Divinity: Original Sin im Test: Bewährte Konzepte und ermüdende Dialoge

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Angelegte Ausrüstung wird an euren vier Spielfiguren dargestellt.
Quelle: PC Games

Ja, sowas gibt es heutzutage auch noch: Larian Studios wirft mit Divinity: Original Sin PC-exklusive Rollenspielunterhaltung alter Schule auf den Markt. Zur Freude vieler RPG-Fans mit wohligen Erinnerungen an Baldur's Gate, Ultima 7 & Co. Unserer umfangreicher Langzeit-Test inklusive Video-Review stellt Rundenkämpfe und Oldschool-Gameplay vor. Update: Jetzt auch mit Wertung!

Es ist unter anderem die Rückbesinnung auf die Hochzeit der klassischen Rollenspiele, die Divinity: Original Sin so anziehend für Veteranen des Genres macht. Und ja, es ist zweifellos klasse, dass endlich mal wieder ein RPG erscheint, das seine Spieler ernst nimmt. Eines, das sich nicht von alleine spielt, sondern es einem im Gegenteil erlaubt, Charakterwerte und Ausrüstung von vier Charakteren frei anzupassen. In Original Sin passen sich Gegner nicht dem Level der Helden an, es gibt keine automatische Lebensgeneration, keine Möglichkeit Erfahrungspunkte zu "grinden".

Figuren, die im Kampf sterben, stehen erst nach Verwendung eines entsprechenden Zauberspruchs wieder auf. Das Spiel nimmt euch nicht bei der Hand, es gibt keine Möglichkeit, einzelne Aufgaben zu markieren und grundsätzlich geizt Original Sin mit Hilfestellungen. Original Sin gibt sich betont sperrig und erwartet, dass ihr euch Zusammenhänge selbst erschließt, aus eigenem Antrieb mit den Handwerksoptionen experimentiert oder ohne exakte Hinweise herausfindet, wie eine Quest abzuschließen ist. Unpraktisch für Einsteiger; eine Wohltat für anspruchsvolle Experten!

Aber wenn wir die rosarote Nostalgiebrille mal kurz absetzen, fallen uns auch jede Menge Aspekte von Original Sin auf, die von einer gemäßigten Modernisierung profitiert hätten. Das Bewegungstempo zum Beispiel ist extrem gewöhnungsbedürftig, weil einschläfernd niedrig. Im riesigen Cyseal ist aber gerade zu Beginn viel Laufarbeit angesagt, die Entfernungen sind teils enorm und nützliche Schnellreiseportale sind erst später in ausreichender Anzahl vorhanden. Dazu kommt die hakelige Kamera, die ihr erst nach einer entsprechenden Änderung in den Optionen frei um 360° rotieren dürft. Auch das Inventar, in dem ihr Gegenstände repariert, neue Items per Handwerk herstellt oder magischen Tand identifiziert, ist unnötig umständlich geraten.

Inventar und Handelsbildschirm mangelt es an Übersicht und Komfort. Quelle: PC Games Inventar und Handelsbildschirm mangelt es an Übersicht und Komfort. Gut: Die Rucksäcke der vier Helden bieten praktisch unbegrenzt Platz, nur das Gewicht schränkt eure virtuelle Kleptomanie ein. Außerdem könnt ihr mit separaten Taschen und mehreren Filterfunktionen für Ausrüstung, Tränke oder Crafting-Materialien theoretisch für Ordnung sorgen. Allerdings verliert ihr angesichts der Massen an zu findenen Gegenständen – alle mittels winziger Symbole repräsentiert – trotzdem schnell die Übersicht. Der Austausch von Items zwischen den vier Protagonisten könnte zudem simpler per Drag & Drop funktionieren. Nervig: Die Position der frei verschiebbaren Fenster merkt sich das Spiel nicht, weshalb bei jedem neuen Blick in den Rucksack wieder ähnliche Fummelarbeit ansteht. Der Gipfel der Unhandlichkeit ist derweil der Handel mit NPCs. Obwohl ihr im Tauschfenster zwischen allen Party-Mitgliedern wechseln dürft, wird beim Item-Vergleich immer nur die Ausrüstung der Figur angezeigt, die das Gespräch mit dem Krämer begonnen hat.

