Wie Videospiele zur neuen Propaganda-Plattform werden - Reportage

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Special Andreas Schneider - Autor Lukas Schmid - Autor Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen 17,55 €
Wie Videospiele zur neuen Propaganda-Plattform werden - Reportage
Quelle: Activision-Blizzard

Wir blicken in unserer Reportage auf Propaganda in Videospielen - nicht die fiktive Version, sondern tatsächliche Versuche, mit Gaming Politik zu machen.

Beispielsweise besitzt Tencent einen Anteil von 84 % an Supercell, dem Hersteller von "Clash of Clans" und "Clash Royale", 5 % an Activision Blizzard, 48,4 % an Epic Games und den Entwickler von League of Legends, Riot Games, hat Tencent sogar komplett aufgekauft. Der Einfluss von Tencent reicht mittlerweile sogar in die E-Sport-Szene hinein. Durch die Kontrolle über eigene Unternehmen sowie Beteiligungen übt der chinesische Publisher eine Art Kontrollschirm über die E-Sport-Aktivitäten aus [5], der in der Branche für Diskussionen sorgt. Für einen noch ausführlicheren Einblick in Chinas Gaming-Gebaren empfehlen wir euch unsere Reportage Spieleimperium China: Wie das Reich der Mitte die Gaming-Welt veränder t.

Terrororganisationen und Videospiele

Die von Deutschland als Terrororganisation eingestufte Hisbollah veröffentlichte 2003 das Spiel "Special Force". Dabei handelt es sich um einen First-Person-Shooter, in dem der Spieler die Rolle eines Hisbollah-Kämpfers übernimmt, der die israelischen Verteidigungsstreitkräfte bekämpft. Das Spiel wurde in Arabisch, Englisch, Französisch und Persisch veröffentlicht.

In der ersten Woche wurden alle verfügbaren 8.000 physischen Exemplare in Ländern wie dem Libanon, Syrien, Iran, Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten restlos verkauft. Danach wurden weitere produziert.

Das Magazin der Spiegel sprach 2003 mit Bilal As-Sein vom Internetbüro der Hisbollah zum Release des Games.

Ein Screenshot der Wbeseite eines Propaganda-Spiels der Hisbollah Quelle: Screenshot: Andreas Schneider via Wayback-Machine Der Nahost-Konflikt und die Beziehung des Staates Israel mit dem Libanon füllt ganze Bücher und Wissenschaftler*innenleben. Wir werden in diesem Artikel nicht alle Facetten gründlich genug abbilden können. Nur so viel: Das Spiel beruht zumindest in Teilen auf wahren Begebenheiten: Tatsächlich zog sich die israelische Armee im Jahr 200 aus Teilen des Libanons zurück, nachdem sie 6. Juni 1982 dort einmarschiert war, mit dem Ziel, terroristische Angriffe aus dem Südlibanon zu unterbinden. Welche einseitige Interpretation und dogmatische Sichtweise das Spiel der Hisbollah von diesem Konflikt erzählt, ist eindeutig, wenn man die Beschreibung des Spiels auf der ehemaligen offiziellen Website liest. Im Jahr 2000 zog sich die israelische Armee tatsächlich aus dem Schauplatz des Games zurück. Das Spiel "erzählt eine verkürzte Version der Geschichte", lässt Bilal As-Sein wissen. Mit "Special Force" könne man die "heroischen Akte der Helden des islamischen Widerstandes im Libanon" jetzt selbst erleben.

Im Tutorial des Spiels wird gezielt auf Bilder der damaligen israelischen Führung geschossen: Der damalige Premier Ariel Sharon und der damalige Verteidigungsminister Shaul Mofaz sind nur zwei der prominenten Ziele, die ins Visier genommen werden. Angeblich sollen alle im Spiel verwendeten Schauplätze und Waffen "original" sein - basierend auf Filmmaterial und anderen Daten, die angeblich vom Hisbollah-Geheimdienst zur Verfügung gestellt wurden.

Ein Propaganda-Spiel der Hisbollah Quelle: Propaganda-Material der Hisbollah (via Wayback-Machine) Special Forces ließ 2003 im Tutorial Schießübungen auf Poster von damaligen führenden Politikern des erklärten Erzfeinds Israel durchführen. Harter Tobak, der die Grenze von Kunstfreiheit, Ausdruck von Rebellion und Meinungsfreiheit ganz klar deutlich überschreitet. In einem Videospiel auf Abbilder von echten Menschen zu schießen, ist ein No-Go und an Abscheulichkeit kaum zu überbieten. 15 Jahre später veröffentlichte die Hisbollah ein weiteres Videospiel namens "Heilige Verteidigung". Der Ego-Shooter fokussiert sich vorwiegend auf die Kämpfe der radikal-islamischen Gruppierung gegen Extremisten im Libanon und Syrien. Spieler und Spielerinnen können Missionen in Syrien und im Libanon spielen, unter anderem gegen die Terrormiliz Islamischer Staat.

