Subnautica 2: Survival ohne Verteidigung - dieses Feature ist zwar genial, aber frustrierend
Trotz schlechter Vorzeichen hat Subnautica 2 endlich den Start in den Early Access geschafft und einen guten noch dazu. Als leidenschaftlicher Survival-Spieler vermisse ich allerdings ein bedeutendes Detail.
Nach dem ganzen Chaos und den zahlreichen Kontroversen und Konflikten rund um Krafton, Unknown Worlds und den heißersehnten Titel Subnautica 2 hat das lange Bangen endlich ein Ende. Denn die beliebte Survival-Fortsetzung ist nun im Early Access auf PC und Xbox Series erschienen.
Wie schon bei Teil eins wollen die Entwickler den Early Access nutzen, um gemeinsam mit der Community ihr Spiel zu verbessern, auszubauen und weiterzuentwickeln. Als großer Survival-Fan konnte ich bereits mehrere Stunden in die neue Unterwasserwelt von Subnautica 2 eintauchen und mir einen ersten Eindruck des seit Jahren meistgewünschten Spiels auf Steam machen.
Neben vielen Verbesserungen, einer deutlich farbenfroheren Welt und einer beachtlichen Menge an Inhalten für einen Early-Access-Launch gibt es eine Sache, die mich während der gesamten Spielzeit einfach nicht losgelassen und mich und meine Geduld trotz jahrelanger Survival-Erfahrung mächtig auf die Probe gestellt hat.
Überleben auf einem fremden Planeten
Wie schon in den vorherigen Teilen bin ich auch in Subnautica 2 auf einem fremden Planeten, der scheinbar fast ausschließlich von Wasser bedeckt ist, gestrandet und muss nun alles daran setzen, mein Überleben zu sichern. Also wie immer: Ressourcen sammeln, Nahrungs- und Wasserversorgung sichern, Basis bauen, typisch Survival eben.
Auch das Fehlen einer Karte kenne ich nicht nur aus Subnautica, sondern von vielen Survival-Spielen schon viel zu gut. Das ist so gesehen sogar realistisch. Wenn ich auf einer fremden Insel oder einem neuen Planeten strande, irgendwo in der Wildnis mit einem Flugzeug abstürze oder wie diese plötzlichen Überlebensszenarien sonst so beginnen, habe ich natürlich keine Karte des fremden Ortes per Zufall in der Tasche.
Aber wenn wir gerade schon beim Thema "realistisch" sind: Spiele ich das Gedankenexperiment einmal durch und stelle mir vor, ich befinde mich plötzlich in einer Situation, in der ich um mein Überleben kämpfen muss, in einer Umgebung mit feindlichen Kreaturen - sei jetzt dahingestellt, ob es sich dabei um gefährliche Tiere, Kannibalen, Zombies oder sonst was handelt. Was wäre da mein erster Gedanke? Richtig: Ich brauche dringend eine Waffe, um mich im Notfall verteidigen zu können.
Und genau das bleibt mir in Subnautica 2 verwehrt. Als wäre die unendliche Tiefe eines fremden Meeres mit unendlich vielen außerirdischen Unterwasserkreaturen nicht furchteinflößend genug, habe ich keine Möglichkeit, mich gegen die Fischwesen, die mich als köstliche Vorspeise betrachten, zur Wehr zu setzen, und das macht mich wahnsinnig.
Während ich in vorherigen Teilen zumindest noch ein Messer zur Verfügung hatte, was zumindest den Anschein erweckt hat, nicht völlig wehrlos zu sein, wurde es nun kurzerhand durch das Allzweckwerkzeug, das aussieht wie ein Plastikhammer, ersetzt.
Quelle: PC Games Hardware
Dieser Plastikhammer (rechts im Bild) dient in Subnautica 2 als Multiwerkzeug und ersetzt das Messer. Zur Verteidigung ist er unbrauchbar.
Jeder, der vorherige Subnautica-Teile gespielt hat, weiß: Das Messer hat kaum Schaden gemacht. Dennoch konnte ich damit zumindest ein wenig in feindliche Fische stechen bzw. schlitzen, um zumindest den Schein einer Selbstverteidigung zu wahren. Aber wer schlägt schon mit einem Plastikhämmerchen auf einen Raubfisch ein? Bei dem Gedanken muss sogar der Fisch lachen.