Stirbt einer eurer Helden, hilft nur ein seltener Wiederauferstehungszauber. Quelle: PC Games Stirbt einer eurer Helden, hilft nur ein seltener Wiederauferstehungszauber. Wer sich in den letzten zehn Jahren Rollenspielgeschichte an Komfortfunktionen wie Questmarkierungen gewöhnt hat, muss in Original Sin komplett umdenken. Larian hat auf jegliche Art von Pfeilen oder grafischen Wegweisern verzichtet. Das ist einerseits zu begrüßen, weil es den Spieler zum Nachdenken anregt und er nicht wie in einem MMOG stur per Luftlinie zum nächsten Auftraggeber hetzt statt die atmosphärische Spielwelt auf eigene Faust zu erforschen. Andererseits gibt sich Original Sin auf diese Weise nicht eben einsteigerfreundlich. Die Situation wird durch das miserable Quest-Logbuch verschärft.

Im Tagebuchstil verfasst das Spiel automatische Einträge unterhalb jeder Aufgabe, die aber meist nur das beschreiben, was ihr zuletzt getan habt. Nur höchst selten gibt es Hinweise dazu, was als Nächstes zu tun ist. Das wird etwa dann lästig, wenn ihr mehrere Tage nicht zum Spielen kommt und versucht, eine brachliegende Quest mit Verspätung abzuschließen. Ein gutes Gedächtnis ist daher von Vorteil, um sich zumindest die Position von wichtigen NPCs zu merken – alternativ empfehlen wir die ausgiebige Nutzung der Notizfunktion auf der Übersichtskarte. Bei mehrstufigen Missionen werden die ausklappbaren Einträge zudem immer länger, das Notizbuch gerät zur elendig langen Aufzählung.

Zeit für eine Party

Nur die wenigsten Gespräche sind vertont, meist müsst ihr seitenlange Texte lesen. Quelle: PC Games Nur die wenigsten Gespräche sind vertont, meist müsst ihr seitenlange Texte lesen. Zwei Abenteurer erstellt ihr zu Spielbeginn selbst, zusätzlich heuert ihr in der ersten Stadt des Spiels zwei Begleiter an oder wählt in der sogenannten Halle der Helden vorgefertigte Söldner. Diese besitzen dann aber überhaupt keine Persönlichkeit und somit sogar noch weniger als die zwei Standard-Kameraden: eine misstrauische Nahkämpferin und ein Dämonen jagender Zauberer. Auch wenn Baldur's Gate 2 und Planescape: Torment große Inspirationsquellen für Original Sin sind, erreichen die beiden Begleiter nie die Qualität solch legendärer NPCs wie Edwin, Morte oder Viconia. Es gibt kein unterhaltsames Geplänkel zwischen den Charakteren und keine Romanzen. Zwar melden sich die Helden zwischendrin immer mal wieder zu Wort. Dennoch fällt es schwer, eine Beziehung zu ihnen aufzubauen.

Nur die beiden Haupthelden kabbeln sich untereinander: Bei Spielstart verpasst ihr ihnen eine KI-Persönlichkeit wie Priester, Richter oder Wahnsinniger. Steht eine Quest-Entscheidung an, verhält sich der gerade nicht gesteuerte Protagonist entsprechend dieser Einstellung. Habt ihr eine andere Auffassung, legt ihr die Meinungsverschiedenheit mittels einer Runde Stein-Schere-Papier bei. Das wirkt im Einzelspielermodus dezent aufgesetzt und nach dem zehnten Mal ermüdend - optional lassen sich diese Unterhaltungen im Menü komplett abschalten. Das Stein-Schere-Papier-Prinzip kommt zudem zum Einsatz, wenn ihr versucht NPCs zu überzeugen oder einzuschüchtern.

