Heroes of Might and Magic: Olden Era - Ein neues Zuhause für Heroes-Fans
Olden Era tritt in die Fußstapfen von Heroes of Might & Magic 3 und verbindet Nostalgie mit frischen Ideen. Wir haben den Nachfolger auf der Gamescom gespielt und spannende Details zu Gameplay, Fraktionen und Modding erfahren.
Wenige Strategiespiele haben so einen Legendenstatus wie Heroes of Might & Magic 3. Bis heute gilt es als das Maß aller Dinge im Rundenstrategie-Genre - zeitlos, knackig fordernd und voller Geschichten, die Fans seit Jahrzehnten nicht loslassen. Genau da knüpft Olden Era an: ein spiritueller Nachfolger, der den Zauber der Klassiker einfängt, frische Ideen draufpackt und die Brücke zwischen Nostalgie und Gegenwart schlägt. Auf der Gamescom konnten wir Olden Era eine Stunde lang spielen und ausführlich mit den Entwicklern reden. Was wir dabei rausgefunden haben, das erfahrt ihr jetzt.
In diesem Artikel
Tradition trifft Moderne
Die größten Vorbilder für Olden Era sind natürlich Heroes of Might & Magic 2 und 3 - spielmechanisch genauso wie optisch. Schon der Look katapultiert einen sofort zurück in die goldene Zeit der Reihe. Und die riesige Liste an Karten-Templates zeigt: Hier wird's richtig vielfältig - von knackigen Duellen bis zu epischen Acht-Spieler-Partien ist alles drin.
Aber auch Heroes 5 hat Spuren hinterlassen. Einige seiner Ideen wurden übernommen und clever weiterentwickelt. So entsteht ein Mix aus vertrauter Nostalgie und frischen Impulsen, der sich wie selbstverständlich ins klassische Spielgefühl einfügt.
Die Entwickler zielen dabei vor allem auf Veteranen ab, die seit Jahrzehnten mit Heroes verbunden sind - gerade mit Teil 2 und 3. Für sie soll Olden Era ein neues Zuhause werden. Gleichzeitig sollen aber auch neue Spieler sehen, warum die Faszination bis heute anhält. Mit viel Leidenschaft und einem klaren Plan wollen die Macher die Brücke schlagen: von der alten Tradition zu einer neuen Generation von Strategiefans.
Grafik & Farbdesign: Lesbarkeit vor Realismus
Bei der Ankündigung von Olden Era wurde der Grafikstil zunächst skeptisch beäugt. Sehr bunt, große klare Menüs - fast schon mit Mobile-Game-Vibes. Genau das war aber gewollt: Die Entwickler entschieden sich bewusst gegen einen hyperrealistischen Look und orientierten sich stärker an den frühen Serienteilen. Nicht nur aus Nostalgie, sondern vor allem, weil's spielerisch Sinn ergibt.
Gerade in einem Strategiespiel muss sofort erkennbar sein, wo Städte, Einheiten und Ressourcen liegen. Realistische Optik kann zwar beeindruckend sein, aber eben auch die Übersicht killen. Deshalb experimentierte das Team mit mehreren Prototypen und landete schließlich bei einem stilisierten, und ihrer Meinung nach zeitlosen Look - ganz im Geist von Heroes 2 und 3, die selbst Jahrzehnte später noch erstaunlich frisch wirken.
Farbprofile für unterschiedliche Vorlieben
Wer mit der bunten Farbgestaltung von Olden Era nichts anfangen kann, bekommt Alternativen geboten. Standardmäßig ist die Spielwelt farbenfroh, doch die Entwickler haben die unterschiedlichen Vorlieben der Community im Blick. Deshalb gibt es verschiedene Farbprofile - von einer kräftig-bunten Darstellung über eine abgeschwächte, dezentere Variante bis hin zu einer düsteren Optik, die besonders bei Fraktionen wie der Nekropolis für Stimmung sorgt.
Im Playtesting zeigte sich allerdings schnell: Gerade in dunklen Biomen waren manche Einheiten schwer auseinanderzuhalten. Darauf reagierte das Team mit gezielten Überarbeitungen und will die Lesbarkeit auch in Zukunft weiter verbessern - ein Prozess, der stark vom Community-Feedback geprägt ist und noch andauert.
Quelle: Unfrozen
Das Design lässt einen sofort an die Heroes-Teile der 90er denken
Am Ende verfolgt das Design ein klares Ziel: ein Spiel zu schaffen, das atmosphärisch wirkt und schön aussieht, dabei aber immer funktional bleibt. Ein Look, der heute anspricht - und auch in zehn oder fünfzehn Jahren noch überzeugen soll.
