Von wegen das Auge spielt mit: Trotz seiner fürchterlich veralteten 2D-Optik verkauften sich die ersten beiden Teile der Freizeitpark-Simulation weltweit stolze sieben Millionen Mal. Allein hierzulande frönten knapp eine halbe Million Spieler dem genauso kurzweiligen wie faszinierenden Aufbau-Strategiespiel. Im Gegensatz zur Theme Park-Serie legte Rollercoaster Tycoon viel mehr Wert auf den Achterbahnbau und erlaubte die irrsten Konstruktionen.
Rollercoaster Tycoon 3D
Chris Sawyer, der die beiden ersten Teile quasi im Alleingang programmiert hat und zuletzt mit Locomotion enttäuschte, ist an der Entwicklung des dritten Teils nur noch in beratender Funktion beteiligt. Federführend sind die Frontier Studios (Elite). Auffälligste Neuerung ist die frische 3D-Optik. Die einst pixeligen Besucher und 2D-Fahrgeschäfte sind einer lebendigen und kunterbunten Spielwelt mit Tag-und-Nacht-Wechseln sowie realistischen Licht- und Wettereffekten gewichen. In Flüssen und Seen spiegelt sich die Umgebung, Palmen wippen sanft im Wind, Besucher schneiden Grimassen, Wolken ziehen am Horizont entlang und in der Pizzeria werden dampfende Mafiatorten serviert, während zwitschernde Vögel durch die stets übersichtlichen, frei dreh- und zoombaren 3D-Parks flattern. Klasse!
Park & Ride
Fans der Serie fühlen sich trotz der grafischen Revolution schnell heimisch - am eigentlichen Aufgabengebiet des Freizeitpark-Managers hat sich ohnehin nicht viel geändert. Um der vergnügungssüchtigen Meute ordentlich Kohle aus der Tasche zu ziehen, errichten Sie Frittenbuden, Getränkestände, Toiletten, Souvenirgeschäfte, Riesenräder, Karussells, Wildwasserrutschen, Wegweiser, Autoskooter, Schießbuden, Schiffschaukeln, Bungee-Jumping-Anlagen, Hähnchengrills, Fußwege - und natürlich das Herzstück des Spiels: Achterbahnen. Vom Rentner-kompatiblen Schnecken-Modell bis zur wahnsinnig schnellen Adrenalingranate mit Loopings, Schrauben und Sprungschanzen ist - das nötige Kleingeld vorausgesetzt - dabei alles möglich. Insgesamt können Sie sich aus knapp 50 Bahnen Ihre eigenen Rollercoaster zusammenklicken. Zu Spielbeginn sind Ihre Gestaltungsmöglichkeiten allerdings beschränkt und nur wenige Basismodelle verfügbar. Wer seinen Besuchern spektakulärere Attraktionen bieten will, muss wie bei den Vorgängern ein ordentliches Sümmchen in die Forschung investieren und bekommt fortan von seinen Erfindern in unregelmäßigen Abständen ein neues Bauwerk kredenzt.
Der totale Roller-Koller
Wie rasant oder langweilig Ihre Fahrgeschäfte sind, können Sie dank der neuen Coaster-Cam hautnah miterleben. Ein Mausklick genügt und Sie jagen gemeinsam mit anderen Besuchern aus der Ego-Perspektive durch Ihre eigenen Achterbahnen und lassen sich dabei ordentlich durchrütteln. Geschwindigkeit, Fliehkräfte und vor allem das Gekreische der Mitfahrer werden erschreckend wirklichkeitsnah simuliert. Wer es effektvoll mag, kreiert zudem mit dem "Fireworks Mixmaster" knallige Explosionen und Feuerwerke, wenn die Wagen durch einen Looping rasseln und unterlegt das Ganze mit stimmungsvoller Musik. Bei vielen Fahrgästen dürfte solch ein unvergesslicher Ritt etliche Glückshormone ausschütten, bei einigen wenigen allerdings auch den kompletten Mageninhalt, was sich in Warteschlangen oder auf Gehwegen vor einer Eisdiele gar nicht gut macht. Deswegen sollten Sie für solche und andere Sauereien genügend Reinigungskräfte anstellen. Dazu noch eine Hand voll Mechaniker, um Ihre Fahrgeschäfte regelmäßig zu warten. Außerdem tummeln sich Sicherheitsbeamte sowie witzige Animateure auf dem Arbeitsmarkt. Und in seine Angestellten zu investieren zahlt sich aus - regelmäßig werden Geldprämien für besonders sichere oder saubere Parks verteilt. Praktisch: Wie zufrieden jeder einzelne Besucher ist, was er alles schon gekauft hat, seine Bedürfnisse und Lieblingsattraktionen können Sie jederzeit mit einem Mausklick auf den jeweiligen Gast abrufen.
Fummelige Bauoptionen
Neben dem von vielen Spielern geforderten Sandkasten-Modus, bei dem Sie in aller Seelenruhe einen Park aufbauen, gibt es auch eine Kampagne mit 18 kurzweiligen Missionen. Dabei gilt es unter anderem, eine bestimmte Besucherzahl zu erreichen, einen langweiligen Park binnen kurzer Zeit aufzupeppen oder einem VIP-Gast einen unvergesslichen Tag zu bescheren. Je nach gewähltem Schwierigkeitsgrad, es sind drei an der Zahl, gibt es unterschiedlich leichte und schwere Vorgaben zur Erfüllung der Missionsziele. Für die optische Abwechslung sorgen die fünf Themenwelten "Wald und Wiese", "Science Fiction", "Western", "Gruselig" und "Abenteuer". Jedes Setting bietet spezifische Objekte, Gebäude und Fahrgeschäfte. Apropos Fahrgeschäfte: Achterbahnen aus den Vorgängern lassen sich problemlos importieren. Sie besitzen die ersten beiden Teile nicht? Kein Problem: Im Internet finden sich mehr als 10.000 von Fans erstellte Rides. Auf die dürften ungeduldigere Zeitgenossen alsbald zurückgreifen, denn das Bauen riesiger Achterbahnen gestaltet sich aufgrund der zahlreichen Schienenstücke (Loopings, Sprungschanzen, Seilwinden, Fotostationen etc.) zuweilen extrem fummelig. Dabei ist es im Gegensatz zu den Vorgängern nicht mal mehr möglich, unterirdische Bahnen und Tunnel zu errichten. Zwar gibt es auch eine Automatik-Funktion, die freie Streckenabschnitte miteinander verknüpfen soll - was in der Praxis aber nur bei einfacheren Bauten klappt. Steht der Stahlkoloss schließlich, können Sie ihn mit Anzeigen in der lokalen Presse bewerben und darauf hoffen, dass ihn keine Katastrophen wie gewaltige Erdbeben oder Monsterangriffe in seine Einzelteile zerlegen.
Der reinste ,Achterbahnsinn: Bombastische Grafik, endlose Spieltiefe!
Obwohl sich in meinem riesigen Park über 1.000 Besucher gleichzeitig tummeln, geht die Übersicht nie flöten. Mechanikern und Putzmännern weise ich feste Routen zu und kann mich genüsslich zurücklehnen und das bunte Treiben beobachten, während mein Kontostand immer weiter steigt - herrlich, genauso wie die neue 3D-Grafik. Die hat zwar horrende Hardwareanforderungen, ist dafür aber eine absolute Augenweide. Richtig ärgerlich allerdings, dass die Entwickler ausgerechnet beim wichtigsten Teil - dem Achterbahnbau - etwas geschludert haben und die Steuerung komplizierter als nötig geraten ist.