Need for Speed: Wie Levelsysteme das Fahrgefühl ruinieren - Kolumne
Erst aufleveln, dann Spaß haben: Wie künstlich geförderte Upgrade-Mechaniken den Spielspaß ruinieren können, zeigt euch Redakteur Peter Bathge in seiner Kolumne am Beispiel des neuen Rennspiel-Reboots Need for Speed.
Das neue Need for Speed steuert sich schrecklich. Zumindest in den ersten paar Minuten.
So ganz ohne Tuning-Bauteile und Feinjustierungen des Handlings fühlen sich die vermeintlich rasend schnellen Autos aus Electronic Arts' Rennspiel wie ein Baumstumpf auf Rädern mit dem Wendekreis eines 16-Tonners an. Aber kaum sucht man die Garage auf und taucht in das Dickicht der Schieberegler ab, ändert sich der erste Eindruck schlagartig. Die Steuerung fühlt sich natürlicher an, das Driften um enge Kurven gelingt einfacher oder - je nach Einstellung im Tuning-Menü - der Wagen schmiegt sich enger an die Ideallinie und besitzt mehr Grip.
Warum denn nicht gleich so? Schuld ist das Dopamin.
Übertüncht Gameplay-Schwächen: Der Stufenaufstieg
Für viele Entwickler ist die Anregung der sogenannten Glückshormone längst der schnellste Weg ins Herz der Spieler - oder besser: in deren Gehirn. Spätestens seit Call of Duty: Modern Warfare 2007 die Level-up-Mechanik in Mehrspieler-Shooter integriert und damit aus dem Genre der Rollenspiele in die weite, bunte Welt der restlichen Videospiele gezerrt hat. Botenstoffe wie Dopamin erzeugen im Hirn einen Zustand des Wohlempfindens - Upgrade-Mechaniken lösen diesen durch Levelaufstiege und Belohnungen aus. Das motiviert den Spieler zum Dranbleiben und bestätigt ihn auf geistiger Ebene in seinen Aktionen - es liegt daher also nahe, mit dieser Handlungsweise fortzufahren, um den Zustand der angenehmen Erregung möglichst lange zu erhalten.
Quelle: PC Games
Bei Need for Speed ist Tuning Pflicht, um das Fahrgefühl an die eigenen Bedürfnisse anzupassen.
Doch damit ein Belohnungssystem funktioniert, muss ein merklicher Unterschied zwischen der Situation vor und nach der Belohnungsausschüttung bestehen. In Actionspielen, Rollenspielen oder Ego-Shootern wie Call of Duty ist das ein Leichtes: Der Spieler erhält für seine Bemühungen eine neue Waffe, er kann weiter springen, mehr Schaden einstecken, neue Zauber wirken, fester zuschlagen. Und wie sieht es damit in einem Rennspiel aus, was ändert sich etwa beim neuen Need for Speed? Die Antwort und das daraus entstehende Problem sind identisch: das Fahrverhalten.
Bitte dranbleiben
Wie schon letztes Jahr in The Crew wird bei Need for Speed der Level-Fortschritt nämlich nicht einfach dadurch spürbar gemacht, dass sich die Lambos, Porsches und Ferraris immer besser auf der Straße liegen, je mehr man in Tuning und neue Bauteile investiert. Nein, die Entwickler sind den umgekehrten Weg gegangen und haben sichergestellt, dass sich Anfängerautos ohne Performance-Verbesserungen merklich hölzern steuern. Je mehr man in den Ausbau seines Wagens investiert, desto eher erinnert das Fahrverhalten dann an die originalen Fahrzeuge. Was für ein Quatsch!
Quelle: PC Games
Rasen für den Level-Aufstieg: Gibt es denn nichts Wichtigeres als die Hatz nach immer neuen Freischaltungen?
Ein Spiel sollte von Anfang an Spaß machen - nicht erst, wenn man die nötigen Upgrades freigeschaltet hat. Derartige Freischaltungen können und sollen den Spielspaß erhöhen, ja. Aber auch ohne sie muss der Kern des Spiels funktionieren. Level-ups dürfen nicht nur Selbstzweck sein. Ja, die Glückshormone werden in jedem Fall ausgeschüttet und können kurzfristig auch bei einem mittelmäßigen Spiel für Faszination und Motivation auf Spielerseite sorgen. Doch dann ist der Sprung zu berechnenden Mechaniken wie bei Free2Play- und Smartphone-Spielen nicht mehr weit, wo Entwickler mittels mathematischer Formeln exakt ausrechnen, wann ein gratis verteiltes Goodie den Spieler davon überzeugt, später eigenes Geld auszugeben.