Viel zu erzählen, wenig zu sagen

Mittels Stein, Schere, Papier legt ihr Zwistigkeiten zwischen den beiden Hauptcharakteren bei, sowohl im Einzelspieler- als auch im Koop-Modus. Quelle: PC Games Mittels Stein, Schere, Papier legt ihr Zwistigkeiten zwischen den beiden Hauptcharakteren bei, sowohl im Einzelspieler- als auch im Koop-Modus. In Abwesenheit einer Komplettvertonung (es gibt nur hin und wieder ein paar englische Sätze, auch in der deutschen Fassung) müsst ihr die meisten Gespräche auf althergebrachte Weise lesen, wobei den deutschen Übersetzern einige Stilblüten und englische Fragmente durch die Lappen gegangen sind. Die langatmigen Dialoge laden so oder so mehr zum Überspringen als zum interessierten Studieren ein. Wer solche auf den Punkt gebrachten Unterhaltungen wie in The Banner Saga erwartet, wird enttäuscht: Figuren berichten lang und breit über Nichtigkeiten, die ewig sabbelnden Dampfplauderer sind deutlich in der Überzahl. Das ermüdet auf Dauer.

Dennoch gibt es so manche interessant und witzig geschriebene Konversation. So trefft ihr etwa auf einen Wunschbrunnen, dessen Sprache fast nur aus Wörtern mit dem Anfangsbuchstaben W besteht. Oder ein Magier in einer abgelegenen Höhle macht in Poesie verpackte Werbung für Larians Strategiespiel Dragon Commander. Es fehlt aber an echten Highlights, an moralischen Zwickmühlen und kniffligen Entscheidungen. Alles ist unterhaltsam, unproblematisch und sehr seicht.

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  1. Seite 1 Divinity: Original Sin im Test: Authentische Spielwelt und viel Witz
  2. Seite 2 Divinity: Original Sin im Test: Bewährte Konzepte und ermüdende Dialoge
  3. Seite 3 Divinity: Original Sin im Test: Rundengefechte und Charaktersytem
  4. Seite 4 Divinity: Original Sin im Test: Koop-Modus und die Quests + Fazit
    • Kommentare (261)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Terracresta Gelegenheitsspieler/in
        Hm, muss es erstmal durchspielen um sagen zu können, wie es im Vergleich zu Baldurs Gate und anderen alten Klassikern ist, aber BG ist/sind, wenn auch gute Spiele, nicht so hoch in meinem Stellenwert für RPGs. Ich erinnere mich da eher an die Ultima Spiele inkl. Ablegern wie UUW und Worlds of Ultima, Albion, die Nordlandtrilogie (verbrennt die "Remakes" und die "Ketzer" dahinter! ;) und andere.
      • Von Terracresta Gelegenheitsspieler/in
        Hm, muss es erstmal durchspielen um sagen zu können, wie es im Vergleich zu Baldurs Gate und anderen alten Klassikern ist, aber BG ist/sind, wenn auch gute Spiele, nicht so hoch in meinem Stellenwert für RPGs. Ich erinnere mich da eher an die Ultima Spiele inkl. Ablegern wie UUW und Worlds of Ultima, Albion, die Nordlandtrilogie (verbrennt die "Remakes" und die "Ketzer" dahinter! ;) und andere.
      • Von Eberhard Hobby-Spieler/in
        Man macht sich dann selber Notizen. In der Map kann man ja durchaus eigene Marker setzen.
        Ich kenne das Problem, denn ich bin selber so ein Spieler.
        Wir haben früher doch sogar die Karten selber skizziert, auf einem Blatt Papier neben dem Computer und hatten auch längere Pausen dazwischen-
      • Von MisterSmith Spiele-Kenner/in
        Zitat von Vordack
        Ich habe mich glaube ich auch etwas verkeht ausgedrückt.
        Kein Ding, ich schätze dann meintest du vielleicht einfach nur die Fälle in denen es nicht nachvollziehbar ist, wie das mit der Miete.

