Kein Mensch braucht Avowed, wenn es Kingom Come 2 gibt - oder? Die Mega-Rollenspiele im Vergleich

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Kein Mensch braucht Avowed, wenn es Kingom Come 2 gibt - oder? Die Mega-Rollenspiele im Vergleich
Quelle: Warhorse Studios / Obsidian Entertainment / PC Games

Stefan hat Kingdom Come 2 und Avowed gespielt und erklärt, warum ein Spiel sein klarer Favorit ist - aber das andere auch seine Daseinsberechtigung hat.

Die Heldenreise: Der Auserwählte vs. Der Ausgemergelte

In beiden Spielen strande ich mit einem adeligen Auftrag in der Tasche in einer fremden Gegend und muss Dingen auf den Grund gehen, die die Geschichte beeinflussen werden - sowohl meine eigene als auch die der Spielwelt.

Der Unterschied: In Avowed bin ich als "Gottähnlicher" eine große Nummer, vor der die meisten anderen Figuren den Schwanz einziehen, gleich in den ersten Stunden. Gewohnte Fantasy-Rollenspielkost also.

Paroli bekomme ich nur selten geboten, meine Begleiter unterstützen mich bedingungslos und ich habe keine Probleme damit, mir den gewünschten Questausgang herbeizulabern, weil meine Gesprächspartner meistens schon einknicken, bevor ich überhaupt einen Skill-Check bestehen muss.

Ich bin der Hauptcharakter, die wichtigste Figur im Spiel, und ich werde auch so behandelt.

In Kingdom Come 2 muss ich mir diesen Status erst mühsam erarbeiten, und zwar nicht nur, indem ich mir über viele Spielstunden und Quests hinweg einen Namen mache, sondern auch, indem ich mich den sozialen Gepflogenheiten der Spielwelt anpasse und mich meinem Gegenüber entsprechend kleide und verhalte.

Heinrich trinkt mit Freunden Quelle: Warhorse Studios Ich bin die meiste Zeit nicht der Held, sondern ein einfacher Typ, der bei den wirklich einflussreichen Leuten dabei ist und ihre Drecksarbeit erledigt. Und am Anfang bin ich nicht einmal das, bevor ich es mir nicht verdient habe.

Meinen Spielfortschritt sehe ich hier nicht nur daran, wie dick die Rüstung ist, die ich mir leisten kann, sondern auch daran, wie mich die anderen Figuren behandeln. Das Gegenteil der Machtfantasie ist hart, aber extrem belohnend, während die Heldenreise bei Avowed vertraut, aber dafür auch nicht allzu spannend ausfällt.

Das Gameplay: Wegspielen vs. Reinknien

Avowed ist ein Action-Rollenspiel mit Fokus auf die Action, es hat ein flottes, sofort verstandenes Kampfsystem, Quests, die meistens klar ersichtliche Lösungen haben und einen stringenten Upgrade-Prozess, bei dem man alles richtig macht, solange man sich früh spezialisiert und bei seinem Spielstil bleibt.

Von denen gibt's auch nicht allzu viele - Schleichen und Sprache lässt sich hier und da mal vorteilhaft einsetzen, aber nicht, um komplette Quests auf die eine oder andere Weise zu spielen. Punkten kann Avowed vor allem bei der Waffenvielfalt.

Bosskämpfe sind keine Stärke von Avowed. Quelle: PC Games Neben der üblichen Fantasy-Ausrüstung wie Schwertern, Bögen und fetzigen Zaubersprüchen gibt's auch richtige Schusswaffen, auf die ich mich spezialisieren kann. Das fühlt sich alles gut an und macht schnell Spaß, allerdings entwickelt sich das Gameplay im Spielverlauf nicht wirklich weiter, es ist wenig fordernd und daher für mich auch nicht allzu erinnerungswürdig.

Kingdom Come 2 kann aus einer deutlich größeren Feature-Liste schöpfen, um sein Gameplay auszugestalten, lässt dabei viel mehr Freiheiten, bietet aber auch mehr Frustpotenzial. Held Heinrich kann prinzipiell so ziemlich alles, aber zu Beginn nichts davon ansatzweise gut.

Schlösserknacken, kämpfen, schleichen, reden, Tränke mischen, schmieden - das klappt nur, wenn ich mich reinknie, vor dem Bildschirm übe, und Heinrich üben lasse. Einfach so auf Knopfdruck passieren hier die wenigsten Dinge.

