Ubisoft-Hate auch beim neuen Tom Clancy’s Ghost Recon Wildlands: Was ist bloß mit Ubi los?
Nachdem Videospieler viele Jahre lang Electronic Arts für Profitgier, Innovationslosigkeit und Studioschließungen verteufelt haben, hat sich die Internet-Gemeinde inzwischen ein neues Ziel gesucht: Ubisoft. Aktuell steht der französische Publisher scharf in der Kritik für Ghost Recon Wildlands. Ist der Hass berechtigt? Eine Kolumne von Peter Bathge.
Nichts liegt mir ferner, als eine Lanze für Ubisoft zu brechen und den Publisher gegen Kritiker (Neu-Deutsch: Hater) zu verteidigen. Schließlich habe ich die langweiligen Zahlenspiele von The Division bereits vor Release gerügt, habe die Ubisoft-Formel bei Open-World-Spielen als bedenklich eingestuft und über die zu langen Wartezeiten zwischen Ankündigung und Veröffentlichung vieler Ubisoft-Titel geklagt. Auch mir sagt es nicht zu, in welche Richtung sich die Assassin's Creed-Serie zuletzt entwickelte - mit jährlichen Versionen und Innovationsarmut. Und wenn sich unsere Leser im Ghost Recon Wildlands-Test über die vergleichsweise hohe Wertung echauffieren, dann kann ich diese Meinung zumindest verstehen, auch wenn ich sie nicht teile.
Aber die Schärfe, mit der Ubisoft-Produkte mittlerweile in Internetforen und bei Bewertungsportalen angegriffen werden, spottet jeder Beschreibung - und ist in meinen Augen vollkommen übertrieben. "Ubisoft macht nur noch Mist" oder "Typisch Ubisoft" sind noch einige der harmloseren Kommentare, die zuletzt (speziell seit dem Release von Ghost Recon Wildlands am 7. März 2017) durchs Internet geisterten. Dennoch erreicht Ubisoft mit seinen Spielen offenbar weiterhin ein Millionenpublikum. Wie passen dieser Erfolg und der extreme Hass auf das Unternehmen zusammen? Und was bringt die Zukunft?
Alles wird schlechtgeredet
Quelle: PC Games
Aus heutiger Sicht schwer zu glauben, aber das originale Assassin's Creed fußte tatsächlich auf einem innovativen, zur damaligen Zeit mutigen Konzept.
Wann immer eine Medienform Teil der Pop-Kultur wird, sind Kritiker, Indie-Liebhaber und Kommerzialisierungs-Gegner nicht weit. Ubisoft hat spätestens mit der Assassin's Creed-Serie diesen Status erreicht, zusammen mit Call of Duty und World of Warcraft ist der Serienname wohl für viele Nicht- oder Gelegenheitsspieler ein Synonym für Videospiele. Mit sensationellen Verkaufszahlen und großer Strahlkraft in den Medien entwickelte sich die Serie vom spannenden Next-Generation-Projekt zum Alltagsprodukt, zum alljährlich wiederkehrenden Blockbuster; einen Weg, den zuvor schon Tomb Raider und Call of Duty beschritten haben. Doch zusammen mit den Verkaufszahlen stieg auch der Unmut der Hardcore-Fans, jener passionierter Videospieler, welche die Diskussion auf Reddit & Co. bestimmen. Und es ist eben jene Gruppierung, von der die meiste Kritik an Ubisoft ausgeht - genau wie es zuvor bei Electronic Arts der Fall war und in Teilen bis heute ist.
Zwar hat Ubisoft als französisches Unternehmen wohl auf absehbare Zeit keine Chance darauf, als das schlechteste Unternehmen der USA gekürt zu werden (einen Titel, den EA auf Initivative der sich beschwerenden Gamer 2012 und 2013 zwei Mal in Folge einsackte). Dennoch steht der Publisher schwer unter Beschuss, bereits 2016 war ein hartes Jahr in Sachen Publicity. Das lag unter anderem am fehlenden Endgame-Content von The Division und der erst nach sechs Monaten greifenden Patch-Politik von Entwickler Massive. Neben immer wieder bemängelten Bugs und Unsauberkeiten in Ubisoft-Spielen (wobei ich da nie mehr davon festellen konnte als in vergleichbaren Titeln der Konkurrenz, Assassin's Creed: Unity mal ausgenommen) ist es vor allem die Formelhaftigkeit vieler Ubisoft-Projekte, welche die Spieler reihenweise auf die Palme bringt.
Open World? Check.
Sammelgegenstände? Check.
XP-Mechanik? Check.