Aber auch der IS selbst versucht, Videospiele zu instrumentalisieren. Zwar sind es hier vor allem Videos, GIFs und Memes aus Videospiel-Material und noch keine echten Games - aber hier setzt der IS auf bekannte Spiele wie Call of Duty und Grand Theft Auto. Call of Duty wurde da zu Propagandazwecken zu "Call of Jihad", Grand Theft Auto zu "Salil al Sawarim". [6]

In Interviews mit der BBC verglichen westliche Jugendliche, die sich dem IS angeschlossen haben, ihre Erfahrungen mit dem Spielen von Call of Duty. Ein Kämpfer sagte sogar, sein neues Leben sei "besser als Call of Duty".

Der IS entwickelte neben diesen Propagandavideos aber auch Lernsoftware für Handys. Eines davon ist "Huruf". Ein klassisches Lernspiel, das Kindern Rechnen, Schreiben und Lesen beibringen soll. In dem Buchstabenlernspiel können die Kinder durch das Anklicken von passenden Buchstaben und Symbolen animierte Ballons in die Höhe steigen lassen.

Ein Propaganda-Spiel des IS Quelle: Propaganda-Material des Islamischen Staates Houruf sieht auf den ersten Blick aus, wie ein gewöhnliches Lernspiel für Kinder - bunt, schrill und freundlich. Rechts unten in der Ecke ist aber die islamistische Propaganda erkennbar. Als Belohnung dürfen die Lernenden eine Metropole ihrer Wahl zerstören mit Rakten - "Choose your Target". Die Rakete selbst zieht wie eine Sternschnuppe einen Schweif.
Die visuelle Gestaltung des Spiels ist vor allem freundlich und hell und erinnert an Lernspiele, die man aus Vorschulprogrammen wie der Sesamstraße kennt.

Das Belohnungssystem des Spiels ist jedoch anders, als man das für Kinder im Vorschulalter erwarten würde. Als Belohnung für das Absolvieren eines Levels können die Kinder eine Rakete zünden, die auf die feindlichen Metropolen London, Paris, Moskau oder New York zielt.

Dabei werden ein Nashid-Chorgesang und heulende Sirenen als Begleitung gespielt. Obwohl keine detaillierten Visuals oder verstörenden Toneffekte gezeigt werden, wird deutlich signalisiert, dass die Zerstörung der Städte der Ungläubigen als Erfolg gewertet wird. Im Anschluss an die Vernichtung der feindlichen Stadt geht die Sonne über deren Trümmern auf und die schwarze Fahne des IS wird gehisst.

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    • Kommentare (71)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von derbeoida NPC
        Zitat von MarcHammel
        Eben drum. Die Politik wird da keine harsche Kritik üben können. Man will den Freund ja nicht vergraulen.

        In der Bevölkerung sieht es aber wiederum ganz anders aus. Da wird scharfe Kritik geübt und das nicht zu knapp.

        Aber auch Russlands Propaganda wirkt länderübergreifend und vor allem im politisch rechten Spektrum sieht man immer wieder pro-russische Propaganda. Einseitig ist die Sache ganz und gar nicht.

        Propaganda ist allerdings auch eine perfide Sache: Was propagiert wird, ist nicht immer falsch. Meist befindet sich auch ein wenig Wahrheit darin. Was wahr ist und was nicht, das muss überprüft werden.

        Wichtig empfinde ich aber vor allem, dass man hier nicht "den Russen" oder "den Amerikaner" anspricht, sondern die Nationen an sich. Wladislav aus Moskau, der einfach nur sein Ding da macht und brav arbeiten geht, wird wohl kaum Schuld daran sein, dass der Russland-Ukraine-Konflikt eskalierte.
        Das eine schließt das andere nicht aus und relativiert es auch nicht.
      • Von derbeoida NPC
        Zitat von MarcHammel
        Eben drum. Die Politik wird da keine harsche Kritik üben können. Man will den Freund ja nicht vergraulen.

        In der Bevölkerung sieht es aber wiederum ganz anders aus. Da wird scharfe Kritik geübt und das nicht zu knapp.

        Aber auch Russlands Propaganda wirkt länderübergreifend und vor allem im politisch rechten Spektrum sieht man immer wieder pro-russische Propaganda. Einseitig ist die Sache ganz und gar nicht.

