Monitor: Was ist wichtig für eine gute Leistung?
Kein Setup der Welt ersetzt Können. Doch wer mit hoher Latenz spielt, verliert. Im E-Sports entscheidet auch Technik, ob Talent wirklich zur Geltung kommt. Im ersten Teil unseres Guides klären unsere Kollegen von PC Games Hardware die Frage nach dem richtigen Monitor und geben Tipps zur Hardware-Konfiguration am Beispiel von VALORANT.
In diesem Artikel
Monitorlatenzen erklärt
Für erfolgreiches Treffen ist neben antrainiertem "Muscle-Memory" entscheidend, Bewegungen möglichst schnell und geschmeidig verfolgen zu können. Neben der Bildklarheit spielt dabei die Latenz zwischen Mauseingabe und Bildausgabe eine zentrale Rolle. Diese sogenannte End-to-End-Latenz (Kurzform E2E) wird von uns mithilfe von Nvidias LDAT-Toolkit erfasst. Unsere Messungen zeigen die Auswirkungen verschiedener Einstellungen und Monitorfrequenzen auf die Latenz bei identischem Testsystem. Verwendet wurde ein Asus ROG Swift PG27AQDP mit OLED-Panel und bis zu 480 Hz, betrieben an einer Geforce RTX 4070 Ti Super mit Ryzen 9 7900X. Die Szene wurde für jeden Durchgang exakt reproduziert. Bei voller Detailstufe samt 4× MSAA wurden ohne Vsync oder G-Sync rund 700 Fps erreicht - mit einer Systemlatenz (nicht zu verwechseln mit End-to-End) von etwa 1,43 ms.
Viel hilft tatsächlich viel (in gewissen Grenzen)
Grundsätzlich gilt: Je höher die Bildrate, die Frames per Second (Fps), desto schneller kann ein neues Bild auf dem Monitor dargestellt werden. Allerdings nur, solange auch die Bildwiederholfrequenz des Monitors und die eingesetzte Synchronisationstechnik mitspielen und richtig konfiguriert sind. Ein 60-Hertz-Bildschirm benötigt für einen vollständigen Refresh-Zyklus 16,7 ms - das ist die Mindestlatenz, die allein durch die Bilddarstellung bei 60 Hz selbst entsteht, auch mit Vielfachem über 60 Fps. Wird ohne Synchronisation gespielt, kommt es bei jeder Bildrate oberhalb der Monitorfrequenz zu sogenanntem Tearing - sichtbaren Bildrissen zwischen zwei unvollständig dargestellten Frames. Diese Risse reduzieren nicht nur die visuelle Klarheit, sondern erschweren auch das präzise Verfolgen von Gegnern. Der Vorteil dabei: Durch das Fehlen jeglicher Begrenzung werden die höchsten Fps nahe der Monitorfrequenz erzielt, was wiederum zu niedriger End-to-End-Latenz führt - vor allem bei Displays mit geringer Wiederholrate.
Stolperfalle: nur Vsync
Eine Methode zur Vermeidung von Tearing ist Vsync. Hierbei werden fertig berechnete Frames im Speicher der Grafikkarte gepuffert, bis der Monitor bereit ist, sie darzustellen. Dieses Warten mit ausschließlich aktivem Vsync ohne (!) G-Sync oder Freesync verursacht jedoch für E-Sports kritische, zusätzliche Latenz - der Effekt ist umso spürbarer, je niedriger die Bildwiederholfrequenz. Meist kommt Triple-Buffer-Vsync zum Einsatz, bei dem drei Frames zwischengespeichert werden. So kann die GPU auch dann weitere Bilder rendern und diese zwischenspeichern, ohne auf den nächsten Bildschirm-Refresh warten zu müssen - anders als beim veralteten Double-Buffer-Vsync, das bei schwankenden Bildraten zu Halbierung der Fps (etwa von 60 auf 30) und spürbarem sowie stark schwankendem Lag führen kann. Triple Buffering mildert diese Effekte, verursacht aber ebenfalls spürbare und zu vermeidende Zusatzlatenz.
Adaptive Sync erklärt
Abhilfe schafft Adaptive Sync. Dieser VESA-Standard bildet die Grundlage für bekannte Technologien wie Nvidias G-Sync und AMDs Freesync; im TV- und Konsolensektor auch als VRR (Variable Refresh Rate) bezeichnet. Dabei passt der Monitor seine Bildfrequenz flexibel der Bildausgabe der GPU an. Läuft ein Spiel mit 80 Fps auf einem 144-Hz-Monitor, wird der Bildschirm dynamisch auf 80 Hz getaktet. Das sorgt für eine unmittelbare und (beinahe) tearingfreie Bildausgabe - ohne dass Frames zwischengelagert werden müssen. Vereinzelt zu schnell gerenderte Frames, die die Bildwiederholfrequenz des Monitors "überholen" und für gelegentliches Tearing trotz Adaptive Sync sorgen können, können über zusätzlich (!) zugeschaltetes Vsync gebremst werden - ohne dann nennenswerten Latenznachteil.
