Retail- vs Online-Handel: Eine Chance für Indie-Games und die Käuferperspektive >>>
Schon oft wurde der Untergang der klassischen im Handel erhältlichen Spiele, sogenannte Retail-Produkte, proklamiert. Doch löst der Online-Handel mit zum Download angebotenen Spielen den Verkauf verpackter Produkte tatsächlich ab? PC Games wagt eine Analyse.
Quelle: Minecraft Project: Middle-Earth
Minecraft, ein Indie-Wunderwerk. Ohne den Download-Vertrieb und effektive Mund-zu-Mund-Propaganda hätte es sich wohl nie zu einem solchen Erfolg gemausert.
Chance für Indie-Games
Die Bezeichnung Indie leitet sich aus dem Englischen ab: "Independence", zu Deutsch Unabhängigkeit. Befreit vom Fortsetzungswahn, der unter der Schirmherrschaft eines großen Publishers Alltag für andere Studios ist, finden immer mehr Entwickler zu der Garagenmentalität der 1980er Jahre zurück: Einzelpersonen oder kleine Teams verwirklichen ihre Vorstellungen in preiswerten, im Nu aus dem Netz gesaugten Spielen. Die können technisch nicht mit den großen Produktionen der Top-Studios mithalten, dafür ist ihnen aber oft die Leidenschaft der Macher anzusehen. Im Gegensatz zu vergleichsweise tumben Massenspielen a là Call of Duty zählt bei diesen Titeln Gameplay vor Inszenierung; oft stehen kreative Ideen im Mittelpunkt und treffen den Nerv der Käufer. Indie-Hits wie Minecraft oder Pflanzen gegen Zombies erreichten so eine Beliebtheit in der Spielergemeinde, von denen manche Millionen-Dollar-Projekte nur träumen können.
Die wachsende Popularität der Indie-Sparte bei Entwicklern und Spielern führt allerdings auch zu Problemen: Das gestiegene Angebot an Spielen hat einen Konkurrenz- und Preiskampf zur Folge, den Portale wie Steam oder Good Old Games mit Sonderangeboten fördern. Da hinter den Spielen kein Publisher mit einem großen Werbebudget steht, müssen die Indie-Entwickler auf Mundpropaganda der Spieler hoffen, damit ihr Titel Hitstatus erlangt. Die niedrigen Preise jedoch führen zu einer Wegwerfmentalität beim Kunden: Bei einem Spiel für fünf Euro ist die Hemmschwelle zum Kauf gering. Entfaltet das Programm aber in den ersten Minuten keine Sogwirkung, fliegt es ruckzuck wieder von der Festplatte; es hat ja kaum etwas gekostet. Der Spieler wird sich hüten, den Kauf anschließend seinen Freunden ans Herz zu legen – und damit sinken die Chancen der Entwickler auf einen Erfolg.
Quelle: PC Games
36,7 Prozent aller Befragten haben Angst davor, dass die Server des Anbieters eines Tages abgeschaltet werden und die Spiele damit nicht mehr verfügbar sind.
Die Perspektive des Käufers
Für die Macher solcher Spiele, die komplett auf den Download-Verkauf ausgerichtetet sind, ist das Online-Geschäft also Chance und Risiko zugleich. Doch welche Vor- und Nachteile ergeben sich für den Käufer, der über Direct2Drive oder Games for Windows Live seine Spiele bezieht, anstatt sie im Laden um die Ecke zu erwerben? Da wäre zum einen die Angst vor dem Datenverlust: Wie eine Umfrage auf pcgames.de belegt, haftet nur in digitaler Form existierenden Spielen das Stigma der Unsicherheit an. Das eigene Spielearchiv ist bei Steam zum Beispiel mit einem Benutzerkonto verbunden – was also, wenn jemand diesen Account hackt? Der Kunde wäre auf die Kulanz des Anbieters angewiesen, die verloren gegangenen Spiele zu ersetzen; bei einem Retail-Produkt könnte er einfach den Datenträger einlegen und alles neu installieren. Ähnlich düster sieht es für Käufer aus, sollte das Unternehmen hinter der Download-Plattform pleite gehen und die Server abschalten – wer garantiert einem in diesem Fall, dass die Spiele auch anschließend noch funktionieren? Zwar scheint es absurd, dass dieses Schicksal einer den Markt beherrschenden Firma wie Valve zustößt, doch unsere Umfrageergebnisse zeigen, dass genau solche Bedenken euch, die Leser, vom Kauf von Download-Spielen abhalten.
