Keyseller: Eine preiswerte Alternative oder unmoralische Spiele-Dealer? Interview mit dem Anwalt Stephan Mathé
Auf Seiten wie G2A.com und Kinguin.net werden brandneue Spiele zu Schleuderpreisen verkauft. Sollte man als PC-Spieler auf die Dienste der sogenannten Keyseller zurückgreifen oder nicht? Wir sind der Frage nachgegangen, um herausfinden, wie der Markt mit den Keys tatsächlich funktioniert und welche Gefahren sich für den Verbraucher ergeben können.
Quelle: Stephan Mathé
Stephan Mathé ist Fachanwalt für gewerblichen Rechtsschutz.
Rechtsanwalt Stephan Mathé (43) ist Fachanwalt für gewerblichen Rechtsschutz (Urheber-, Marken- und Wettbewerbsrecht), Lehrbeauftragter für Medienrecht und Partner der "Sozietät Poppe". Er vertritt führende Videospielentwickler und Publisher u.a. in Alterseinstufungs- und Jugendschutzverfahren. Vor seiner Tätigkeit als Anwalt war Mathé als Lokalisierungs- und Produktmanager für den Publisher Eidos tätig und betreute Spiele wie "F1 World Grand Prix", "Commandos" und "Resident Evil". Während seiner juristischen Ausbildung arbeitete er für die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM). Wir haben ihn im Interview gefragt, welche Gefahren sich für die Kunden der sogenannten Keysellern ergeben können.
PC Games: Es gibt sogenannte autorisierte und nicht autorisierte Keyseller im Internet, bei denen man oft unglaublich günstig Steam-, uPlay- und Origin-Keys kaufen kann. Begeht man automatisch eine Straftat, wenn man, ohne es wirklich zu wissen, bei einem nicht autoriesten Keyseller ein Spiel kauft?
Mathé: Nein, davon gehe ich in der Regel nicht aus. Damit eine Straftat vorliegt, müsste der Spieler vorsätzlich gehandelt haben. Er hätte also es zumindest für möglich halten müssen, dass sein Key aus einer illegalen Bezugsquelle stammt. In der Regel wird der Spieler aber kaum erkennen können, woher der Händler die Lizenz zuvor erworben hat. Etwas anderes könnte dann gelten, wenn alle Umstände darauf hindeuten, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Wenn also ein aktueller Toptitel zum absoluten Minipreis angeboten wird und dies dann auch noch über eine dubiose, schlecht gemachte Homepage erfolgt, dann sollten beim Spieler die Alarmglocken schrillen. Die Strafverfolgungsbehörden werden aber vor allem die Händler dingfest machen wollen. Der Spieler muss aber damit rechnen, dass er den Key nicht nutzen darf und auch sein Geld nicht zurück erhält.
PC Games: Gibt es rechtliche Bedenken, wenn man Spiele-Keys kauft, die eigentlich für einen anderen als den deutschen Markt gedacht waren? Ist das Verwenden von Tools zum Verschleiern der eigentlichen deutschen IP-Adresse straf- oder zivilrechtlich relevant?
Mathé: Diese Frage ist komplexer als man vielleicht denkt. Hier flammt zum einen der alte Streit wieder auf, ob eine Spielsoftware wie eine Sache zu behandeln ist, die man normal wie einen Toaster kaufen kann, oder ob es - wie vom Urheberrecht vorgesehen - um ein Nutzungsrecht geht, welches der Spieler erwirbt. Bei Nutzungsrechten kann nämlich grundsätzlich vom Rechteinhaber definiert werden, wofür die Erlaubnis zum Spielen gilt, also etwa auch nur für ein bestimmtes Land. Zum anderen werden solche Beschränkungen meist per AGB vorgenommen, und dann müsste man schauen, ob diese überhaupt wirksam vereinbart wurden. Und schließlich kann es natürlich auch jugendschutzrechtlich problematisch werden, wenn ich mir als deutscher Spieler ein Spiel besorge, welches im Ausland erhältlich, aber hier indiziert ist. Wobei insoweit wiederum derjenige das größere Problem hat, der ein solches Spiel einem deutschen Spieler verkauft. Auch hier denke ich nicht, dass man strafrechtlich Probleme bekommen wird. Wohl aber könnte es wiederum passieren, dass man vom Hersteller/Spielbetreiber gesperrt wird, wenn man etwa eine falsche Nationalität vorspiegelt.
PC Games: Dürfen Spieleportalbetreiber wie Steam oder uPlay ein Konto komplett sperren, wenn man ohne es gewusst zu haben, einen illegalen Key gekauft hat?
Mathé: Ich wäre da als Portalbetreiber immer sehr vorsichtig. Zwar steht oft in den AGB, dass ein Konto schon bei Verdacht gesperrt werden kann o.ä. Für den Spieler aber wäre es fatal, wenn sein Konto gesperrt würde. Konnte er nicht einmal erkennen, dass der Key illegal war, ist ihm kein Vorwurf zu machen und dann wäre auch eine Kontosperrung unverhältnismäßig. So lautende AGB wären dann nach deutschem Recht unwirksam, da sie den Spieler unangemessen benachteiligen würden und zudem überraschend wären. Verhältnismäßigkeit ist der Schlüssel in solchen Fällen, ich würde als Betreiber daher immer mit dem mildesten Mittel starten und nur in eklatanten Fällen zur Kontosperrung greifen.
PC Games: Hat man rechtlich gesehen Möglichkeiten, das Geld wiederzubekommen, falls man einen Key gekauft, der nicht funktioniert? Viele der Keyseller haben ja ihren Firmensitz in Hong Kong. Erschwert das die Sache?
Mathé: Ist der Key nicht für den vereinbarten Gebrauch verwendbar und weist einen sog. Rechtsmangel auf, hat man als Käufer entsprechende Ansprüche gegen den Verkäufer, wozu insbesondere der Anspruch auf Rückerstattung des Kaufpreises gehört. Man muss natürlich schauen, was genau vereinbart war. Wenn ich also beispielweise einen Key auf einer chinesischen Seite kaufe, der zwar in China gültig ist, aber nicht in Deutschland, und nirgendwo vereinbart wurde, dass er auch in Deutschland nutzbar sein soll, besteht auch kein Mangel. Recht haben und Recht bekommen sind aber oftmals etwas anderes, wie wir Juristen sagen. In der Tat gehen die Chancen gen Null, einen Zahlungsanspruch in China oder einem anderen entfernten Land durchzusetzen.
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2. Inzwischen (?) fallen die Preise auf dem PC extrem schnell.
3. Ich hatte vor ein paar Wochen einfach Lust auf AC Valhalla und zum Vollpreis gekauft.
Inzwischen über 70 Stunden gespielt.
Unr da ist auch der Vollpreis in meinen Augen nicht zu teuer.
2. Was zeigt wie überzogen die Preise sind. Fallen die Preise erst nachdem ein Spiel sich X% verkauft hat???
3. Ich bewundere Dich 70 Stunden durchgehalten zu haben. Du hastn dickes Fell :ugly: Das schaffe ich nur bei Skyrim :D
2. Inzwischen (?) fallen die Preise auf dem PC extrem schnell.
3. Ich hatte vor ein paar Wochen einfach Lust auf AC Valhalla und zum Vollpreis gekauft.
Inzwischen über 70 Stunden gespielt.
Unr da ist auch der Vollpreis in meinen Augen nicht zu teuer.