Reportage: Wann wird Starfield Realität? So beflügelt Science-Fiction die Raumfahrt
Im Interview mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt reden wir darüber, wann Starfield Realität wird
Wenn Bethesda sich nach langen Jahren tatsächlich mal dazu herablässt, ein neues Spiel zu veröffentlichen, dann schaut die gesamte Spielewelt auf das Endprodukt. Kein Wunder also, dass Starfield von allen Seiten ganz genau unter die Lupe genommen wird: Fachpresse, Influencer, Spieler, Sci-Fi-Fans und sogar den normalen Tageszeitungen ist das neueste Werk der Skyrim- und Fallout-Macher eine Berichterstattung wert. Dem kürzlich veröffentlichten Baldur's Gate 3 konnte Starfield im Hinblick auf die Zahlenwertung nicht das Wasser reichen, aber dafür in Sachen Hype, der bis zum Release allgegenwärtig spürbar war.
Was Starfield (jetzt kaufen 69,99 € / 44,99 € ) aber besonders macht, ist sein realistisches Setting. Darauf pochen zumindest die Entwickler, die sich laut Starfield Direct an den Daten der NASA entlanggehangelt haben. Nicht von ungefähr veröffentlichte Bethesda auf der offiziellen Website eine Timeline, die ganz genau angibt, wann es die Menschen auf den Mars und von da aus noch weiter ins Weltall geschafft haben. Ob man den Entwicklern mit ihren Prognosen glauben kann, wie nah an der Wirklichkeit die Mechaniken im Spiel sind und wann Sci-Fi eigentlich Realität wird, haben wir im Gespräch mit dem DLR, dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, geklärt.
Das Wer ist wer der Weltraumfahrt
Während die NASA als amerikanische Weltraumagentur die bekannteste Anlaufstelle ist, wenn es um die Erforschung des Universums geht, existieren natürlich auch andere Organisationen in dem Bereich. Die European Space Agency, also die ESA, geht gemeinschaftlich für Europa ins Rennen und als einzelnes Land hat Deutschland dann noch mal das DLR, wo man ebenfalls forscht, Astronauten mit der ESA zusammen ausbildet und in Kooperation mit den größeren Agenturen Missionen unternimmt.
Um mehr darüber zu erfahren, wie realistisch eine Landung auf dem Mars im Jahr 2050 ist, - wie es in der Starfield-Timeline steht - haben wir mit Volker Schmid gesprochen. Als Luft- und Raumfahrtingenieur war er Teamleiter in der Abteilung Forschung unter Weltraumbedingungen und zuständig für die Internationale Raumstation. Er arbeitete als ESA-Delegierter für ISS-Nutzung und leitender Mission Manager für drei astronautische ISS-Missionen der ESA Astronauten Alexander Gerst und Matthias Maurer beim DLR - und nebenbei ist er als Sci-Fi-Autor bestens informiert über die fantastischen Auswüchse der Nerd-Kultur.
Wie man es erwarten kann, bekommen wir von einem echten Wissenschaftler natürlich keine direkte Antwort, ob und wann wir auf dem Mars landen. Im Grunde hält Schmid das Szenario aber für realistisch. Denn obwohl noch ein weiter Weg vor uns liegt, forscht man schon an einigen interessanten Projekten, die im Bereich Weltraumforschung als durchaus bahnbrechend gelten.
Mit Überschallgeschwindigkeit
Fangen wir doch einfach bei den Antrieben an. In Starfield gibt es konventionelle Antriebe und den Grav-Antrieb, der es durch Raumzeit-Krümmung schafft, durch das Universum zu springen. Um so einen Raumsprung in Wirklichkeit zu vollführen, braucht es aber natürlich auch die Mittel, die Raumzeit tatsächlich zu krümmen. Dafür gibt es zwar theoretische Ausarbeitungen, aber in der Lage sind wir dazu noch lange nicht. Und das bedeutet, dass wir nicht schneller als das Licht durch die unendlichen Weiten fliegen können. Stattdessen sind wir aktuell auf konventionelle Raketenantriebe beschränkt, die auf physikalischen oder chemischen Prozessen beruhen.
Quelle: PC Games
Um den Orbit zu verlassen und ins All zu kommen, sind chemische Raketenantriebe am besten geeignet. Das bedeutet: mit der Verbrennung von Kerosin oder auch flüssigem Wasserstoff mit flüssigem Sauerstoff schafft man gute Leistungen und Schübe, erreicht eine gute Beschleunigung, aber dafür keine hohe Endgeschwindigkeit, denn diese ist von der jeweiligen Treibstoffpaarung abhängig. Eine Alternative sind elektrische Antriebe, die Gase sehr stark erhitzen und daraus entstehendes Plasma aus der Düse schleudern.
Der Vor- und Nachteil dieser Methode ist, dass man das Plasma im Prinzip unendlich stark erhitzen kann und damit auch die Höchstgeschwindigkeit nach oben hin quasi offen ist. Doch das Problem ist die Düse und das Antriebssystem, welches durch die extrem heißen Gase schnell schmelzen und verbrennen würden.

Unheimlich starker Artikel!
