Kingdom Come: Deliverance - Quests, Entwicklersorgen
Das Entwicklerteam Warhorse Studios in Prag lud uns zu einem exklusiven Studiobesuch ein. Doch anstatt einer üblichen PR-Präsentation mit auf Hochglanz polierten Showcase-Features durften wir einem Milestone-Meeting beiwohnen. Ungeschminkt und ungeschönt erzählten und zeigten die Mitarbeiter, was sie seit dem letzten Milestone erreicht haben und wie es mit der Entwicklung von Kingdom Come: Deliverance weiter geht. Dies ist der erste Teil einer längeren Serie über unsere Erlebnisse bei Warhorse Studios und unser ausführliches Gespräch mit Lead Game Designer Daniel Vávra.
PC Games: Was bedeutet der authentische Anspruch für die Quests im Spiel?
Daniel Vávra: Ich hatte zum Beispiel eine Quest-Idee, bei der sich der Spieler in ein Kloster begeben soll und ich überlegte mir dafür viele Sachen, was man darin wohl so alles anstellen könnte. Unsere studierte Historikerin, die für die geschichtlichen Nachforschungen verantwortlich ist, erklärte mir daraufhin jedoch: "Dan, das ist leider so nicht möglich". Ich musste erkennen, dass klösterliches Leben im Mittelalter gänzlich anders stattfand, als ich es erwartet hatte. Viele grundlegende Themen dieser Zeit, die ich für mich als selbstverständlich annahm, entpuppten sich bei genauerer Betrachtung vor dem realen, historischen Hintergrund als falsch.
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Also habe ich den kompletten Hintergrund dieser Questreihe konsequent überarbeitet und angepasst. Bei vielen solcher Erkenntnisse über die wirklichen Gegebenheiten im Mittelalter stellen wir uns dann die Frage, inwieweit wir Fiktion ins Spiel einbringen können, damit sich unsere Quest- und Spielideen verwirklichen lassen, ohne dabei den historischen Kontext zu sehr aufzuweichen. Ganz ohne Kompromisse geht das nicht immer und es führt an solchen Stellen natürlich auch zu internen Diskussionen im Team. Wenn sich dabei kein Konsens finden lässt, ist es meine Aufgabe als Lead Designer, hierfür eine bestmögliche Entscheidung zu treffen.
Gestern hatten wir beispielsweise eine solche Kontroverse, die das Thema einer möglichen Sexszene im Spiel enthielt. Ein Teil des Teams war der Meinung, die Szene würde nur drin sein, damit eben eine Sexszene enthalten sei, ein anderer Teil des Teams empfand die Szene nur als logische Konsequenz, bedingt durch die vorgegebene Quest. Wir haben uns darauf geeinigt, dass es die Szene geben wird, allerdings in einer etwas anderen Form, als ich sie ursprünglich geplant hatte, um sie für alle im Team akzeptabel zu machen.
PC Games: Welche Quellen zieht ihr für die Recherche zum Spiel zu Rate?
Quelle: Warhorse/PC Games
Der Dorfschmied stellt hauptsächlich Werkzeuge und Güter des täglichen Bedarfs her. In der aktuellen Tech-Demo überlässt er dem Spieler auch ein paar Dietriche, um das Feature Schlösserknacken auszuprobieren.
Daniel Vávra: Ich persönlich nutze gern Quellen, die nicht direkt etwas mit dem Spiel zu tun haben. So gibt es zum Beispiel eine Facebook-Gruppe, die sich mit historischen Themen aus der Zeit befasst, in welcher Kingdom Come: Deliverance angesiedelt ist. Daraus konnte ich wertvolle Informationen gewinnen, die wir im Spiel nutzen. So spielst du ja die Rolle eine Schmiedesohns und ich wollte natürlich, dass dieser Bursche Schwerter herstellen kann. Mir war aber auch bewusst, dass ein typischer Dorfschmied keine Waffen produzierte, sondern vielmehr Werkzeuge des täglichen Bedarfs. Dank eines Kontakts zu einem der besten Waffenschmiede in Tschechien konnten wir die Hintergrundgeschichte unseres Schmiedesohns aber so anpassen, dass sie für das Spiel funktioniert und plausibel wirkt. Solcherlei wertvollen Input erhalten wir inzwischen von vielen unterschiedlichen Quellen, die sich mit dem Mittelalter sehr gut auskennen und wissen, dass wir ein Spiel darüber machen, besser geht's nicht!
