Fans, Entwickler und Party in Island: Das besondere Gefühl des EVE Fanfests

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Special Philipp Sattler - Redaktionsleiter Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Fans, Entwickler und Party in Island: Das besondere Gefühl des EVE Fanfests
Quelle: Fenris Creations

Das EVE Fanfest in Island ist mehr als eine Show für Ankündigungen - es ist ein einzigartiges Treffen einer besonderen Community.

Fanfests, Conventions oder Tavernen - es ist in der Gaming-Branche nichts Ungewöhnliches, dass die großen Entwickler eigene Veranstaltungen ausrichten, um mit den Spielern und Fans die gemeinsame Leidenschaft zu feiern und neue Inhalte oder gar Spiele anzukündigen. Events wie die BlizzCon sind heute kaum noch wegzudenken.

Das gilt auch für das EVE Fanfest von Entwickler Fenris Creations (die nach der Trennung von Pearl Abyss den Namen CCP abgelegt haben). Und doch nimmt das Fanfest in Island eine ganz besondere Stellung ein. Denn wo Entwickler normalerweise auf der Bühne stehen und die Fans unten alleine feiern, sieht das bei EVE ein bisschen anders aus - wie jeder, der mal vor Ort war, ganz klar bestätigen kann.

Aber fangen wir vorn und bei den "langweiligen" Themen an. Auch auf dem EVE Fanfest gab es neue Ankündigungen rund um die aktuell wichtigen Spiele von Fenris Creations. Namentlich sind das EVE Online (jetzt kaufen 69,95 € ), EVE Vanguard und EVE Frontier. In EVE Online steht nicht nur die nächste Erweiterung bevor, sondern es gibt gleich eine ganze Trilogie, auf die sich die Kapselpiloten freuen können. In EVE Vanguard steht hingegen die offizielle Alpha-Phase des Extraction-Shooters bevor. EVE Frontier startet in den 6. Zyklus der Entwicklung und verwirrt die Spieler nach wie vor, was es eigentlich sein will.

EVE Fanfest: Eine Party mit und für die Fans

Doch während das auf anderen Conventions die wichtigsten Punkte des Wochenendes wären, bleibt das in Island mehr oder weniger eine Randnotiz. Die Fans sind aus einem ganz anderen Grund hier - und die Entwickler auch. Über 1.500 Kapselpiloten aus mehreren Dutzend Ländern kamen, um für einige Tage die Konflikte aus New Eden ruhen zu lassen und gemeinsam mit den Entwicklern zu feiern, über die Probleme - und mögliche Lösungen - von EVE Online zu sprechen, sich auszutauschen und einfach eine gute Zeit zu haben.

Die Fans stehen bei Fenris Creations im Mittelpunkt. Quelle: Fenris Creations Die Fans stehen bei Fenris Creations im Mittelpunkt. Das EVE Fanfest wirkt stellenweise so, als würden Abiturienten ihre Lehrer in der Kneipe treffen und statt, dass einer dem anderen was vorschreibt, wird auf Augenhöhe gesprochen und Themen offen diskutiert. Das wird von Fenris Creations nicht nur toleriert, sondern aktiv gefördert. Rund 250 der insgesamt ungefähr 400 Entwickler sind selbst vor Ort und mischen sich bei den vielen verschiedenen Veranstaltungen unter die Fans und sprechen offen über ihre Arbeit und Ziele. Und das OHNE, dass irgendwelche PR-Mitarbeiter vor Ort sind oder den Devs zuvor ein Maulkorb verpasst wurde.

Nirgends kommt das Feedback der Spieler so ungefiltert zu den Entwicklern und nirgends bekommen die Spieler so viel Einblick in die Weiterentwicklung ihrer Lieblingsspiele. Das behaupten übrigens nicht nur Fans und Entwickler, (Letztere betonen die Nähe zu ihren Spielern bei jeder Gelegenheit), sondern auch alle anwesenden Medienvertreter. Und glaubt uns ruhig, wir waren schon auf vielen Events von so ziemlich jedem Entwicklerstudio.