Koexistenz in einem neuen Ökosystem
Natürlich ist das gänzliche Fehlen von Waffen in Subnautica kein Zufall oder ein Kniff, um den Schwierigkeitsgrad zu erhöhen, sondern ein konkretes Konzept der Entwickler. So soll vermieden werden, dass Spieler Jagd auf die verschiedenen Fischwesen des Planeten machen und damit, in der typischen Manier der Menschen, das neue Ökosystem, in dem sie sich befinden, stören.
Als Spieler soll ich lernen, im Einklang mit meiner neuen Umgebung zu leben, ohne die Fauna zu dezimieren. Statt mich aktiv zu verteidigen, bleibt mir also nur, mit Reizüberflutung oder Ablenkung etwaige Raubtiere, die mir auf meinen Erkundungstouren begegnen, von meiner Spur abzubringen.
Dafür habe ich zunächst die bereits bekannte Leuchtfackel zur Wahl. Später kann ich mir außerdem einen Schallsonator craften, der starke Schallwellen aussendet, mit denen große Mineralvorkommen abgebaut werden können, die aber auch Raubfische vertreiben. Allerdings nur für kurze Zeit.
Quelle: PC Games
Der Schallsonator hilft, um Raubtiere kurzzeitig zu vertreiben. Allerdings hält dieser Effekt nicht lange an.
Besonders bei den Raubfischen, die im Schwarm jagen, ist der Schallsonator somit wenig hilfreich. Sobald ich auch den letzten der Fische einmal damit beschossen habe, was allein schon einige Zeit dauert, weil sich das Gerät nach jedem abgegebenen Schuss erst mal neu aufladen muss, lässt die abschreckende Wirkung beim Ersten schon wieder nach.
Auch wenn die Bisse dieser Fische zunächst nur wenig Schaden verursachen, ist es auf Dauer doch unglaublich nervig, da auch jedes Mal, wenn mich einer der Fische erwischt, meine Aktion, die ich gerade ausführen wollte, abgebrochen wird. Mir bleibt dann die Wahl zwischen Flucht, erneut versuchen, den kompletten Schwarm mit Schallwellen kurzzeitig zu vertreiben, oder mich beißen zu lassen.
Diese Schwärme halten sich beinahe immer an den Points of Interest auf - auch irgendwo logisch, die Erkundung alter Basen soll ja auch nicht zu einfach sein. Aber dadurch ist das ständige Gebissenwerden, Versuchen, sie zu vertreiben oder abzulenken, nur um am Ende doch wieder gebissen zu werden, auf Dauer wirklich anstrengend. Eine Waffe würde hier wahre Wunder wirken und meine Geduld deutlich weniger strapazieren.
Quelle: Unknown Worlds
Diese Fische jagen im Schwarm und sind besonders hartnäckig in der Verfolgung ihrer Beute. Durch ihre Anzahl bietet der Schallsonator nur wenig Schutz.
Mehr Auswahl im Laufe des Early Access
Der Traum, irgendwann eine Waffe zur Selbstverteidigung zu bekommen, ist bereits geplatzt, bevor ich ihn überhaupt haben konnte. Denn schon im Vorfeld haben die Entwickler deutlich gemacht, dass sie zu keinem Zeitpunkt des Spiels eine Waffe einbauen werden, in welcher Form auch immer. Das widerspricht ihrem Konzept einer friedlichen Integrierung in das fremde Ökosystem.
Allerdings sind im Laufe der weiteren Entwicklung zusätzliche Geräte zur Ablenkung oder zeitweiligen Abschreckung von Raubtieren geplant. Diese sollen laut Aussagen der Entwickler auch stärkere Effekte erzielen als die Geräte, die zum Start des Early Access bisher zur Verfügung stehen.
Die Aussicht, mich nie richtig verteidigen zu können, lässt mich mit gemischten Gefühlen zurück. Zum einen macht es das Überleben anspruchsvoller und stärkt die beklemmende und bedrohliche Wirkung einer unbekannten Unterwasserwelt. Und auch das Konzept der Entwickler, sich als Mensch zur Abwechslung mal friedlich in ein neues Ökosystem zu fügen, sehe ich als eine sehr gute Idee.
Zum anderen wird es mich vermutlich immer in einem gewissen Maß frustrieren oder nerven, keine andere Wahl zu haben, als mich von diesen penetranten Fischen immer wieder jagen zu lassen, wenn ich eine der alten Basen erkunden will. Doch geben mir die neuen Geräte, die irgendwann während der Early-Access-Phase ihren Weg ins Spiel finden, Hoffnung auf weniger Frustration. Vorausgesetzt, dass sie tatsächlich eine größere abschreckende Wirkung haben werden.
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