Anno 1701: Der Fluch des Drachen
Ein Abenteurer erliegt dem Rausch eines Artefakts, wir dem besten Add-on der Aufbautrategiegeschichte.[br]
Wer neue Gebäude oder Produktionsketten erwartet, wird enttäuscht sein wie Hanna Marell, wenn die Pralinen ausbleiben. Zwar gibt es gelegentlich einen Zugriff auf asiatische Gebäude wie etwa ein aufzubauendes Heiligtum oder ein Kontor, auch Spezialaktionen wie etwa einen Schiffsspion oder die Taucherglocke, große Innovationen haben es jedoch nicht an Bord geschafft. Dafür entschädigt eine der besten Kampagnen der Spielegeschichte, mit Sicherheit die beste, die das Aufbau-Genre bis jetzt erlebt hat.
Jede Minute des Fluch des Drachen ist voll von guten Ideen - die Entwickler geizen nicht mit Anspielungen auf die bisherige Serie und bringen zwischenmenschliche Geschichten amüsant in die Handlung ein. Ein liebestoller Henrik Jorgensen, der zunächst Lampenöl zum Dichten benötigt und - nicht ganz unerwartet, wie wir finden - von seiner Angebeteten (da haben wir‘s wieder, die Frauen sind das Problem!) abgewiesen wird und dann Frustpralinen benötigt, ist dabei nur ein Beispiel von vielen.
Besonders der Altpfadfinder Halquist und die Händlerin Grace Bonnet überraschen dabei durch eine charakterliche Vielfalt jenseits der zwar charmanten, aber etwas eindimensionalen übrigen Figuren. Wir wagen die These, dass Der Fluch des Drachen das erste Spiel seines Genres darstellt, dem es gelingt, menschliche Emotionen glaubwürdig zu transportieren.
Etwas tragisch ist es daher, dass die Ingame-Zwischensequenzen weitgehend unspekakulär daherkommen und zumeist nur Schiffe und Städte zeigen. Wer sich auch nur halbwegs auf die Geschichte einlässt, bekommt eine mit überraschenden Wendungen versehene Handlung ins Kontor, die derzeit ihresgleichen sucht und Lichtjahre vor der vergleichsweise einfältigen Story von Die Siedler: Aufstieg eines Königreichs rangiert, in der Sie wieder und wieder die gleichen Banditen und Klöster antreffen.

Kaum was neues in dem Spiel.
Addon ist nicht die richtige Produktbezeichnung.
Der Kunde wird noch einmal zur Kasse gebeten zur Vervollständigung des Produktes.
Die fehlenden Missions in 1701 waren eine Frechheit.
Diese noch einmal extra zu bezahlen ist ebenfalls eine Frechheit.
Egal, der Annoholiker zahlt ja für seine Droge.
Die Missions sind jedenfalls gut gelungen, ein würdiger Nachfolger für 1602.
Hoffentlich ist es nicht die letzte Mission CD. Ich bin gerne bereit für weitere Abenteuer in die Tasche zu greifen.