State of Decay: Gedanken zum Überraschungs-Hit - Basisbau, Rollenspiel-Elemente

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Special Felix Schütz - Redakteur Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen

Mehr als eine halbe Million Verkäufe, ordentliche Wertungen, große Zukunftspläne - State of Decay kam für viele Spieler wie aus dem Nichts. PC-Games-Redakteur Felix Schütz hat das Zombie-Sandbox-Spiel auf Xbox 360 durchgespielt und berichtet, warum State of Decay vieles falsch macht - und seinen Erfolg trotzdem absolut verdient.

Bauen um zu überleben

Charakterpflege ist eine Sache, doch mindestens ebenso wichtig ist es, die Basis in Schuss zu halten. Dazu braucht's Baumaterial, das ich zwar nicht aus natürlichen Ressourcen gewinnen, aber zumindest bei meinen Beutezügen finden kann. Ohne dieses Material geht gar nichts in State of Decay, darum widme ich ihm selbst dann noch Spielzeit, wenn ich gerade in einer hektischen Hauptmission stecke. Mit Baumaterial kann ich meine Basis nämlich ein bisschen nach meinen eigenen Wünschen ausbauen – ein weiterer guter Einfall der Entwickler. Über ein schlichtes (und anfangs ziemlich verwirrendes) Baumenü darf ich an festen Plätzen bestimmte Räume und Lager errichten.Im Garten lege ich beispielsweise zusätzliche Schlafplätze an, denn der Platz wurde mir langsam knapp, nachdem ich kurz zuvor drei weitere NPCs gerettet und aufgenommen hatte. Einen Wachposten baue ich zum Schießstand aus, damit ich dort einen Schützen postieren kann, der hin und wieder angreifende Zombies ausknipst. Und wenn ich eine Küche habe, kann ich jemanden aus meinem Team dazu verdonnern, dort ein Essen zu kochen – das hebt den Ausdauerwert meiner Gruppe etwas an.

Irgendwann genügen mir die Bauplätze jedoch nicht mehr, meine Basis ist zu klein. Dann kann ich losdüsen, die Spielwelt weiter erkunden und einen neuen Platz für mein Hauptquartier finden. Habe ich ein geeignetes Gebäude ausgespäht, etwa eine praktische Werkstätte mit viel Raum für Gebäudeupgrades, kann ich meine Leute per Funkspruch kontaktieren, damit sie den Umgzug automatisch in die Wege leiten.

Alles in allem ist das ein sehr schönes System – dem es aber auf Dauer aber auch an Tiefgang und Nutzwert mangelt. Beispielsweise hätte ich gerne selbst bestimmt, an welchen Stellen sich mein Wachpersonal auf die Lauer legt. Oder welche Autos über Nacht repariert werden, die ich zuvor auf meinen freien Parkplätzen abgestellt habe. Außerdem klingen manche Gebäude wichtiger als sie sind. Ich habe zum Beispiel nie einen Nutzen darin gesehen, eine Werkstätte zu bauen, um dort Molotowcocktails zu produzieren – man findet die Dinger ohnehin dutzendweise in der Spielwelt.

Open-World, aber kein Rollenspiel

Mit der Fahrertür kann man auch mal einen Zombie von der Fahrbahn klatschen. Schade, dass es keinen Koop-Modus gibt. Quelle: PC Games/Microsoft Mit der Fahrertür kann man auch mal einen Zombie von der Fahrbahn klatschen. Schade, dass es keinen Koop-Modus gibt. Trotz so mancher RPG-Mechanik ist State of Decay kein Rollenspiel – sehr zu meinem Bedauern. Denn wirklich viele Entscheidungen kann ich nicht treffen. Herrscht in meiner Basis dicke Luft, mangelt es an Nahrung oder Munition, greifen mal wieder Zombie-Wellen an, so rücke ich an und löse das Problem. Da gibt es keine echte Wahlfreiheit. Die Hauptquestreihe führt mich linear durch eine eher belanglose Story, in der ich mich irgendwann mit einigen zurückgebliebenen Soldaten des US-Militärs zusammenschließe, um gemeinsam einen Ausweg aus der Zombie-Gegend zu finden. Das ist weder sonderlich spannend, noch gibt's hier moralische Entscheidungen zu treffen – man arbeitet die Aufgaben einfach ab. Immerhin gibt's hin und wieder ein paar kurze Dialoge und Cutscenes, auch wenn die Story eher platt ausfällt und die Charaktere nie im Gedächtnis bleiben.