Technisch ist die Basis und Funktionsweise bei G-Sync und Freesync sehr ähnlich. Unterschiede ergeben sich primär durch Lizenzbedingungen: Für G-Sync-kompatible Displays verlangt Nvidia zertifizierte Panelqualität und bestimmte Funktionsgarantien. Freesync Premium hingegen setzt mindestens 120 Hz und sogenannte Low Framerate Compensation (LFC) voraus. LFC erlaubt es, bei geringer Fps-Leistung die Aktualisierungsrate künstlich zu vervielfachen - etwa bei 80 Fps auf volle 240 Hz bei einem 240-Hz-Monitor. Auch Adaptive Sync hat jedoch naheliegende Grenzen: Die Systemzeit - also die Zeit, die CPU und GPU zur Berechnung eines Bildes benötigen - bleibt unberührt. Für niedrigere End-to-End-Latenzen und sauberes Bild braucht es beides: hohe Fps und ein schnell taktendes Display.
Quelle: PCGH
Eine Momentaufnahme aus unseren Latenzmessungen. Diese Szene können wir nahezu pixelgenau reproduzieren. Bei freigeschalteten Bildraten liefert unser Testsystem knapp 700 Fps. Die GPU-Auslastung von 75 Prozent weist auf ein CPU-Limit hin.
Idealerweise wird die Bildrate knapp unterhalb der Monitorfrequenz limitiert - zum Beispiel auf 237 Fps bei 240 Hz. Dies reduziert, dass der Frame genau an die Hertz-Grenze "stößt", was zusätzliche Latenz verursachen kann. Moderne Spiele wie VALORANT bieten solche Fps-Limits direkt im Menü; hier kann der gewünschte Maximalwert sogar frei eingegeben werden. Generell sollte die Ingame-Fps-Begrenzung anderen Optionen vorgezogen werden. Fehlt eine solche, ist die nächstbeste Anlaufstelle die entsprechende Einstellung im Grafiktreiber. Sowohl AMD, Intel als auch Nvidia bieten diese an. In unseren E2E-Tests mit dem Ingame-Limiter (bei 118 Fps und 120 Hz) kommen 15,9 ms raus, beim Fps-Limiter des Geforce-Control-Panels sind es mit 17,8 ms etwas mehr.
G-Sync + Vsync als Tipp
Aktiviert man nur Vsync, reduziert sich die Bildrate auf die Displayfrequenz, in unserem Fall mit dem Asus OLED mit 480 Hz, also 480 Fps. Die Renderlatenz steigt auf etwa 2,08 ms, da die Grafikkarte nun zeitweise auf die "Auslieferung" der Bilder wartet. Da Frames obendrein zusätzlich gepuffert werden, erhöht sich die Gesamtverzögerung nochmals deutlich - noch bevor überhaupt ein Bild auf dem Monitor erscheint. Mit aktiviertem G-Sync, aber deaktiviertem Vsync, bleiben die Fps hoch - allerdings tritt auch bei Frames oberhalb der Refreshrate wieder Tearing auf (zumeist am unteren Bildrand). Erst mit zusätzlich aktivierten Vsync bleibt das Bild vollständig tearingfrei.
Die berechneten Fps sinken unter die maximale Hertz-Zahl, die Ausgabe erfolgt aber direkt und bei sehr geringer Latenz. Die Kombination zwischen aktivem G-Sync und Vsync ist aktuell die effizienteste Lösung für das beste Bildqualität-Latenz-Verhältnis und unsere generelle Empfehlung für gelegentliche E-Sports-Spieler - vorausgesetzt, ein entsprechender Adaptive-Sync-Monitor steht zur Verfügung. Wird auf Adaptive Sync verzichtet (etwa bei fehlendem Support) und Bildrisse sollen trotzdem reduziert werden, empfiehlt sich ein Fps-Limit knapp unterhalb der Monitorfrequenz - etwa 141 statt 144 Fps. Das Bild ist dann zwar nicht absolut stabil, Tearing durch zu schnelle Einzelframes bleibt aber seltener. Bei hohen Refreshes ist Tearing zudem kürzer sichtbar, weniger auffällig.
240 Hz als goldene Mitte
Unsere E2E-Messungen belegen deutlich: Der Schritt von 60 auf 120 Hz bringt eine drastische Verbesserung - ein 60-Hz-Panel ist für kompetitives E-Sports einfach nicht mehr tragbar. Auch zwischen 120 und 240 Hz bestehen noch klare Unterschiede. Darüber hinaus nimmt der Zugewinn ab - spür- und sichtbar bleibt er dennoch, abhängig jedoch von der Empfindlichkeit des Spielers. Gleichzeitig verringert sich die Relevanz der eingesetzten Synchronisationsmethoden mit steigender Frequenz. Sollte G-Sync sich dank eines Treiber-Updates unbemerkt abgeschaltet haben, wäre die Latenzsteigerung bei etwa 500 Hz mit nur aktivem Vsync wirklich überschaubar (im Gegensatz zu 60/120 Hz).
Abschließend haben wir weitere Messungen in VALORANT mit einem der schnellsten E-Sports-Monitore zum Vergleich angefertigt: der Benq Zowie XL2568X+ bietet 600 Hz und ein Fast-TN-Panel im Turnier-gängigen 24,1-Zoll-Format (Full HD). Doch auch der Asus-Monitor mit OLED-Technik und höherer WQHD-Auflösung kommt bei 480 Hz sichtlich nahe an dieses TN-Spitzenmodell heran. Die Auflösung spielt im CPU-Limit des Testsystems zudem kaum eine Rolle.
