Der Haken mit dem Kreuz - Interview mit Spiele-Entwickler Sebastian Grünwald

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Hintergrund: Der Haken mit dem Kreuz - Die Darstellung von NS-Symbolen in Videospielen (1)
Quelle: Computec Media GmbH

In unserem Special beschäftigen wir uns mit der Frage, warum die Darstellung von NS-Symbolen in Filmen erlaubt ist und indes in Videospielen nicht.

Creative Director Sebastian Grünwald von Reality Twist Quelle: Computec Creative Director Sebastian Grünwald von Reality Twist Sebastian Grünwald ist Creative Director bei Reality Twist. Das Münchner Entwicklerstudio arbeitet zurzeit mit Generation Zero an einem pädagogischen Adventure, das im Nachkriegsdeutschland angesiedelt ist. Bereits im Jahr 2010 stieß Reality Twist das Thema Hakenkreuze in Computerspielen auf Bundesebene an und konnte den Bundestagsabgeordneten Jimmy Schulz (FDP) davon überzeugen, sich mit dem Thema zu beschäftigen.

PC Games: Ihr arbeitet mit Generation Zero an einem pädagogischen Adventure-Spiel, welches Deutschland unmittelbar nach der Kapitulation der Nationalsozialisten thematisiert. Für dieses Spiel wäre es wegen der Authentizität wichtig, dass auch Hakenkreuze im Spiel vorkommen. Nun verbietet das deutsche Gesetz grundsätzlich die Darstellung von verfassungsfeindlichen Symbolen. Könnte euer Spiel auch ohne die Darstellung von Hakenkreuzen auskommen?

Gründwald: Natürlich könnten wir unsere Geschichte auch beschneiden und auf die Darstellung von Hakenkreuzen verzichten. Für mich persönlich wäre diese Zensur allerdings ziemlich schade, denn gerade das Thema der Entnazifizierung, das wir behandeln wollen, hängt auch eng mit der Darstellung der Symbolik zusammen. Natürlich kann man Hakenkreuze im Spiel auch durch ein anderes Symbol substituieren. Das wird allerdings zum einem unserem Anspruch nicht gerecht, ein dokumentarisches Spiel zu schaffen, das sich auf reale Geschehnisse und Fakten beruft und zum anderen würde doch ohnehin jeder Spieler begreifen, um welche Symbole es eigentlich geht. Kurz: Man kann das Spiel schon veröffentlichen, es wäre nur nicht mehr die gleiche Geschichte und vielleicht sogar noch viel eher ein Zeugnis davon, dass wir in der Aufarbeitung unserer eigenen Vergangenheit durch sinnlose Verbote behindert werden.

PC Games: Würdet ihr nötigenfalls auch vor Gericht gehen, damit ihr Hakenkreuze in Generation Zero darstellen dürft und dadurch nicht eine Straftat begeht?

Gründwald: Darüber haben wir uns noch keine konkreten Gedanken gemacht. Aktuell sind wir sehr viel mit anderen Projekten beschäftigt, so dass das Thema "Hakenkreuze" leider etwas ruht. Ich glaube aber, dass die rechtliche Sachlage eigentlich relativ klar ist und wir in unserem Fall kleine Straftat begehen würden. Ich persönlich würde es darauf ankommen lassen, aber die Entscheidung müssen ja am Ende alle Partner des Projekts mittragen.

PC Games: Vor vier Jahren habt ihr das Thema "Hakenkreuze in Computerspielen" auf Bundesebene angestoßen. Hat eure Initiative etwas bewirkt?

Grünwald: Durchaus. Unter anderem haben wir das Spiel bei der ersten sogenannten "Politiker-LAN" dem Bundestag vorgestellt. Auch das Echo von anderen Publishern und Entwicklern hinter vorgehaltener Hand war enorm. Eigentlich warten alle nur darauf, dass endlich jemand mal diesen Präzedenzfall anstößt und die Sache ein für allemal klärt.

PC Games: Die sogenannte Sozialadäquanzklausel bietet eine Ausnahme des §86 Abs. 3 des Strafgesetzbuches, wodurch die Darstellung von nationalsozialistischen Symbolen erlaubt ist, wenn es der Förderung von Kunst und Wissenschaft oder der politischen Aufklärung im Sinne der Verfassung dient. Woran liegt es, dass bis heute noch kein einziger Spiele-Publisher in Deutschland gebrauch von der Klausel gemacht hat, obwohl Videospiele heute in Deutschland als Kunst betrachtet werden?

Gründwald: Das hat in erster Linie einfach nur mit Angst zu tun. Ich denke, es muss erst mal das erste richtige Spiel kommen, an dem die Sozialadäquanzklausel durchdekliniert und eine Entscheidung für Spiele getroffen werden kann. Ein Ego-Shooter eignet sich da natürlich vor Gericht im Sinne der politischen Aufklärung weniger als ein dokumentarisches Adventure.

PC Games: Wie hoch schätzt ihr die Wahrscheinlichkeit ein, dass für Generation Zero durch die Sozialadäquanzklausel die Darstellung von nationalsozialistischen Symbolen erlaubt wäre?

Grünwald: Ich persönlich schätze sie sehr hoch ein. Würde sie verboten, dann möchte ich erst mal die Begründung sehen, warum unser Spiel nicht der politischen Aufklärung dienen sollte. Das würde nämlich dann wieder an der hart erkämpften Kulturgutdebatte rütteln.

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    • Kommentare (175)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von knarfe1000 Spiele-Kenner/in
        Keine Ahnung.
      • Von knarfe1000 Spiele-Kenner/in
        Keine Ahnung.
      • Von MichaelG Mitglied
        Unter Michael Wittmann?
      • Von knarfe1000 Spiele-Kenner/in
        Mein Opa war Unteroffizier bei der Waffen-SS (Panzerdivision). Der wollte irgendwie nie viel erzählen...
      • Von MichaelG Mitglied
        Ich habe ein Fotoalbum von der Westfront vom Großvater. War dort erst einmal nur "Stift" (Lehrling). Auch ein paar Fotos von den Wasserflugzeugen in Norwegen.

        Mein Großvater hat bei Kriegsende Glück gehabt. Er war glücklicherweise vor Gefangenschaft verschont.

        Ich habe jedenfalls den größten Respekt vor denen die die Hölle 2.Wk überlebt und dabei soweit wie möglich ihre Menschlichkeit bewahrt haben. Das gilt für alle Parteien.
      • Von Cele-pcgames Anwärter/in
        Oh Luftwaffe, interessant. Mein Opa war MP und erst in Polen, dann Frankreich, dann Russland (incl. Kessel) und schließlich paar Monate Gefangenschaft. Leider ist er gestorben bevor ich mich wirklich für sowas interessiert hab. Meine Eltern haben seine Fotos, sind ein paar üble dabei mit Leichen die aus zerschossenen Panzern hängen.
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