WoW hat seine Seele verloren - Raids sind komplett "nutzlos" geworden

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Special Philipp Sattler - Redaktionsleiter Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
WoW hat seine Seele verloren - Raids sind komplett "nutzlos" geworden
Quelle: Blizzard

Früher episch, heute mehr oder weniger überflüssig: Warum Raids in WoW immer mehr an Bedeutung verlieren und wer Schuld ist.

Denken wir 20 Jahre zurück an die Anfänge von WoW und was damals das Besondere war. Klar, die Levelphase war hart, dauerte lang und jeder Stufenaufstieg war ein kleines Erfolgserlebnis. Dazu noch instanziierte Dungeons, in denen einem niemand anderes die Bosse und die Beute wegschnappen konnte.

Aber wirklich eindrucksvoll waren von Beginn an die Raids. 40 Spieler, die zusammen einem Oberboss in den Hintern treten. Heute haben wir uns daran gewöhnt, doch damals umgab die Schlachtzüge etwas Mystisches, etwas Magisches. Nimmt man das PvP mal raus aus der Rechnung, waren die Raids für lange Zeit die Speerspitze des kompetitiven Spiels in WoW (jetzt kaufen ).

Hier gab es die beste Ausrüstung, die großartigsten Erfolge und Statussymbole in Form von besonderen Mounts. Nun sind wir in WoW Midnight und es ist restlos nichts mehr davon übrig. Und damit meine ich nicht mal "kaum noch was", sondern wirklich absolut gar nichts.

Raids sind überflüssig geworden

Die Raids in WoW haben über die Zeit, spätestens aber mit WoW Midnight alles verloren, was sie einst ausgezeichnet hat. Es gibt heute kaum noch einen Grund, die Schlachtzüge zu besuchen.

Warum sollte ich versuchen, mich mit 19 anderen Spielern zu koordinieren, einen Zeitpunkt zu finden und dann Stunde um Stunde an den mythischen Raidbossen zu wipen, wenn ich die gleiche Beute in Mythisch-Plus-Dungeons bekomme?

Mit den Bonus-Rolls wurde das jetzt noch krasser. Nicht falsch verstehen: Ich finde es okay, wenn es in den Dungeons ähnlich gute Beute gibt - dann aber bitte mit einem ähnlich hohen Schwierigkeitsgrad. Doch dieses Schiff hat nicht nur Schieflage, es ist gekentert. Verglichen mit einem mythischen Boss, sind Mythisch-Plus-Dungeons auf Stufe 10 ein Witz. Viele Gruppen, die kaum einen heroischen Boss down bekommen, laufen vor und nach dem Raid 12er-Dungeons mit Leichtigkeit.

Man bekommt seine Ausrüstung zudem so schnell, dass die Raids nicht mal mehr zum Ausrüsten der Twinks taugen. Tier-Sets gibt es aus der Schatzkammer oder dem Katalyst und bevor ich mit meinem Itemlevel-240er-Twink (dank kriegsmeutengebundener Ausrüstung) einen heroischen Raid gefunden habe, bin ich schon fünf niedrige M+ gelaufen und hab ordentlich abgegriffen. Wenn Blizzard nun auch noch die Spielerzahlen immer weiter senkt (derzeit arbeitet man an einem Flex-Mythisch-Raid für 12.1), dann können sie die Raids auch gleich ganz schließen.

Immerhin gibt es in Raids noch das eine oder andere coole Mount abzugreifen. Quelle: Blizzard Immerhin gibt es in Raids noch das eine oder andere coole Mount abzugreifen.

Und auch wir sind schuld

Aber nicht nur Blizzard ist schuld an dieser Entwicklung. Ein Teil des Problems liegt auch bei uns Spielern und daran, wie sich unsere Gewohnheiten über die Jahre verändert haben.

Raids sind am Ende nämlich nicht nur Content, sie sind immer auch eine Verpflichtung (sofern man nicht seine Zeit in zahlreichen Zufallsgruppen verbringen will). Feste Termine, feste Gruppen, mehrere Stunden am Stück konzentriert spielen - das passt für viele schlicht nicht mehr ins eigene Leben. Jüngere Spieler wollen sich nicht mehr so stark binden und spontan entscheiden, was sie spielen. Ältere Spieler hingegen hätten vielleicht noch die Lust, aber oft schlicht nicht mehr die Zeit, sich mehrmals pro Woche für einen Raidabend zu verpflichten.

Dazu kommt, dass sich die Erwartungshaltung verschoben hat. Viele wollen heute sofort Fortschritt sehen, schnell Belohnungen bekommen und nicht erst Wochen in Progress investieren, nur um am Ende vielleicht leer auszugehen.

Mythisch-Plus bedient genau dieses Bedürfnis perfekt: kurze Sessions, direkte Belohnungen und jederzeit verfügbar. Raids wirken dagegen fast wie ein Relikt aus einer anderen Zeit - ein System, das auf langfristige Planung und Durchhaltevermögen ausgelegt ist, während der Rest des Spiels längst auf Flexibilität und Tempo optimiert wurde. Ein letztes Relikt aus einer alten (und bald vergessenen?) Zeit.

