Half-Life: Black Mesa im Test, Seite 2

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Test Tim Kühnl - Autor Lukas Schmid - Autor Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Half-Life: Black Mesa im Test, Seite 2
Quelle: moddb.com

Das Fan-Remake des ersten Half-Life ist endlich fertig! Mit offizieller Unterstützung durch Valve schuf eine Gruppe engagierter Entwickler in den letzten Jahren mit der Source Engine die Neuinterpretation des Klassikers, welche ihn ins Jahr 2020 befördern soll. In unserem Test von Half-Life: Black Mesa erfahrt ihr, wie gut die Neuauflage geworden ist.

Während die Stimmung zwar besser transportiert wird, im Großen und Ganzen aber doch sehr nah am Original bleibt, hat sich an den Spielmechaniken schon etwas mehr verändert. Die vielfältigen Gameplay-Verbesserungen des Remakes sind der Source Engine zu verdanken. In Black Mesa gibt es zahlreiche neue Physikrätsel, die durch die diversen Interaktionsmöglichkeiten mit Objekten der Spielwelt möglich sind. So könnt ihr viele Gegenstände in die Hand nehmen und werfen, Kisten lassen sich verschieben und Fässer schwimmen im Wasser. Neben Ventilen und Stromsteckern, die angebracht und eingesteckt werden müssen, gibt es allerhand andere kleine Spielereien, die durch Valves Source Engine erlaubt werden. So spielt in Black Mesa erstmals Feuer eine größere Rolle: Feinde können mit Fackeln in Brand gesetzt werden und brennende Objekte sollten weitläufig umgangen werden, um Schaden zu vermeiden.

Schöne neue Welt

Half-Life: Black Mesa - das Edel-Fan-Remake des Shooter-Klassikers im Test (5) Quelle: PC Games Half-Life: Black Mesa - das Edel-Fan-Remake des Shooter-Klassikers im Test (5) Die Level selbst sind größtenteils sehr originalgetreu gehalten, Half-Life-Veteranen dürfen sich aber trotzdem auf einige Änderungen freuen. So gibt es dank der Source Engine an einigen Stellen neu eingefügte Physikrätsel. Manche Level wurden zudem komplett überarbeitet. Am meisten hat sich am letzten Spielabschnitt in der fremden Dimension der Aliens mit dem Namen Xen getan. Denn Crowbar Collective hat sich hier nur minimal vom Original inspirieren lassen, die vier Level "Xen", "Gonarch's Lair", "Interloper" und "Nihilanth" sind von Grund auf neu geschaffen worden. Das hat auch einen guten Grund: Die letzten Spielstunden im Original wirkten wie lieblos anhängt und waren bei Fans allgemein eher unbeliebt. Crowbar Collective gab sich daher viel Mühe, genau diese Abschnitte zu ändern.

Die schwierige und einfallslose Platforming-Passage zu Beginn des ursprünglichen Xen-Levels hat zwar auch einen kurzen Auftritt in Black Mesa, macht aber dank der deutlich aufgehübschten Szenerie eine wesentlich bessere Figur im Remake. In Black Mesa besitzt die Heimat der Außerirdischen durch ihre abwechslungsreichen Oberflächen und die interessant gestaltete Flora und Fauna eine faszinierende Anziehungskraft und lädt zum Erkunden ein. Das liegt vor allem an den unterschiedlichen Biotopen, aus denen Xen nun besteht. Diese bieten jetzt genau die passende Umgebung für die zahlreichen Alien-Rassen und vermitteln dadurch ein natürlicheres Bild der Grenzwelt. Zusätzlich rücken auch die Erkundungs-Bestrebungen der Black-Mesa-Wissenschaftler mehr in den Fokus. Überall finden sich Überbleibsel der Forscher, darunter sogar ganze Basen, die jetzt von Headcrab-Zombies bevölkert werden.

