Gamecamp Munich - Storytelling in virtuellen Welten

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Ein Treffen von Spielern und Herstellern, Indies und Hauptberuflern und eine Diskussion über die Zukunft der Spiele. Am 29. und 30. Mai 2010 fand in München das Gamecamp Munich statt. Jeder, der interesse hatte, konnte vorbei schauen und mitdiskutieren. Ein Bericht.

Storytelling in virtuellen Welten
In dem Vortrag über Storytelling in virtuellen Welten von Markus Opolka, 22 und Fachinformatiker aus Nürnberg, zeigte er, dass Spiele Geschichten ganz anders erzählen und erzählen können, als Bücher oder Filme. „Spiele sind interaktiv, der Spieler kann eingreifen und sein eigenes Schicksal, seine eigene Geschichte schreiben. Bücher oder Filme können das nicht“, sagt er und unterlegt seine These mit dem Spiel „Flower“ für die Playstation 3. „In Flower spielt man nicht den Wind, man ist der Wind. Kein Buch, kein Film, kein anderes Stück Kunst kann einem diese Erfahrung bieten, außer ein Videospiel.“ Das habe eben auch viel mit Storytelling zu tun: „Flower erzählt keine Geschichte und dennoch erspielt man eine: Man ist der Wind. Und als dieser fliegt man durch die Welt und sammelt Blüten auf.“ Und in diesem Artikel ergibt sich schon auch das Problem direkt: In Worte gefasst klingt das nicht sehr spannend, selbst erlebt ist das etwas ganz anderes. Und so geht es immer weiter in seinem Vortrag. Viele neue und interessante Punkte, die Markus Opolka anbringt und so aufzeigt, wie Geschichten in Spielen größtenteils unvorteilhaft und nur sehr selten richtig gut gemacht wird. Ein Leitspruch seines Vortrags ist das Zitat von Entwicklerlegende Sid Meier: „Unterschätzt niemals die Kreativität der Spieler!“ Sid Meier betonte damit die Fantasie der Spieler, die selbst die größten Geschichten entstehen lässt und die allein durch das Spielen entsteht.

Es ist ein komplexes Thema, die Stunde des Vortrags war jedenfalls gut mit Informationen gefüllt. Und wurde in einer zweiten Session von ihm noch weitergeführt. Darin stellte er das Spiel Sleep is Death vom bekannten Indie-Games-Entwickler Jason Rohrer vor. Das Spiel ist auf den ersten Blick recht simpel: Man braucht zwei Computer, zwei Spieler und eine Netzwerkverbindung. Und dann wird gespielt. Ein Spieler übernimmt eine Spielfigur und kann sich mit dieser in einer Spielwelt bewegen, Aktionen durchführen und Sprechen. Alles sehr ähnlich zu einem Adventure, wie auch die Grafik, die angenehm an die LucasArts-Adventure Anfang der Neunziger erinnert. Der Clou an dem Spiel: Alles, wirklich alles ist möglich! Der Spieler kann sich mit allem und jedem unterhalten, mit jeder Spielfigur, gar mit jedem Pixel, Kann mit allem und jedem interagieren. Er hat alle Freiheiten. Und bekommt eine direkte Reaktion auf seine Aktionen. Unmöglich? Nicht bei Sleep is Death. Denn der Trick findet beim zweiten Spieler statt, er übernimmt die Rolle des Spielleiters und kann mit einem Editor alles an der Spielwelt verändern. Wenn der Spieler also befiehlt, dass seine Spielfigur den Fernseher anmacht, dann verändert der Spielleiter eben die Farbe des Fernsehbildschirms und schon ist der Fernseher an. „Unterschätzt niemals die Fantasie der Spieler!“