Spielererwartungen und Entwicklersorgen
In einem Videovortrag bei der tschechischen GDS 2014 sprach Daniel Vávra ganz offen über verschiedene Herausforderungen, die ein Open-World-Projekt wie Kingdom Come: Deliverance mit sich bringt. Erst recht, da Warhorse bei seiner der Kickstarter-Kampagne zum Spiel den Backern zahlreiche Features schmackhaft machte, die das fertige Spiel enthalten soll. Wir fragen Daniel, ob es denn diesbezüglich Befürchtungen und Zweifel seitens der Community gibt. Immerhin zeigte die Vergangenheit genug veröffentlichte Kickstarter-Spiele, in denen die Spieler mit Abstrichen rechnen mussten.
Quelle: Warhorse/PC Games
In der Tech-Demo 0.3 kommen neue Details wie zum Beispiel das überarbeitete Animationssystem, sowie neue Haar-und Kleidermodelle zum Einsatz.
Daniel Vávra: Tenor und Feedback in der aktiven Community von Kingdom Come fallen bislang überwiegend positiv aus. Oft heißt es "Nehmt euch die Zeit, released es lieber später, wenn es gepolished ist und veröffentlicht es bitte nicht nur aufgrund eines angekündigten Termins." Das einzige worüber ich mir etwas Sorgen mache ist, dass vielleicht einige Spieler angekündigte Features für sich anders interpretieren und eine entsprechende Erwartungshaltung aufbauen.
Nehmen wir als Beispiel die Aussage im Trailer, dass man an "epischen Schlachten" teilnimmt, die wir auch definitiv einbauen. Es gibt Spieler, die daraus ableiteten, dass es Dutzende solcher Schlachten gibt, vielleicht sogar mit Strategie-Elementen versehen. Doch die historische Geschichte, die wir erzählen, enthält am Ende vielleicht nur zwei, drei solcher Schlachten. Man wird darin auch nicht etwa der heldenhafte Anführer einer Armee in der Schlacht sein, nein - du bist ein Soldat von vielen, der diese Schlachten überleben muss. Die Burgschlachten verstehen wir als gezielte Story-Höhepunkte im Spiel und nicht als ein Feature, das du alle halbe Stunde bestreitest.
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Es kann natürlich sein, dass wir damit Spieler, die sich andere Vorstellungen zu Kingdom Come: Deliverance machen, am Ende enttäuschen. Aber ich denke, wir versuchen durch unsere Updates zum Spiel, durch unsere Dev-Blogs und den Kontakt zur Community immer wieder gezielt aufzuzeigen, was wir für ein Spiel machen wollen. Klar hast du immer Leute, die solche Sachen nicht lesen, sich nur einen Trailer anschauen und sich dann ein festes Bild zum Spiel machen. Wir profitieren auch viel vom Input der Community. Es gibt immer wieder Punkte, über die wir im Team kontrovers diskutieren, dann ziehen wie gern auch die Meinung der Fans mit ein. Ich selber bin dabei oft überrascht, wie konstruktiv solche Forenbeiträge dann ausfallen und das hilft uns natürlich sehr bei der Umsetzung im Spiel.
Morgen erhaltet ihr im zweiten Teil unserer Special-Reihe zu Kingdom Come: Deliverance einen Einblick in den Realismus, die Detailverliebtheit der Entwickler, das Zeit-Management und den Schwertkampf.

Genau so ein Spiel suche ich ... bis dahin muss ich mir allerdings noch einen PC oder eine Konsole anschaffen. Also dürfen sie sich noch etwas Zeit lassen :)
Das Spiel sieht so super hübsch aus...ich werde mich einfach mal in die Blumenwiese setzen und die Grafik genießen, wenn es fertig ist.
Ursprünglich war ich auch nah daran, das Kickstarterprogramm zu unterstützen, leider haben mich einige schlechte Erfahrungen in dem Bereich dann doch davon abgehalten. Denn es klang etwas zu ambitioniert, um das alles einfach so ungesehen zu glauben, selbst wenn man es gern wollte. Nun stellt sich aber heraus, sie sind auf dem richtigen Wege und können es wirklich schaffen. Aktuell gibt es kein einziges Spiel, auf das ich mich mehr freue, selbst TW3 kommt da nicht mit, weil zwar sicher gut aber eben nichts unerwartet Neues...
Ich freue mich echt, wenn ich solche Zeilen und Aussagen von der Entwickler lese.