Das alles empfinde ich als äußerst schade. Raids waren und sind für viele Spieler nach wie vor etwas, das WoW von vielen anderen großen MMORPGs unterscheidet. Wenn das jetzt nach und nach immer mehr wegfällt (oder sinnfrei wird), aus welchen Gründen auch immer, dann verliert World of Warcraft ein Stück seiner Identität.

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    • Kommentare (13)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Sascha Lohmueller Redaktionsleiter Print
        Zitat von CountSix
        Verglichen mit EverQuest war WoW von Anfang an auf casual gamer ausgerichtet. In EQ waren Raids erst für 72 und später 54 Spieler ausgelegt. Einzelne Bosse konnten bis zu 2h dauern und waren so schwer, dass sie lediglich von einer Gilde pro Server bezwungen wurden. Um dieser Gilde beitreten zu können, musste man wöchentlich mindestens 30 Stunden Spielzeit investieren.
        30 Stunden wären schön gewesen :D
        Hab von Velious bis Omens of War progress geraidet, mit 7 Raidtagen die Woche :p Man musste natürlich nicht jeden Tag da sein, aber dann gab's halt auch weniger DKP und damit weniger Loot.

        Open-World-Bosse waren tatsächlich theoretisch sogar auf unbegrenzte Spielerzahlen ausgelegt. Die erste Instanz gab's mit der Plane of Time in Planes of Power. Glaub unser Rekord waren mal 104 Spieler, die wir alle per Chat koordiniert haben. Weiß bis heute nicht, wie das funktioniert hat :)

        Bescheuerte Zeit, aber Spaß hat's auch gemacht.
      • Von Sascha Lohmueller Redaktionsleiter Print
        Zitat von CountSix
        Verglichen mit EverQuest war WoW von Anfang an auf casual gamer ausgerichtet. In EQ waren Raids erst für 72 und später 54 Spieler ausgelegt. Einzelne Bosse konnten bis zu 2h dauern und waren so schwer, dass sie lediglich von einer Gilde pro Server bezwungen wurden. Um dieser Gilde beitreten zu können, musste man wöchentlich mindestens 30 Stunden Spielzeit investieren.
        30 Stunden wären schön gewesen :D
        Hab von Velious bis Omens of War progress geraidet, mit 7 Raidtagen die Woche :p Man musste natürlich nicht jeden Tag da sein, aber dann gab's halt auch weniger DKP und damit weniger Loot.

        Open-World-Bosse waren tatsächlich theoretisch sogar auf unbegrenzte Spielerzahlen ausgelegt. Die erste Instanz gab's mit der Plane of Time in Planes of Power. Glaub unser Rekord waren mal 104 Spieler, die wir alle per Chat koordiniert haben. Weiß bis heute nicht, wie das funktioniert hat :)

        Bescheuerte Zeit, aber Spaß hat's auch gemacht.
      • Von Breakerzeus Anfänger/in
        Sorry, aber wenn ich sowas lese:
        Zitat

        Hier gab es die beste Ausrüstung, die großartigsten Erfolge und Statussymbole in Form von besonderen Mounts. Nun sind wir in WoW Midnight und es ist restlos nichts mehr davon übrig. Und damit meine ich nicht mal "kaum noch was", sondern wirklich absolut gar nichts.
        Dann brauch ich den Rest des Artikels auch nicht mehr zu lesen. Diese Aussage ist einfach komplett falsch.

        Erfolge gibt es immer noch. Es gibt AOTC, CE, Glory Achievements. An schweren Bossen zu progressen und sie anschließend zu killen ist übrigens auch ein Erfolg, wenn auch eher persönlich
        Statussymbole gibt es immer noch. Es gibt Mounts & Titel
        die beste Ausrüstung gibt es ebenfalls immer noch. Gerade bei Trinkets kommen einige Klassen nicht um den Raid herum wenn sie sich nicht mit schlechteren M+-Dingern zufrieden geben wollen. Ja, die Rüstungsteile (Set, Off-Pieces, Waffen) kann man theoretisch in M+ bekommen aber dafür muss man dann entweder Bonus Rolls raushauen (für die Mythic Teile) oder in der Lotterie aka Weekly Vault gewinnen. Und ja, ich weiß dass es auch HC Raids gibt und nicht nur Mythic. Es wurde hier aber EXPLIZIT von "bester Ausrüstung" gesprochen und diese ist nunmal mythisch
        hier wurde auch nicht "relativ behauptet" sondern explizit gesagt: "Und damit meine ich nicht mal 'kaum noch was', sondern wirklich absolut gar nichts"

        In meinen Augen weiß ich alleine durch diesen ersten Absatz mit welchem Know-How an diese Sache herangegangen wurde und vermutlich auch worauf der Artikel abzielt (vor allem bei dem Titel).
        Wenn ihr unzufrieden mit WoW seid, dann ist das okay. Aber dann seid wenigstens auch ehrlich und schreibt es so. Erfindet nicht irgendwelche haltlösen Lügen um außenstehenden zu vermitteln wie angeblich "schlecht" das Spiel heute ist und wie "gottgleich" es damals war.
      • Von Shadow_Man Mitglied
        Ich habe schon vor vielen Jahren dem normalen Raiden ade gesagt, weil es für mich irgendwann einfach zu blöd wurde. Bei so vielen Menschen führt es fast zwangsläufig irgendwann zu Streit, Raids zerbrechen und so weiter.

