Streamerin Jenny_Jey_Jey erzählt vom Umgang mit Internet-Hass - Seite 3
Im Gastbetrag erzählt die deutsche Twitch-Streamerin Jennifer "Jenny_JeyJey" Düngfelder, wie sie mit Hass im Netz umzugehen gelernt hat.
Mir kamen direkt ein paar Fragen in den Sinn: Warum trifft mich das emotional so? Warum machen die das? Warum machen sie das an einen Ort, wo jeder, der will, mitlesen kann? Es trifft mich, weil ich den beiden nichts getan hatte. Ich hatte sie aber eben auch nicht zum Event eingeladen, was direkt einen Erklärungsversuch darstellt, weshalb sie lästerten. Neid auf Twitch ist ein Phänomen, das ich nicht so früh (bei noch nicht ganz 1.000 Followern) erwartet hätte und auch überhaupt nicht verstehen kann.
Hier prallten zwei Welten aufeinander: Meine naiv-positive Bubble (ich möchte niemanden etwas Böses) versus unausgesprochene Erwartungen anderer Streamerinnen. Ich hatte nach bestem Wissen und Gewissen meine Kooperations-Streamerinnen ausgesucht, andere Streamerinnen hatten sich offenbar ausgeschlossen gefühlt und ihren Frust durch Lästereien ausgedrückt. Da ich das so auf mir nicht sitzen lassen und ich diese Art von Hate auf Twitch nicht so unkommentiert lassen wollte, konfrontierte ich beide Personen direkt damit. Eine blockte ab, zeigte keine Einsicht und eine Entschuldigung kam ihr nicht über die Lippen. Die andere Streamerin entschuldigte sich und meinte, sie habe sich "im Chat mitreißen lassen".
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Quelle: Jennifer Düngfelder
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Doch zum Glück stehen solche "Dramen" sowie Klatsch&Tratsch-Erlebnisse nicht an der Tagesordnung. Was mir jedoch trotzdem auffällt ist, dass man sich als Streamer*in definitiv zügig ein dickes Fell zulegen muss, denn solche Themen werden kommen, früher oder später.
Umgehen mit Hass im Netz
Dabei haben mir mehrere Faktoren geholfen: Twitch-Vorbilder und "Senpais", Gespräche und ein reger Austausch mit anderen Streamer*innen, ein gesunder Ausgleich zu Twitch und eine liebevolle Twitch-Community.
Ein Learning war hier besonders wichtig: "Du kannst es nicht allen recht machen". Dieser Satz wirkte am Anfang auf mich oft wie eine Floskel, da ich durch mein intensives Harmoniebedürfnis fast immer alle Menschen liebhaben möchte und dafür auch bereit bin, einzustecken. Doch ein solches Einstecken und Streaming-Konzepte abändern, damit es niemanden gibt, der etwas zu meckern hat, ist nicht nur total unrealistisch, sondern würde mich als Streamerin auch zu einer wehenden Fahne im Wind machen.
Es ist sehr verführerisch, "einfach" auf Andere zu hören und keine eigenen Entscheidungen zu treffen, doch so eine Person möchte ich nicht sein. Der Weg zu dieser Überzeugung war jedoch recht anstrengend, da ich als Streamerin auf Twitch sehr früh lernen musste, hinter meinen Entscheidungen zu stehen und in Echtzeit Feedback zu erhalten.
Quelle: Jennifer Düngfelder
So sieht ihr Streaming-Platz aus
Ich habe zu Beginn Twitch oft dann konsumiert, wenn es mir selbst nicht gut ging, um wieder auf bessere Gedanken zu kommen und mich abzulenken. Diese Art von "Balsam für die Seele" wollte ich auch zurückgeben. So war rasch ein Motto geboren "HotS ohne Hate".
Heroes of the Storm ist ein klassisches Team-Moba, bei dem Sieg und Niederlage sehr stark beeinflussbar sind durch die Leistung Deines Teams (vier weitere Spieler/innen). Nur, weil du als Einzelperson besonders gut spielst, clevere Taktiken umsetzt und gute Map-Awareness besitzt, heißt das noch lange nicht, dass du nach den 20 bis 30 Minuten Spielzeit deshalb auch gewinnst.
Das kann dazu führen, dass man die Games als unfair empfindet, schnell frustriert ist oder die Schuld bei den anderen Team-Mitgliedern sucht. Je nach Persönlichkeit und dem Drang, zu gewinnen (kompetitives Spielverhalten), ist bei einigen Moba-Streamer*innen zu erkennen, dass sie schnell salty, verbal herablassend, beleidigend oder gar aggressiv werden.
Mir selbst bereitet es nicht besonders viel Freude, solchen Streamer*innen zuzuschauen und ich wollte mit meinen Streams ein Gegenangebot schaffen, welches mehr meiner friedlichen Persönlichkeit entspricht. Meine persönlichen Regeln für meinen Twitch-Stream sind unter anderem:
- Keine Beleidigungen oder langes Aufregen über schlechtes Spielverhalten
- Kein Aufdrängen von Tipps und "du musst das so spielen"
- Scheiter heiter, wenig salty Verhalten, auch bei einer Lose-Strecke
- Kein Lästern oder Schlechtreden von Personen, egal, ob in meinem Voice oder in meinem Twitch-Chat
- Sei einfach kein Depp!
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Und davon kann man leben? Ist das schon erfolgreich? Diese Fragen sind nicht sarkastisch oder ironisch gemeint, ich weiß es einfach nicht, kann es mir allerdings auch nicht vorstellen.
Herausgekommen sind für mich zwei Seiten eines allgemeinen Zockerlebens, gefolgt von einem kleinen Intermezzo mit einer einer kleinen Streitigkeit im Netz. Der Rest, fast zwei Seiten unter der Überschrift "Umgang mit Hass im Netz" und "Wie geht es weiter", war ansonsten der Versuch, seinen eigenen Streamingstil zu präsentieren, in welchen positiven Aspekten er sich auszeichnet (hervorgehoben durch Spiegelstriche), welche Events sie plant, welches positive Feedback sie bekommt etc... Am Ende noch ein kleiner Twist mit einer allgemeinen Frage.
Das kann nun jeder für sich selbst beurteilen, ob die Autorin Werbung für sich als Streamer macht. Für mich ist das klar der Fall. Schließlich ist die Erhöhung des Bekanntheitsgrades und die damit einhergehende Erhöhung der Follower bares Geld. Ansonsten würde mich interessieren, was die Autorin sonst noch hätte schreiben müssen, um die Schwelle zur Werbung zu übertreten. Hier haben mehr Kommentatoren über den allgemeinen Umgang mit Hass im Netz geschrieben, als die Autorin, die lediglich mit ihren Streams keinen verbreiten will.
Aber vielleicht bin ich auch einfach zu alt, dass mich so was noch irritiert... Das soll weder angriffig noch böse gemeint sein, es irritiert mich einfach.
Zurück zum Thema: Spannend und aufschlussreich, da wäre sicher noch mehr zu erzählen gewesen. Vielleicht als reguläre Rubrik, dafür weniger sogenannte 'Influencer'-Artikel?