        Propaganda ist allerdings auch eine perfide Sache: Was propagiert wird, ist nicht immer falsch. Meist befindet sich auch ein wenig Wahrheit darin. Was wahr ist und was nicht, das muss überprüft werden.

        Wichtig empfinde ich aber vor allem, dass man hier nicht "den Russen" oder "den Amerikaner" anspricht, sondern die Nationen an sich. Wladislav aus Moskau, der einfach nur sein Ding da macht und brav arbeiten geht, wird wohl kaum Schuld daran sein, dass der Russland-Ukraine-Konflikt eskalierte.
        Das eine schließt das andere nicht aus und relativiert es auch nicht.
      • Von SethWinterstein Mitglied
        Zitat von MarcHammel
        So, jetzt sehe ich aber wirklich nicht mehr, was ich dazu noch weiter sagen kann, ohne mich zu wiederholen. Danke für die am Ende aufschlussreiche und interessante Diskussion. :)
        Ich werde jetzt nicht noch auf alles antworten, nur um noch das letzte Wort zu haben.. gut irgendwo hab ich das trotzdem, wenn ich noch antworte aber ich habe aufmerksam gelesen, was du noch geschrieben hast und will mich auch nur noch Mal für den zivilisierten Dialog und Positionsaustausch bedanken. :)
      • Von Gast1730761802 Mitglied
        Zitat von Athrun
        Das Problem hierbei ist aber das oft auf Trends in den sozialen Medien geschaut wird, die jedoch selten die Realität abbilden. Ich hab mal gelesen, das z.B. auf Twitter nur 10% der Nutzer echten Inhalt generieren, der Rest liest und kommentiert. So, wenn nun von diesen 10% ein beträchtlicher Teil LGBTQ ist (als Beispiel) dann entsteht der Eindruck, dies wäre eine große Gruppe. Was sie aber statistisch nicht ist.
        Solche Eindrücke entstehen allerdings immer wieder auch in anderen Bereichen. Bei so ziemlich jeder Meldung über irgendwelche Straftaten kann man sich schon im Vorfeld sicher sein, dass etliche Leute mit Sprüchen wie "Die Welt wird immer schlimmer" kommen. Obwohl es statistisch eigentlich eher so ist - zumindest in DE - dass die Zahl schwerer Straftaten aktuell sogar rückläufig ist.
        Zitat von Athrun
        Die haben Werbung mit Dylan Mulvaney gemacht (eine sehr kontroverse Person um es mal mild auszudrücken)
        Ich hab mich mal belesen, wer das überhaupt sein soll. Wenn sie kontrovers ist, dann nur, weil man sie kontrovers macht.
        Zitat von Athrun
        und die Gegenreaktion ist heftig: zweistelliger % Einbruch des Absatzes, die Person, die für diese Kampagne verantwortlich war, wurde gefeuert (inklusive anderer Führungspersonen), Bars haben Bud Light komplett aus ihrem Inventar gestrichen, weil es jetzt als "Schwuchtelbier" gebrandmarkt wird und Wettbewerber haben hohe Wachstumszahlen dank dieser einen Kontroverse. Ja, man sucht eine neue Zielgruppe, was nur fair ist. Aber wenn man dadurch seine Kerngruppe vergrault, dann ist das betriebswirtschaftlich extrem dumm. Oder wie es viele sagen "get woke go broke"
        Genau davon sprach ich ja aber auch im Vorfeld. Der Umgang mit solchen medialen Präsenzen ist ganz allein dem Konsumenten überlassen.
        Zitat von Nevrion
        Wir haben doch von Edward Snowden gelernt, dass wir keine Freunde der USA sind. Bestenfalls eine Zweckgemeinschaft, schlimmstenfalls eine Marionette. Wem gehören noch mal die Atombomben auf deutschen Boden? Ach ja ....
        Ich dachte, es sei klar, dass ich hier etwas übertrieben habe. ^^
        Zitat von Nevrion
        Natürlich nimmt man Coca Cola, Intel, Netflix und Co. auch gerne an
        Bis auf Coca Cola ist an dem Rest ja auch erstmal nichts wesentlich schlechtes. Und auch Cola ist in Maßen vollkommen okay. :P
        Zitat von Nevrion
        und man kann sicher auch nicht abstreiten, dass auch eine ethnische Verbundenheit zwischen den Bewohnern unserer Länder besteht, aber klar ist auch das bestimmte Einflüsse der USA durchaus einen propangandistischen Zweck haben.
        Halloween ist zwar ein recht harmloses Beispiel, aber hier haben Konzerne Menschen dazu gebracht, diesen Tag im Oktober eher anzuerkennen als den Reformationstag, der sich weiterhin nur auf einige Bundesländer beschränkt. Das ist dann zwar nicht die Folge von Propaganda, aber auch derartige Beinflussungen werden ja auch durch Spiele transportiert.
        Die Sache mit den Feiertagen würde ich eher als kulturellen Einfluss und weniger als Propaganda bezeichnen. Sicher bedingt Propaganda mal diesen Einfluss, aber es sind eben doch zwei Paar Schuhe. Und damals wie heute ist es ja nichts ungewöhnliches, wenn andere Kulturen Einfluss auf die eigene haben.
      • Von Nevrion Spiele-Kenner/in
        Zitat von MarcHammel
        Eben drum. Die Politik wird da keine harsche Kritik üben können. Man will den Freund ja nicht vergraulen.
        Wir haben doch von Edward Snowden gelernt, dass wir keine Freunde der USA sind. Bestenfalls eine Zweckgemeinschaft, schlimmstenfalls eine Marionette. Wem gehören noch mal die Atombomben auf deutschen Boden? Ach ja ....