Die Inszenierung der Bosskämpfe wurde stark überarbeitet und wartet sogar mit Scripted Events auf. Der Kampf gegen die gigantische Kopfkrabbe Gonarch besteht wie damals aus drei Phasen, ist aber kaum noch mit dem Original zu vergleichen. In einer schnellen Hetzjagd zwischen zwei Phasen des Bosskampfes verfolgt uns das spinnenähnliche Monster durch enge Gänge und Höhlen, durchbricht dabei Wände mit seinen langen Beinen und gönnt uns während all dem keine ruhige Sekunde.

Die Halbwertszeit von Half-Life

Half-Life: Black Mesa - das Edel-Fan-Remake des Shooter-Klassikers im Test (6) Quelle: PC Games Half-Life: Black Mesa - das Edel-Fan-Remake des Shooter-Klassikers im Test (6) Perfekt ist Black Mesa trotz allem nicht. Immerhin hat sich in 20 Jahren seit dem Release von Half-Life so einiges in der Spielebranche getan, und die lange Entwicklungszeit des Remakes ist natürlich nicht spurlos am Spiel vorbeigegangen. Da Black Mesa versucht, eine originalgetreue und authentische Half-Life-Erfahrung zu bieten, verzichteten die Entwickler auf allerlei Vereinfachungen, die in heutigen Spielen Gang und Gäbe sind. Ganz wie im Original wird nämlich in Black Mesa kaum eine Gameplay-Mechanik wirklich erklärt. Stattdessen gilt das gute alte Trial&Error-Prinzip - leider mit der Konsequenz, dass Frustmomente an der Tagesordnung sind. Das kann die unterschiedlichsten Gründe haben: Mal findet man den Weg nicht, mal stehen meilenweit überlegene KI-Gegner mit Aggressionsproblemen und One-Hit-Waffen im Weg und manchmal, ja manchmal, liegt es einfach an der eigenen Dummheit und Skilllosigkeit, dass man nicht weiterkommt.

Das Spiel zeigt aber in keinem dieser Fälle Gnade. Das bedeutet im Klartext: übersieht man irgendeinen Knopf, dann wird erst einmal 20 Minuten lang das halbe Level abgesucht. Weiß man nicht, wie es weitergeht, dann zwingt das Spiel euch regelrecht dazu, die Levelgrenzen zu erkunden und zu überwinden. Anstelle von konkreten Zielen wie "drücke X um Y zu öffnen", müssen man sich hier noch selbst Gedanken machen, wie man ins nächste Level gelangt. Denn Hilfestellungen wie Wegpunkte oder Tipps zu den Waffen und Gegnern waren 1998 noch Zukunftsmusik, und wer Black Mesa spielt, darf sich stattdessen mit reinem Old-School-Gameplay begnügen. Allerdings wollen eingefleischte Half-Life-Jünger wohl auch genau das - endlich wieder in das Spielgefühl von damals eintauchen. Neulinge dagegen brauchen eventuell eine gewisse Eingewöhnungszeit, um mit den Mechaniken des Klassikers im neuen Gewand vertraut zu werden.

Half-Life: Black Mesa - das Edel-Fan-Remake des Shooter-Klassikers im Test (4) Quelle: PC Games Half-Life: Black Mesa - das Edel-Fan-Remake des Shooter-Klassikers im Test (4) Ein bisschen Interesse an Videospielgeschichte und eine gesunde Menge an Frustresistenz sollte man als interessierter Einsteiger also doch mitbringen, wenn man nun endlich einen Blick in den Ursprung des Half-Life-Universums wagen möchte. Es lohnt sich aber auf jeden Fall - Black Mesa bietet die perfekte Gelegenheit, in die Reihe einzusteigen.
Crowbar Collective kündigte indes an, weiter an Black Mesa zu feilen. So ist auch eine "Definitive Edition" geplant, die weitere Neuerungen am Gameplay und eine Verbesserung des Modding Workshops mit sich bringen soll. Alles in einem scheint die Zukunft doch noch etwas mehr Half-Life für uns bereitzuhalten, als man vor kurzem noch dachte. Da fehlt eigentlich nur noch Half-Life 3.

Exkurs: Die unvorhergesehenen Konsequenzen des Originals

Um zu verstehen, was Black Mesa zu einem tollen Remake macht, sollte zunächst noch eine Frage geklärt werden: Warum ist Half-Life eigentlich ein Klassiker unter den Shootern?

