Joseph Gordon Levitt und Bruce Willis spielen in Rian Johnsons Zeitreisethriller ein und dieselbe Person - einen coolen Auftragskiller, der sich selber töten muss.
Die Zukunft im US-Bundesstaat Kansas sieht alles andere als rosig aus. Zumindest wenn sich die Vision von Regisseur und Drehbuchautor Rian Johnson erfüllen sollte. In den vierziger Jahren des 21. Jahrhunderts lebt man danach bevorzugt in düsteren, zugigen Lofts und verbringt seine Abende in Animierclubs, um gegen Geld wenigstens ein bisschen Zuneigung und Aufmerksamkeit abzubekommen. Aber selbst dieses triste Dasein kann sich nur leisten, wer genügend Silberbarren gehortet hat. Dazu braucht es
einen lukrativen Job – und den hat Joe (Joseph Gordon-Levitt). Als sogenannter Looper verfügt er außerdem über jede Menge Freizeit, um seinen sündteuren Sportwagen ausgiebig spazieren zu fahren. Zimperlich darf man bei seiner höchst effektiven und einsamen Beschäftigung allerdings nicht sein. Ein Looper muss vor allen Dingen eines perfekt beherrschen: gnaden- und geräuschlos zu liquidieren. Per Zeitmaschine werden Joe seine gut verschnürten Klienten aus einer nicht allzu fernen Zukunft zu einer genau abgesprochenen Uhrzeit an den immergleichen Ort gebeamt. Joe muss den Vermummten dann nur noch ohne zu zögern wegballern und zuverlässig und sauber entsorgen. Der Vorteil dieses Deals: In der Zukunft ist der Delinquent für immer spurlos von der Bildfläche verschwunden. Einen nicht zu vernachlässigenden Nachteil hat das Ganze aber auch: Weil Zeitreisen im Jahr 2070 eigentlich illegal sind und keine Spur zu den Verbrecherorganisationen führen soll, die diese für ihre Zwecke nutzen, muss jeder Looper auch sein 30 Jahre älteres Ich ins Jenseits befördern. Mit dieser Eigenexekution wird der Loop geschlossen. Dumm nur, wenn die Oldieversion seiner Selbst im entscheidenden Moment ein allzu bekanntes Kinderliedchen summt und man es einfach nicht schafft, sie abzuknallen. Genau das passiert Joes bestem Freund Seth, was er bitter büßen muss. Damit ihn nicht das gleiche Schicksal ereilt, ist Joe zu allem entschlossen. Doch auch er zögert einen Augenblick zu lange. Und so muss er den Kreislauf letztlich unterbrechen statt ihn zu schließen, um das, was ihm wirklich wichtig ist, zu retten.
Rian Johnson ist bekannt für seine innovativen Ideen und skurrilen Plots. Sein Langfilmdebüt Brick, in dem auch Joseph Gordon-Levitt die Hauptrolle spielte, bekam 2005 beim Sundance Film Festival den Spezialpreis der Jury für Originalität verliehen. Brothers Bloom, der Nachfolger, wurde von einem US-Kritiker als eine Mischung aus Ocean's Eleven und einem Wes Anderson-Film bezeichnet.
Dieser sehr spezielle Stil prägt auch Looper. Das Spiel mit Vergangenheit und Zukunft, das vor allem durch Bruce Willis als gealterten Joe eine melancholische Note bekommt, hat seinen ganz eigenen Reiz. Rundum gelungen ist Looper trotzdem nicht. Und das liegt daran, dass die Geschichte zu plakativ und pathetisch erzählt wird. Idealvorstellungen wie die einer wohlbehüteten Kindheit und der einen großen Liebe treffen auf eine ultraegoistische, ultrakapitalistische und ultrabrutale Realität, wo jeder oder jede sofort die Knarre zieht und Probleme sehr archaisch gelöst werden. Diese grobkörnige Schwarz-Weiß-Malerei kann leider auch die wie immer sehr überzeugende Performance von Emily Blunt nicht wettmachen.
FAZIT: Rian Johnsons neuester Streich ist gewohnt innovativ und unterhaltsam, stellenweise aber auch sehr platt und albern
