Victoria 3 im Test: Globalstrategie, die diesen Namen wirklich verdient

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Test Olaf Bleich - Autor Benedikt Plass-Fleßenkämper - Autor Lukas Schmid - Autor Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen 14,35 €
Victoria 3 im Test: Globalstrategie, die diesen Namen wirklich verdient
Quelle: Plaion / Paradox

Revolution oder Untergang? In Paradox' Grand-Strategy-Game Victoria 3 seid ihr Herrscher eurer Nation und leitet sie durch 100 Jahre Geschichte. Wie viel Spaß das macht und ob Victoria 3 mehr ist als nur biedere Zahlenschubserei - das erfahrt ihr im Test!

Stellt euch folgendes Szenario vor: Es ist das Jahr 1836 und ihr erhaltet die Kontrolle über eine beliebige Nation auf dem Globus. Ihr seid nicht der König oder ein anderer hochrangiger Würdenträger. Ihr zieht im Hintergrund die Fäden und prägt mit euren Entscheidungen Wirtschaft, Gesellschaft und Diplomatie. Genau das ist die Prämisse hinter Victoria 3, des neuen Globalstrategiespiels von Paradox Development. Die vor euch liegenden Aufgaben könnten also kaum größer sein, schließlich habt ihr 100 virtuelle Jahre Zeit, um eurer Nation den Stempel aufzudrücken. Wie ihr dabei vorgeht, bleibt ganz euch überlassen: Seid ihr aggressive Imperialisten und überfallt Nachbarstaaten, baut ihr euren Staat zur internationalen Wirtschaftsmacht aus, oder verwandelt ihr es in ein Paradies für Freigeister und Intellektuelle? Das am 25. Oktober 2022 für den PC erscheinende Victoria 3 (jetzt kaufen 49,70 € / 14,35 € ) gibt euch dafür alle Werkzeuge an die Hand.


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Viele Hürden zum Einstieg

Global- oder auch Grand-Strategy-Games beziehen ihren Reiz aus der Vielzahl an Möglichkeiten und aus der Komplexität, die ein solches Szenario mit sich bringt.

Die größte Aufgabe besteht bei einem derartigen Spiel darin, den Nutzern Funktionen nahezubringen und zu erklären, um damit das Gefühl der Überforderung zu minimieren. Victoria 3 gelingt das nur zum Teil. Wir würden lügen, würden wir behaupten, wir wären gleich bei der ersten Partie fehler- und sorgenfrei durch 100 Jahre Geschichte gerauscht. Nein, wir sind pleitegegangen - und das sogar im Tutorial.

Zoomen wir dicht an das Geschehen heran, beobachten wir kleine Details wie beispielsweise diesen Zug, der von Brügge nach Brüssel fährt.  Quelle: PC Games/Medienagentur plassma Zoomen wir dicht an das Geschehen heran, beobachten wir kleine Details wie beispielsweise diesen Zug, der von Brügge nach Brüssel fährt. 

Paradox bemüht sich redlich, alle notwendigen Informationen zu liefern und so etwas wie Übersichtlichkeit inmitten von Zahlenkolonnen und Fachausdrücken zu schaffen.

In der Einführung nimmt euch das Spiel daher auch stärker an die Hand und geht bestimmte Aufgaben wie etwa das Erweitern eurer Industrie Schritt für Schritt mit euch durch. Andere Ziele wie etwa das Erhöhen des Bruttoinlandsprodukts müsst ihr anhand einiger Erklärtexte selbst bewältigen.

Der Technikbaum teilt sich in die Bereiche Produktion, Militär und Gesellschaft. Das Forschungstempo hängt von der Anzahl der vorhandenen Universitäten ab. Quelle: PC Games/Medienagentur plassma Der Technikbaum teilt sich in die Bereiche Produktion, Militär und Gesellschaft. Das Forschungstempo hängt von der Anzahl der vorhandenen Universitäten ab.

Hier entsteht bereits die erste Hürde: Wollt ihr in Victoria 3 bestehen, müsst ihr euch durch Unmengen von Bildschirmtexten arbeiten. Bei Unklarheiten schickt euch das Spiel von einem Kasten zum nächsten; selbst im Tutorial sind die Vorgaben nicht immer absolut eindeutig. In den ersten Stunden bleiben daher viele Fragen offen und es dauert, bis ihr die Zusammenhänge verstehen und nachvollziehen werdet.

Zwischen Übersichtlichkeit und Informationsflut

Nach dem Tutorial widmet ihr euch entweder dem freien Spiel oder sucht euch eine von drei Hauptmissionen aus: Wirtschaftliche Vorherrschaft, Hegemon (also Alleinherrschaft) oder egalitäre Gesellschaft. Wählt ihr ein übergeordnetes Ziel, erhaltet ihr immer wieder Aufgaben auf dem Weg dahin. So hangelt ihr euch von einem Punkt zum nächsten und tappt nicht im Dunkeln.