Die meisten Fans geben die Liebe der Entwickler zurück und freuen sich, dass man ihnen auf Augenhöhe begegnet. Quelle: Fenris Creations Die meisten Fans geben die Liebe der Entwickler zurück und freuen sich, dass man ihnen auf Augenhöhe begegnet.

Fenris Creations feiert die Fans

Der Entwickler lebt diese Kultur des Miteinanders mit den Fans - von der Führungsetage bis zu den einfachen Entwicklern. Das beginnt schon mit der Eröffnung des Fanfests. EVE-Spieler registrieren sich zuvor (für ihre Tickets) und bei der Opening-Ceremony wird dann erstmal zelebriert, wer alles da ist. Welche Allianz ist am stärksten vertreten, welcher Spieler hat die meisten Schiffe zerstört, wer am meisten Zeit im Spiel verbracht und wer ist das Küken des Fanfests - aka hat den jüngsten EVE-Account.

Fans konnten sich direkt vor Ort die eigene Haut passend veredeln lassen. Quelle: PC Games Fans konnten sich direkt vor Ort die eigene Haut passend veredeln lassen. Dann geht es allerdings nicht nahtlos in die Ankündigungen der Neuheiten über. Stattdessen erzählen die Community Manager von den coolsten Geschichten, die das vergangene Jahr gebracht hat. Oder mit anderen Worten: von den coolsten Errungenschaften der Spieler. Ob das nun Neueinsteiger sind, die durch viel Glück zu Reichtum gekommen sind und mehrere Tage von den Devs wie in einer Telenovela verfolgt wurden, oder die größten und teuersten Schlachten - die Taten der Spieler werden regelrecht zelebriert. Natürlich stets unter dem Jubel oder den Buh-Rufen des Publikums - je nachdem, welche Allianz gerade in der Überzahl ist.

Entwickler und Fans begegnen sich auf Augenhöhe

Legendär ist auch der Pubcrawl, bei dem die Spieler (so sie denn wollen) gemeinsam mit den Entwicklern in kleineren Gruppen durch die Bars und Kneipen von Reykjavik ziehen. Dabei wird natürlich auch über die jüngst angekündigten Neuerungen gefachsimpelt, aber auch gefeiert und sich abseits der virtuellen Welt verbrüdert. Alles unter stetiger Mithilfe von isländischen Hopfengetränken. Am Ende gipfelt die Tour in einer großen Partylocation, in der auch gerne mal Spieler verfeindeter Allianzen Arm in Arm singen und feiern - und die Fenris-Entwickler sind immer mittendrin.

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Könnt ihr euch das vorstellen? Gemeinsam mit Ion Hazzikostas, Phil Spencer, Naoki Yoshida oder Todd Howard und jeder Menge isländischem Bier durch die Kneipen zu ziehen? Keine PR-Abteilung würde das jemals zulassen und unter Einsatz ihres Lebens verhindern, dass hochrangige Entwickler sturzbetrunken mit den Fans oder der Presse reden - auf dem EVE Fanfest wird das sogar noch gefördert.

Die Entwickler haben keine Geheimnisse vor ihren Spielern, die sie versehentlich ausplaudern könnten. Neue Ideen, Projekte oder geplante Features werden nicht unter Verschluss gehalten, sondern schon während der Konzeptphase kommuniziert, um möglichst viel Feedback einzusammeln - auch das kennt man sonst maximal von Indie-Entwicklern.

