GTA 6, das teuerste Videospiel aller Zeiten: Droht der Gaming-Welt der Kosten-Kollaps?
Kosten von weit über einer Milliarde Dollar für GTA 6 - und auch sonst sieht es düster aus in der Gaming-Welt. Steht der Kosten-Kollaps kurz bevor?
Achtung, Achtung, das ist keine Übung! Grand Theft Auto 6 wird nicht verschoben und soll ganz planmäßig im Herbst 2025 erscheinen. Das geht aus einem jüngst erschienenen Geschäftsbericht des amerikanischen GTA-Publishers Take-Two hervor. Grund zur Freude also - sofern nicht doch noch eine kurzfristige Planänderung dazwischenkommt. Doch darum soll es in diesem Artikel nicht gehen.
Fans der Spielereihe warten seit über elf Jahren auf einen Nachfolger für GTA 5 (erschien erstmals am 17. September 2013). Dementsprechend dürfte nicht nur die Vorfreude auf den neuesten Teil des Open-World-Abenteuers riesig sein - die Kosten, die das Spiel verschlingt, sind es auch.
Auch wenn es keine offiziellen Zahlen von Entwickler Rockstar Games gibt, rechnen Branchen-Experten damit, dass die Entstehung des Titels rund ein bis zwei Milliarden Dollar verschlingen könnte. Damit wäre GTA 6 (jetzt kaufen 78,99 € ) die kostspieligste Videospiel-Entwicklung aller Zeiten. Bis jetzt.
Wir sprachen mit Experten darüber, was die Kosten für einen Blockbuster dieser Kategorie derart in die Höhe treibt und schauen, wie viel Geld große Titel der Vergangenheit in ihrer Entwicklung kosteten. Zudem klären wir die Frage, ob der Branche diese Entwicklung guttut - oder ob irgendwann der große Kosten-Kollaps droht.
Passend dazu: Müssen Videospiele teurer werden? Der hohe Preis, den man für Gaming zahlt
Gerichtsprozess gibt Einblick in Kosten
Ein bis zwei Milliarden Euro für die Entwicklung eines Videospiels klingen nach einer absurden Summe. Und in der Regel halten sich Entwickler im Hinblick auf Ausgaben sehr bedeckt. Bei einem Rechtsstreit zwischen Microsoft und Activision Blizzard auf der einen und der amerikanischen Federal Trade Commission auf der anderen Seite im Juli 2023 wurden allerdings Dokumente von Sony veröffentlicht, die einen Einblick in die Kosten der Entwicklung von The Last of Us: Part 2 und Horizon Forbidden West gaben.
Letzteres verschlang über einen Zeitraum von fünf Jahren rund 212 Millionen US-Dollar. Der Großteil dieser Summe ging an rund 300 Entwickler, die in Vollzeit für das Projekt beschäftigt waren. The Last of Us 2 kostete mit 220 Millionen Dollar geringfügig mehr und war sechs Jahre in Entwicklung.
Diese Dokumente zeigen: Der Großteil der Gelder, die nötig sind, um ein Videospiel zu erschaffen, gehen an das Personal. Dazu kommen noch weitere Posten wie benötigte Technologie, Programme, Hardware und Co. Auch laufende Kosten wie Strom werden in diese Summen einberechnet. Und: Selbst das bekannteste Spiel kommt nicht ohne Marketing aus, welches auch finanziert werden will.
Interessant hierbei: ein Bericht der britischen Wettbewerbs- und Marktaufsichtsbehörde von Anfang 2023 ergab, dass die Entwicklung eines Videospiels zwischen 2018 und 2023 rund 50 bis 150 Millionen US-Dollar kostete. Für 2024 und 2025 rechnete die Behörde mit voraussichtlichen Kosten von durchschnittlich 200 Millionen Dollar. Warum ist GTA 6 also so viel teurer?
Technischer Fortschritt erhöht die Entwicklungskosten
Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, sprachen wir mit Felix Falk, Geschäftsführer des game-Verbandes der deutschen Gamesbranche. Laut ihm sorgt unter anderem die schiere geplante Größe von Spielen in der Art wie Grand Theft Auto 6 für deutlich höhere Entwicklungskosten:
Quelle: Game-Verband
Felix Falk
"Die Entwicklungskosten für AAA-Produktionen sind in den letzten Jahrzehnten stark gestiegen. Ein wesentlicher Grund dafür ist der technologische Fortschritt, der aufwendigere Grafiken und größere Spielwelten ermöglicht, aber damit auch verteuert. Immer größere und spezialisiertere Teams sowie längere Entwicklungszyklen erhöhen die Personalkosten."
Er fügt hinzu: "An großen Produktionen arbeiten heute nicht mehr Dutzende, sondern Tausende von Entwicklerinnen und Entwicklern. Gleichzeitig steigen auch die Kosten für das Marketing: Um bei der großen Anzahl von Veröffentlichungen wahrgenommen zu werden, investieren die Unternehmen hier ebenfalls Millionensummen."
