PCs für Virtual Reality: Vier Beispiel-PCs für VR
Virtual Reality (VR) ist schon jetzt das Hardwarethema des Jahres. Da HTC bald mit seiner VR-Brille Vive auf den Markt kommen wird, kümmern wir uns schon jetzt um für die für VR nötige Hardware. Wir haben zudem vier geeignete Beispiel-PCs vorbereitet.
Beispiel-PCs für VR
Wir haben vier PCs zusammengestellt, die laut allen aktuell über die kommenden VR-Brillen bekannten Fakten gut für VR geeignet sind. Ihr könnt die Bauteile der PCs, die wir empfehlen, auch nach eigenem Gutdünken mischen, also auch die High-End-Grafikkarte aus dem teuersten PC im günstigsten PC einbauen oder dem teuersten PC nur eine kleine SSD spendieren und so weiter.
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Lediglich bei den Prozessoren und Mainboards müsst ihr aufpassen: unser erster PC arbeitet mit dem Sockel 1150 und DDR3-RAM. Hier könnt ihr nicht eine CPU der 6000er-Reihe oder DDR4 einbauen, was wiederum die Grundaustattung der anderen drei PCs darstellt. Umgekehrt gesehen passt die Sockel 1150-CPU auch nicht auf die Mainboards der anderen drei PCs.
Zudem sind für die übertaktbaren CPUs Mainboards mit dem Z170-Chipsatz nötig, wenn ihr nicht auf die Übertaktbarkeit verzichten wollt. Auch bei der Kühlung solltet ihr - wenn ihr übertakten möchtet - nicht zu den günstigeren Kühlern der beiden nicht-übertaktbaren PCs greifen. Was ihr zudem beachten solltet: wichtig ist uns vor allem die Kombination aus CPU und Grafikkarten-Serie. Ihr müsst aber nicht exakt das Grafikkarten-Modell des Herstellers nehmen, welches wir als Vorschlag auserkoren haben. Dies gilt auch für das Mainboard, den Arbeitsspeicher, das Gehäuse und so weiter. Lediglich bei der Preisklasse solltet ihr nicht zu weit abweichen, vor allem beim Netzteil: von einem Modell mit angeblich 500 Watt für nur 30 Euro hält man lieber Abstand. Es hat seine Gründe (Effizienz, Qualität der Bauteile, elektrische Absicherungen), warum empfehlenswerte Netzteile mit 500 oder 600 Watt eher 50, 60 Euro oder mehr kosten.
PCs für 1000 und 1200 Euro
Unsere erster PC kostet knappe 1000 Euro und könnte, wenn ihr die Bauteile clever auswählt und bei der Qualität einzelner Bauteile ein wenig Abstriche in Kauf nehmt, auch 100 Euro weniger kosten. Wir empfehlen dies aber nicht, denn das Mainboard bietet viele USB-Anschlüsse, das Gehäuse ist solide verarbeitet, das Netzteil effizient, und der CPU-Kühler sorgt für einen leisen Betrieb auch bei Last. Kern des PCs ist der Intel Xeon E3-1231 v3 als Prozessor - dieser ist technisch beinahe identisch zu einem Core i7-4770, der wiederum leistungsmäßig mit dem moderneren Core i7-6700 für den Sockel 1151 auf einem Level liegt.