Auch nach 90 Stunden tue ich mich zum Beispiel noch schwer damit, beim Bogenschießen auf höhere Distanzen zu treffen, weil es nicht einmal ein Fadenkreuz gibt. Die Schwarzpulver-Schusswaffen, mit denen ich mich bei Avowed aktuell durchballere, gibt's bei KCD2 im Ansatz auch, aber hier sind sie so realistisch ungenau und langsam, dass sie eigentlich nicht zu gebrauchen sind.

Ausprobieren und ab und zu auf die Schnauze fliegen gehört einfach dazu, und weil KCD2 wieder auf ein eher restriktives Speichersystem setzt, sollte man schon eine gewisse Zeit für seine Spielesitzung einplanen, um wirklich voranzukommen. Dafür fühlt es sich aber auch einfach klasse an, wenn ein Plan aufgeht, und ich zusammen mit meiner Spielfigur immer besser werde, weil mir das Spiel so wenig abnimmt.

Das Fortschrittssystem: Künstlich vs. Organisch

In beiden RPGs spielen Ausrüstung und Levelaufstiege eine große Rolle, aber Kingdom Come 2 bekommt den Prozess unterhaltsamer hin.

Heinrich aus KCD2 wird in den Dingen besser, die er häufig macht, und schaltet damit oft auch Vorteile frei, die Facetten des Gameplays spürbar verändern können. Von diesen Facetten gibt es viele - Kampf ist nur eine davon, und ich würde argumentieren, dass Skills wie Redekunst oder Stehlen mir deutlich öfter geholfen haben als die diversen Kampfkünste.

Avowed ist spielerisch viel simpler gestrickt und daher führen sämtliche Fähigkeiten-Upgrades letztendlich nur zu mehr Schaden und zu einer Handvoll Optionen, um diesen auszuteilen. Es arbeitet mit Erfahrungspunkten für Gegner und Quests, die dann in Attributspunkte und aktive sowie passive Fähigkeiten gesteckt werden.

Letztere sind meistens nur schnöde Prozent-Werte, und besonders großzügig stellt mir das Spiel seine Punkte nicht zur Verfügung. Immerhin ist eine Neuverteilung problemlos möglich.

Heinrich schleicht durch eine Stadt Quelle: Warhorse Studios In Kingdom Come 2 kann ich zum Meister aller (und das sind sehr viele) Klassen werden, wenn ich genügend Fleiß reinstecke. Bei Avowed muss ich mich von Anfang an spezialisieren, auch, weil ich sonst die Konsequenzen des strikten Levelgatings zu spüren bekomme.

Meine Ausrüstung muss ich hier nämlich permanent mit seltenem Upgrade-Material auf den neusten Stand bringen, da ich sonst auch innerhalb der vier offenen Gebiete schnell in No-Go-Zonen lande.

Die Feinde haben arbiträre Ausrüstungsstufen, und wenn mein eigener Kram die nicht überbietet, werde ich in Windeseile zerlegt und darf auf die Gegner einhacken, bis ich schwarz werde.

Es kann passieren, dass zwei identische Braunbären direkt nebeneinander auf mich losgehen, der eine aber nach zwei Schüssen aus meiner Steinschlosspistole den Löffel abgibt und der andere eine Lebensleiste fast wie ein Bossgegner besitzt. Hat er eine Plattenrüstung an? Ein Kettenhemd unterm Fell? Bei Kingdom Come 2 wäre das des Rätsels logische Lösung, bei Avowed nicht.

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    • Kommentare (29)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Svenc Gelegenheitsspieler/in
        Zitat von Iggy81
        Hab nicht gesagt das es Woke ist aber Pink und Lila ist es auf jeden Fall und zu Bunt hätte mir ein Düsteres RPG gewünscht, und hab Gestern den Vergleich zu Oblivion gesehen und da hat Avowed in Sachen Physik und NPC Verhalten Doch arg schwach ausgesehen...
        Wobei Deadfire da auch schon bunter war.

        In PoE hat sich mir bis heute der Moment eingebrannt, als du nach Gilded Vale kommst. Das Erste, was du siehst, ist ein Baum, an dem Menschen baumeln wie Glocken am Weihnachtsbaum. Dann klingen tatsächlich die Glocken. Aber keine an einem Weihnachtsbaum. Sondern solche, die anzeigt, dass es wieder eine Hohlgeburt gab und alles so: "Oh nein."