        Seitdem spiele ich viel lieber alleine, ab und zu mal den ein oder anderen Kumpel mit und ansonsten Ruhe.
        Bei vielen anderen und bei mir auch sind da eher Coop-Spiele angesagt. Wo man entweder alleine oder mit bis zu 4 anderen unterwegs ist, wie bei Left 4 Dead, Vermintide 2 oder Helldivers 2.
        Und diese Entwicklung hat natürlich auch Blizzard mitbekommen und deswegen gibt es heute so etwas wie die Tiefen oder Ritualstätten. Inhalte, die man alleine machen kann oder einfach ein paar Kumpels auf Wunsch dazuholen kann.
        Das Ganze ohne Stress und wann immer mal will. (Bei Raids z.B. immer feste Termine).

        Ich bin ein großer Fan der Tiefen und die Ritualstätten sind auch ganz gut. Ich mache das verdammt gerne und hole auch fast meine ganze Ausrüstung daraus. Blizzard weiß das, dass es eben so Spieler wie mich gibt, und deswegen bauen sie auch diese Inhalte aus.
      • Von xaan Spiele-Kenner/in
        Zitat
        Warum sollte ich versuchen, mich mit 19 anderen Spielern zu koordinieren, einen Zeitpunkt zu finden und dann Stunde um Stunde an den mythischen Raidbossen zu wipen, wenn ich die gleiche Beute in Mythisch-Plus-Dungeons bekomme?
        Wenn das Loot am Ende die einzige Motivation zum Raiden ist, dann ist es vielleicht auch besser, wenn es weg kommt.
      • Von Zanjiin-147 Anfänger/in
        Die einzige Schuld, die ich bei Blizzard sehe, ist das Verteufeln von Gilden und organisierten Gruppen (PVP/PVE) gegen /ab Ende LichKing. Der Hass auf diese "Verbrecher" wurde geschürt und zwar von Seiten Bilzzards aus, insbesondere durch Ion "Watcher" Hazzikostas, damals als frischgebackener Lead Game Designer... oder war es Lead Encounter...ich weiss es nicht mehr, auf jedenFall etwas "relevantes" in der Blizzard Belegschaft. Ich erinnere mich noch gut an ein Interview, in dem er Gildenleiter als Betrüger und Lootgriefer bezeichnet hat und diese Formulierung auch in Forenposts (Blizzards eigenem Forum, wohlgemerkt) verwendet hat. Und alle haben brav genickt, weil von 1000 Gilden 2 tatsächlich Betrüger waren... und der Rest kostenlose Arbeit für Blizzard erledigt hat. Durch Raids, durch PVP, durch Rollenspielevents, durch Guides und AddOns (die ja inzwischen auch das Böse an sich sind), durch Theroycrafting (was immer wieder natürlich peinlich für Blizzard war, wenn man Fehler im Design durch einfache Mathematik aufzeigen konnte. Und glaubt mir, es waren viele Fehler, ich war damals Teil des femaledwarf Teams für Jäger). Die Konsequenz war logisch: Keine Gilden, keine (guten) Raids. Man hat den Gilden/Orgas damals fast alles genommen, was die Organisation von Raids und deren Ausführung erleichtert hat. Der Rest ist der Änderung des Publikums geschuldet. "Geduld" ist ein Fremdwort, "Skill" ist eine Beleidigung, "Progress" ist Zwangsarbeit und "Disziplin" führt zu Lachanfällen. Generationen ändern sich eben, ob gut oder schlecht kann nur die nachfolgende Generation beurteilen. Ich hätte mich gefreut, wenn WoW den Weg von Eve Online beschritten hätte. Weniger Kunden, dafür aber langfristig "ehrlicher" zu seiner Idee und seinen Idealen. Heute ist WoW nur ein beliebiges MMO, das in seiner Entwicklung anderen hinterherhängt, deren Innovationen (meistens schlecht) kopiert sind (siehe Housing) und das recoloring von Mounts oder Assets oder das recyceln von alten Inhalten als "Innovation" verkauft und damit auch noch Unmengen an Geld verdient. Der Kunde wünscht, der Kunde bekommt, der Kunde bezahlt, das Ergebnis sieht man. Zumindest diese Fähigkeit, die Trägheit der Kunden auszunutzen muss man anerkennen. Denn welches MMO kann es sich heute noch leisten, Abogebühren, Vollpreis AddOns UND Echtgeld Transaktionen sowie Microtransactiosn in EINEM Spiel unterzubringen und dabei NICHT von der Presse oder vor allem.... von den Spielern zerissen zu werden? Ich kenne keines...ausser WoW.
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