Quelle: MSI
MSI Z170A Gaming M3 - Übertaktermainboard für Skylake aus der Mittelklasse
Alle drei CPUs beherrschen Hyperthreading, können also mit ihreren vier Kernen insgesamt acht Threads verwalten und somit wie ein Achtkern-Prozessor arbeiten. Mit dem Xeon spart ihr aber im Vergleich zum Core i7-6700 etwa 50 bis 60 Euro ein, so dass wir trotz des Alters des Sockels 1150 eine Empfehlung ausgeben. Wer Wert darauf legt, den moderneren Sockel zu nutzen, wählt statt des Xeon E3-1231 v3 einen Core i7-6700 (320 Euro) zusammen mit einem ASRock H170A-X1/3.1 oder MSI H170A PC Mate (jeweils etwa 95 Euro) sowie 16 Gigabyte DDR4-2133-RAM für etwa 70 Euro. Die Grafikkarte ist eine Nvidia GTX 970 - wir wählen eine übertaktete Variante von Palit. Die vorgeschlagene SSD-Größe reicht für Windows und alle wichtigen Programme völlig aus. Für Spiele dient die Festplatte, auch wenn auf der SSD sicherlich ein oder zwei nicht allzu große Spiele Platz hätten. Unser zweiter PC richtet sich an preisbewusste Übertakter und kostet unter 1200 Euro. Die CPU, ein Intel Core i5-6600k, verfügt über vier Kerne, die im Gegensatz zu einem Core i7 nur einen statt zwei Threads verwalten können - ein klassischer Quadcore. Dafür ist der Core i5-6600k aber dank frei wählbarem Multiplikator sehr leicht zu übertakten. Für den Core i5-Übertakter-PC haben wir zudem eine größere Festplatte und SSD ausgesucht als für den 1000-Euro-PC, einen ausgewachsenen Übertakter-Kühler für die CPU vorgesehen und eine AMD R9 390 als Grafikkarte gewählt, die ein klein wenig stärker als die Nvidia GTX 970 ist und mit acht Gigabyte RAM auch die doppelte Speichermenge besitzt - dafür ist der Strombedarf mit bis zu 100 Watt mehr als Nvidias Bolide recht hoch. Hier unsere ersten beiden Vorschläge in einer tabellarischen Übersicht.
| Bauteil | Sockel 1150 PC ohne Übertaktung | Skylake-PC mit übertakbarem Core i5 | |||
|---|---|---|---|---|---|
| Prozessor | Intel Xeon E3-1231 v3 | 260 Euro | Core i5-6600k | 240 Euro | |
| Mainboard | ASRock Fatal1ty H97 | 100 Euro | MSI Z170A Gaming M3 | 140 Euro | |
| Arbeitsspeicher | 16GB Crucial Ballistix Sport DDR3-1600 | 65 Euro | 16GB Kingston HyperX Fury DDR4-2666 | 85 Euro | |
| Grafikkkarte | Palit GeForce GTX 970 JetStream | 330 Euro | Sapphire R9 390 Nitro | 340 Euro | |
| Gehäuse | Fractal Design Core 2500 | 55 Euro | Nanoxia Deep Silence | 75 Euro | |
| Netzteil | be quiet! System Power 7 500W | 55 Euro | Corsair CS Series CS550M | 80 Euro | |
| SSD | Toshiba Q300 120GB | 45 Euro | Crucial BX100 250GB | 75 Euro | |
| Festplatte | Western Digital Blue 1000GB | 50 Euro | Toshiba DT01ACA 2000GB | 70 Euro | |
| CPU-Kühler | Cooler Master Hyper T4 | 30 Euro | Scythe Mugen 4 | 45 Euro | |
| Gesamtpreis | 990 Euro | Gesamtpreis | 1150 Euro |
PCs für 1500 und 2000 Euro
Die beiden teureren PCs haben wir mit einem Core i7-6700k ausgestattet, dem übertaktbaren Core i7-Modell der Skylake-Familie. Wer nicht übertakten will, kann natürlich den Core i7-6700 und ein günstigeres Mainboard sowie DDR4-Arbeitsspeicher mit 2133 Megahertz Takt wählen.