Modding - "Heroes of my Little Pony"
Neben den Farbprofilen ist für die Community vor allem das Thema Modding spannend. Eigene Farbprofile lassen sich zwar noch nicht erstellen, die Idee traf beim Team aber sofort auf offene Ohren. Zum Release von Version 1.0 soll es bereits einen umfangreichen Karteneditor geben, der von Anfang an viele kreative Möglichkeiten eröffnet und im Early Access Schritt für Schritt weiter ausgebaut werden soll.
Darüber hinaus planen die Entwickler eine echte Modding-Offensive nach dem Launch. Das Ziel: den Spielern langfristig größtmögliche Freiheit geben - ob eigene Szenarien, Grafik-Experimente oder völlig verrückte Projekte wie ein "Heroes of My Little Pony". All das soll durch Modding nach der 1.0-Version möglich werden.
Komplexere Inhalte werden bewusst ins Modding ausgelagert. So erlaubt der Karteneditor zum Beispiel nicht, eigene Fraktionen zu bauen - das würde das Tool überfordern. Nach dem Full-Launch soll aber auch in dieser Hinsicht die Modding-Community freie Hand haben.
Fraktionen zum Early-Access-Start
Schon zum Early-Access-Start wird Olden Era ordentlich spielerische Tiefe mitbringen. Erst kürzlich wurde mit den okkulten Schism die letzte Fraktion vor dem Launch vorgestellt. Ihr Auftritt ist unverkennbar von Cthulhu inspiriert: Tentakel, Eis, schleimige Kreaturen und fanatische Kultisten prägen das Bild, dazu Magie-Angriffe, die die Fraktion besonders düster wirken lassen.
Auch die Dungeon-Fraktion kehrt in Olden Era zurück und bringt die vertraute Mischung aus Dunkelheit und Unterwelt-Atmosphäre mit. Beherrscht von Dunkelelfen und ihren monströsen Verbündeten, setzen die Dungeon-Städte auf skrupellose Magie und furchteinflößende Kreaturen. Klassische Einheiten wie Troglodyten, Medusen, Minotauren und Hydras bilden das Rückgrat der Armee, ergänzt durch mächtige Drachen.
Quelle: Unfrozen
Die Stadt der Sylvan-Fraktion
Die Sylvan wiederum stehen für die enge Verbindung von Natur und Magie. Waldgeister, Faune, elementare Wesen und der Phönix prägen ihr Erscheinungsbild. Ihre Fraktion vereint märchenhafte Anmut mit uralter Wildheit.
Die Nekropolis bringt wie gewohnt die Macht der Untoten ins Spiel. Skelette, Untote und Vampire bilden ihre Armeen. Mit endlosen Horden und dunkler Magie setzt die Nekropolis auf Zermürbung und stetiges Wachstum - eine der unerbittlichsten Bedrohungen auf dem Schlachtfeld.
Die Temple-Fraktion repräsentiert klassische menschliche Ritterarmeen mit Engeln, Armbrustschützen und Greifen. Auf Wunsch der Fans wurde sie auch wieder näher an die alten Heroes-Teile herangeführt. Ein gutes Zeichen dafür, dass die Entwickler auf die Kritik der Fans hören.
Ganz anders tritt die Hive-Fraktion auf. Dämonisch wirkende Insektoiden und monströse Königinnen bilden hier das Zentrum. Sie setzen auf gnadenlose Schwarmtaktiken, stetige Verstärkung und übernehmen in der Kampagne die Rolle der zentralen, albtraumhaften Bedrohung für alle anderen Völker.

Macht Magie aus meiner Sicht nur unnötig kompliziert. In Heroes 3 hingen Wirkung und Stärke eines Spruchs - wie in einem Rollenspiel - von den Skills und den Attributwerten des Helden ab, der ihn einsetzt. Auf ein manuelles Aufwerten von Sprüchen konnte so verzichtet werden, was der Einfachheit des Spiels sehr zuträglich war.
Heroes 3 ist eines meiner absoluten Lieblingsspiele (und eines der wenigen, von denen ich die Originalkartons noch im Schrank stehen habe). Für eine überzeugende Neuauflage wird es vor allem wichtig sein, die verschiedenen Aspekte des Spiels (Strategie, Taktik, Exploration, Logistik, Ressourcenverwaltung, Stadtausbau, Heldenentwicklung) mit der gleichen spielerischen Leichtigkeit zu verbinden, wie das Vorbild, ohne dass einer dieser Aspekte zu übergewichtig oder zu kompliziert wird.
Ich habe nach Heroes 3 kein Heroes-Spiel mehr länger gespielt und bin sehr gespannt auf das fertige Spiel - übrigens auch ein Aspekt, in dem man sich ein Vorbild an Heroes 3 hätte nehmen können: ein fertiges Spiel zu präsentieren, statt diesem ewigen Early Access-Käse.