Den Erwartungen gerecht geworden? Drakensang im Test
Anvisiert: Die Drakensang-Kamera lässt sich stufenlos um den selektierten Helden drehen – das ermöglicht interessante Perspektiven.
Schön wie ein Postkartenmotiv, so baut sich die Fantasiewelt Aventurien vor dem Spieler auf. Da steht der frisch gebackene Held am Ufer eines Flusses, die Sonne leuchtend am Himmel, Gräser und Blattwerk in sattem Grün. Es flattern Schmetterlinge durch die Luft, im Hintergrund erheben sich lauschige Täler und majestätische Berge - geschickt täuschen die Entwickler enorme Weitsicht vor. Tatsächlich ist das Startgebiet Avestreu von überschaubarer Größe und in wenigen Stunden komplett erforscht. Der Spieler soll dort schließlich nur üben: Er erledigt Quests, meistert Kämpfe, macht sich mit der Bedienung vertraut.
Eintönig: Gegner und Angriffsmuster wiederholen sich in Das Schwarze Auge: Drakensang oft – Kämpfe locken daher nicht gerade mit Abwechslung.
Die ersten Schritte tätigt man vertraut mit den Tasten W, A, S und D oder per Maus. Sie führen zu Nichtspielercharakten (kurz: NPCs), die in ausufernden Dialogen ihre Sorgen und Nöte auf den Spieler abwälzen. Die atmosphärischen Texte wurden von Original-DSA-Autoren verfasst und sind von einem Schliff, wie man ihn nur selten in Computerspielen vorfindet. Bedauerlich aber, dass es stets nur die ersten Sätze sind, die von meist guten Synchronsprechern intoniert werden - danach verstummen sie und geben dem Spieler somit Anlass, sich ungeduldig durch die enormen Textmengen zu klicken.
Eher gemütlich als mitreißend: Der Spielablauf und die Handlung von Drakensang
Ein wenig Gelassenheit ist nötig, um Drakensang zu genießen. Die Spielfigur spaziert in einer solchen Seelenruhe über die Wiesen, dass man ihr regelmäßig einen Klaps versetzen möchte, um sie etwas anzuspornen. Vergebens: Drakensang mag vieles sein, doch temporeich ist es gewiss nicht. Auch die Geschichte beginnt nur zögerlich, erzählt nach einigen Spielstunden von einer uralten Prophezeiung, der Rückkehr bitterböser Drachen, und macht den zufällig hineinstolpernden Spieler natürlich zum strahlenden Helden.
Ausnahme: In den Sümpfen greift uns dieser gewaltige Baum an. Solche Momente hätten wir uns öfter im Spielverlauf von Drakensang gewünscht.
Ein paar Zwischensequenzen in Spielgrafik, vor allem aber Dialoge erzählen die wenig mitreißende, aber solide Handlung. Von der bekommt man anfangs nur wenig mit, allein schon der Verzückung wegen: Wie Radon Labs das erste kleine Dörfchen in Szene setzt, lässt jedem Mittelalter-Fan das Herz unter dem Harnisch aufgehen. Händler und Mägde, Hirten und Bauern, sie stehen am Wegesrand, palavern, vertreiben sich die Zeit, füllen die Umgebung mit Leben. Von aufwendigen Tagesabläufen, geschweige denn Tag-und-Nacht-Wechseln fehlt zwar jede Spur, doch atmosphärisch ist das Spiel trotzdem gut gelungen. Besonders der Deutsche erfreut sich am vertrauten Grafikstil: Fachwerkhäuser und Burgen, Tannen und Fichten - sie bestimmen das hübsche Landschaftsbild.


Wenn ja, dürfte der Einstieg nicht so schwer fallen.…