X3 - Reunion
Auch das Design der Fabriken wurde bis auf ein paar Ausnahmen komplett überarbeitet. Den neuen Look kann als nüchtern-realistisch bezeichnen - im positiven Sinn. Alles wirkt "erwachsener" und weniger knubbelig als im Vorgänger, die Proportionen stimmen, Details wie die glaskuppelgeschützten Weizenfelder der Agrarzentren tragen viel zur Plausibilität der Spielwelt bei. "Ja, das könnte tatsächlich so aussehen", denkt man sich oft.
Allerdings fallen die Design-Unterschiede der Fabriken zwischen den einzelnen Rassen nicht mehr so deutlich aus wie im Vorgänger - viele Module ähneln sich zu stark. Lediglich die gigantischen Handelsstationen der Völker haben noch einen völlig eigenständigen Look.
Das trifft glücklicherweise nicht auf die Raumschiffe zu. In Teil 3 präsentieren uns die Aachener Entwickler eine Modellpalette, die in Sachen Vielfalt und Schönheit ihresgleichen sucht. Die Argonen - von Haus aus Gutmenschen - durchkreuzen das Weltall beispielsweise in hochglanzpolierten, stromlinienförmigen Schiffen, bei denen man irgendwie an Paladine aus Spielen wie Gothic oder World of Warcraft denkt.
Boronen haben hingegen ein noch "fischigeres", organischeres Aussehen als im Vorgänger; hier wurde komplett auf scharfe Kanten und wuchtige Aufbauten verzichtet. Designer-Legende Colani würde beim Anblick der fließenden Linien wohl vor Begeisterung in seinen Schnauzbart jauchzen.Ganz anders die Händlerrasse Teladi: Deren Kampfschiffe sind große, kantige und ineinander verschachtelte Metallklötze ohne jeden Anspruch auf ein schickes Äußeres, während die Schiffe der Kriegerrasse Split aussehen wie stromlinienförmige, waffenstarrende Dartpfeile.
Etwas deplatziert wirkt der comicmäßige Look der Figuren, beispielsweise in den Videoclips. Egal ob Boronen, Paraniden oder Split, die Darstellung passt einfach nicht mehr in dieses ansonsten realistisch anmutende Weltall.
Schönheit hat ihren Preis
An der Texturqualitätsschraube haben die Entwickler erneut kräftig gedreht. Piratenflieger sind mit buntem Graffitti überzogen, Fabriken und riesige Zerstörer und Trägerschiffe laden das Auge förmlich zu einer Erkundungstour ein. Da leuchten viele kleine Fenster, Röhren und Leitungen lugen aus Schiffsrümpfen heraus, winzige, teils aufgemalte, teils aus Polygonen geformte Details finden sich in jedem Winkel der Spielwelt.
Das Bumpmapping sieht nicht mehr so aus wie Plastik, was vor allem den Schiffen der Boronen zugute kommt. Generell haben die Entwickler beinahe verschwenderisch mit Polygonen um sich geworfen - und das hat seinen Preis. Die Hardware-Anforderungen für X3: Reunion sind so heftig, dass man sich kaum traut, sie niederzuschreiben. In unserer Benchmark-Testszene, einem einfachen Autopilotflug durch den Sektor Argon Prime mit Andockmanöver an der Handelstation, kam selbst der schnellste PC nicht über 19 Bilder pro Sekunde.
Der schnellste PC, das war in diesem Fall ein Mördergeschoss mit Athlon 64 X2 4600+, einer Geforce 6800 Ultra und 2.048 Mbyte RAM (alle Details auf "hoch"). Zwar ist die Performance in weniger dicht besiedelten Systemen deutlich besser, im Spiel treibt man sich sowohl als Händler, als auch als Draufgänger freilich eher in den Sektoren rum, wo der Bär steppt.
Das kenn ich doch?
EAX steht als Option im Startmenü von X3 zur Verfügung, benötigt aber wie bei fast allen Spielen bis zu zwanzig Prozent CPU-Power (je nach Soundkarte). Muskalisch gibt es ein paar neue Stücke, ein Großteil der Musik aus Teil 2 wurde komplett übernommen. Das stört nicht im Geringsten, sondern gibt X-Veteranen sogar eher noch das Gefühl, "zu Hause" zu sein.
Die Sprachausgabe ist gewohnt gut, doch quasseln die Figuren in den eingeblendeten Videoclips alles andere als lippensynchron. Der Sprachbug aus X2 hat es auch in die neueste Version geschafft - unverständlich, wieso dieser Fehler nicht schon längst ausgemerzt ist.
Nüchtern betrachtet bietet X3: Reunion außer einer frischen Engine wenig Neues und hat den Charme eines Add-ons. Das gewohnt geniale Spielprinzip schafft es aber einmal mehr, dass man als Fan über die offensichtlichen Mängel hinwegsieht. Wer die X-Serie bislang nicht mochte, wechselt allerdings auch durch den dritten Teil nicht ins Lager der X-Jünger. Vielleicht beim nächsten Mal?
