Gabriel Knight 2: Werwolf-Plot & Factasy-Ansatz
Was Gabriel Knight 2 so besonders macht: die "Factasy"-Story zwischen Ludwig II., Wagner & Werwölfen - wieso das heute noch trägt.
Wer mit dem Wolf tanzt
Ich möchte später detailliert auf die Story eingehen, aber dies sei vorab verraten: Es geht zum Beispiel um einen homosexuellen Baron, der den ebenfalls schwulen König Ludwig II. im Juni 1872 mit dem Werwolf-Virus infiziert. Im Auftrag von, kein Witz, Reichskanzler Otto von Bismarck. Der will den bajuwarischen Landesvater damit auf die dunkle Seite der Macht ziehen und erpressen, sodass er mit Bayern dem deutschen Kaiserreich beitritt.
Helfen kann Märchenkönig Ludwig nach dem toxischen Biss nur noch sein alter Buddy Richard Wagner, der eine Oper mit magischen Kräften komponiert, die den Fluch brechen soll. Ich denke, dass es schon Menschen gegeben hat, die für deutlich weniger absurde Phantastereien in die geschlossene Psychiatrie eingewandert sind, aber: I like it!
Quelle: Harald Fränkel
... Während der Quicktime-Sequenz zeigt er immer wieder sein Amulett und seinen Mimik-Mambo.
Das trifft allerdings beileibe nicht für das komplette Spiel zu, deshalb eine "Wollt ihr wirklich weiterlesen?"-Warnung: Wer als Verehrer der beliebten Adventure-Reihe erwartet, dass ich nun eine durch und durch fröhliche Operetten-Arie schmettere, wie das bei nostalgieverklärten Rückblicken üblich ist, sollte vielleicht schon mal einen Kasten Herztonikum neben sich platzieren oder sich prophylaktisch einen Eimer Baldrian spritzen.
Damit ihr meine Beurteilung besser nachvollziehen könnt, muss ich einflechten, dass mir bei dem Adventure jegliche nostalgische Verklärung abgeht. Ich habe es aus Neugierde wegen der deutschen Szenarien extra für diesen PC Games-Artikel like a Virgin gespielt, I touched it for the very first time, also zum allerersten Mal.
Ungewöhnliche Factasy-Story
Gabriel Knight 2, im Dezember 1995 zur Hochphase des interaktiven Films von Sierra On-Line veröffentlicht, genießt heute einen Status, den die damaligen Konkurrenten The 7th Guest und Phantasmagoria nie erreichten. Was die Verkaufszahlen anging, verhielt es sich in puncto Liebe kurioserweise genau umgekehrt: Gabriel Knight 2 ging laut Wikipedia bis Dezember 1998 nur rund 300.000-mal über die Ladentheken. Phantasmagoria schaffte das alleine am ersten Wochenende nach Release. Es mag daran gelegen haben, dass hinter diesem Adventure die Gamedesign-Legende Roberta Williams (King's Quest) stand.
Warum hat Gabriel Knight 2 heute die deutlich treuere Full-Motion-Video-Jüngerschaft? Ich denke, es liegt hauptsächlich an der außergewöhnlichen Factasy-Story von Jane Jensen. Sollte der Lektor dieses Textes gerade hastig in Richtung Baldrian-Spritze tasten: Ich verwende den Begriff Factasy, weil die 1963 in Pennsylvania geborene Gamedesignerin, übrigens eine Ziehtochter von Roberta Williams, reale Ereignisse mit Phantastik-Elementen mixte. Sie tat das so geschickt, dass selbst Historiker applaudieren.
Björn Hennig etwa, der ein lesenswertes Online-Essay mit dem Titel "Märchenkönig oder Werwolf?" geschrieben hat. Auf der Seite Videospielhistoriker attestiert der Geschichts- und Lateinlehrer aus Hannover:
"Wenn man von den offensichtlichen Fantasy-Anleihen absieht, wirken die Themen und Inhalte durchaus realistisch. Die Freundschaft zu Wagner, dessen Musik, das Auftauchen anderer Persönlichkeiten wie z.B. seiner guten Freundin Elisabeth von Österreich-Ungarn (besser als Sisi bekannt). [...] Insgesamt schafft es das Spiel, Ludwig II. als historische Person in das Spiel einzubauen und sich entweder an Fakten oder an Verschwörungstheorien zu orientieren. [...] Tatsachen werden nicht als störendes Beiwerk verstanden, sondern als Möglichkeit, der Geschichte größere Tiefe zu geben." Die Theorie klingt faszinierend - doch wie schlägt sich das alles im eigentlichen Spielalltag? Schauplätze, Gegenwartshandlung und Tonwechsel nehmen jetzt Fahrt auf.

So musste ich bspw. nach dieser Fomulierung
"Dass ich regelmäßig und gerne bei Herrn Übergrau vorbeischaue, was für den Fortgang der Handlung enorm wichtig ist, dafür sorgt vor allem seine Rechtsanwaltsfachangestellte Frau Hobel."
direkt "Back to the Boobs" denken...
Gutes Sequel, genau wie das dritte Spiel, das Niveau des Pixel-Erstlings haben beide jedoch nie gänzlich erreicht.
So musste ich bspw. nach dieser Fomulierung
"Dass ich regelmäßig und gerne bei Herrn Übergrau vorbeischaue, was für den Fortgang der Handlung enorm wichtig ist, dafür sorgt vor allem seine Rechtsanwaltsfachangestellte Frau Hobel."
direkt "Back to the Boobs" denken...