        Wobei ich mich da frage, wie man so etwas vor dem Amt vertuschen kann, vermutlich nur mit Betrug wenn das folgende stimmt:
        Zitat
        Jedoch, wenn eine zweckentsprechende Verwendung des Hartz 4 Leistungsberechtigten nicht gewährleistet werden kann überweist die ARGE auch direkt an den Vermieter.
        Wenn ich dies richtig verstanden habe, dann muss man jede Mietzahlung mit Kontoauszügen oder ähnlichen dokumentieren, ansonsten wird einfach direkt an den Vermieter überwiesen.
        Aber wenn dies irgendwie umgehen werden kann, sollte einfach immer nur grundsätzlich an den Vermieter überwiesen werden, wüsste nicht was dagegen sprechen sollte.
      • Von Vordack Spiele-Professor/in
        Zitat von MisterSmith
        Dann verstehe ich nicht wieso du dies als Beispiel dafür gebracht hast, dass das schwer zu glauben wäre. Z. B. ein 16 Jähriger Azubi der zum Geburtstag ein Handy in dieser Preisklasse geschenkt bekommt, ist zwar vielleicht nicht die Regel aber so selten auch wieder nicht und absolut nachvollziehbar, wenn die Eltern über ausreichend finanzielle Mittel verfügen.
        Du musst nicht alles verstehen. Ich habe mich glaube ich auch etwas verkeht ausgedrückt.
      • Von MisterSmith Spiele-Kenner/in
        Zitat von Vordack
        Oder einfach Geld für Miete anders ausgeben, oder Mama fragen, oder oder oder, hat ich gerade im Bekanntenkreis meiner Frau, deswegen hat ich überhaupt dran gedacht...
        Dann verstehe ich nicht wieso du dies als Beispiel dafür gebracht hast, dass das schwer zu glauben wäre. Z. B. ein 16 Jähriger Azubi der zum Geburtstag ein Handy in dieser Preisklasse geschenkt bekommt, ist zwar vielleicht nicht die Regel aber so selten auch wieder nicht und absolut nachvollziehbar, wenn die Eltern über ausreichend finanzielle Mittel verfügen.
        Zitat von Rabowke
        Angeber-Boi!

        ;-)
        Ich bezog mich hier auf die in Geschäften "regulär" verkauften Handys und auf keine Spezialanfertigungen mit Brillanten oder sonstigen exklusiven Extras. :-D

        Mir ging es außerdem nur darum zu verdeutlichen, dass wenn jemandem etwas geschenkt wird obwohl er es überhaupt nicht nötig hat, es wohl sehr wahrscheinlich dann erst recht bei jemanden vorkommt, der das Geld nicht aufbringen kann. ;-)

        Zitat von Briareos
        Wenn man das reine Einspielergebniss betrachtet sicher nicht, aber wenn man mal auf den kommerziellen Erfolg schaut, dann gibt es da schon einige. "The Blair Witch Project" hat mit Produktionskosten von ~60.000$ insgesamt 248 Millionen US-Dollar eingespielt und gilt zumindest laut Guinessbuch als "kommerziell erfolgreichster Film aller Zeiten".
        Zum einen zählt der Film mit seinen 78 Minuten Spielzeit sicher nicht in die Kategorie der Kurzfilme, auch wenn er etwas kürzer als die üblichen Spielfilme ist. Und zum anderen war dies wohl auch vor allem in dieser Form ein einmaliger Marketingtrick, der kaum etwas gekostet hat.
        Zitat
        Im August 1998, zehn Monate, nachdem der Film gedreht war, stellten Dan Myrick und Ed Sanchez eine Webpräsenz ins Internet, auf der sie – als Tatsachenbericht getarnt – über das Verschwinden dreier Filmstudenten im Jahre 1994 in den Wäldern um Burkittsville und die Suche nach ihnen sowie den Fund ihrer Ausrüstung – einschließlich der Filmmaterialien – informierten. Auch die Sage der Hexe von Blair wurde genauestens erklärt und geschildert. Fiktive Interviews mit Familienmitgliedern und Bekannten der Verschwundenen machten die Täuschung komplett. Bald schon erreichte die Webpräsenz die Eine-Million-Besucher-Marke.
        Oder um es klarer zu vermitteln, der Film wurde gar nicht erst als ein Spielfilm beworben und viele Zuschauer wurden überhaupt nur durch diesen Etikettenschwindel gewonnen. :-D

        Aber ist sowieso kein Kurzfilm, wobei ich nicht behaupte, dass es keine guten Kurzfilme gibt, sie sind halt aber durch die kurze Spielzeit natürlich in den Handlungssträngen, Spannungsbögen, etc. stark limitiert, wenn man dies nicht versteht, hat man möglicherweise keine besonders große Ahnung von Filmen.

        Und die Produktionskosten limitieren die Qualität erst ab einer gewissen Untergrenze und sind deshalb nur bedingt ein limitierender Faktor, hängt dann sowieso zudem von den Gehaltskosten der Schauspieler usw. ab, aber dies im einzelnen aufzuführen würde wohl zu weit gehen. :-B
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