Fröhlich am Freitag: Spielen und spielen lassen - für mehr Toleranz
Kennen Sie Iwan Petrowitsch Pawlow? Das ist nicht etwa der Titelheld von Metro 2033, sondern ein russischer Nobelpreisträger. Er hat nachgewiesen, dass bei Hunden bereits das Läuten eines Glöckchens oder der Anblick von Chappi ausreicht, damit Waldi buchstäblich das Wasser im Munde zusammenläuft. Automatisch. Instinktiv. Falls Sie beim Stichwort "Farmville" spontan zur Tastatur-Hasstirade ansetzen wollen, sind Sie reif für diese Kolumne.
Quelle: Computec Media
"Fröhlich am Freitag" ist die Kolumne der gleichnamigen Chefredakteurin von PC Games - und sie heißt nicht Freitag.
Mit seinen „Pawlow’schen Hunden“ hat es der Wissenschaftler zu Weltruhm gebracht. Diesen Effekt können Sie tagtäglich beobachten beim Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit - gerade jetzt im Frühling, wenn die Temperaturen höher und die Röcke kürzer werden. Auch das Naseplattdrücken an Autohaus-Schaufenstern und Kaninchen-Glaskästen in Baumärkten, die Kaugummi- und Schokoriegel-Alleen an Supermarktkassen – regelmäßig reagieren wir Menschen genauso wie die hechelnden Vierbeiner im Hause Pawlow.
Über zwei Ecken damit verwandt sind auch die berüchtigten Foren-Trolle, die beim Stichwort „Microsoft“, „World of Warcraft“, „Apple“ oder „DRM“ zur Höchstform auflaufen. Die müssen das machen. Die können gar nicht anders.
Auch in unserem Metier ist das schön zu verfolgen: Sobald ein Politiker oder „Experte“ öffentlich die Stimme gegen sowas Ähnliches wie „Killerspiele“ erhebt, entlädt sich auf Websites, in Foren, bei Twitter und in den Communities quasi auf Knopfdruck eine unglaubliche Wut. Sehr gerne wird bei diesen Gelegenheiten der zeitgenössische Philosoph Dieter Nuhr mit den ewig währenden Worten zitiert: „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten.“ Übersetzt: Wer noch nie einen Ego-Shooter von innen gesehen hat, soll sich bitteschön einfach still auf die Treppe setzen und die Spieler gefälligst in Ruhe lassen. Politiker wie Wolfgang Bosbach pflegen auf solche Anfeindungen zu antworten: “Ja, muss ich denn ein Baum im Regenwald sein, um mich gegen das Waldsterben einzusetzen?” Wiederum übersetzt: Man muss nicht alles ausprobiert haben, um etwas beurteilen zu können.
Banken ausrauben, Autos klauen, im Rang aufsteigen: Gerade GTA-Fans spielen heimlich den (kostenlosen) Facebook-Hit Mafia Wars. Trotz simpelster Grafik kommt eine Menge Atmosphäre auf.
Sie und ich, wir sind uns sicher einig: Hier spricht eine Melange aus Ignoranz, Uninformiertheit und einer gewissen Überheblichkeit, gepaart mit ausgeprägtem Missionierungsdrang nach dem Motto: „Ich hab die Weisheit gepachtet und erklär euch jetzt mal die Welt.“
Auch in den Foren von Spielewebsites fühlt es sich stellenweise so an, als wären wie weiland zu Columbus-Zeiten ganze Flotten von Galeeren unterwegs, die nichts anderes zu tun haben, als von Insel zu Insel zu segeln und den Ureinwohnern zu verklickern, wie das Leben funktioniert. Als ob nur Spieler von Dragon Age, Bad Company 2 und God of War 3 eine Daseinsberechtigung hätten und alles andere absolut unwürdig, verurteilenswert und bescheuert wäre. Wenn man sich die Kommentare unter Tests und News-Meldungen durchliest, kann man das Augenrollen, das An-die-Stirn-klatschen, diese „AU MANN, WIE KANN MAN NUR!!!“-Denkblase förmlich mit Händen greifen.
Warum sind nicht gerade die Spielefans toleranter oder ganz einfach relaxter? Jedes Jahr erscheinen Tausende von Spielen neu auf dem Markt; weshalb darf sich nicht jeder das rauspicken, was ihn anspricht? Auch wenn es sich um ein viertklassiges Adventure oder ein 0815-Strategiespiel handelt oder das (miese) Spiel zum (miesen) Film – und wenn schon?
Quelle: Astragon
Bestseller Landwirtschaftssimulator: Hunderttausende pflügen Felder mit schön modellierten 3D-Trekkern - freiwillig! Jedes Jahr wieder!
Wer beispielsweise einen Landwirtschaftssimulator oder Mafia Wars für schlechtgemachte Abzock-Spiele hält, aber sich nicht die Mühe des Ausprobierens gemacht hat, der kuschelt sich gemütlich in seine „Was viele gut finden, kann nix taugen“-Vorurteils-Welt – argumentiert aber auf demselben Niveau wie Leute, die Counter-Strike nur vom Hörensagen kennen.