Das fantastische aber an dem Spiel ist die Erzählebene, die sich während des Spielens einstellt. Jede Aktion, jede Sprechblase und Bewegung löst auf einmal Reaktionen aus. Es entsteht ein hin und her zwischen den Spielern und im Spiel entsteht eine Geschichte. Auf einmal tauchen andere Figuren auf, die der Spielleiter steuert und die er reden lässt. Ohne jede Vorgabe entsteht eine Geschichte, die für die Spieler nicht persönlicher und dadurch intensiver sein könnte. Hat man das Spiel einmal gespielt und verstanden, kommen einem heutige Triple-A-Titel wie Stummfilme vom Anfang des letzten Jahrhunderts vor. Grafik ist nicht alles, in Wahrheit ist gute Grafik sogar hinderlich für die Fantasie des Spielers. „Unterschätzt niemals die Kreativität der Spieler“ – Sid Meiers Spruch sollte von mehr Spieleentwicklern und Publishern beherzigt werden. Sleep ist Death lässt sich im Übrigen für einen selbstgewählten Preis herunterladen, hier sei eine dicke Download- und Spielempfehlung ausgesprochen. Zum Start: Das erste Tutorialvideo von Jason Rohrer selbst und eine absurde Beispielgeschichte.

Die intensivsten und gleichzeitig lockersten Gespräche finden - wie meistens - im Cafè statt. Quelle: Markus Opolka Die intensivsten und gleichzeitig lockersten Gespräche finden - wie meistens - im Cafè statt. Breite Themenvielfalt
Es ist aber auch nur ein Beispiel für die ausgewachsenen Themen des Gamecamp Munich und gleichzeitig ist es nur ein kleiner Einblick in die Vielfalt der Themen: Es gab Schwerpunkte wie Existenzgründung, Game-Audio, -Design und –Programmierung, die in mehreren Sessions unterschiedlich beleuchtet wurden. Aber auch Nischen-Themen wie analoges Spiele-Design, Wirkungsforschung, Augmented Reality und Lokalisierung wurden von den Teilnehmern diskutiert und erforscht. Interessant war der Erfahrungsaustausch zwischen unabhängigen Spiele-Entwicklern. Alexander Zacherl, Mitorganisator über den Stellenwert des Gamecamp: „ Vor allem in München formiert sich zur Zeit eine stetig wachsende Independent-Games-Szene - diese hatte nun wieder die Gelegenheit, sich zu treffen und ihre neuesten Entwicklungen zu zeigen.“ Mit dabei waren unter anderem Piece of Pie Studios mit ihrem Physik-Plattformer Swimming Under Clouds, die neu gegründeten Bit Barons mit dem Puzzle-Game Astroslugs und Wolpertinger Games mit dem XBox-Live-Indie-Game Quizocalypse. In der Session "Indie Startup Q&A" erzählten die drei Geschäftsführer, welche Erfahrungen sie mit dem Aufbau der Studios hatten und standen Anderen, die diesen Schritt noch vor sich haben, Rede und Antwort.

Neben den Vorträgen und Diskussion war aber vor allem das Miteinander unter den Teilnehmern, sei es nun beim Essen, zwischen den Sessions oder bei abendlichen Beta-Tests eigener Spiele, Guitar-Hero und Chat-Roulette-Sessions der große Mehrwert der Veranstaltung. Und ganz nebenbei wurde die Spieleindustrie in Deutschland gestärkt: Nicht nur einmal hörte man von „einer Idee für ein Spiel, das ich gerne mal machen würde“ und selten konnte man so schnell schauen, wie sich die Visitenkarten zwischen Programmierern, Grafikern oder Spieledesignern hin und herschoben. Es ist nämlich genau diese Atmosphäre, die Barcamps und das Gamecamp im Speziellen so einzigartig machen. Bei einer Portion Schnitzel und einer Runde Quizocalpyse wurden mehr Freundschaften, Kooperationen und Spiele-Verabredungen geschlossen, als bei manch einer großen Networking-Veranstaltung. Ein Wochenende lang wird eben abseits des mainstreams nur gespielt, darüber geredet und weitergedacht. Im Austausch entstehen neue Ideen, alte werden weitergesponnen, viel Neues ausprobiert und Gegebenes hinterfragt. Am Ende profitieren nicht nur wir als Spieler, auch die Spiele selbst profitieren davon. Mit jedem neuen Jahr werden sie größer und wichtiger als zuvor, also muss man sich entsprechend mit ihnen beschäftigen. Das Gamecamp Munich ist dazu nur der Anfang. Barcamps können von jedem gemacht werden - und sie sollten von jedem gemacht werden.