Quelle: Be quiet
bq quiet! Silent Base 600
Wir haben zu alternativen Mainboards und Arbeitsspeicher passend zu einem Core i7-6700 ja bereits auch schon einige Worte im Kapitel zum 1000-Euro-PC verloren. Der leistungsrelevante Unterschied zwischen unseren beiden PCs ist bei der Grafikkarte zu suchen, wobei der günstigere PC eine Nvidia GTX 980, der teurere eine GTX 980 Ti verwendet. Ansonsten erklärt sich der weitere Preisunterschied vor allem durch ein besser ausgestattetes Mainboard, eine größere SSD und Festplatte, einem teureren Gehäuse und einer All-In-One-Wasserkühlung für die CPU. Unsere Vorschläge kosten 1555 beziehungsweise 2000 Euro. Kombiniert ihr die Nvidia GTX 980 Ti übrigens mit Hardware unseres 1000-Euro-PCs, dann würdet ihr auf nur etwa 1300 bis 1400 Euro kommen und hättet lediglich den CPU-Takt als Leistungsunterschied, der aber in vielen Spielen nur wenig ausmacht. Achtung: wir haben für alle vier PCs kein DVD-Laufwerk eingeplant - wenn ihr eines benötigt, findet ihr schon unter 15 Euro passende DVD-Brenner mit SATA-Anschluss. Das Gehäuse des 2000-Euro-PCs bietet allerdings keinen passenden Einbauschacht, was bei Gehäusen allgemein immer häufiger vorkommt. Denn Windows lässt sich auch bequem per USB-Stick installieren, und viele verzichten bewusst auf ein internes optisches Laufwerk. Eine Übersicht mit 60 aktuellen Gehäusen und einem Hands-On zum Gehäuse Sharkoon BW9000-W hatten wir in der letzten Woche veröffentlicht.
| Bauteil | Übertakter-PC Core i7 1555 Euro | Übertakter-PC Core i7 2000 Euro | |||
|---|---|---|---|---|---|
| Prozessor | Core i7-6700k | 350 Euro | Core i7-6700k | 350 Euro | |
| Mainboard | Asus Z170 Pro Gaming | 140 Euro | Gigabyte GA-Z170X-UD5 TH | 190 Euro | |
| Arbeitsspeicher | 16GB G.Skill RipJaws V DDR4-3000 | 95 Euro | 16GB Corsair Vengeance LPX DDR4-3200 | 100 Euro | |
| Grafikkkarte | Gainward GTX 980 Phantom | 500 Euro | EVGA GTX 980 Ti Superclocked ACX 2.0 | 660 Euro | |
| Gehäuse | be quiet Silent Base 600 | 90 Euro | NZXT H440 V2 | 130 Euro | |
| Netzteil | Enermax Revolution X't 530W | 85 Euro | Seasonic G-Series G-550 | 90 Euro | |
| SSD | Kingston HyperX Savage 480GB | 160 Euro | Samsung SSD 850 1TB | 280 Euro | |
| Festplatte | Seagate Desktop 2TB | 70 Euro | Toshiba High-Performance 3TB | 100 Euro | |
| CPU-Kühler | Noctua NH-U12DX i4 | 65 Euro | Cooler Master Nepton 240M | 100 Euro | |
| Gesamtpreis | 1555 Euro | Gesamtpreis | 2000 Euro |
SLI und Crossfire
Abschließend wollen wir noch kurz auf das Thema Multi-GPU eingehen, also die Nutzung mehrerer Grafikkarten im PC. Denn SLI (Nvidia) oder Crossfire (AMD) scheint ein guter Weg zu sein, um die nötige Leistung für VR zu generieren. Allerdings gilt hier: es gibt viele Nachteile.
Quelle: PC Games Hardware
Sapphire R9 390 Nitro
Zum einen: durch das Verwenden einer zweiten identischen Grafikkarte verdoppelt sich die Leistung nicht, sondern es sind nur etwa 60 Prozent mehr FPS zu erwarten. In einigen Spielen ist es auch deutlich weniger. In manchen Fällen kommt es auch zu Fehlern oder gar dem Verweigern des Spielstarts. Zum anderen verdoppelt sich der Grafikspeicher nicht, auch wenn manch ein Nutzer vielleicht davon ausgeht. Zudem kommen neben dem Preis für die zweite Grafikkarte weitere Kosten hinzu: das Mainboard muss für Multi-GPU geeignet sein und das Netzteil genug Strom liefern, denn bei Spielelast erhöht sich natürlich der Strombedarf enorm, was weitere Kosten nach sich zieht. Auch die Kühlung im Gehäuse wird erschwert (die zweite Karte nimmt Platz weg, erzeugt Wärme und blockiert eventuell auch Luftströme), was zu einem deutlich lauteren PC führen kann.