Quelle: PC Games
Mit der Far Cry-Serie hat Ubisoft viele Spieler beglückt - und ein bewährtes Open-World-Gerüst für andere Spiele des Unternehmens errichtet.
Ubisoft-Spiele tendierten in der Vergangenheit dazu, sich alle ähnlich anzufühlen - zumindest wenn es um große Marken wie Assassin's Creed, Tom Clancy oder Far Cry ging. Was bei dieser (durchaus zutreffenden) Argumentation gerne vergessen wird: Ubisoft setzt auch immer wieder auf neue, überraschende Konzepte und liefert bei Fortsetzungen bekannter Serien überwiegend saubere Arbeit ab.
Innovationsschmiede Ubisoft?
Für viele Multiplayer-Fans ist Rainbow Six: Siege aktuell einer der spaßigsten und am besten vom Hersteller unterstützten (Stichwort Gratis-Inhalte) Online-Shooter - entwickelt von Ubisoft. 2016 erschien darüber hinaus Steep - die Rückkehr des Extremsports war ohne Zweifel ein Wagnis in Zeiten, da Tony Hawk's Pro Skater nur noch für die Resterampe taugt. Mit For Honor hat Ubisoft kürzlich in einem ungewöhnlichen Schritt voll auf Schwertkampf-Duelle gesetzt und sich damit vom seit Jahren etablierten Trend der Mehrspieler-Schusswechsel distanziert - und nebenbei auch noch ein starkes Zeichen für die Gleichberechtigung von Mann und Frau gesetzt. Mit Star Trek: Bridge Crew hat man aktuell eines der wenigen AAA-Spiele für Virtual Reality in der Pipeline. Und die große Bandbreite markenunabhängiger Neuproduktionen, die in Sachen Grafikstil und Kreativität an populäre Indie-Spiele angelehnt war, muss ich nicht extra erwähnen, oder?
Doch? Na gut: Valiant Hearts, Child of Light, Grow Home und Grow Up, From Dust - das alles waren mutige kleine Spiele, die man sich nur schwer bei anderen Publisher-Giganten wie Activision und Electronic Arts (Ausnahme: Unravel!) vorstellen kann. Noch was vergessen? Ach ja, das großartig bescheuerte Far Cry 3-Standalone Blood Dragon!
Quelle: PC Games
Das tolle Erster-Weltkrieg-Adventure Valiant Hearts: The Great War steht stellvertretend für die vielen kleinen Spieleperlen, die Ubisoft immer wieder zutage fördert.
Aber dieser Drang zum Innovativen, so scheint es mir, wird von Ubisoft-Hatern gerne ausgeblendet, stattdessen konzentriert man sich ausschließlich auf die großen, ach so furchtbaren Marken der Firma. Riecht für mich eher nach selektiver Wahrnehmung. Aktuell hat es Ghost Recon Wildlands erwischt. Nicht falsch verstehen: Das Spiel hat sicherlich Fehler, keine Frage. Die Story ist viel zu seicht, die Fahrzeuge steuern sich ohne Feintuning in den Optionen hakelig und auf Dauer fehlt Abwechslung. Was mich wundert: Warum werden im Gegenzug die offensichtlichen Stärken dieses Spiels derart kleingeredet? Etwa der Vier-Spieler-Koop-Modus, der für großartige Multiplayer-Momente am Fließband sorgt? Oder die wunderschöne, im Detail verblüffend realistische Spielwelt, deren Existenz heutzutage scheinbar vorausgesetzt und mit einem Schulterzucken abgetan wird?
Quelle: PC Games
Das neue Tom-Clancy-Spiel Ghost Recon Wildlands steht aktuell im Zentrum der Kritik.
Und wieso werden von den Kritikern bemühte Far Cry- und Assassin's Creed-Vergleiche hervorgeholt, um Open-World-Mechaniken wie Sammelgegenstände und Nebenmissionen zu verteufeln, wenn sich Ghost Recon Wildlands in diesen Aspekten doch sogar positiv von den genannten Beispielen abhebt? So gibt's hier beispielsweise keine Türme, die man erklimmen muss, um die Karte aufzudecken. Und für das Szenario unpassende Nebenaktivitäten wie Autorennen (Hallo, Far Cry 3!) sucht man in Wildlands ebenfalls vergebens. Aber egal, steht ja Ubisoft drauf, muss also Müll sein. Eine derartig pauschale Verteufelung stinkt mir. Und ja, das mag jetzt für regelmäßige Leser meiner Kolumnen im ersten Moment paradox klingen, schließlich habe ich nicht zu Unrecht den Spitznamen "Hater-Peter" verpasst bekommen. Aber wenn ich Umstände in Videospielen kritisiere, dann doch immer aus dem Bedürfnis heraus, mit meiner Kritik eine Diskusson anzustoßen oder Verbesserungen in der Zukunft zu erzielen - und nie würde ich eine Firma und ihre Angestellten pauschal verurteilen (na gut, das neue Atari vielleicht). Von einer solch differenzierten Kritik könnte der grassierende Ubisoft-Hate aber nicht weiter entfernt sein - furchtbar!