        Klar ist, dass die Bevölkerung die Beziehungen zu den USA oft kritischer sehen als die deutsche Regierung selbst. Natürlich nimmt man Coca Cola, Intel, Netflix und Co. auch gerne an und man kann sicher auch nicht abstreiten, dass auch eine ethnische Verbundenheit zwischen den Bewohnern unserer Länder besteht, aber klar ist auch das bestimmte Einflüsse der USA durchaus einen propangandistischen Zweck haben.
        Halloween ist zwar ein recht harmloses Beispiel, aber hier haben Konzerne Menschen dazu gebracht, diesen Tag im Oktober eher anzuerkennen als den Reformationstag, der sich weiterhin nur auf einige Bundesländer beschränkt. Das ist dann zwar nicht die Folge von Propaganda, aber auch derartige Beinflussungen werden ja auch durch Spiele transportiert.
      • Von Athrun Gelegenheitsspieler/in
        Zitat von MarcHammel
        Hier muss ich für mich doc haber zugeben, dass die aktuelle Darstellung - die ich ja in meinem ersten Post hier im Thread kritisierte - von Diversität doch schon als recht invasiv empfinde. Die Darstellung, nicht Diversität an sich. Das mag ich hier mal betonen. Das Gendern empfinde ich zwar als befremdlich, aber nicht als invasiv. Nicht in dem Maß, wie die Darstellung von LGBT+.

        Hier kann man aber nicht mal sagen, dass es sich hier um Symbolpolitik handelt. Die Firmen wollen sich einfach nur einer weiteren Zielgruppe bedienen, die immer sichtbarer wird. Durch Medien übrigens.
        Das Problem hierbei ist aber das oft auf Trends in den sozialen Medien geschaut wird, die jedoch selten die Realität abbilden. Ich hab mal gelesen, das z.B. auf Twitter nur 10% der Nutzer echten Inhalt generieren, der Rest liest und kommentiert. So, wenn nun von diesen 10% ein beträchtlicher Teil LGBTQ ist (als Beispiel) dann entsteht der Eindruck, dies wäre eine große Gruppe. Was sie aber statistisch nicht ist. Und dann kommen dann solche Extremfälle wie der "Boykott" (hahahaha) von Hogwarts Legacy bei rum, wo auch Streamer schwer angegangen wurden (ein Extrembeispiel war wohl die VTuberin Pikame die dermaßen angegangen wurde, das sie sich vom VTubing verabschiedet hat). Oder auch ein schönes Beispiel, die aktuelle Kontroverse um das Bier Bud Light. Die haben Werbung mit Dylan Mulvaney gemacht (eine sehr kontroverse Person um es mal mild auszudrücken) und die Gegenreaktion ist heftig: zweistelliger % Einbruch des Absatzes, die Person, die für diese Kampagne verantwortlich war, wurde gefeuert (inklusive anderer Führungspersonen), Bars haben Bud Light komplett aus ihrem Inventar gestrichen, weil es jetzt als "Schwuchtelbier" gebrandmarkt wird und Wettbewerber haben hohe Wachstumszahlen dank dieser einen Kontroverse. Ja, man sucht eine neue Zielgruppe, was nur fair ist. Aber wenn man dadurch seine Kerngruppe vergrault, dann ist das betriebswirtschaftlich extrem dumm. Oder wie es viele sagen "get woke go broke"
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