Ein SLI- oder Crossfire-System will also wohl überlegt sein - bis auf den absoluten Enthusiastenbereich, wo auch Experimentierfreude eine Rolle spielt, macht es so gut wie immer eher Sinn, sich eine einzige starke Grafikkarte zu kaufen und irgendwann die Grafikkarte durch ein neues, stärkeres Modell zu ersetzen. Ein Grund für die Probleme mit Spielekompatibilitäten und Treibern ist auch die Tatsache, dass vergleichsweise nur sehr wenige Nutzer Multi-GPU betreiben. Sprich: zum einen fehlen den Grafikkarten- und Spieleherstellern die Erfahrungswerte einer Massennutzung, zum anderen ist es wegen der kleinen Zielgruppe auch nicht besonders attraktiv, viele Ressourcen in die Optimierung der Software zu stecken. Es wäre aber denkbar, dass sich dies durch VR ändern wird, wenn am Ende doch die Zahl der Multi-GPU-Interessierten steigen sollte. Zum Thema Multi-GPU findet ihr übrigens auch in der aktuellen PCGames (Ausgabe 3/16) einen ausführlichen Artikel.

Danke für den Hinweis - wenn etwas korrigiert oder präzisiert wird, ist das nie verkehrt. :)
Es ist am Ende eben nicht korrekt zu sagen, dass 90 FPS "nötig" sind - das muss man vielmehr am Ende dann eben ausprobieren. Genau wie es Leute gibt, die 30 FPS an einem Monitor total flüssig empfinden, wird es auch Nutzer geben, die 50 FPS (ohne Einbrüche) auch als völlig ausreichend empfinden werden. Andere werden auch bei 80 FPS noch unzufrieden sein. WENN man aber VR betreiben will, liegt der von uns empfohlene Mindest-PC bei einem Core i5 mit einer GTX 970, und eben solche PCs findet man dann bei den vier genannten PC-Zusammenstellungen.
Die genauen Empfehlungen können wiederum natürlich erst erfolgen, wenn die markreifen Brillen und angepasste Games von den Usern auch wirklich genutzt werden. Vorher kann man sich nur an Hersteleraussagen und Erfahrungen bei Entwicklerteams orientieren.
@Tornhoof: wie genau das funktioniert und warum mehr FPS besser sind, ist mir durchaus bewusst. Die 90er-Warngrenze kannte ich in der Tat aber nicht, gibt es die wirklich, oder ist das nur optional? In dem Falle ist es dann so, dass man bei den "günstigeren" PCs ein paar Abstriche bei den Details machen muss, wenn die wirklich 90 FPS erreichen müssen und man einen Titel spielt, der bei hohen Details nur auf 60-70 FPS kommt.
Ok, dann stell die jetzt einfach vor, das alle deine Kopf/Körperbewegungen erst mit einer erhöhten Verzögerung (als vom Hersteller designed) Auswirkungen auf das angezeigte Bild haben. Genau das passiert wenn du statt 90 FPS nur noch 60 hast. Praktisch führt das dann zur beliebten Simulator Sickness, die Schnecke in deinem Ohr sagt deinem Hirn dass du sich bewegst, aber dein Auge sieht keine Bildänderung. Fazit? Dir wird schlecht.
SteamVR geht sogar soweit, dass es dicke Warnmeldungen anzeigt wenn die FPS unter 90 fällt, um das zu verhindern wird ggf live die Qualitätseinstellungen reduziert.
Das Ganze läuft unter dem Motto low persistence und Simulator sickness.