Fehlerfrei war Victoria 3 im Test leider noch nicht. Dieses Gesetz benötigte über zehn Millionen Tage – also rund 27.000 Jahre –, bis es endlich beschlossen ist. Die armen Kinder müssen also noch lange arbeiten.  Quelle: PC Games/Medienagentur plassma Fehlerfrei war Victoria 3 im Test leider noch nicht. Dieses Gesetz benötigte über zehn Millionen Tage – also rund 27.000 Jahre –, bis es endlich beschlossen ist. Die armen Kinder müssen also noch lange arbeiten. 

Das wiederum erleichtert das Verständnis, auch wenn der Lösungsweg speziell beim "Durchdrücken" bestimmter erforderlicher Gesetze alles andere als simpel ist. Sehr schön: Ihr bestimmt in den Optionen auch Parameter wie das Verhalten der Computer-Staatsoberhäupter euch gegenüber.

Wer eine besondere Herausforderung sucht, wählt den Ironman-Modus: Hier kann man weder das Land wechseln noch in den Beobachtermodus springen oder alte Spielstände laden.

Die Wahl der eigenen Nation ist gerade zu Beginn entscheidend. Jedes Land bringt unterschiedliche Bedingungen in Bereichen wie Wirtschaft oder Gesellschaft mit. Ebenfalls wichtig: Auch historische Personen oder Ereignisse wie etwa die Deutsche Revolution von 1848/49 spielen in Victoria 3 eine Rolle und wollen entsprechend gehandhabt werden.

Generäle führen ihre Armeen zu Felde, besitzen aber auch Eigenschaften, die ihr im Hinterkopf behalten solltet. Kollege Van Ufford etwa mag zwar angeschlagen sein, ist aber ein gewiefter Stratege.  Quelle: PC Games/Medienagentur plassma Generäle führen ihre Armeen zu Felde, besitzen aber auch Eigenschaften, die ihr im Hinterkopf behalten solltet. Kollege Van Ufford etwa mag zwar angeschlagen sein, ist aber ein gewiefter Stratege. 

Die Bedienoberfläche selbst gestaltet sich dabei durchaus ansehnlich: Die stufenlose Karte offenbart in der Nahaufnahme hübsche Details wie umherfahrende Züge und kleinere Konflikte. Zoomt ihr heraus, erkennt ihr dagegen in größeren Nationen die einzelnen Provinzen und könnt diese anwählen. Fahrt ihr komplett raus, seht ihr schließlich euren Schreibtisch mitsamt Karte - eine schöne Idee.

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    • Kommentare (4)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Superkuh Mitglied
        Zitat von Nevrion
        Ja, du verstehst mich falsch. Gemeint war, ob sich alle Länder grundlegend gleich spielen, ob manche in bestimmten Bereichen eher Vorteile oder Nachteile haben, insbesondere mit Blick auf die Expansion. Eine Art Fokus-Baum ala Hearts of Iron 4 konnte ich jedenfalls noch nicht finden. Eher mehr oder minder zufällige historische Ereignisse, auf die man dann reagieren kann.
        Aye, mein Fehler. Frag mich lieber nicht, warum ich generisch mit prozedural generiert in einen Topf geworfen habe :-D

        Aufgrund von Zeitmangel habe ich Im Spiel bisher leider nur ca. zwei Stunden ins Tutorial reinschnuppern können (falls man es überhaupt als Tutorial bezeichnen kann; das CK3-Tutorial hat einen besser ins Spiel gebracht). Das meiste war jedoch nur Lesearbeit der Tooltips. Außer dass es einen schönen Eindruck macht und dass es recht komplex wirkt kann ich noch nicht viel sagen. Aber macht Lust auf mehr und am Wochenende nehme ich mir wahrscheinlich richtig Zeit dafür. Auch die Tutorials von Steinwallen werden sicher hilfreich sein.

        Ich finde es schade, dass die Tester nichts zu deiner Frage hier posten und sich in Schweigen hüllen. Felix und Matthias zum Beispiel interagieren ein bisschen mehr mit der Community, was ich auch wichtig finde. Bis ich wirklich was zu dem Thema schreiben kann, hat sich das wahrscheinlich schon längst für dich erledigt.
      • Von Superkuh Mitglied
        Zitat von Nevrion
        Ja, du verstehst mich falsch. Gemeint war, ob sich alle Länder grundlegend gleich spielen, ob manche in bestimmten Bereichen eher Vorteile oder Nachteile haben, insbesondere mit Blick auf die Expansion. Eine Art Fokus-Baum ala Hearts of Iron 4 konnte ich jedenfalls noch nicht finden. Eher mehr oder minder zufällige historische Ereignisse, auf die man dann reagieren kann.
        Aye, mein Fehler. Frag mich lieber nicht, warum ich generisch mit prozedural generiert in einen Topf geworfen habe :-D

        Aufgrund von Zeitmangel habe ich Im Spiel bisher leider nur ca. zwei Stunden ins Tutorial reinschnuppern können (falls man es überhaupt als Tutorial bezeichnen kann; das CK3-Tutorial hat einen besser ins Spiel gebracht). Das meiste war jedoch nur Lesearbeit der Tooltips. Außer dass es einen schönen Eindruck macht und dass es recht komplex wirkt kann ich noch nicht viel sagen. Aber macht Lust auf mehr und am Wochenende nehme ich mir wahrscheinlich richtig Zeit dafür. Auch die Tutorials von Steinwallen werden sicher hilfreich sein.