Es gibt überhaupt keinen Grund dafür, Menschen für ihren (Frei-)Zeitvertreib zu verurteilen – egal ob sie jeden Abend Big Brother auf RTL 2 angucken, für Metin 2-Rüstungen Geld ausgeben oder sich während der Olympiade Damen-Curling reinziehen.
Wer’s zumindest mal angespielt hat, darf Call of Duty: Modern Warfare 2 jederzeit und ungestraft als „Moorhuhn-Schießbude“ oder als „Spiel des Jahres“ bezeichnen. Spielen und spielen lassen. Wer Silent Hunter, Super Mario Galaxy, Farmville, FIFA PC, Travian oder Runes of Magic spielt oder seinen PC fix und fertig bei Aldi kauft (und einer selbstzusammengelöteten Wasserkühlung mit illuminiertem Springbrunnen nichts abgewinnt), kann trotzdem ein netter Mensch sein – und ist auf pcgames.de ganz herzlich willkommen.
Spielen und spielen lassen.
Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen
Petra Fröhlich
Die bisherigen Folgen von "Fröhlich am Freitag":
Keine Wertung, keine Eier
Warum Modern Warfare 3 unvermeidlich ist
14 HD-Discs voll scharfer Erotic

Kennen Sie Iwan Petrowitsch Pawlow?!
Ja das möchte man fast der Autorin entgegnen, wenn man den Artikel über die Niederträchtigkeit der Welt im Allgemeinen und der Zocker im Besonderen liest. Spielen und spielen lassen, sagten das nicht schon Jesus, Gandhi oder der Friedensnobelpreisträger aus Südafrika Morgan Freeman?
Der Vergleich mit dem Pawlowschen Hund ist übrigends herzallerliebst (i LOVE puppies!), jedoch vollkommen falsch, dies könnte man als mehr oder weniger verantwortungsvolle Chefredakteurin sogar bei wikipedia.de “recherchieren“.
Der Effekt, den Pawlow entdeckt hat, ist eben nicht „Instinkt“ und hat auch nicht mit dem Verhalten von Großstädtern zur Paarungszeit zu tun, sondern ist eine Konditionierung, die nichts mit naturgegebenen Trieben zu tun hat.
pewpew OUT to dominate the world!
Um meinen eigentlichen Post zu übersetzen: * Ironie aus* Ein alter Artikel...
geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit - gerade jetzt im
Frühling, wenn die Temperaturen höher und die Röcke kürzer werden.
http://www.pcgames.de/community/common/attached/2010/10/Worrel/t20101024.jpg
geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit - gerade jetzt im
Frühling, wenn die Temperaturen höher und die Röcke kürzer werden.
Eigentlich wollte ich garnix dazu schreiben, aber ich tus jetzt doch mal, weil es sonst vllt doch untergeht!
Sachen wie "Warum sind nicht gerade die Spielefans toleranter oder ganz einfach relaxter?" oder "Spielen und spielen lassen" sind Ausdruck einer gewissen Gleichgültigkeit!
Ja, warum regt man ich denn über dies oder das auf? Um seine Meinung, seinen Standpunkt aufzuzeigen! Denn genau das macht einen Menschen doch aus - seine Meinung, seine Einzigartigkeit.
Und jetzt einen Spieler und einen Politiker in einen Topf zu werfen, halte ich für unangemessen! Während der Spieler - der "mündige Bürger" - nur seine Meinung ausdrückt, kann der Politiker Gesetze auf den Weg bringen.
Frau Fröhlich:
Würden sich die Spieler nicht aktiv einsetzen, hätten wir schon längst andere Gesetze, und ihr Magazin dürfte nur noch über Barbies Ponyhof Abenteuer und Tetris Deluxe 2010 berichten! COD, BF, L4D - alles wäre auf dem Index! Soll ich nochmal Artikel rauskramen, wo ganze Redaktionen von der Polizei durchsucht wurden, weil mal ein paar Brüste, und etwas virtuelles Blut zuviel abgebildet wurden!? Haben Sie ein Interesse daran, das auch mal mitzumachen?
Mussten sich die "Jugendlichen" vor nicht allzulanger Zeit den "Null-Bock-Generation-Stempel" aufdrücken lassen, weil man alles so hingenommen hat - ohne sich einzusetzen, ohne seine Meinung zum Ausdruck gebracht zu haben - ohne AKTIV zu werden, wird einem der Aktivismus jetzt zum Vorwurf gemacht.
Jetzt kommen Sie und sagen im übertragenen Sinne: "Haltet mal den Ball flach - lehnt euch zurück und Fresse halten!". Bitte bloß nicht aufregen, kein rumtrollen - keine Meinung äussern!
Und seien wir doch mal ehrlich:
Die PCGames ist mit Meinungsmache doch auch ganz vorn dabei! Der beste Aufhänger seit langem ist Ubisoft mit seinem DRM. Obwohl die Artikel recht sorgfältig geschrieben wurden, schlagen sie trotzdem immer in die gleiche Kerbe - da braucht man nicht viel reininterpretieren.
Ich kann nur jeden dazu anhalten, weiterhin seine Meinung zu äussern, und zu seiner Meinung zu stehen! Auch wenn sie manchmal etwas "radikal" ist... egal ob Apple, DRM oder WoW.