Ubisoft 2017: Was bringt die Zukunft?
Quelle: PC Games
Eine Story, die Zahnschmerzen verursacht: Watch Dogs 2 stieß nicht auf allzu viel Gegenliebe bei den Käufern.
In den letzten Monaten haben Ubisoft-CEO Yves Guillemot und Partner mehr als einmal das Untergangsszenario einer Vivendi-Übernahme beschworen - der Medienkonzern Vivendi besitzt mittlerweile über 25 % aller Ubisoft-Aktien. Sollte der Publisher von dem größeren Unternehmen geschluckt werden, könnten künftige Spiele-Produktionen noch viel formelhafter werden, könnten Innovationen in Ubisoft-Spielen zur absoluten Mangelware werden und Fortsetzungen nach der Stoppuhr im Zwölf-Monate-Rhythmus herausgepresst werden. Wie dieser Konflikt 2017 ausgehen wird, ist weiterhin offen.
Wie sich das Image des Publishers in den kommenden Monaten entwickeln wird, das dürfte derweil einmal mehr von der populärsten Marke der Franzosen abhängen: Assassin's Creed ist auf Kurs für das Weihnachtsgeschäft 2017, nach zweijähriger Pause haben die Entwickler hoffentlich viel kreative Energie getankt und bringen das Action-Adventure mit dem angeblichen Untertitel Empire und Ägypten-Setting wieder in die Spur. Ein Assassin's Creed-Release, der auch Kritiker und Spiele-Gourmets zufriedenstellt, könnte einen Wendepunkt für Ubisoft darstellen. Zumal man mit South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe auch noch einen potenziellen Fan-Favoriten in der Hinterhand hat, bereits Teil 1 des ungewöhnlichen Rollenspiels auf Basis der anarchischen TV-Serie stieß 2014 auf breite Zustimmung. Mal schauen, ob Ende 2017 die Ubisoft-Hater dann immer noch genauso lautstark tönen. Oder ob den Franzosen der (finanzielle) Erfolg wieder einmal Recht gibt.

Seit über 10 Jahren werden die releases immer schlimmer (von ein paar Ausßnahmen mal abgesehen).
Bei wirklich jedem dieser releases wird immer gleich argumentiert und entschuldigt.
Meint ihr nicht das die Publisher nicht genau wüssten das ein Spiel noch ein paar Wochen polishing bräuchte?
Klar wissen die das ziemlich genau aber es ist ihnen egal. Solange die leute trozdem kaufen und von der Presse bestnoten bekommt kann es den Publishern ja egal sein.
Würden sie es wirklich wollen dann könnten sie einen Release auch von vornherein entsprechend plahnen. Ist ja nicht so als wäre das der jeweils erste.
Ähnlich sehe ich das auch beim bashing.
Natürlich gibt es Szenarien die von den Entwicklern einfach nicht vorherzusehen sind weil es schlicht unmöglich ist beim PC alle Konfigurationen testen zu können.
Wenn es aber um Spieleinhalt geht dann kann man schon davon ausgehen das die Entwickler ganz genau wissen worum es geht.
Ich sehe keinen sinn darin einem Publisher oder Entwickler haar klein zu erklähren was mich an seinem Spiel stört wenn ich davon ausgehen muss das die das lebst wissen.
Erst recht wenn es nicht das erste Spiel ist das mal wieder die selben schlechten Eigenschaften hat.
Bei einem Early Access ist das natürlich wieder was anderres aber hier geht es ja um so genannte AAA Releases die dazu noch eine ziemliche stange Geld kosten.
Ich kann sehr gut verstehen das einige ihrem Ärger einfach nur Luft machen wollen anstatt erst mal eine Seiten lange Analyse zu erstellen was wo nicht ganz rund läuft.
Dafür gibt es Beta Tester die "früher" mal dafür bezahlt wurden. Heute ist es einfach mal umgekehrt.
Ubiosft gehört zu den ältesten Publishern bei denen man davon ausgehen kann das sie es eigentlich besser wissen sollten.