Auch bei Inventar, Charakterbogen und der Suche nach Beute bleibt viel Luft nach oben. Ich liebe es ja, in Spielen einfach alles einzusacken – egal ob Skyrim, Diablo oder nun State of Decay, meine Inventare sind immer gut gefüllt. Leider verschenkt State of Decay hier massig Potenzial: Es gibt keine wirklich seltenen oder einzigartigen Gegenstände, keine legendären Waffen oder etwas in der Art. So schade! Ich hätte liebend gern mal eine lange, motivierende Questreihe auf mich genommen, um am Ende mit einer glitzernden Elektroschock-C4-Kettensägen-Schrotflinte belohnt zu werden. Sowas gibt's jedoch leider nicht. Auch ein Grund, warum die zeitaufwändigen Beutezüge auf Dauer doch sehr eintönig werden – darunter leidet der Spielspaß vor allem ab der zweiten Spielhälfte.

Dabei hätte es die Spielwelt absolut hergegeben, mich mit interessanten Geschichten und der Aussicht auf Beute raus in die Pampa zu locken. Ein Beispiel: Einmal bin ich nachts mit meinem Auto über ein Stück Ackerland gebrettert, auf dem Weg zu einer Scheune, die ich gemütlich plündern wollte. Doch im Dunkeln der Nacht ist mir ein Leuchten aufgefallen – es war ein brennendes Flugzeugwrack. Natürlich habe ich die Unglücksstelle abgesucht, denn ich hatte gehofft, hier etwas Tolles zu finden. Leider lag da aber nur das gleiche Zeug rum, das ich schon dutzendfach zuvor gefunden habe. Atmosphärisch was es ja, schön und gut – spielerisch hat's mir aber leider nix gebracht.

Viele gute Ideen, aber nicht alle zu Ende gedacht

Wenn eure Charaktere zu stark verletzt werden, solltet ihr sie in die Basis zurückschicken, damit ihre Wunden heilen können. Quelle: PC Games/Microsoft Wenn eure Charaktere zu stark verletzt werden, solltet ihr sie in die Basis zurückschicken, damit ihre Wunden heilen können. Nette Idee: Neben meiner Basis kann ich auch fast jedes Gebäude als Außenposten besetzen – dort kann ich dann Zeug in meine Lagerkiste tun, ohne jedes Mal den ganzen Weg ins Hauptquartier zurückzufahren. Außerdem kann ich Außenposten mit Fallen und Minen sichern lassen, was zwar Ressourcen kostet, dafür aber Zombies in einem gewissen Radius aufhält. Das wird vor allem später praktisch, wenn die Spielwelt von immer mehr Zombie-Gruppen bevölkert wird – wenn ich hier nämlich nicht regelmäßig ausrücke und die Untoten "von Hand" besiege, breiten sie sich zu stark aus. Dann entstehen Infektionsherde in manchen Häusern, wodurch meine Basisbewohner verunsichert werden und ihre Moralanzeige sinkt. Und ich muss den Schlamassel dann wieder ausbaden. Das ist zeitaufwändig und mutet vor allem gegen Spielende schon fast wie Arbeit an. Egal wieviele Zombies man bekämpft, wieviele Waffen man hortet und wie glücklich die Überlebendengemeinde ist – man hat selten wirklich das Gefühl, echte Fortschritte gemacht zu haben.

Dass die Technik immer wieder Zicken macht, hat mich irgendwann kaum noch gestört. Einmal ist mir ein Auto mitten im Fahren halb in der Luft hängengegeblieben, irgendein Objekt am Boden hat es merkwürdig abheben lassen. An anderer Stelle kamen mir mal zwei NPCs entgegengeschwebt – sie hockten in einer Sitzhaltung da, bewegten sich aber trotzdem munter durch die Basis. Und die Zombies! Was die manchmal für die Dinge machen, wo die KI versagt und die Animationen spinnen, das würde für einen eigenen Artikel reichen. Aber wer sich an solchen Dingen ernsthaft stört, der dürfte wohl grundsätzlich wenig Freude an Sandbox-Spielen haben – in denen geht ja traditionell vieles schief. Irgendwie gehört das auch ein bisschen zum Charme von Open-World-Titeln dazu, oder?

