Netzteile: Leistungsanforderung und Effizienz mit 80 Plus-Label
In unserem Special zu Netzteilen erklären wie deren Funktionsweise und Themen wie Nennleistung und Effizienz. Zudem gibt es 10 konkrete Modellempfehlungen.
So entstehen hohe Watt-Anforderungen
Nur um ein Beispiel zu nennen: Die AMD Radeon RX 9070 verbraucht etwa 220 bis 250 Watt mit möglichen kurzen Ausschlägen auf 310 bis 320 Watt. Eine der derzeit besten Spiele-CPUs, der Ryzen 7 9800X3D, benötigt bei Spielen etwa 70 Watt, Stromfresser wie der Intel Core i9-14900K etwa 150 Watt. Für CPU und GPU zusammen sind es also selbst mit der Intel-CPU 470 Watt. Rechnen wir noch den Rest der typischen PC-Bauteile dazu, dann kommen wir auf maximal 550 Watt, im Extremfall mit gleichzeitigen kurzen Leistungsspitzen bei CPU und GPU vielleicht auch 600 Watt.
An sich würde dann ein 550 Watt-Markennetzteil ausreichen. Hersteller der AMD Radeon RX 9070 empfehlen aber 750 oder gar 800 Watt - aber warum? Zum einen liegt dies an PC von Hardware-Enthusiasten mit besonderem Strombedarf (spezielle CPU, Übertaktung, viele Zusatzkomponenten und Lüfter). Die wichtigere Ursache für hohe Watt-Empfehlungen sind aber Netzteil-Hersteller, deren Netzteile die Nennleistung nicht stabil erreichen können. Würden Grafikkarten-Hersteller für die RX 9070-Modelle 550 Watt empfehlen, dann würde es auch Kunden mit einem sehr billigen 550 Watt-Netzteil geben, das in Wahrheit nur 450 Watt stabil liefert. Solche Kunden erzeugen dann in der Regel einen Reklamationsfall, der mühsam bearbeitet werden muss. Um dies zu vermeiden, übertreiben die GPU-Hersteller lieber beim empfohlenen Watt-Wert.
Effizienz: Potenzial zum Geldsparen
Beim Umwandeln von 230 Volt in die drei für den PC wichtigen Spannungen geht immer etwas Strom verloren. Nehmen wir an, die PC-Bauteile benötigen 400 Watt und das Netzteil zieht hierfür 450 Watt aus der Steckdose - es kommen dann 88,8 Prozent des Stroms im PC an. Diese 88,8 Prozent sind die Effizienz des Netzteils. Würde es beispielsweise nur 430 Watt verbrauchen, hätte es die bessere Effizienz von 93 Prozent. Netzteile haben allerdings je nach dem, wie stark sie ausgelastet sind, eine andere Effizienz. Die Unterschiede sind zwar meistens nicht groß, aber hierzu wollen wir ein Rechenbeispiel anbieten: Ihr habt ein 550 Watt-Netzteil, der PC verbraucht 500 Watt - das Netzteil ist also fast ausgelastet. Das 750 Watt-Modell der gleichen Netzteil-Reihe wäre aber nur zu 67 Prozent ausgelastet und arbeitet dort um 2 Prozent effizienter. Bei 500 Watt Strombedarf macht dies 10 Watt aus - die Stromkosten wären also mit dem 750 Watt-Modell niedriger. Ob sich dann der Kauf des stärkeren Netzteils lohnt, muss man sich aber individuell ausrechnen - ein Bespiel dazu folgt gleich.
80 Plus-Label und Effizienz-Rechnung
Das bekannte 80 Plus-Label bewertet die Effizienz eines Netzteils und belohnt dabei auch eine eher gleichmäßige Effizienz. Netzteile, die bei voller Last eine sagenhaft gute Effizienz von 96 Prozent haben, aber bei niedriger Last nur 84 Prozent würden nicht einmal das schlechteste 80 Plus-Label erhalten. Das 80 Plus-Label ist nicht verpflichtend - die Hersteller geben oftmals auch eine durchschnittliche Effizienz als Anhaltspunkt an oder verwenden das alternative Label Cybenetics, das auf durchschnittlichen Effizienzwerten basiert. Die folgende Tabelle zeigt die Vorgaben für das 80-Plus-Label, welches die Mindest-Effizienz für ein Netzteil bei verschiedenen Auslastungen angibt:
| Netzteil-Auslastung | 10 Prozent | 20 Prozent | 50 Prozent | 100 Prozent |
|---|---|---|---|---|
| 80 Plus Bronze | entfällt | 85% | 88% | 85% |
| 80 Plus Silver | entfällt | 87% | 90% | 87% |
| 80 Plus Gold | entfällt | 90% | 92% | 89% |
| 80 Plus Platinum | entfällt | 92% | 94% | 90% |
| 80 Plus Titanium | 90% | 94% | 96% | 94% |
Wichtig zu wissen ist: Eine gute Effizienz ist zwar schön und gut, lohnt sich aber nicht immer. Nutzt ihr einen PC beispielsweise 4 Stunden pro Tag, davon 2 Stunden bei Gaming-Last mit einem Verbrauch von 400 Watt, spart ihr mit dem 80 Plus-Gold-Label etwa 5,80 Euro pro Jahr im Vergleich zu einem Netzteil mit Bronze-Label. Kostet das Gold-Modell aber 30 bis 40 Euro mehr, ist es schwierig, den Aufpreis zu rechtfertigen. Sollte der PC aber eher 8 bis 10 Stunden pro Tag an sein, davon 3-4 Stunden bei Gaming-Last, sind es direkt deutlich über 10 Euro Stromkostenersparnis pro Jahr, so dass sich das teurere Netzteil rentieren wird.