        Ich finde es schade, dass die Tester nichts zu deiner Frage hier posten und sich in Schweigen hüllen. Felix und Matthias zum Beispiel interagieren ein bisschen mehr mit der Community, was ich auch wichtig finde. Bis ich wirklich was zu dem Thema schreiben kann, hat sich das wahrscheinlich schon längst für dich erledigt.
      • Von Nevrion Spiele-Kenner/in
        Zitat von Superkuh
        Vielleicht verstehe ich dich hier etwas falsch, aber macht das nicht allgemein den Reiz aus, dass sich in Strategiespielen nicht immer alles gleich spielt?
        Ja, du verstehst mich falsch. Gemeint war, ob sich alle Länder grundlegend gleich spielen, ob manche in bestimmten Bereichen eher Vorteile oder Nachteile haben, insbesondere mit Blick auf die Expansion. Eine Art Fokus-Baum ala Hearts of Iron 4 konnte ich jedenfalls noch nicht finden. Eher mehr oder minder zufällige historische Ereignisse, auf die man dann reagieren kann.
      • Von Superkuh Mitglied
        Danke für den schönen Test, ich freue mich schon richtig auf heute Abend. Ich habe Victoria2 leider nie gespielt, da ich schon recht lange gebraucht habe, mit Crusader Kings 3 richtig warm zu werden. Und das, obwohl ich Strategiespiele wie Civ immer geliebt habe. Nach ein paar Anlaufschwierigkeiten hat es sich aber dennoch zu meinem Lieblingsspiel entwickelt und mittlerweile wünsche ich mir mehr und mehr Komplexität wie beim Vorgänger (an dessen Lernkurve ich damals zerschellt bin). Jetzt bin ich gespannt wie es ist, mal wieder mit vollem Anlauf ohne Schutzausrüstung gegen die nächste Wand zu rennen :-D Aber das Thema komplexe Sozial- und Wirtschaftssimulation reizt mich auf jeden Fall sehr, von daher werde ich mich auf jeden Fall reinknien.

        Ich finde es auch gut, dass das Kampfsystem hier entschlackt wurde. Das Whack-a-mole-Prinzip mit dem ständigen Verfolgen der gegnerischen Truppen wie bei den anderen Paradox-Spiele würde das feine Micromanagement sicher sehr erschweren. Ich vernachlässige in CK3 während den Kriegen manchmal leider etwas die anderen Dinge im Eifer des Gefechts.

        Zitat von Nevrion
        So wie ich es aus dem Test entnehme scheint sich aber trotz einiger historischer Ereignisse jedes Land generisch zu spielen. Das ist mit Blick auf das Zeitalter des Imperialismus eigentlich eher ernüchternd.

        Vielleicht verstehe ich dich hier etwas falsch, aber macht das nicht allgemein den Reiz aus, dass sich in Strategiespielen nicht immer alles gleich spielt? Für mich ist das eines der großen Pluspunkte in Paradox-Spielen, dass der Start historisch ziemlich akkurat recherchiert wurde, man dann aber die Geschichte komplett neu schreiben kann und die KI durch zufällige Events dabei unterstützt oder Dinge erschwert. So gleicht fast kein Spieldurchlauf dem vorigen, selbst wenn man den gleichen Start hat. Wäre alles mehr oder weniger gescripted, wären die Handlungen auch der anderen Länder stets vorhersehbar und irgendwann langweilig. Klar, die KI ist nie perfekt und hat immer ihre Macken, aber Immerhin spielt die KI in den Paradox-Spielen mit den selben Regeln wie der Spieler und schummelt nicht so offensichtlich, wie viele andere Strategiespiele. Oder es fällt mir zumindest nicht auf :-D
      • Von Nevrion Spiele-Kenner/in
        So wie ich es aus dem Test entnehme scheint sich aber trotz einiger historischer Ereignisse jedes Land generisch zu spielen. Das ist mit Blick auf das Zeitalter des Imperialismus eigentlich eher ernüchternd.
        Überhaupt ist weniger manchmal mehr und so scheint man sich hier bei den Entwicklern in den Wirtschaftszweigen in jeden noch so unnötigen Detail vertieft zu haben, statt dem Spieler Dinge zu offenbaren auf die er hinarbeiten kann.
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