Fenris setzt bei der Entwicklung auf das Wissen der Fans

Das klingt jetzt vielleicht so, als wäre Fenris mehr ein Spaßverein als ein ernsthafter Entwickler. Aber mitnichten. Nur das Konzept ist eben ein ganz anderes. Statt zwanghaft die eigene Vision durchsetzen zu wollen, hat man in Island schon früh erkannt, dass selbst die findigsten Kreativdirektoren nicht halb so gut sind wie das Schwarmwissen und die Intuition der Spielerschaft. Obwohl die allermeisten EVE-Entwickler selbst, und man kann es kaum anders sagen, extrem hardcore in New Eden unterwegs sind, gibt es immer mindestens einen, meistens eher mehrere, Spieler, die sich im betreffenden Bereich besser auskennen - und Fenris versucht, das zum eigenen Vorteil zu nutzen.

Ein gutes Beispiel dafür ist EVE Vanguard, das während der Pre-Alpha mehr als einmal großflächig aufgrund des Feedbacks umgebaut wurde. Feedback, das man in anderen Studios erst bekommen hätte, nachdem das Kind in den virtuellen Brunnen gefallen wäre.

EVE Vanguard ist geworden, was es aktuell ist, weil die Fans schon extrem früh Feedback geben konnten. Quelle: CCP EVE Vanguard ist geworden, was es aktuell ist, weil die Fans schon extrem früh Feedback geben konnten.

Tief in Island verwurzelt

Dass Fenris aber bei all der Fan-Nähe trotzdem professionell arbeitet und weiß, wie der Hase in der Branche läuft, wird schnell klar, wenn man sich mit den vielen Indie-Entwicklern unterhält, die auf dem Fanfest vertreten waren. Bei Fenris nimmt man die Rolle als das mit Abstand größte Entwicklerstudio des Landes sehr ernst und dient den kleineren Studios nicht nur als Vorbild, sondern hilft auch tatkräftig - ganz nach dem internen Motto: Eine starke Firma ist gut, eine starke Branche ist besser.

Die isländischen Indie-Studios dürfen beispielsweise kostenlos ihre neuen Spiele auf dem Fanfest präsentieren und es herrscht ein reger Austausch von Ideen und Hilfe. In anderen Ländern undenkbar, herrscht dort doch eher ein Konkurrenzdenken. Fenris hingegen profitiert davon ebenfalls. Nicht wenige der Entwickler stammen aus den kleineren Indie-Studios und verdienen sich dort ihre ersten Sporen, ehe sie bei Fenris auf ein neues Level steigen. In einem Land, dessen Bevölkerung geringer ist als die Spielerschaft von EVE Online, ist das extrem wichtig.

Zahlreiche isländischen Indie-Entwickler konnten ihre neusten Spiele zeigen. Quelle: PC Games Zahlreiche isländischen Indie-Entwickler konnten ihre neusten Spiele zeigen. Wichtig ist auch Fenris für Island. Der nun wieder unabhängige Publisher ist zwar weder einer der größten noch umsatzstärksten Arbeitgeber des Landes, aber einer der bekanntesten und beliebtesten. Im vergangenen Jahr erreichte (damals noch) CCP Platz 1 der "besten Arbeitgeber Islands".

Und so ließ es sich die Präsidentin von Island auch nicht nehmen, selbst auf dem Fanfest aufzutauchen und den Spielern vor Ort die Bedeutung des Studios näherzubringen. Dabei sprach sie unter anderem über den Einfluss von CCP, aber auch über kritische Dinge wie den verstärkten Einsatz von KI in der Technologiebranche - und das auch bei Fenris. Und das, obwohl tags darauf landesweit verschiedene Wahlen stattfanden.

Spielerblut auf dem Mond, Programm für die Partner und eine ... Strickecke?

CCP bleibt auch unter dem Namen Fenris Creations ein Unikum in der Branche. Ob der gewaltige und lange anhaltende Erfolg mit EVE Online "dank dieser Offenheit" oder "trotz dieser Offenheit" gekommen ist, sei mal dahingestellt und wird wahrscheinlich nie endgültig aufgeklärt. Als Fan kann man jedenfalls dankbar sein. Denn es ist wahrlich nicht selbstverständlich, dass ein Entwickler über alle Ebenen hinweg stets auf Augenhöhe mit seinen Spielern agiert - und sich dann auch noch so gut um sie kümmert.