Tipps dazu verraten die Organisatoren des Gamecamp Munich, Alexander Zacherl und Florian Bergmann im Interview auf der nächsten Seite.

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  1. Seite 1 Gamecamp Munich 2010 - Was ist ein Barcamp?
  2. Seite 2 Gamecamp Munich - Storytelling in virtuellen Welten
  3. Seite 3 Gamecamp Munich 2010 - Interview mit den Veranstaltern
    • Kommentare (6)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von nikiburstr8x Mitglied
        AW: Special - Die Zukunft der Spiele in München - Ein Besuch beim Gamecamp Munich 2010

        Zitat von Vordack
        Und ich dachte schon die Diskutieren an ner Bar. ab dem 5ten Bier kommen dann die interessanten Vorschläge udn Themen  :-D
        Im Grunde hätte Der Veranstalter dagegen sicher nichts einzuwenden, aber der erhöhte Bierkonsum ist nicht sonderlich kreativitätsfördernd, imho ^^.
        Bier in Maßen, nicht in Massen. :B  
      • Von nikiburstr8x Mitglied
        AW: Special - Die Zukunft der Spiele in München - Ein Besuch beim Gamecamp Munich 2010

        Zitat von Vordack
        Und ich dachte schon die Diskutieren an ner Bar. ab dem 5ten Bier kommen dann die interessanten Vorschläge udn Themen  :-D
        Im Grunde hätte Der Veranstalter dagegen sicher nichts einzuwenden, aber der erhöhte Bierkonsum ist nicht sonderlich kreativitätsfördernd, imho ^^.
        Bier in Maßen, nicht in Massen. :B  
      • Von Vordack Spiele-Professor/in
        AW: Special - Die Zukunft der Spiele in München - Ein Besuch beim Gamecamp Munich 2010

        Zitat von nikiburstr8x
        Zitat von "Vordack, post: 8721943, member: 280849"
        [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen]
        Und ich dachte schon die Diskutieren an ner Bar. ab dem 5ten Bier kommen dann die interessanten Vorschläge udn Themen :-D

        Aber ich bin sowieso aus dem vorigen Jahrhundert (wie sich das anhört, cool ;-) )
      • Von nikiburstr8x Mitglied
        AW: Special - Die Zukunft der Spiele in München - Ein Besuch beim Gamecamp Munich 2010

        Zitat von Vordack
        Zitat von "nikiburstr8x, post: 8721904, member: 2578981"
        Das Barcamp ist ne tolle Sache, kreativ und chaotisch ^^. Jeder ist gleichgestellt, keiner hat das Sagen.

        Hab mich schon gewundert was Barcamp sein soll. Wieso sagen die nicht einfach ne offene Diskussionsrunde?
         
        "Offene Diskussionsrunde" klingt halt nicht so hip, nehme ich an. :P
        Englisch wird halt immer mehr in der deutschen Sprache verwendet, ob das gut oder schlecht ist, sei mal dahin gestellt.
      • Von Vordack Spiele-Professor/in
        AW: Special - Die Zukunft der Spiele in München - Ein Besuch beim Gamecamp Munich 2010

        Zitat von nikiburstr8x
        Das Barcamp ist ne tolle Sache, kreativ und chaotisch ^^. Jeder ist gleichgestellt, keiner hat das Sagen.

        Hab mich schon gewundert was Barcamp sein soll. Wieso sagen die nicht einfach ne offene Diskussionsrunde?
      • Von nikiburstr8x Mitglied
        AW: Special - Die Zukunft der Spiele in München - Ein Besuch beim Gamecamp Munich 2010

        Sehr schöner Artikel.

        Das Barcamp ist ne tolle Sache, kreativ und chaotisch ^^. Jeder ist gleichgestellt, keiner hat das Sagen.

        Sleep is Death erinnert mich an eine gesellige Runde Pen & Paper, mit dem Unterschied dass Spielleiter wie Mitspieler weitaus mehr Möglichkeiten haben.

         
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