Bei Need for Speed torpediert wieder einmal die schnelle und billige Motivationsmöglichkeit namens "Upgrade-System" andere Gameplay-Elemente. Derartige Probleme beschränken sich ja bei weitem nicht auf Rennspiele, in allen Genres macht das zum Weiterspielen animierende Level-up Stress. Beim Actionspiel Mittelerde: Mordors Schatten etwa wird man mit zunehmender Spieldauer immer mächtiger, bis schließlich auch der dickste Ork-Boss keine Herausforderung mehr darstellt. Ähnlich sieht es aus bei Rollenspielen wie The Witcher 3 oder Dragon Age: Inquisition. Hier wird die Situation noch verschärft durch das Open-World-Konzept: Weil es Spielern frei steht, abseits der Hauptquest erst einmal fleißig Nebenaufträge zu erledigen und den eigenne Charakter so in göttliche Regionen zu leveln, fallen die Hauptmissionen letztlich unter Umständen lächerlich einfach aus.
Und das alles wegen diesem dummen Dopamin.
Unnötiger Fokus
Ich merke es in letzter Zeit immer öfter, wie erschöpft ich von dieser ewig gleichen Upgrade-Spirale in der Mehrzahl der Spiele bin. Hier wird was freigeschaltet, da winkt eine Belohnung für Vielspieler, jetzt noch schnell die 100 versteckten Schatztruhen finden und 50 Mal auf dieselbe Weise Außenposten befreien (ja, ich schaue in eure Richtung, Far Cry 4 und Mad Max) - das ermüdet auf Dauer. Wenn sich Spiele zu stark auf diese ohne Frage motivierenden Mechaniken konzentrieren, steigt meines Erachtens das Risiko, andere Spielelemente zu vernachlässigen. Langweilige Story? Kein Problem, es gibt Upgrades. Die Welt ist eintönig? Egal, wir haben Levelaufstiege! Die KI ist blöde? Hier, eine neue Waffe, guck mal!
Quelle: PC Games
Neue Autos kaufen schön und gut, aber wieso können die nicht auch ohne Upgrades ein besseres Fahrgefühl besitzen?
Dass dieser Trend mittlerweile auch die Rennspiele erreicht hat, macht mich sehr traurig. Geld verdienen, um neue und bessere PS-Schleudern zu kaufen, war schon immer ein integraler Bestandteil der Need for Speed-Serie, keine Frage. Aber auch die Einstiegskarren steuerten sich vernünftig und das Spiel erinnerte einen allenfalls mit dem steigenden Schwierigkeitsgrad in Need for Speed: Underground & Co. daran, dass ein Performance-Upgrade nicht schaden könnte. Das 2015er-Reboot der Serie geht dagegen in eine andere Richtung: Willst du Spaß haben, musst du upgraden!
Was für ein Blödsinn. Da könnte man ja genauso gut ein riesiges Waffenarsenal mit lauter tollen Knarren für einen Mehrspieler-Shooter entwerfen und dann den Spieler nur mit einer Handvoll popeliger Bleispritzen spielen lassen, solange er nicht 50 Stunden aufwärts ins Freischalten der besseren Schießeisen investiert. Hmm, Moment mal ...

Leider muss ich dir Recht geben.
Grundsätzlich finde ich ein Levelsystem super! Warum wohl? :-B
Allerdings schwindet für mich nach dem Freischalten aller Waffen/Gadgets oft der Reiz eines neuen Multiplayer Shooters.
Andere Spiele, die solche Fortschritte nicht bieten, machen mir dadurch oft weniger Spaß. Oder ich habe das Gefühl, es würde etwas fehlen.
Bei mir hat die Maschinerie also sehr gut gegriffen. :I
Gefehlt hat es mir hauptsächlich auf dem Shootermarkt.
Aber mittlerweile gibt es ja kaum noch Spiele, die nicht über irgendeine Art von Levelup System verfügen...
Der Sammelmist ala Fotos und Donats bringt nichts und verschwendet nur Zeit, mit Freunden Online Spielen ist ein Kampf, da die Einladung (XBOXOne) oft scheiterte oder die Verbindung abbrach. Auch die Erfolge sind dämmlich, habe alle außer mit der Crew an die Spitze und 15 Daily Aufgaben, welche ich auch nicht machen werde, 15 Tage lang Dailys für einen Erfolg, dann spiel ich gleich WOW...
Alles in allem ich würde es mir wieder kaufen, diesmal aber auf eine deutliche Preisreduzierung warten. Der Singleplayer und die Fahrzeugauswahl waren in meinen Augen viel zu mager. Habe eine Ingame Spielzeit von 16 Stunden und dabei schon einige Rennen mal verloren bzw. Den ganzen Mist auf der Karte eingesammelt.
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Nachtrag, bezüglich der Fahreigenschaften, ich haben den letzen Lambo voll aufgewertet mit Drifteinstellung gefahren, es hat sich gezeigt, das man in NFS schneller um die Kurven driften konnte als rechtzeitig Ideallinie durch Bremse und Gas zu erreichen.
In NFS scheinen sich die normalen Autos wie Grütze zu fahren. Das Fahrverhalten vom neuen NFS ist für´n Arsch.