Befürworter des digitalen Vertriebs halten in der Diskussion mit ebenso gewichtigen Argumenten dagegen: Download-Spiele nehmen keinen Platz im Regal weg; Vielspieler müssen sich nicht durch einen Packungsstapel wühlen, um Jahre nach dem Kauf einen Klassiker erneut zu starten, ein Mausklick genügt. Auch auf anderen Rechnern lassen sich die Download-Spiele problemlos installieren – statt die DVD mitschleppen zu müssen, gibt man einfach online die Benutzerdaten ein und schon landet jedes beliebige Produkt aus dem eigenen Archiv auf der Festplatte. Zumindest solange eine Internetverbindung besteht, die in der Lage ist, mehrere Gigabyte an Daten schnell aus dem Internet zu ziehen. Was aber, wenn der Spieler nur rasch sein Lieblingsprogramm auf seinem Urlaubs-Laptop installieren möchte, das über keinen Internetanschluss verfügt? Und was tun Kunden in ländlichen Gebieten Deutschlands, wo fixe DSL-Verbindungen Mangelware sind?
Hinzu kommt der Preis, der bei den großen Spieleproduktionen ein Kuriosum darstellt: Zwar sparen die Publisher wie oben erwähnt beim Vertrieb über Download-Portale Verpackungskosten. Dennoch unterscheiden sich die Preise bei Neuerscheinungen kaum von denen im Einzelhandel; oft ist der rein virtuelle Erwerb eines Produktes über Steam & Co. sogar teurer als der Gang zum Elektrofachmarkt oder die Order bei einem Online-Versandhandel. Wer geduldig ist, wird jedoch belohnt: Nahezu jede Download-Plattform versucht, den Verkauf mit Sonderangeboten und Promoaktionen anzukurbeln. Steam etwa wirft Spielern bei Schlussverkäufen im Sommer und vor Weihnachten regelmäßig dutzende Spiele zu stark reduzierten Preisen hinterher. Die Abstände zwischen Neuveröffentlichungen zum Höchstpreis und solchen Budgetaktionen dürften in Zukunft noch geringer werden, wenn sich der Konkurrenzkampf um die digitalen Vertriebswege zuspitzt.

Aber in all diesen Fällen kann man das jeweilige Spiel noch immer in Steam spielen.
steam etc. ist auch viel praktischer..wenn man mal format c: macht...einfach wieder alles installen/downloaden
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CD Key Finder
Abgesehen davon sind es meist die Download Shops, welche höhere Preise für Spiele veranschlagen als der Einzelhandel ... hinzu kommt, das ich die Retail Version schön in meinem Regal - standesgemäß - platzieren kann, die Downloadversion existiert nur digital ... insofern stellt sich mir eine Wahl zwischen Online- und Retail eigentlich garnicht :)
Wenn ich aber ein Spiel Retail kaufe, und darin nur ein kleinen Beipackzettel und die DVD finde, denke ich mir oft "toll hätte man sich auch sparen können". Wenn ich dann noch die DVD brauche um das Spiel zu starten, dann bereue ich es richtig es nicht online gekauft zu haben. Weil den 50€ Datenträger die ganze zeit ein und auswerfen zu müssen ist mehr als nur eine frechheit!
- die in DE beschlagnahmt sind
Aber leider geht Dead Space 2 nicht, zumindest als ich es haben wollte :(
Zu deiner Antwort: Es ist aber halt dann eigentlich schon einfacher, mir in Österreich/England halt gleich die DVD zu besorgen. Wo es meist dann auch noch saubillig ist (zugegeben: sogar Steam ist in England billig :(, aber hier nicht).
Dann muss ich mir nicht extra nen Key zulegen oder jemand in Au oder Uk anquatschen.