Ghost Recon 3: Advanced Warfighter
Denn ja, Ghost Recon: Advanced Warfighter ist brutal schwer. Das liegt zum einen daran, dass man lernen muss, im Team vorzugehen und seinen Mitstreitern ständig Anweisnugen zu geben - die richtigen, wohlgemerkt. Erteilt man der eigenen Truppe beispielsweise den Befehl "Neu formieren", bleiben die drei computergesteuerten Ghosts immer in der Nähe des Spielers und attackieren Gegner selbstständig, suchen sich Deckung oder werfen sich mit dem gleichen Elan aus vollem Lauf zu Boden, wie man es selbst mit seiner Spielfigur häufig tut.
Taktisches Vorgehen, sprich das Sichern von bestimmten Bereichen des Levels beim Vorrücken, zeitlich aufeinander abgestimmte Angriffsaktionen oder Zangenbewegungen plant man natürlich immer noch selbst. Dabei hilft die Satellitenkarte, mit der man ganz leicht jedem Ghost eine Kette aus Befehlen wie Vorrücken, Angreifen oder Deckungsfeuer erteilen kann und dann alle drei Teammitglieder simultan mit einem Klick auf "Alle Befehle ausführen" von der Leine lässt.
Das Speichersystem ist der andere Grund, warum sich Ghost Recon als wirklich harter Brocken erweist. Es gibt keine frei bedienbare Speicherfunktion im Spiel, man hangelt sich von einem Speicherpunkt zum nächsten. Klar, dass manche Punkte von den Designern extrem unfair platziert sind. Beispielsweise fehlt in Mission 3 gegen Ende ein Speicherpunkt - wir haben selbst auf der leichtesten von drei Schwierigkeitsstufen mehr als ein Dutzend Anläufe gebraucht, um den Ansturm gegnerischer Panzer und Soldaten über mehrere Minuten mit unserem Team zu überleben.
Da sich die Gegner nur teilweise frei in den Levels bewegen und größtenteils irgendwo in Hinterhalten lauern oder per Skript mit einem Mannschaftstransporter in unmittelbarer Nähe zum Spieler abgesetzt werden, lernt man zwangsläufig gewisse Missionsabläufe auswendig. Erst den Scharfschützen auf dem Dach ausschalten, dann kommt der Panzerwagen an die Reihe, danach das stationäre Maschinengewehr ausschalten und so weiter ... irgendwann nervt's.
Erledigt man Feinde ohne schallgedämpfte Waffe, bemerken dies sonderbarerweise nur Gegner in unmittelbarer Nähe. Allerdings ist man fast schon froh, dass solche Aktionen nicht drei Dutzend Rebellen anlocken, die im Umkreis von 100 Metern herumlungern. Hin und wieder reagiert die gegnerische künstliche Intelligenz auch reichlich spät auf den Spieler und lässt sich zu einfach ausschalten. Trotzdem wünscht man sich oft, der nächste Speicherpunkt möge doch jetzt bitte gleich um die Ecke liegen, damit man in Ruhe sterben und im leichten Schwierigkeitsgrad mit aufgefrischter Lebensenergie weitermachen kann.
Auch seltsam: Wenn einer unserer Ghosts im Gefecht stirbt, ist er im nächsten Level wieder dabei. Dadurch wird das Team letztendlich doch zu Kanonenfutter degradiert. Schade - ein wenig mehr Persönlichkeit, beispielsweise durch Kommentare zum Missionsablauf, hätten der Atmosphäre gut getan.
Cool bleiben, Mitchell!
Im Vergleich zu anderen Taktik-Shootern wie Operation Flashpoint benötigt Advanced Warfighter erstaunlich wenig Tasten und Mausklicks. Dank des so genannten Cross-Com-Systems kann man seinem Team mit exakt drei Klicks jeden erdenklichen Befehl erteilen. Einfach einen Ghost, das gesamte Team oder befreundete Truppen mit dem Mausrad aus der Liste mit aktuell verfügbaren Einheiten auswählen, die mittlere Maustaste drücken, im nun aufpoppenden Menü mit dem Mausrad zum gewünschten Befehl scrollen, das Fadenkreuz auf den Punkt im Blickfeld richten, an dem die Aktion ausgeführt werden soll und wieder die mittlere Maustaste drücken: In 90 Prozent aller Fälle machen die eigenen Teammitglieder dann genau das, was man ihnen sagt.
In den übrigen 10 Prozent bleiben sie gern mal an Levelobjekten hängen, stellen sich VOR eine potenzielle Deckung, statt dahinter Platz zu nehmen, oder schauen in die falsche Richtung. Da ist es nicht leicht, cool zu bleiben.