Ich gehe noch immer davon aus, das wir noch nicht soweit sind und die Menschheit in Gänze noch ganz zufrieden auf der Erde ist und darüber hinaus bräuchte es ein einschneidendes Ereignis um den Erdball zu verlassen. Sei es ein Außerirdischer Kontakt, das absehbare Ende der Erde oder ein wahnsinnig Heftiger 3. Weltrkrieg der die Verhältnisse vollständig neu ordnet. Mal abgesehen von den USA die sich ebenfalls sehr schwer tun hat keiner so wirklich Bock auf den Weltraum, weil teuer und diese finanziellen Mittel die man dafür aufrbingen müsste würden wohl von den wenigsten Bevölkerungen getragen, zumal die die sich aufmachen neues zu entdecken eben nur aus aktuell noch Experten bestehen. Man kann also als einfach Mensch nicht wie damals an Kolumbus seinem Schiff anheuern und Koch sein oder das Deck schrubben.
Gäbe es Unternehmungen (erstmal Wunschdenken) welche in eine Art Raumschiff oder Generationenschiff ala StarTrek münzen würden, und auf der könnten dann Menschen mit normalen Berufen ihren Dienst verrichten, wäre das Engagement der Bevölkerung sicherlich um ein vielfaches höher.
Der Optimist sagt, wie leben in der besten aller denkbaren Zeiten. Der Pessimist befürchtet, dass das stimmt. ;)
Dabei waren wir 1969 schon auf dem Mond. Wo sind wir jetzt? Rund 400 km über der Erde. Prof. Lesch hat es mal auf den Punkt gebracht, indem der sagte, wir sind raumfahrttechnisch zu Mofa Fahrern geworden, wir waren mal Formel 1 Piloten.
Ein Beispiel: Vor 120 Jahren gab es den ersten Motorflug der Gebrüder Wright. Danach begann in relativ kurzer Zeit, das Flugzeug schneller zu werden, größer, im 1. WK war es schon eine Waffe und Ende der 1930er Jahre gab es bereits die ersten Prototypen des Strahltriebwerkes. Eine rasante Entwicklung. In den 60er Jahren bewegten sich Passagiermaschinen dann schon mit den heutigen Geschwindigkeiten. Schneller sind wir nicht wirklich geworden, mit Ausnahme der Concorde. Aber was gab es nicht alles für Visionen und Ideen? Ist alles nie realisierbar gewesen, bis heute nicht und wenn, dann unwirtschaftlich. Der Fortschritt verlangsamte sich immer weiter.
So ähnlich geht es uns in der Raumfahrt. Nennenswert schneller als bisher wird’s wohl nicht werden, jedenfalls nicht beim Transport größerer Massen.
Ressourcenabbau auf anderen Planeten oder Asteroiden, das alles sind reine Gedankenspiele und kostentechnisch von den meisten Wissenschaftlern inzwischen als nicht realisierbar eingestuft. Der Ertrag wäre minimal, aber die Kosten explodieren. Sicher, das macht sich immer gut in Dokumentationen, hilft aber nicht bei den dringenden Problemen, die direkt vor uns liegen. Einzig große Tech-Konzerne sehen die Dollarzeichen in Augen rollen.
Wir brauchen Perspektiven und Pläne, wie wir bald mit 9 bis 10 Milliarden Menschen hier fertig werden wollen und zwar bevor sprichwörtlich der Letzte hier das Licht ausknipsen kann. Wir (und dabei schließe ich mich nicht aus) denken immer, dass wir ja noch so viel Zeit haben, aber das stimmt nicht.
Ich bin sehr sehr großer SciFi Fan, aber auch Realist genug um zu erkennen, dass die Zukunft hier entschieden wird, nicht im All.
Das Argument mit dem "Wir muessen die Probleme hier auf der Erde loesen" habe ich nie so recht verstanden. Wuesste nicht, dass irgendein serioeser Wissenschaftler irgendwann mal vorgeschlagen haette das sein zu lassen.
Wie dieser Fortschritt und der genaue Nutzen daraus aussehen werden kann man jetzt natürlich noch nicht vorhersagen. Und unsere Kinder und Enkel und Urenkel wird das sicherlich auch nie betreffen, aber vielleicht wird man "uns" in einigen hundert oder evtl. sogar erst tausenden von Jahren dankbar dafür sein, dass wir aktuell diese "sinnlosen" Weltraumprojekte haben, die uns erstmal rein gar nichts bringen, außer ein bisschen theoretisches Wissen und Träumereien. Aber irgendwann ist dieses Wissen evtl. nötig für das Überleben der Menschheit.
Wären vor x-tausenden von Jahren die Menschen nicht aus den Höhlen gekommen und hätten Häuser gebaut, dann würden wir jetzt sicher keine Beiträge in Internetforen schreiben. Damals haben sich sicher auch viele gedacht "Warum sollen wir Hütten aus Blättern und Zweigen bauen, wenn eine Höhle so viel besser vor Wind und Regen schützt?" Manche Arten von Entwicklungen brauchen viele, viele Generationen, deren Resultate und Nutzen sind oft erstmal nicht absehbar, aber die ersten Schritte sind die wichtigsten, denn ohne den ersten gibt es auch keine weiteren Schritte.
Und an den Pessimismus vieler Leute von wegen "in hundert Jahren gibt es die Menschheit eh nicht mehr" glaube ich nicht. Die Menschen sind zäh und kreativ. Selbst bei nem Atomkrieg würde es irgendwo Überlebende geben, die danach etwas Neues aufbauen und hoffentlich etwas daraus lernen.