Ich gehöre ja auch immer noch zu den Grafikhuren aber wenn ich für Hochglanz Grafik nur billiges Gameplay bekomme kann ich mir auch National Geographic ansehen oder gleich selber raus gehen. Eine beserre Grafik mir langzeit RPG bekommt man bei keinem PC Game :P
Über Ubi pauschal zu schimpfen, ist so als würde man sagen Aldi ist scheiße, weil man die Cola die sie verkaufen nicht mag.
Ich habe mittlerweile auch eine eher schlechte Meinung von Ubisoft.
Es stimmt aber, dass sie sich mit neuen kleinen IPs auch etwas trauen.
Mal abwarten, was das neue Assassins Creed so bringt...
Bezüglich GTA:
Ja, es ist immer mehr oder weniger das Gleiche.
Das aber nicht jährlich, sondern deutlich seltener. Dadurch enstehen nicht diese extremen Ermüdungserscheinungen.
Außerdem sind die Spiele verdammt detailverliebt in Bezug auf Spielwelt/NPCs.
Da kann meiner Meinung nach nichts anderes mithalten. Die Entwicklungszeit merkt man den Titeln einfach an.
Bis auf GTA IV gingen die Releases meines Wissens auch immer sauber über die Bühne.
gefällt mir / gefällt mir nicht, gefällt mir / gefällt mir nicht usw...
Die Serie hat, je nach zählweise, bereits 16 Teile( inkl. Addons). Kaum noch vorstellbar, dass die Community da noch auf einen gemeinsamen Nenner kommt, insbesondere wenn man dann Vergleiche zu älteren GTA`s zieht.
Zu UBI :-D
Ich finde viele Spiele von UBI eigentlich ganz "gut". Aber, um das Zitat eines ehemals berühmten Fußballer etwas zu verdrehen..." In der Breite, fehlt UBI einfach die Spitze "
Beim SP stört mich z.B. die Aufteilung auf 3 Charaktere. Ich möchte mich gern auf einen einzigen Char fokussieren. Gerade das machte für mich den Reiz an GTA aus, vom Nobody zum reichen Verbrecher aufzusteigen, Immobilien zu kaufen u.s.w. Bei Teil 5 hat man Michael, Trevor, Frank.... Ein richtiger Charakter hätte mir vollauf gelangt. Und nicht zwanghaft auf 3 Charaktere setzen. Was kommt dann bei GTA VI ? 6 Charaktere oder wie.
Die Story der Vorgänger (abgesehen mal von GTA 4) empfand ich auch als besser. Und mal ehrlich: Was die Quests betrifft läßt sich GTA auch auf fahre zu Punkt X und kille Person a herunterbrechen. Große storyseitige Revolutionen gabs bei GTA nun auch nicht. Dafür hatten die Vorgänger (insbesondere Vice City) einen göttlichen Soundtrack und GTA ganz allgemein eine tiefgreifende Sozialkritik. Aber jetzt GTA 5 als perfekt hinzustellen wird der Realität auch nicht gerecht. GTA 5 ist maximal gut aber das wars auch schon. Und mir fehlt bei dem Spiel schlichtweg die "spiel mich" Formel, die mich bei den Vorgängern immer bei der Stange gehalten hatte. Erst Recht bis zu San Andreas. Schon GTA IV hatte hier nachgelassen.
Das was mir bei GTA V gefällt ist die Grafikqualität bei der Größe der Open World. Auch die Charakterzeichnung ist Rockstartypisch gut. Keine Frage.
Aber GTA verstrickte sich auch mit jedem neuen Teil in immer mehr nervigem kleinklein. Freundinnen bei Laune halten, Fitnesstudio, Essen gehen u.s.w. Dann nervige Telefonate mit dem unfähigen Cousin in GTA 4 u.s.w. Das Fahrverhalten der Autos ist auch nur besserer Durchschnitt. Auch das teils depperte Verhalten einiger NPC.
GTA 5 ist auch so ein Beispiel daß immer größer zu werden nicht automatisch besser ist und daß man ein Spiel auch mit Features und Funktionen überladen kann.
Und GTA Online interessiert mich nun mit keiner Silbe. Aber offensichtlich scheint daß für Rockstar so eine Goldgrube zu sein, daß denen der SP vollkommen egal ist. Es gibt keinerlei Addons für den SP wie damals bei GTA 4. Dafür gibts aber ständig Material für GTA Online. Für mich ein Zeichen, worin für Rockstar der Fokus liegt.
Hinzu kommt auch der nervige Social Club der häufiger eben nicht funktioniert und bei GTA 4 dazu führt, daß das Spiel unspielbar ist. Rockstar hat aber auch offenbar keinerlei Interesse diese Probleme zu beheben.