Commandos: Origins im Test: Auf dieses Comeback haben wir 22 Jahre gewartet
Das Kultspiel ist zurück! Commandos: Origins verspricht wieder knallharte Knobel-Taktik, diesmal mit modernem Touch. Ob's klappt, klärt unser Test.
Ich bin mir sicher: Wäre Commandos: Origins vor zehn Jahren erschienen, hätten die Fans es gefeiert. Denn das Comeback war lange, wirklich lange überfällig - und es hat viele alte Stärken im Gepäck, die schon das erste Commandos von 1998 geprägt haben: Vielseitige Helden. Spannendes Schleichen. Abwechslungsreiche Missionen. Und ein Schwierigkeitsgrad, der mich immer wieder herzlich fluchen lässt. So geht Commandos!
Trotzdem hat das Spiel auf Steam "nur" einen Schnitt von 75 Prozent positiver User-Bewertungen, auf Metacritic schaut's ähnlich aus. Warum? Die Antwort ist simpel: Mimimi Games. Das deutsche, mittlerweile aufgelöste Team hat uns Shadow Tactics gegeben, es folgten Desperados 3 und zuletzt Shadow Gambit - eines besser als das andere.
Mimimi Games gibt es heute nicht mehr. Doch ihre Spiele sind der Grund, weshalb wir so etwas wie Commandos: Origins (jetzt kaufen / 44,99 € ) heute wieder spielen können - denn sie brachten Schleich-Taktik im großen Stil zurück. Ihr wisst schon: In Echtzeit ein Expertenteam über eine riesige Karte kommandieren. Unmengen von feindlichen Wachen ausweichen. Lautlos durch die gegnerischen Reihen knobeln. Und um Himmels willen keinen Alarm auslösen!
Das kultige Commandos war der Erfinder dieser Formel. Doch Mimimi Games hauchte ihr neues Leben ein und setzte dabei Standards, die auch auf Commandos: Origins abgefärbt haben. Der Reboot spielt sich deshalb moderner, bequemer und schöner als jemals zuvor, leistet sich aber auch ärgerliche Schwächen. Wo die liegen und ob das Spiel trotzdem die hohen Erwartungen erfüllt, kläre ich im Test.
Hinter feindlichen Linien
Commandos: Origins ist das Erstlingswerk von Claymore Game Studios, ein Team in Darmstadt, das extra für dieses Projekt gegründet wurde. Es spielt wieder während des Zweiten Weltkriegs und erzählt die Vorgeschichte zum ersten Serienteil: Diesmal erlebt ihr, wie sich eure sechsköpfige Truppe kennenlernt und zum ersten Mal im Feindgebiet behaupten muss.
Und das spielt sich angenehm vertraut: Per Knopfdruck werfen sich eure Commandos zum Beispiel auf den Boden und robben so vor Blicken geschützt ans Ziel. Gebüsche funktionieren als Verstecke, man darf sie diesmal netterweise farblich hervorheben. Sie eignen sich aber natürlich nicht nur für Helden, auch die Körper besiegter Nazis lassen sich hier prima verbergen.
Schließlich gilt auch in Commandos: Origins die eiserne Regel: Lasst euch nicht erwischen! Die Feinde sind in der Überzahl, rohe Waffengewalt bringt euch (meistens) nicht weiter.
Versteck dich!
Genau wie früher dürft ihr deshalb die Sichtkegel von Wachen einblenden. Daran erkennt man genau, welche Bereiche sicher sind und wo ihr besser in Deckung bleibt. Doch selbst damit braucht ihr gute Planung, viel Geduld und perfektes Timing, um euer Team sicher ans Ziel zu bringen und die Gegner so geschickt auszuschalten, dass niemand etwas bemerkt.
Quelle: Kalypso Media
Manchmal erfordert das viele, viele Anläufe, bis alles hinhaut, aber das muss so sein: Trial-and-Error gehört in dem Genre ausdrücklich dazu. Genau wie bei den Mimimi-Spielen sind die Tasten für Quicksave und Quickload darum eure allerbesten Freunde - wer hier nicht regelmäßig speichert, beißt vor Frust schnell in die Tastatur.
Leider leistet sich Commandos: Origins ausgerechnet hier eine Schwäche: Der Ladevorgang dauert nicht nur ein bisschen zu lang, es folgt danach auch immer noch eine kurze Schwarzblende, bevor man endlich weiterspielen darf. Das klingt zwar nach wenig, läppert sich aber! Wie man's besser macht, zeigt das völlig unterschätzte Sumerian Six: Das bietet genauso spannende Schleichtaktik, kommt aber mit pfeilschnellen Ladezeiten daher, ganz ohne Schwarzblenden oder Unterbrechungen - und hat darum auch einen spürbar angenehmeren Spielfluss.