        War der Höhepunkt des Spiels, inklusive der Raedric-Quest, die sich auf zig verschiedene Arten angehen und lösen lässt. Inklusive eines möglichen Switchs der Seite, auf der du dich positionierst, noch bis kurz vor Ende. Mit den Stretchgoals hatten sie ihr kleines Budget wohl etwas überstreckt, denn ab der zweiten (Stretchgoal)-Stadt fiels dann spätestens etwas ab.

        Kickstarter hat/hatte auch seine Schattenseiten. Vor allem, wenn man etwas viel verspricht. :)
      • Von Svenc Gelegenheitsspieler/in
        Zitat von Iggy81
        Hab nicht gesagt das es Woke ist aber Pink und Lila ist es auf jeden Fall und zu Bunt hätte mir ein Düsteres RPG gewünscht, und hab Gestern den Vergleich zu Oblivion gesehen und da hat Avowed in Sachen Physik und NPC Verhalten Doch arg schwach ausgesehen...
        Wobei Deadfire da auch schon bunter war.

        In PoE hat sich mir bis heute der Moment eingebrannt, als du nach Gilded Vale kommst. Das Erste, was du siehst, ist ein Baum, an dem Menschen baumeln wie Glocken am Weihnachtsbaum. Dann klingen tatsächlich die Glocken. Aber keine an einem Weihnachtsbaum. Sondern solche, die anzeigt, dass es wieder eine Hohlgeburt gab und alles so: "Oh nein."

        War der Höhepunkt des Spiels, inklusive der Raedric-Quest, die sich auf zig verschiedene Arten angehen und lösen lässt. Inklusive eines möglichen Switchs der Seite, auf der du dich positionierst, noch bis kurz vor Ende. Mit den Stretchgoals hatten sie ihr kleines Budget wohl etwas überstreckt, denn ab der zweiten (Stretchgoal)-Stadt fiels dann spätestens etwas ab.

        Kickstarter hat/hatte auch seine Schattenseiten. Vor allem, wenn man etwas viel verspricht. :)
      • Von Iggy81 Spiele-Novize/Novizin
        Zitat von Limerick
        Avowed ist ganz klassisch. Ein old school RPG. Kein bisschen pink oder woke.
        Hab nicht gesagt das es Woke ist aber Pink und Lila ist es auf jeden Fall und zu Bunt hätte mir ein Düsteres RPG gewünscht, und hab Gestern den Vergleich zu Oblivion gesehen und da hat Avowed in Sachen Physik und NPC Verhalten Doch arg schwach ausgesehen...
      • Von FalloutEffect Hobby-Spieler/in
        Ich habe den Spieß umgedreht und fange jetzt erstmal mit Avowed an und werde KCD 2 zu Ostern spielen. Bisher gefällt mir Avowed ziemlich gut, sieht ein wenig aus wie The Outer Worlds im Fantasygewand. Ich erwarte auch nicht das Obsidian mich da enttäuscht. Einfach gute, unterhaltsame Rollenspielkost, kein Meisterwerk, aber das waren Neverwinter Nights 2 und KOTOR 2 auch nicht und ich mag beide Spiele bis heute sehr. Ich hoffe das Spiel verkauft sich gut und es gibt gute Aussichten auf ein Pillars of Eternity 3.
      • Von Svenc Gelegenheitsspieler/in
        Hätte mir statt Avowed persönlich eher ein drittes Pillars gewünscht -- egal, ob Iso, Ego oder sonstwas. RPGs, die die RPG-Elemente stutzen und auf mehr Äkschn machen, hats mittlerweile mehr als Seelen in Eora. Das ist der normale Branchen-Reflex, seit Jahrzehnten. Siehe selbst Ultima, besonders den umstrittenen Teil 8. :-D Oder Westwoods Ausführungen zum Fortgang von Lands Of Lore -- schon Teil 1 war jetzt kein Komplexitätsmonster. Und Fallout-Fans wissen sowieso, dass dieser Krieg immer der gleiche bleibt. :D Riskant dabei: Man riskiert, die Spieler zu verlieren, die sich bisher in der Spielwelt Eora ausgetobt hatten. Gleichzeitig ist nicht garantiert, dass viele Neulinge anbeißen. Aber das Budget für Avowed dürfte verhältnismäßig überschaubar sein. Marketing gabs dazu ja eh sehr, uhm, eingeschränkt. Die letzte "Hype-Rakete" waren vor vier Wochen eher kostengünstige animierte Lore-Trailer. Und selbst ein anderes bekanntes deutsches Gaming-Mag titelte vor Monaten: "Vergesst das schlechte Marketing!" Wenn das hier das Doppelte von The Outer Worlds verschlang, wäre das schon viel.