Die ikonische Spielereihe um den Doktor der Physik im orangefarbenen HEV-Anzug hat ihren Ursprung im Entschluss zweier Microsoft-Entwickler, ihre Firma zu verlassen und stattdessen einen Ego-Shooter zu entwickeln, der eine Geschichte erzählt. Für damals eine sehr ungewöhnliche Entscheidung: Immerhin war die Story von Platzhirschen im Shooter-Markt wie Doom oder Quake meist nur rudimentär vorhanden und für das Spielgeschehen gänzlich redundant. Die Entwickler Gabe Newell und Mike Harrington sowie ihr neu gegründetes Entwicklerstudio Valve gingen daher ein großes Risiko ein, als sie die Arbeit an ihrem ersten Spiel begannen. Dieses Risiko zahlte sich allerdings aus: Am Ende eines zweijährigen Entstehungsprozesses stand 1998 das erste "Half-Life" - und veränderte die Spielelandschaft für immer.

Die innovative Story-Präsentation ohne Cutscenes und ausschließlich aus der Ego-Perspektive beeindruckt noch heute. Aus der Sicht von Gordon Freeman, einem bei Black Mesa angestellten Physiker mit MIT-Diplom, erkundet der Spieler eine gigantische geheime Forschungseinrichtung in New Mexico, in der durch ein missglücktes Experiment zahllose Aliens aus einer anderen Dimension für Angst und Schrecken sorgen. Alle Level sind, abgesehen von einer kurzen Ladezeit, nahtlos miteinander verbunden. Das führte 1998 zu einer beispielslosen Immersion in der Spielwelt, ist aber auch 2020 noch beeindruckend. Gameplay-technisch handelte es sich um einen ausgeglichenen Mix aus Schussgefechten, kleinen Rätseln und Platforming-Abschnitten. Von der Fachpresse gab es dafür viel Lob sowie zahlreiche Topwertungen, und so wurde aus Half-Life ein Klassiker der Games-Geschichte.

Meinung & Wertung

Meinung

Wertung zu Black Mesa (PC-MOD)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Umfangreiche Gameplay-Verbesserungen durch die Source EngineTolle LichteffekteKomplett neu geschaffene Xen-LevelAtmosphärische Inszenierung der StoryPerfekter Einstieg ins Half-Life-Universum für NeulingeViele neue Inhalte für Fans der Reihe
Auch die überarbeitete Grafik wirkt stellenweise im Jahr 2020 nicht mehr ganz zeitgemäß.Gelegentliche Bugs, die das Spielerlebnis jedoch nur selten trübenDas Old-School-Gameplay wirkt zwar erfrischend auf alte Hasen, für die jüngere Zielgruppe könnte es jedoch gewöhnungsbedürftig sein.
Fazit

