Broken Arrow im Test: Die Strategie-Hoffnung, auf die wir so lange gewartet haben?
Mit über einer Million Steam-Wishlist-Einträgen galt Broken Arrow als große Hoffnung für Echtzeitstrategie-Fans. Jetzt ist das Spiel da - und wir verraten im Test, ob der Hype gerechtfertigt ist.
Mit Strategie-Geheimtipps wie Panzer Corps 2, Warhammer 40.000: Battlesector, Starship Troopers: Terran Command, Terminator: Dark Fate - Defiance und ICBM: Escalation hat sich der britische Publisher Slitherine in den letzten Jahren einen Namen auf dem PC-Markt gemacht. Nun haben die Briten mit Broken Arrow ihr bisher größtes Strategieprojekt in Stellung gebracht und in weniger als zehn Tagen mehr als 8.600 positive Rezensionen auf Steam erhalten.
In Broken Arrow (jetzt kaufen 48,99 € ), das von den russischen Steel Balalaika Studios entwickelt wurde, dreht sich alles um moderne Kriegsführung. Auf Schlachtfeldern im Baltikum und in der russischen Oblast Kaliningrad treten in verschiedenen Spielmodi mehr als 300 verschiedene Einheiten gegeneinander an. Den Anfang macht eine umfangreiche Solo-Kampagne, die in mehr als ein Dutzend Missionen unterteilt ist. Als narrativer Aufhänger für den Story-Modus dient ein Szenario, das angesichts der aktuellen Nachrichtenlage greifbarer denn je erscheint: Was wäre, wenn Russland im Rahmen einer NATO-Übung eine Aufklärungsdrohne über die Grenze nach Litauen schickt, die dann von Litauen abgeschossen wird, wodurch sich der Vorfall immer weiter hochschaukelt?
Im Falle von Broken Arrow werden die Grenzen zu Belarus und Russland hektisch geschlossen, woraufhin der Kreml dieses Handeln als Blockade Kaliningrads einstuft, seine Streitkräfte in höchste Alarmbereitschaft versetzt und seinerseits "einen Militärkonvoi mit humanitären Hilfsgütern" mitten durch NATO-Territorium Richtung Kaliningrad schickt. Genau diese brenzlige Situation erlebt ihr gleich in der ersten Mission hautnah mit. Es folgen weitere Eskalationsstufen, die wenig später in einem Krieg im Baltikum resultieren. Diesen erlebt ihr im Rahmen der Kampagne sowohl aus der Perspektive des Westens als auch der Russen.
Hier wird Realismus großgeschrieben
Bevor es ans Eingemachte geht, servieren euch die Entwickler jedoch zunächst ein recht kompetent gemachtes, gut in die Story integriertes Tutorial, das die Gameplay-Grundlagen und viele der damit einhergehenden Feinheiten Schritt für Schritt erklärt.
Hierzu zählt beispielsweise der Straßen-Modus für Fahrzeuge. Ist dieser aktiv, bewegen sich Jeeps, Truppentransporter, Panzer und andere Vehikel nicht auf möglichst direktem Weg durch das gerade vorherrschende Terrain, sondern nutzen nahegelegene Straßen, um schneller ans Ziel zu gelangen. Im Rahmen des Artillerie-Trainings lernt ihr hingegen, was es mit verschiedenen Feuermodi auf sich hat, während das Infanterie-Training zeigt, dass auch Stealth und Sichtlinien in Broken Arrow eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen. Gleiches gilt für taktische Aspekte wie Höhenunterschiede und Deckungen (Häuser, Wälder etc.).
Wie komplex Broken Arrow tatsächlich ist, wird jedoch erst im weiteren Verlauf der Kampagne deutlich. Denn mit nahezu jeder Mission bringen die Entwickler neue Einheiten ins Spiel, die an reale Truppen der US- oder russischen Streitkräfte angelehnt sind. Die Palette reicht dabei von HIMARS-Raketenwerfern und Bradley-Schützenpanzern über Abrams- und Armata-Kampfpanzer bis hin zu F-35-Jets, Langstreckenbombern und Fregatten, die feindliche Stellungen aus großer Distanz mit Marschflugkörpern angreifen.
Quelle: Steel Balalaika / Slitherine Ltd. / Medienagentur plassma
Eine weitere Komplexitätsebene ergibt sich daraus, dass die meisten Einheiten je nach Ausstattung über interessante Spezialfunktionen verfügen, die meist an einen Cooldown und Munitionsvorgaben gekoppelt sind. So können viele Bodenfahrzeuge beispielsweise Rauchgranaten abfeuern, um ihre Position in einer Gefahrensituation kurzzeitig zu verschleiern. Bei diversen Jets könnt ihr einen Nachbrenner zünden oder lasergesteuerte Smartbombs einsetzen. Panzer mit Trophy-Systemen sind sogar in der Lage, anfliegende Projektile mit Hilfe von Schrapnellgeschossen zu neutralisieren. Die Spezialfunktionen sind übrigens nicht aus der Luft gegriffen, sondern entsprechen tatsächlich existierenden Upgrades. Das macht den Titel für Militär-Enthusiasten umso interessanter.