        Und mehr würde überhaupt nicht zur langfristigen Strategie Obsidians passen.

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      • Von No_Mans_Brei Gelegenheitsspieler/in
        Zitat von Carlo Siebenhuener
        Manor Lords hatte über 2 Millionen Wishilsts auf Steam. Das ist exakt so eine Ausnahme, wie Anno. Und widerspricht deinem Argument des ach so kleinen Spiels, dass auf Steam mehr Peak-Spieler hatte als Avowed.
        Und nochmal: Ich sprach vom Spielgenre! Nicht vom Spiel an sich. Und Mittelalteraufbauspiel ist nun mal im Vergleich zu RPG nieschig. Hör´auf mit die Worte im Mund umzudrehen und lese bitte richtig.
        Zitat von Carlo Siebenhuener
        Irgendeinen herbeifabulierten Grund findet man immer um ein Spiel schlechtzureden.
        Wo habe ich das Spiel bitte schlecht geredet? Über die Qualität des Spieles habe ich z.B. garnichts gesagt. Mal wieder behauptest Du etwas, was ich nicht gesagt habe. Hör´ bitte auf damit und lese/verstehe bitte richtig. Oder ist das Deine generelle Taktik in Diskussionen?
        Zitat von Carlo Siebenhuener
        Sender- und Empfängerproblem. Ich bin beileibe nicht persönlich angegriffen. Wenn du das so interpretierst, ist das dein Problem. Ich habe es hiermit kommuniziert, dass das nicht der Fall ist. ;)
        Warum klingst Du dann so unfassbar angep*sst und schreibst so arrogant von oben herab, als hättest Du die Wahrtheit für Dich gepachtet und alle anderen Meinungen sinds Mist?
        Ok, das scheint hier bei der PCG generell der Fall zu sein, wenn man sich die Diskussionen mal ansieht. Schade, dass Du bei diesem Kindergarten auch mitmachst.
        Zitat von Carlo Siebenhuener
        Ich argumentiere, warum Steam-Zahlen allein keinen Flop ausmachen.
        Du wirst ja offensichtlich auch nicht müde, immer weiterzudiskutieren. Von wem wirst du denn bezahlt, das Spiel schlechtzureden?
        Nochmal: Wo genau rede ich das Spiel (nicht die Zahlen) bitte schlecht? Kannst Du auch ohne krude Unterstellungen argumentieren oder hast Du damals im Debattierklub gefehlt?
        Alleine wie getriggert ihr immer reagiert wenn man dieses Thema anbringt spricht Bände.
        Wie bereits gesasgt ist mir das Spiel egal und ich habe auch nichts gegen Obsidian. Grounded (welches selbst im Early Access mehr Spieler hatte als Avowed) mag ich z.B. sehr und habe eine dreistellige Stundenzahl im Spiel. Die Hass-Karte kannste also schön behalten.
        Also was ist jetzt nochmal genau Dein "Argument"?
        Zitat von Carlo Siebenhuener
        und Avowed jetzt deiner Aussage nach komplett von den Kosten aufgefressen wird.
        Auch das stimmt nicht.
        Ich habe gesagt, dass man die Mindesterwartungen berechnen kann. Mehr nicht.

        Zitat von Carlo Siebenhuener
        Aber du als Kenner der Branche weißt das ja.
        Wie ich bereits erwähnte, komme ich nicht aus der Branche. Aber da hätten wir wieder das Thema Leseverständnis auf Deiner Seite. Bitte daran arbeiten. Das ist auch vorteilhaft für Deinen Beruf.
        Zitat von Carlo Siebenhuener
        Naja und damit du es vielleicht dann auch beim vierten Mal endlich anerkennst. The Outer Worlds hatte eine ähnliche Spielerzahl. Das war ein Erfolg.
        Und tausende Spiele hatten ähnliche Zahlen und warenkein Erfolg. Also wo genau ist hier jetzt der Zusammenhang? Und wo sind die Erfolgsmeldungen von Obsidian?
        Zitat von Carlo Siebenhuener
        Aber gut. Ich gehe dann mal hier ins Wochenende. Ich wünsche dir ein schönes Wochenende
        Dann viel Erfolg beim beschützen er Milliardenkonzerne vor den bösen und undankbaren Spielern, Ritter Carlo.
        Zitat von Carlo Siebenhuener
        du Süßi. :*
        Ich bednake mich für das nette Kompliment <3
        Kann es aber leider nicht zurück geben. Aber wünsche ebenfalls ein schönes Wochenede :)
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