Die Siedler 2 im Retro-Special: Die Römer kamen, sahen und wuselten
Redakteur Vik entführt euch auf einen Nostalgie-Trip mit dem seiner Meinung nach besten Teil der Siedler-Reihe. Darum spielt er Die Siedler 2 immer noch alle paar Jahre durch.
Auf dieser Seite
Herr der Meere
Aber lasst uns auch noch über die vorhin erwähnten Schiffe sprechen. Die waren schließlich eine der größten Neuerungen im zweiten Teil und zu der Zeit echt was Besonderes im Genre. Was habe ich damals gestaunt, als die Schiffe in der vierten Mission als völlig neues Konzept eingeführt wurden. Ich fand das SO cool, dass man damit kleine Kolonien gründen konnte, die losgelöst vom bisherigen Land agieren konnten. Teilweise habe ich den Schiffen sogar einfach nur dabei zugesehen, wie sie übers Wasser geglitten sind.
Fans, die erst mit Siedler 3 eingestiegen sind, werden sich jetzt wahrscheinlich sagen: "Was faselt der da? Ist doch nix Besonderes." Aber ihr müsst das verstehen: Ich kannte Aufbauspiele davor ja nur von Siedler 1. Und vergleichbare Spiele wie Anno 1602 oder Patrizier 2 kamen erst ein paar Jahre später raus. Schiffe waren in so einem Spiel also was völlig Neues. Damals war das einfach total faszinierend, mein Reich mit Schiffen in fernen Gestaden zu erweitern. Und es würde mich kein Stück überraschen, wenn die Anno-Entwickler damals einen Geistesblitz für das Konzept des ersten Anno hatten, als sie diese vierte Mission in Siedler 2 gespielt haben.
Quelle: PC Games
Die Schifffahrt war etwas ganz Besonderes in Siedler 2 und wirkte wie eine Inspiration fürs spätere Anno 1602.
Doofe Schiffs-KI
Aber eine Sache hat meinen Enthusiasmus leider hart auf die Probe gestellt. Und das war natürlich das strunzdumme Verhalten der Schiffskapitäne - oh man! Wenn man die Schiffe auf Expedition losschickt, um neue Häfen zu errichten geht das ja noch - da habe ich als Spieler die volle Kontrolle. Aber sobald die Lieferung zwischen den Häfen beginnt, bricht das reine Chaos aus.
Denn anders als in den Nachfolgern oder bei einem Anno kann ich die Schiffe nicht direkt befehligen. Ich kann auch nicht einstellen, dass bestimmte Waren oder Bürger gezielt geliefert werden. Ich muss einfach dasitzen und hoffen, dass die Schiffe doch freundlicherweise ihren Job machen. Teilweise hat das geklappt, oft genug aber eben nicht. Und wenn man dann in der Kolonie auf einem Haufen Goldmünzen hockt, während die Truppen an der Front besagte Münzen dringend brauchen - naja, das ist dann nicht so prickelnd.
Bildergalerie
Deutlich zuverlässiger waren da die ebenfalls neu eingeführten Packesel. Die Mulis kamen auf besonders häufig genutzten Wegen zum Einsatz und halfen den Siedlern beim Transport der Waren. Überhaupt zählt der Aufbau einer guten Logistik zu den einprägsamsten Elementen des Spiels. Ein Reich in Siedler 2 ist nur so erfolgreich wie sein Straßennetz und die Wirtschaft, die dadurch verbunden wird. Es ist ein wenig wie beim Blutkreislauf im Körper. Wenn die Waren nicht zuverlässig zirkulieren, ist man in Siedler 2 träge und bekommt Probleme.
Die Welt liegt mir zu Füßen
Das fiel besonders auf den teilweise riesigen Karten auf, die durch das Add-on noch im gleichen Jahr ergänzt wurden. Denn die sogenannte Missions-CD fügte noch eine komplette zweite Kampagne hinzu. Nachdem die Römer zurück in Rom waren, durfte ich in der Welt-Kampagne von dort aus in die gesamte Welt ausschwärmen.
Quelle: PC Games
Die Erweiterung brachte auch die coole Welt-Kampagne mit, in der wir unsere römischen Legionen über den kompletten Globus befehligen.
Die Karten darin sind den Kontinenten nachempfunden und man darf sogar wählen, in welcher Reihenfolge die Eroberungsreise abläuft. So gut die römische Kampagne schon war, diese Weltrundreise hat mich nochmal mehr begeistert. Vor allem ging es in Europa direkt mit einer absoluten Banger-Karte los!
In der römischen Kampagne hatte man nie mehr als zwei Gegner gleichzeitig. Und dann setzen mir die Entwickler hier eine gigantische Karte mit sage und schreibe fünf Gegenspielern vor. Fünf! Und die kommen auch noch von allen Seiten gleichzeitig, während ich irgendwie überleben muss, bis ich die wertvollen Goldreserven in den Alpen erreiche. Bei der Karte musste ich wirklich alle Register ziehen und ich habe das Spiel dafür geliebt. Aber auch in den folgenden Missionen gab es einige Momente, die nicht mehr vergessen werde.

Daher frage ich mich nun nur noch warum so viel Zeit verging, bis ein Video-Beitrag auch den dazugehörigen Artikel erhalten hat :) (8. Dezember)
Eigentlich greift das Video noch zu kurz. Siedler 2 war bei mir auch erst richtig groß als das Addon erschien und damit auch die Welteroberungen und der Karteneditor. Leider wurde in diesem Addon auch die Schifffahrt mehr oder minder kalt gestellt, weil die (An)Steuerung der Schiffe nicht gut funktionierte. Das war bitter, weil eigentlich ein wichtiges Feature.
Trotzdem war damit auch etwas entstanden, was auch der damaligen PCGames durchaus zu Gute kam, denn ohne das Internet, wie man es heute kennt, kam man idealerweise per Heft-CD an die neusten Karten aus der Community.
Der 2. Teil gefällt mir primär aus einen Grund besser als 3 und 4 - und zwar der militärische Aspekt. In Siedler 3 oder 4 konnte der Gegner quasi mit einem Schlag gewinnen, wenn man mit genügend Truppen an die Grenze kam und das Gefecht gegen die Hauptstreitmacht des Gegners mit ausreichend überlebenenen Truppen gewonnen hatte. Das Spiel war dann quasi vorbei und es war von vorn herein immer ein Aufrüsten mit endlosen Horden von Soldaten verknüpft, die über die Karte liefen. Bei Siedler 2 galt aber das indirekte Kampfsystem. Das heißt, man konnte im Zweifelsfall auch alle Militärgebäude in Reichweite des Gegners einfach abreißen und sich so in tieferen Gebieten neu formieren. Auch konnte es passieren, dass einen bei großen Reichen irgendwann die Truppen ausgingen um die Militärgebäude zu füllen, von denen ein Angriff ja ausgehen musste. Das brachte eine ganz andere taktische Varianz mit sich als das freie Steuern von Militäreinheiten.