war eigentlich aus der Idee einer offenen Spielgalaxis geworden, in der man selbst über seine Karriere entscheiden konnte – so wie es Elite 1984 vorgemacht hatte? Die Schöpfer dieses Klassikers hatten sich inzwischen zerstritten, David Braben versuchte sich ohne Ian Bell an zwei eher dürftigen Fortsetzungen: Das neue Flugmodell von Frontier: Elite 2 (1993) sorgte bei vielen Spielern für einen Gemütszustand im Bereich zwischen Langeweile und Frustration. Dazu gab es 1995 mit Frontier: First Encounters einen wegen seiner langen Bug-Liste noch weniger geliebten Nachfolger.

Bildergalerie

2
  1. Seite 1 Meisterwerke: Space-Sims - Seite 1
  2. Seite 2 Meisterwerke: Space-Sims - Seite 2
  3. Seite 3 Meisterwerke: Space-Sims - Seite 3
  4. Seite 4 Meisterwerke: Space-Sims - Seite 4
    • Kommentare (2)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von ebug5 Anfänger/in
        Insgesamt ein schöner Artikel, es fehlen auch mir ein paar Titel, aber jeder hat halt seine Perlen.
        Eine neue Glanzzeit des Genres würde mich freuen. Ein X Nachfolger im Stile von X3 oder ein Freespace 3 in Kombination mit einer Engine wie von Space Engineers wären doch spektakuläre Highlights.
        Einzig der aktuelle Fokus auf Multiplayer macht vieles zunichte und tötet jede spannende Storyline.
        Achja, ob meine Träume irgendwann in Erfüllung gehen werden? :)
      • Von ebug5 Anfänger/in
        Insgesamt ein schöner Artikel, es fehlen auch mir ein paar Titel, aber jeder hat halt seine Perlen.
        Eine neue Glanzzeit des Genres würde mich freuen. Ein X Nachfolger im Stile von X3 oder ein Freespace 3 in Kombination mit einer Engine wie von Space Engineers wären doch spektakuläre Highlights.
        Einzig der aktuelle Fokus auf Multiplayer macht vieles zunichte und tötet jede spannende Storyline.
        Achja, ob meine Träume irgendwann in Erfüllung gehen werden? :)
      • Von merimas NPC
        Schöne Zeitreise, auch wenn da durchaus ein paar Perlen fehlen. Ich denke da z.B. an Tachyon - The Fringe oder auch die I-War Reihe. Und eine Erwähnung von Starlancer und vor allen Dingen Freelancer, das auch heute noch eine Online-Community hat, hätte den Artikel abgerundet.

        Auf jeden Fall ist es schön, das jetzt endlich wieder neues Futter für Weltraumpiloten auf dem Markt ist.
      Direkt zum Diskussionsende
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 07/2026 LinuxUser 07/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk