Keyseller: Eine preiswerte Alternative oder unmoralische Spiele-Dealer? Interview mit dem Geschäftsführer von Gamesrocket.de

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Keyseller: Eine preiswerte Alternative oder unmoralische Spiele-Dealer? Interview mit dem Geschäftsführer von Gamesrocket.de
Quelle: ra2 studio

Auf Seiten wie G2A.com und Kinguin.net werden brandneue Spiele zu Schleuderpreisen verkauft. Sollte man als PC-Spieler auf die Dienste der sogenannten Keyseller zurückgreifen oder nicht? Wir sind der Frage nachgegangen, um herausfinden, wie der Markt mit den Keys tatsächlich funktioniert und welche Gefahren sich für den Verbraucher ergeben können.

Martin Wortmann ist der Geschäftsführer der Gamesrocket GmbH. Quelle: Martin Wortmann Martin Wortmann ist der Geschäftsführer der Gamesrocket GmbH. Die Gamesrocket GmbH mit Sitz in Aschaffenburg wurde im Oktober 2010 gegründet und wird bis heute von leidenschaftlichen Gamern geführt. Neben DRM-freien Downloads zu Spielen wie Deponia, dem Landwirtschafts-Simulator, OMSI oder Runaway bietet der Spielehändler auch PC- und Mac-Games (für Plattformen wie Steam, uPlay etc.), Konsolenspiele, Software-Downloads und Lizenzen, sowie Guthabenkarten (Xbox Live, Playstation, Nintendo) an. Wegen seiner Partnerschaften mit Publishern wie Rockstar Games, Bethesda oder 2K Games darft die Gamesrocket GmbH offiziell Spielekey der Hersteller verkaufen. Wir haben uns mit dem Geschäftsführer Martin Wortmann über die Unterschiede zwischen autorisierten Spielehändlern und den sogenannten Keysellern unterhalten.

PC Games: Es gibt im Internet hunderte von sogenannten Keysellern. Dabei gibt es autorisierte und nicht autorisierte Händler. Worin besteht der Unterschied?

Wortmann: Autorisierte Händler arbeiten direkt mit dem jeweiligen Publisher beziehungsweise Entwickler oder einem vom Publisher autorisierten Zwischenhändler zusammen. Der entscheidende Punkt ist hierbei, dass ein autorisierter Händler mit Zustimmung des jeweiligen Publishers die jeweiligen Produkte verkauft. Somit stammen auch die Keys für die einzelnen Produkte direkt (oder indirekt) vom Publisher und man hat die Sicherheit unbenutzte funktionsfähige Aktivierungscodes zu erhalten.
Der große Unterschied zu nicht autorisierten Händlern besteht darin, dass bei Käufen in unserem Shop auch der jeweilige Publisher beziehungsweise Entwickler die Zustimmung zum Vertrieb der Ware auf Gamesrockt.de gegeben hat. Nicht autorisierte Händler dagegen beziehen ihre Keys auf unterschiedliche Art und Weise. Es gibt mehrere Wege wie unautorisierte Händler an Ihren Content kommen:

Möglichkeit 1:
Der größte Teil der Keys wird über Zwischenhändler bezogen. Meist wird auch physische Ware (also PC-Boxen von der Palette) vom Großhändler erst ausgepackt, digitalisiert und dem jeweiligen Shop angeboten. Der Großhändler sitzt dabei meist in sogenannten Niedrigpreis-Regionen. Bei diesen Keys sollte der Kunde erstmal keinen direkten Nachteil haben sofern zumindest diese aus der EU stammen. Allerdings könnte dem Kunden der Support vom Publisher verwehrt bleiben, sollte bei einer Anfrage die Lieferantenkette für den Hersteller nicht nachvollziehbar sein.

Möglichkeit 2:
Market Place: Ein User verkauft an einen User.
Natürlich hat man hier keinerlei Sicherheit mehr, von wo der Key kommt und wer sich hinter dem Verkäufer wirklich verbirgt. Eventuell sind die Keys schon verbraucht oder wurden auf sonstigen illegalem Weg ergaunert. Das ein Spiel rückwirkend gesperrt wird, ist hierbei durchaus möglich.

Möglichkeit 3:
Ich nenn es mal "ergaunerte Keys". Händler mit offiziellem Keys, so wie wir sie im Angebot haben, stehen gerne im Fokus von Kreditkarten-Betrügern. Es ist ein ständiges Katz-und-Maus-Spiel zwischen Shop-Betreibern und Betrügern im Internet, welche versuchen, mit gestohlenen Zahlungsmittelinformationen an Produkte zu kommen. Diese Keys werden dann weiterverkauft und landen wahrscheinlich auch bei Keysellern, die Ihre Lieferanten nicht überprüfen. Sollte es zu Rückabwicklungen kommen, werden diese keys wahrscheinlich gesperrt.

Auf der einen Seite ist es natürlich auch kundenfreundlich, wenn der Key grenzübergreifend und multilingual ein Spiel freischaltet. Auf der anderen Seite ist diese Situation des Keysellings und der sogenannten Grau-Importe aus Niedrigpreis-Regionen dadurch zum Teil hausgemacht vom Hersteller. Das Groteske an der Sache ist, dass gerade größere Publisher eine Preispolitik betreiben, bei der Key-Codes über offizielle digitale Wege teurer sind als das gleiche Spiel in der Box-Version - selbst wenn man die Kosten einer Digitalisierung dazu rechnet.
Gamesrocket.de ist dank Partnerschaften mit großen und kleinen Publishern sowie Entwicklern ein autorisierter Keyseller. Quelle: PC Games Gamesrocket.de ist dank Partnerschaften mit großen und kleinen Publishern sowie Entwicklern ein autorisierter Keyseller. PC Games: Wie kommt es, dass viele autorisierte Keyseller ihre Spiele-Keys günstiger anbieten können als etwa Steam oder EA Origin? Hat das mit guten Beziehungen zu bestimmten Publishern zu tun?

Wortmann: In der Tat spielen die Beziehungen zu den Publishern eine Rolle. Oftmals gewährt der Publisher zum Beispiel einen Rabatt für die Zeit vor dem Release. Somit können wir ein Spiel durchaus vor und zum Release 20 Prozent günstiger anbieten, da der Publisher das Spiel vor dem Release durch den reduzierten Preis attraktiver machen möchte. Des Weiteren gibt es bei uns jede Woche besondere Rabattaktionen auf bestimmte Spiele (unsere sogenannten Deal Rockets), bei denen wir teilweise Rabatte bis zu 90% anbieten können. Dies funktioniert dann gleich wie bei den verschiedenen Steam Sales, die jeder kennt. Diese Rabatte werden jede Woche mit den Publishern neu besprochen und abgestimmt. Grundsätzlich ist es in der EU ja möglich seinen Preis frei zu bestimmen. Wenn es die Situation zulässt, können wir hin und wieder auch noch 1-2 Euro runter gehen, um gegen den Wettbewerb Konkurrenzfähiger zu sein. Allerdings wird kein Händler, der Umsatzsteuern abführt, so preisaggressiv wie ein Keyseller im Ausland agieren können.

PC Games: Können Sie uns verraten, wie hoch in etwa Ihre durchschnittliche Gewinnmarge pro Key ist?

Wortmann: Nur so viel, dass wir uns ein hartes Business ausgesucht haben und es eine große Herausforderung ist.

PC Games: Die meisten Keyseller, die einen deutschen Namen haben, haben ihren Firmensitz in Hongkong. Können Sie uns sagen, wie das kommt?

Wortmann: Es liegt wohl in erster Linie an steuerlichen Vorteilen. Anders kann ich mir die Preise auf diesen Portalen nicht erklären. Als deutsches Unternehmen führen wir Mehrwertsteuer ab bei jedem Verkauf an einen Endkunden innerhalb der EU.

PC Games: Ist man als autorisierter Keyseller überhaupt konkurrenzfähig gegenüber den nicht autorisierten?

Wortmann: Bei den Standardpreisen können wir sicherlich nicht mithalten. Wenn manch ein Konkurrent einen Triple-A-Titel zum Release für 20-25 Euro anbietet, dann können wir das einfach nicht. Bei zeitbegrenzten Rabatten sieht es allerdings anders aus. Hier haben wir die Möglichkeit in Absprache mit Herstellern einen konkurrenzlosen Preis zu ermöglichen. Das können unautorisierte Händler nicht. Zudem setzen wir darauf, dass es den Kunden immer wichtiger wird, woher der Key stammt, den er kaufen möchte. Ein weiterer Vorteil ist, dass wir Produkte anbieten, die man nur mir offiziellen Verträgen beziehen kann. Alles was nicht als Box im Laden erscheint, ist erstmal schwieriger zu erhalten für den typischen Keyseller. Season Pässe, DLCs oder gewisse Indie-Titel oder die "Digital Deluxe Edition" eines Triple-A-Produktes bekommen Keyseller nur sehr schwer bis gar nicht.

PC Games: Welche Vorteile haben Kunden, die ihre Spiele-Keys bei einem autorisierten Keyseller kaufen?

Wortmann: Die Vorteile sehen wie folgt aus:

  • Der Kunde erhält autorisierte Keys und muss sich keine Gedanken machen, dass sie einmal gesperrt werden könnten
  • Es funktioniert für ihn alles einfach und reibungslos. (z.B. keine VPN-Aktivierung über russische Server)
  • Der Kunde unterstützt mit seinen Käufen direkt den Indie-Entwickler, wenn dieser einen direkten Vertrag mit dem Händler hat.
  • Der Kunde erhält offizielle Vorbesteller-Boni (diese sind bei nicht autorisierten Händlern oftmals nicht gegeben)

PC Games: Wie sehr schaden ihrer Meinung nach halblegale Keyseller-Seiten wie G2A oder Kinguin der Spielebranche?

Wortmann: Es ist keine neue Situation, die wir aktuell haben. Nur durch die mittlerweile unglaubliche Größe von bestimmten Keysellern rückt es jetzt deutlicher in die Wahrnehmung der Menschen. Für den Hersteller ist es eine sehr komplexe Aufgabe, diese Problematik vernünftig zu bekämpfen. Es gibt auch erhebliche Unterschiede in der Branche. Publisher A ist zum Beispiel sehr strikt, was seine Ware angeht, und tiefgreifender in seinen Maßnahmen. Wir merken bereits leichte Anzeichen dafür, dass Preise selbst bei Keysellern stabiler sind als noch vor 1-2 Jahren. Bei Publisher B sind die Preise dagegen leider wie immer schon fünf Tage vor Release eines Triple-A-Produkte 30 Prozent unter UVP (Unverbindliche Preisempfehlung) bei jedem Key Seller zuhaben. Grundsätzlich freut es den Kunden, wenn er sein Spiel einfach mal 20 Euro günstiger dort zum Release erhält. Langfristig wird es aber dazu führen, dass Publisher immer mehr auf abgeschottete Marktplätze setzen werden, die sie selbst komplett in der Hand haben (siehe Oculs Rift). Dann wird es immer weniger Möglichkeiten geben, überhaupt noch unter UVP kaufen zu können außerhalb offizieller Rabattaktionen. Eine andere Möglichkeit ist es, dass Publisher sich mehr auf den Konsolenmarkt konzentrieren und PC-Umsetzungen so liebloser werden. Für viele Indie-Entwickler ist das sicherlich auch existenzbedrohend, wenn geplante Einnahmen ausbleiben, weil der durchschnittliche Marktpreis des eigenen Spiels dramatisch abgesunken ist. Weniger Indie-Entwickler bedeutet auch weniger neue Spiele mit innovativen Konzepten. Im schlimmsten Fall ist auch ein User nach wiederholt negativen Erfahrungen mit gesperrten Keys soweit, dass ihm die Lust auf sein Hobby vermiest wird. Davon hätte die ganze Branche nichts.

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    • Kommentare (128)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Rabowke Klugscheißer
        Zitat von DerFalmersturmtrupp
        Ja das stimmt schon , frage mich auch wo die ganzen Preise noch hin gehen sollen. Später kosten dann Pixelart Kultklassiker Oldschool Spiele 60€ und Neuere 300€ ohne DLCs. BIs es zur Inflation kommt. Oder man muss eben mehrere Jahre warten + Rabattsale auf einen guten Preis.
        ... wie McDrake schon schrieb, solche uralt Threads hochholen macht wenig Sinn. Aber weil du Inflation ansprichst: schau dir doch einfach mal die Preisentwicklung von Spielen seit 1990 an. Vllt. fällt dir hier selbst etwas auf. ;-)
      • Von Rabowke Klugscheißer
        Zitat von DerFalmersturmtrupp
        Ja das stimmt schon , frage mich auch wo die ganzen Preise noch hin gehen sollen. Später kosten dann Pixelart Kultklassiker Oldschool Spiele 60€ und Neuere 300€ ohne DLCs. BIs es zur Inflation kommt. Oder man muss eben mehrere Jahre warten + Rabattsale auf einen guten Preis.
        ... wie McDrake schon schrieb, solche uralt Threads hochholen macht wenig Sinn. Aber weil du Inflation ansprichst: schau dir doch einfach mal die Preisentwicklung von Spielen seit 1990 an. Vllt. fällt dir hier selbst etwas auf. ;-)
      • Von Vordack Spiele-Professor/in
        Zitat von McDrake
        1. Danke fürs hocholen dieses Uralthreads
        2. Inzwischen (?) fallen die Preise auf dem PC extrem schnell.
        3. Ich hatte vor ein paar Wochen einfach Lust auf AC Valhalla und zum Vollpreis gekauft.
        Inzwischen über 70 Stunden gespielt.
        Unr da ist auch der Vollpreis in meinen Augen nicht zu teuer.
        1. Was hat GTA 1 in der Produktion gekostet? KA Aber bestimmt nicht 200 Millionen (was bei GTA 5 geschätzt wird).

        2. Was zeigt wie überzogen die Preise sind. Fallen die Preise erst nachdem ein Spiel sich X% verkauft hat???

        3. Ich bewundere Dich 70 Stunden durchgehalten zu haben. Du hastn dickes Fell :ugly: Das schaffe ich nur bei Skyrim :D
      • Von McDrake Mitglied
        Zitat von DerFalmersturmtrupp
        Ja das stimmt schon , frage mich auch wo die ganzen Preise noch hin gehen sollen. Später kosten dann Pixelart Kultklassiker Oldschool Spiele 60€ und Neuere 300€ ohne DLCs. BIs es zur Inflation kommt. Oder man muss eben mehrere Jahre warten + Rabattsale auf einen guten Preis.
        1. Danke fürs hocholen dieses Uralthreads
        2. Inzwischen (?) fallen die Preise auf dem PC extrem schnell.
        3. Ich hatte vor ein paar Wochen einfach Lust auf AC Valhalla und zum Vollpreis gekauft.
        Inzwischen über 70 Stunden gespielt.
        Unr da ist auch der Vollpreis in meinen Augen nicht zu teuer.
      • Von DerFalmersturmtrupp NPC
        Ja das stimmt schon , frage mich auch wo die ganzen Preise noch hin gehen sollen. Später kosten dann Pixelart Kultklassiker Oldschool Spiele 60€ und Neuere 300€ ohne DLCs. BIs es zur Inflation kommt. Oder man muss eben mehrere Jahre warten + Rabattsale auf einen guten Preis.
      • Von Worrel Mitglied
        Zitat von DerTriton
        Und was soll diese Kommentar bedeuten?
        ... daß diese Keys dann eben doch geklaut wurden ...?
      Direkt zum Diskussionsende
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