Wie viele Mitarbeiter tatsächlich an der Entwicklung von GTA 6 beteiligt sind, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht bekannt. Allerdings dürfte dieses Mammutprojekt wohl mehr Entwickler und Co. erfordern als die eben angesprochenen Titel The Last of Us und Horizon.
Studios könnten Kosten geringer halten
Weiterhin sprachen wir mit Prof. Dr. Giovanni Vindigni, D.Th., FRSA, der unter anderem als Studiendekan des Studiengangs Digital Games Business an der DIPLOMA Hochschule Hamburg und Doctoral Advisor an der Middlesex University fungiert. Er bestätigt, dass es vier große Posten gibt, die die Kosten für Videospiel-Entwicklungen bestimmen: das Personal, die Technologie, Prozessmanagement sowie das Marketing und Vertrieb. So weit, so gut.
Quelle: Dr. Giovanni Vindigni
Dr. Giovanni Vindigni
Doch er sagt auch: mit einem besseren Evaluationsprozess könnten Studios Kosten sparen: "Ein kritischer Aspekt ist, dass viele Studios primär Evaluationen ex post durchführen und somit wesentliche Vorteile einer vorausschauenden und kontinuierlichen Überprüfung vernachlässigen."
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Ex post bedeutet in dem Fall, dass eine Analyse der Ausgaben, Arbeit und Co. nachträglich stattfindet - also nachdem das Spiel bereits erschienen ist. Vindigni: "Regelmäßige interne Überprüfungen während der Entwicklungsphase, das heißt eine interne Prozesskontrolle, könnten jedoch frühzeitig Risiken identifizieren und den Entwicklungsprozess effizienter gestalten."

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Ich sehe es eher so, das, wenn man jetzt schon mit Rabatten um sich wirft (Steam Sale mit 35%) dann versucht man verzweifelt, die Verkaufszahlen noch nach obene zu drücken, damit es auf dem Papier gut aussieht. zusätzlich sind die Spielerzahlen am einbrechen, ich hab gestern auf Twitch gesehen, das nicht mal mehr 1000 Zuschauer bereit sind, Streamern zuzuschauen. Währendessen hat z.b. BG3 immer noch eine konstante Zuschauerzahl. Es sieht nicht gut aus
Aber zum Thema: Eine für mich wichtigsten "Wahrheiten" ist eben auch, dass Gaming mittlerweile das größte und lukrativste Unterhaltungsbusiness ist. Zu dieser Erkenntnis gehört eben auch, dass alle möglichen Strukturen professionalisiert und maximal "abgemolken" werden. Schon lange bedient man vorrangig Investoren und Stakeholder anstatt Produkte und Kunden. Kalkuliert man dies auf allen beteiligten Ebenen und assoziierten Bereichen, ergeben sich "Mitnahmeeffekte" wo einem nur noch übel wird, weil im Grunde alle Beteiligten maximal die Hand aufhalten. Allen voran und besonders die, die am wenigsten mit dem Endprodukt zu tun haben! Und der Wasserkopf wird immer größer, jeden Tag.
Wir kennen diese Entwicklungen aus jedem Business im Rahmen der endlosen Gier der Kommerzialisierung. Der Kostendruck entsteht nicht, weil alles immer größer, aufwändiger und gewaltiger wird - auch wenn man uns das alles so glauben lassen will - sondern weil man mit dem Endprodukt so unheimlich viel Geld verdienen kann. D.h. alleine das Prozessmanagement wird irrsinnig aufgeblasen, weil es angeblich anders nicht mehr ginge. Letztendlich verdienen aber "drölfzig" spezialisierte Daten-, Software-, Asset-, Struktur-, Personal- und, und, und -Provider an dem Projekt mit. D.h. keine Sau hat zunehmend mehr Interesse daran, ein schlankes produkt- und Kundenorientiertes Spielerlebnis zu kreieren. Man will Gigantismus, weil man so glaubt, noch mehr Geld zu verdienen.
Und dabei ist m.E. das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. Ich bin 45 - mit 8bit aufgewachsen - und Gaming gehört für mich zur alltäglichen Lebensqualität. Folgende Generationen werden das mit viel intensiveren Impact erleben und eine größere Bereitschaft für Live-Service Games und multiple Micro- und Content-Transactions haben, schlichtweg weil sie ganz anders damit sozialisiert und aufgewachsen sind. Während in meiner Generation monatliche Abo-Gebühren für Diskussionen sorgten, werden in Zukunft Live-Services und Premium-Memberships die potenziell mehrere hundert, wenn nicht sogar tausende Euro monatlich kosten könnten eher die Regel als die Ausnahme sein. Und es wird dafür einen Markt geben, weil man für jede Zielgruppe ein passendes und reizvolles, virtuelles Paket schnüren kann.
Schöne neue Welt, ich bin gespannt, mit einer beinahe "perversen" Mischung aus Neugier, Abscheu und Übelkeit.