Denn zum Abschluss noch ein paar kuriose Dinge rund um das sehr "spezielle" Fanfest. Für viele Fans beginnt das Fest nämlich bereits in den Tagen zuvor - bei verschiedenen von CCP organisierten Ausflügen der Spieler mit den Entwicklern zu den Sehenswürdigkeiten in Island -, angefangen vom EVE Online Monument (Ja, EVE hat ein eigenes Monument in der Hauptstadt, mit den eingravierten Namen zahlreicher Spieler) bis zu den Lavatunneln.

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Während des Events warteten Anspielstationen mit den neusten Updates der Spiele, es wurden Raumschiff-Miniaturen zum Bemalen verteilt, es gab diverse Ausstellungen sowie Vorträge (von Kosmologen und einer Mitarbeiterin der europäischen Raumfahrtagentur) und vieles mehr. Natürlich auch das große Abschlusskonzert - inklusive Party. Es gab sogar eine "Knitadel" - aka eine Knitting Citadel, also eine Strickecke.

Nachdem den Entwicklern in den vergangenen Jahren immer wieder Spieler auffielen, die zum Entspannen in den Ecken saßen und strickten, gab es nun eine offizielle Area dafür. Aber nicht nur an die Spieler wurde gedacht - sondern auch an deren Begleitungen, die vielleicht mit New Eden nichts anfangen können. Darum kümmerten sich die "Sisters of EVE". Dabei handelte es sich um geführtes Rahmenprogramm für all diejenigen, deren Frauen und Männer den ganzen Tag auf dem Fanfest abhängen. Während die Kapselpiloten sich mit ihren virtuellen Brüdern amüsierten, konnten ihre Partner die schönen Seiten von Island erkunden.

Und zu guter Letzt ein weiteres Beispiel, das ziemlich deutlich zeigt, dass die Uhren bei Fenris einfach anders gehen. Beim vergangenen Fanfest kündigte CEO Hilmar Pétursson an, dass die Geschichten aus New Eden nach alter isländischer Tradition niedergeschrieben werden ... mit dem Blut der Spieler. Letzteres war ein spontaner Einfall während der Ansprache, wie später rauskam. Doch gesagt, getan: In diesem Jahr konnten alle Fans vor Ort einen kleinen Teil ihres Blutes spenden (nur ein paar Tropfen). Daraus wird dann eine Tinte entstehen, mit der die Historie von EVE Online und die größten Taten der Spieler in altisländischer Gedichtform von Experten niedergeschrieben werden.

Das Spenden des eigenen Blutes wurde professionell durchgeführt und natürlich unter strenger Befolgung aller wichtigen Auflagen. Quelle: PC Games Das Spenden des eigenen Blutes wurde professionell durchgeführt und natürlich unter strenger Befolgung aller wichtigen Auflagen. Doch damit nicht genug. Erneut ließ sich Hilmar hinreißen und kündigte nun an, wo er plant, dass dieses Werk aufbewahrt werden solle. Denn selbst in den besten Museen nage der Zahn der Zeit an den Werken - darum soll die "Capsuleer-Edda" laut Hilmar zum Mond geschossen werden, wo sie auf ewig konserviert bleibt. Es darf bezweifelt werden, dass es wirklich dazu kommt ... doch ganz abschreiben würden wir das nicht. Wer hätte gedacht, dass Fenris wirklich das Blut der Spieler nimmt und damit die Geschichten aus New Eden konserviert?

Man kann es drehen und wenden, wie man will. EVE Online, Entwickler Fenris Creations und die gesamte Community drumherum bleiben ein Phänomen - und das auf die positivste nur denkbare Art und Weise. Hoffen wir mal, dass sich daran auch in den nächsten 23 Jahren nichts ändern wird. In diesem Sinne: Good Luck, Mister Gorsky.

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