Eine nicht perfekte, aber doch sehr gelungene Neuinterpretation des Klassikers

Bildergalerie

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    • Kommentare (15)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Gemar Mitglied
        Zitat von OldMCJimBob
        Vulkan geht doch, dachte ich? Ich kann jedenfalls auf meinem Mac in Dota2 Vulkan als Schnittstelle anwählen und es läuft dadurch flotter - leider aber instabil.
        Apple setzt auf Metal und gibt Vulkan keinen Support. Das heißt Vulkan läuft nicht nativ sondern irgendwie angepasst oder mit Schnittstellen. Das mag auch das Problem sein für die Instabilitäten?
        https://www.lunarg.com/fa...
        https://www.lunarg.com/be...
      • Von Gemar Mitglied
        Zitat von OldMCJimBob
        Vulkan geht doch, dachte ich? Ich kann jedenfalls auf meinem Mac in Dota2 Vulkan als Schnittstelle anwählen und es läuft dadurch flotter - leider aber instabil.
        Apple setzt auf Metal und gibt Vulkan keinen Support. Das heißt Vulkan läuft nicht nativ sondern irgendwie angepasst oder mit Schnittstellen. Das mag auch das Problem sein für die Instabilitäten?
        https://www.lunarg.com/fa...
        https://www.lunarg.com/be...
      • Von 1xok Mitglied
        Zitat von OldMCJimBob
        Vulkan geht doch, dachte ich? Ich kann jedenfalls auf meinem Mac in Dota2 Vulkan als Schnittstelle anwählen und es läuft dadurch flotter - leider aber instabil.
        Dota2 läuft über MoltenVK. Ein einst kommerzieller Layer, den Valve vor zwei Jahren schlicht gekauft und unter eine OpenSource-Lizenz gestellt hat. Gleichzeitig entwickeln sie aktiv daran weiter mit bezahlten Entwicklern. Leute, die wahrscheinlich nicht gerade untalentiert sind, in dem was sie tun. Und trotzdem läuft es immer noch nicht stabil, weil es eben ein mehr oder weniger übler Hack ist. Ein Hack, den Apple wohl am liebsten verhindern würde. Man übersetzt Vulkan-Aufrufe in Aufrufe von Apples Metal, das dafür schlicht nicht geschaffen wurde.
      • Von OldMCJimBob Mitglied
        Zitat von Gemar
        Ich meine mit einer aktuellen OpenGL Version und Vulkan wäre der MAC wesentlich interessanter für Spiele und besser verbreitet als Linux. Schade, verpasste Chance Windows da noch mehr Nutzer abzuluchsen.
        Vulkan geht doch, dachte ich? Ich kann jedenfalls auf meinem Mac in Dota2 Vulkan als Schnittstelle anwählen und es läuft dadurch flotter - leider aber instabil.
      • Von Gemar Mitglied
        Zitat von OldMCJimBob
        Mittlerweile hab ich nachgelesen, sie portieren und es wird auf jeden Fall für den Mac kommen, nur wann können sie noch nicht sagen.
        Hier ist auch noch eine Antwort, dass sie es für Linux und Mac portieren wollen:
        https://steamcommunity.co...
        Das war 2016 und Linux ist schon umgesetzt.

        Da wird auch wineskin erwähnt. Keine Ahnung, wie performant das ist.
        Aber kann mir schon vorstellen, dass sie es für den MAC noch bringen.
        Wird evtl halt noch etwas dauern. Schade, dass der MAC oder besser Apple keine offenen Schnittstellen unterstützt.
        Ich meine mit einer aktuellen OpenGL Version und Vulkan wäre der MAC wesentlich interessanter für Spiele und besser verbreitet als Linux. Schade, verpasste Chance Windows da noch mehr Nutzer abzuluchsen. Valves Unterstützung ist da großartig, das sehe ich auf meinem Linux PC. Klar viele AAA-Titel wollen nicht, ansonsten gibts aber nix zu meckern. Und alle anderen Clients bieten in der Richtung nichts.
      • Von Gemar Mitglied
        Zitat von 1xok
        Der Port basiert auf OpenGL und das ist für MacOS bereits abgekündigt und auch seit Jahren nur noch in einer alten Version verfügbar. Ich vermute mal, dass es daran liegt.

        Der Aufwand es auf MacOS zu portieren ist insofern enorm. Sie müssten es erstmal nach Vulkan portieren und dann über MoltenVK eine MacOS-Version erstellen. Valve hat das bei Dota2 so gemacht und plant ähnliches für CSGO. Allerdings dürfte Valve auch ein paar mehr Mittel zur Verfügung haben.

        Den Linux-OpenGL-Port erhält man mit der Source-Engine dagegen mehr oder weniger auf Knopfdruck.
        Ach ja, der MAC mit seiner Metal Schnittstelle. Die sind da echt blöd, dass die keine offenen Standards unterstützen. OpenGL bis 4.1, es gibt aber 4.6. Könnte das Problem sein.
        Valve unterstützt mit Source 2 auch Vulkan aber wird bei Black Mesa wohl nicht mit drin sein, läuft ja sowieso sehr flott.
        Hier noch ein Beitrag über MoltkenVK, um Vulkan einfach auf MAC zu portieren.:
        https://www.macwelt.de/a/...
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