World in Conflict lässt grüßen
Ressourcen-Abbau und Basenaufbau spielen in Broken Arrow indes keine Rolle. Vielmehr nutzt ihr die bereits zu Missionsbeginn vorgegebenen Einheiten und beordert im Tausch gegen langsam regenerierende Nachschubpunkte weitere Einheiten aus sechs verschiedenen Kategorien (Aufklärer, Infanterie, Vehikel, Support, Helikopter, Jets) aufs Schlachtfeld.
Vorausschauende Generäle müssen aber nicht nur für kontinuierlichen Truppennachschub sorgen, sondern auch dafür, dass defekte Einheiten repariert und leer geschossene Waffensysteme aufmunitioniert werden. Mittel zum Zweck sind Nachschublieferungen, die in Kisten verpackt sind und mit verschiedenen Fahr- und Flugzeugen kreuz und quer über die Karte transportiert werden können. Dieser Aspekt mag anfangs nebensächlich erscheinen, er entscheidet aber nicht selten maßgeblich über Sieg oder Niederlage - insbesondere im Mehrspieler-Modus, auf den wir später noch genauer eingehen werden.
Quelle: Steel Balalaika / Slitherine Ltd. / Medienagentur plassma
Das Missionsdesign ist ähnlich abwechslungsreich wie das Einheiten-Portfolio. In einem noch recht frühen NATO-Auftrag gilt es zum Beispiel, mit kleinen Stoßtrupps aus Infanterie- und Schützenpanzern gefährliche Artillerieeinheiten des Gegners auszuschalten und dann im Anschluss mit Osprey- und Chinook-Hubschraubern auf die andere Seite einer vorgelagerten Halbinsel überzusetzen. Andernorts müsst ihr einen strategisch wichtigen Flughafen mit Luftlande-Einheiten unter eure Kontrolle bringen und diesen anschließend gegen einen massiven Gegengriff der Invasoren verteidigen - unter anderem mit den legendären A-10-Erdkampfflugzeugen, die den Spitznamen "Warzenschwein" tragen.
Auch die Mission "Vampire" setzte im Test viel Adrenalin frei. Zunächst schützt ihr darin einen durch Bombardements stark in Mitleidenschaft gezogenen Flugzeugträger der Amerikaner mit verbündeten Jets vor Luftangriffen. Anschließend setzt ihr ihn wieder instand.
Bildergalerie
Ebenfalls prima: Vor jeder Mission könnt ihr einen von drei Schwierigkeitsgraden wählen. Das wirkt sich unter anderem direkt auf die Aggressivität und Cleverness der Widersacher aus und verändert einige missionsbezogene Zeitvorgaben und dergleichen mehr. Gleichzeitig sind die Schwierigkeitsgrade mit der Ordensvergabe am Ende eines Levels verknüpft. Dabei gilt: Wer den silbernen oder goldenen Orden abgreifen will, muss mindestens den mittleren beziehungsweise hohen Schwierigkeitsgrad wählen und ganz konkrete Vorgaben einhalten, beispielsweise keine Verstärkung anfordern oder keine vorgegebenen Einheiten verlieren.
Kurzum: Der Story-Modus mit seinen definitiv nicht abwegigen Szenarien weiß über weite Strecken zu unterhalten. Er kann an einzelnen Stellen durch Spielerentscheidungen in unterschiedliche Richtungen gelenkt werden und hält Genre-Kenner rund 32 bis 36 Stunden bei Laune.

Einige der Diskussionen sind jedenfalls so kindisch, wie ich es lange nicht mehr gesehen habe.
Komplexe und teure Systeme werden lang in Dienst gehalten, das ist im zivilen Bereich auch teilweise so, schaue dir manche Schiffe und auch einige Lokomotiven an (unter anderem).
Das ist schon spannend. Wenn man sich ansieht, wie der zweite Weltkrieg dargestellt wird, sind Pferde da oftmals nirgends zu sehen aber in real waren die fundamental wichtig. Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts und das gute alte Pferd immer noch mit dabei. Auch Waffentechnisch hast du noch richtig viel 50 Jahre altes Material gehabt, Mosin Nagant, Mauser und mehr. Ist also gar nicht mal so ungewöhnlich, dass Waffen über viele Jahrzehnte verwendet werden aber gleichzeitig auch erstaunlich. Wir stellen uns ja eigentlich gern vor, wie alles immer topmodern sein sollte. Vielleicht auch weil wir in einer Zeit aufgewachsen sind, wo wir mit ganz vielen Neuigkeiten konfrontiert waren. Tarnkappenflugzeuge zum Beispiel. Die sind jetzt auch schon über 30 Jahre alt und die B-2s haben letztens Angriffe auf den Iran geflogen. Man fühlt sich selbst schon ein bisschen alt, wenn man sich das so vor Augen führt XD