Bildergalerie

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  1. Seite 1 State of Decay: Gedanken zum Überraschungs-Hit - Einstieg und Technik
  2. Seite 2 State of Decay: Gedanken zum Überraschungs-Hit - Basislager, Rufsystem, Charaktere
  3. Seite 3 State of Decay: Gedanken zum Überraschungs-Hit - Basisbau, Rollenspiel-Elemente
  4. Seite 4 State of Decay: Einschätzung, Online-Zukunft und Geheimtipps
    • Kommentare (11)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Chazer Gelegenheitsspieler/in
        Ich bin schonmal vor einigen Monaten auf die Internet Seite von denen gestoßen, als es noch als Class 3 bezeichnet wurde. Sah damals eigentlich recht vielversprechend aus

        Vielleicht wird mit "Class 3" als Testballon ein ganz guter Multiplayertitel daraus, The War Z lief ja nicht so gut.
      • Von Chazer Gelegenheitsspieler/in
        Ich bin schonmal vor einigen Monaten auf die Internet Seite von denen gestoßen, als es noch als Class 3 bezeichnet wurde. Sah damals eigentlich recht vielversprechend aus

        Vielleicht wird mit "Class 3" als Testballon ein ganz guter Multiplayertitel daraus, The War Z lief ja nicht so gut.
      • Von B1nary Anfänger/in
        Zitat von MichaelG
        Hoffentlich überspannen die Publisher den Zombie-Zug nicht. Gefühlt jeden Monat kommen 2-3 Zombie-Spiele heraus. Spiele wie The Walking Dead, The Last of Us und State of Decay sind wirklich gut. Aber bietet das Metier auch weiterhin genügend Stoff für neues ? Ich zweifle da etwas daran.

        Da kann ich Dir nur beipflichten.
        Schon wenn ich den test des Redakteur´s durchlese verlässt mich jegliche Lust ,State of Decay auch nur eine chance zu geben.
        Wenn man schon (frech kopiert & ideen stiehlt) sollte man wenigstens ein besseres ergebnis abliefern als die Leute von denen man klaut.
        In diesem fall hat man sich offensichtlich bei Bohemia ausgetobt und was für gut erachtet wurde einfach kopiert ,aber wie schon erwähnt ist selbst Arma 3 oder auch die (vielleicht bald) erscheinende DayZ Standalone um welten besser.
        Wären da nicht die Cheater & script kiddis die einem trotz dem super cheatschutz aka. battleye jeglichen spass kaputtmachen.
        Für State of Decay fällt mit nur ein : billige Konsolenengine versucht wie DayZ auf dem Pc zu sein und versagt dabei in den königsdisziplinen bravurös.
        Mir kommt so ein abfall nicht auf den pc ,spart euch die Portierung ,danke.
      • Von Faboan Anfänger/in
        zombiespiele werden nie langweilig.das endzeit/apocalypse setting ist immer wieder geil.
        es ist zudem ein paradebeispiel für die lächerlichkeit der spieleindustrie.da kommt einer,haut ne mod für eine in die jahre gekommene militärsimulation raus und muss der industrie damit erstmal zeigen wo der hase langläuft.dann geht das nachmachen ala china fleissig los!

        ich hoffe dass in zukunft mehr crowdfunding-projekte wie star citizen und co an den start gehen und den abschaum der industrie geschickt links liegen lassen.
      • Von Malifurion Mitglied
        Zitat von MichaelG
        Hoffentlich überspannen die Publisher den Zombie-Zug nicht. Gefühlt jeden Monat kommen 2-3 Zombie-Spiele heraus. Spiele wie The Walking Dead, The Last of Us und State of Decay sind wirklich gut. Aber bietet das Metier auch weiterhin genügend Stoff für neues ? Ich zweifle da etwas daran.
        Naja, Zombie ist derzeit In. Flaut auch irgendwann mal wieder ab. Aber es gibt halt so Phasen, wo irgendein Genre wieder zurückkehrt. Und diesmal sind es die Untoten. Egal ob im Film (WWZ) oder bei Games (Last of Us, das hier), offenbar ist der Zombie derzeit mehr gefragt als alles andere.
      • Von MichaelG Mitglied
        Hoffentlich überspannen die Publisher den Zombie-Zug nicht. Gefühlt jeden Monat kommen 2-3 Zombie-Spiele heraus. Spiele wie The Walking Dead, The Last of Us und State of Decay sind wirklich gut. Aber bietet das Metier auch weiterhin genügend Stoff für neues ? Ich zweifle da etwas daran.
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