Wie Videospiele zur neuen Propaganda-Plattform werden - Reportage

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Special Andreas Schneider - Autor Lukas Schmid - Autor Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen 28,49 €
Wie Videospiele zur neuen Propaganda-Plattform werden - Reportage
Quelle: Activision-Blizzard

Wir blicken in unserer Reportage auf Propaganda in Videospielen - nicht die fiktive Version, sondern tatsächliche Versuche, mit Gaming Politik zu machen.

Ein chinesischer Publisher, der dabei besonders aufgefallen ist, war Powernet Technology, Co., Ltd. Die Firma veröffentlichte Resistance War Online, ein Online-Rollenspiel, das auf Chinas Widerstandskrieg gegen Japan basiert. Das Unternehmen und das Entwicklungsteam sollen von chinesischen Regierungsbeamten gebeten worden sein, sich streng an die Erzählung des Widerstandskrieges zu halten, wie sie in offiziellen Lehrbüchern gedruckt ist. [3]

Als am 4. August 2007 um 18:00 Uhr "Resistance War Online" startete, waren innerhalb von zehn Minuten alle Server vollständig ausgelastet - die Anzahl der Spieler hat die Erwartungen des Unternehmens bei Weitem übertroffen. Zwei Stunden später wurden drei weitere Server hinzugefügt, auf denen gleichzeitig über 100.000 Spieler eingeloggt waren. Das Spiel blieb über die nächsten zwei Jahre hinweg äußerst beliebt und wurde von 17173.com, einer der bekanntesten Gaming-Websites in China, als eines der "Top Ten 2D Online-Spiele 2008", "Top Ten Original Online-Spiele 2008" und "Top Ten Chinesische Originale Online-Spiele 2009" gelistet. Ein Jahr nach dem offiziellen Release von Resistance War Online gab es bei Powernet eine große Umstrukturierung. Das Unternehmen Youth Online, das der kommunistischen Jugendliga in China gehört, einer Jugendorganisation der kommunistischen Partei in China, kaufte 20 % der Anteile und wurde der zweitgrößte Aktionär von Powernet.

Das umstrukturierte Unternehmen änderte seinen Namen zu ZQgame.com. Auf der firmeneigenen Website macht der Publisher kein Geheimnis aus seiner Mission:

"Red Games with Patriotic Themes: We insist on the operation principle of designing 'national, patriotic and healthy"_online games to develop more red online games which show respect for history and patriotism, and aim to design the best national online games by holding high the banner of Chinese culture."

Übersetzt: "Rote [gemeint ist kommunistische, Anm.] Spiele mit patriotischer Thematik: Wir bestehen darauf, nach dem Prinzip der Gestaltung von "nationalen, patriotischen und gesunden" Online-Spielen zu arbeiten, um mehr rote Online-Spiele zu entwickeln, die Respekt für die Geschichte und den Patriotismus zeigen. Unser Ziel ist es, die besten nationalen Online-Spiele zu gestalten, indem wir das Banner der chinesischen Kultur hochhalten."

Hass gegen Japan wird geschickt genutzt

In Spielen, die in China entwickelt werden, ist oft Japan der Gegner. Japan ist zwar als Feindbild in China nichts Neues - diese Ansicht hat eine lange Tradition, vor allem wegen der japanischen Kriegsverbrechen während der japanisch-chinesischen Kriege. Diese Abneigung wird von der kommunistischen Partei aber häufig geschickt genutzt, um innenpolitische Kritik zu ersticken. [4]

Videospiele, die diese Ressentiments verstärken, passen gut zur Strategie von China. Aber: Ähnlich wie in westlichen Ländern das Kalter-Krieg-Szenario für volle Kassen sorgt, wird ein Teil der Spiele mit dem Feindbild Japan vermutlich auch so produziert, weil sie sich so eben häufiger verkaufen.

Oder sogar, weil die Propaganda in Chinas auf anderen Eben Erfolg hatte und die Entwickler Japan tatsächlich als gefährlichen Feind sehen. Die vielen Investitionen von Chinas Regime in die Videospiel-Industrie hinterlassen auf jeden Fal einen faden Beigeschmack und auch seine Versuche, die Videospielindustrie durch Gesetze und Regelungen zu kontrollieren, sprechen eine eindeutige Sprache.

Videospielen scheinen hier gezielt für Propaganda eingesetzt zu werden. Aber: Die Entscheidung der chinesischen Regierung, in die Online-Spielebranche einzusteigen, basiert nicht nur auf ideologischen Überlegungen, sondern auch auf dem Erkennen des riesigen wirtschaftlichen Potenzials dieser Branche.

Durch Regulierungen, finanzielle Unterstützung und Partnerschaften mit privaten Spieleunternehmen hat die Regierung Chinas die chinesische Online-Spieleindustrie zu einem profitablen Sektor gemacht - an dem sie ordentlich mitverdient.

Der Fall ZQGames.com zeigt, wie die chinesische Regierung durch Förderungen von patriotischen und nationalistischen Inhalten Online-Spiele erfolgreich in die nationale Propagandamaschine integriert hat. Der Staat bietet Anreize und Unterstützung für leitliniengetreue Games, während private Spieleunternehmen Produkte liefern, um finanzielle Boni und Lizenzerleichterungen zu kassieren.

Seit dem Jahr 2012 haben die kommunistische Partei und die Regierung in China ihre Bemühungen zur Internetzensur und Kontrolle der chinesischen Online-Landschaft noch einmal massiv verstärkt. Verschiedene Formen von Zensur und Medienkontrolle haben seit 2012 massiv zugenommen, sagen Experten und Expertinnen - sie würden zunehmende Repression, Überwachung von Menschen und Internetnutzern beobachten.

Verschiedene Methoden zur Kontrolle und Zensur und die Sperrung zum Zugang zu ausländischen Webseiten und mobilen Apps sind unter dem neuen Präsidenten Xi Jinping seit 2012 unter dem Namen "Great Firewall" gebündelt. Vermutlich wurde auch das Klima für Videospielentwickler- und Entwicklerinnen deutlich rauer, sagen Experten und Expertinnen. Explizite Belege dafür gibt es aber nicht.

Einfluss endet nicht in China

Vor diesem Hintergrund ist es besonders alarmierend, dass ein wahrer Gigant der Branche, der Publisher Tencent, seinen Hauptsitz in China hat. Dieser Spieleentwickler zählt zu den größten Softwareunternehmen der Welt und hält Anteile an zahlreichen anderen Publishern, darunter auch einigen, die wir gut kennen.

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    • Kommentare (71)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von derbeoida NPC
        Zitat von MarcHammel
        Eben drum. Die Politik wird da keine harsche Kritik üben können. Man will den Freund ja nicht vergraulen.

        In der Bevölkerung sieht es aber wiederum ganz anders aus. Da wird scharfe Kritik geübt und das nicht zu knapp.

        Aber auch Russlands Propaganda wirkt länderübergreifend und vor allem im politisch rechten Spektrum sieht man immer wieder pro-russische Propaganda. Einseitig ist die Sache ganz und gar nicht.

        Propaganda ist allerdings auch eine perfide Sache: Was propagiert wird, ist nicht immer falsch. Meist befindet sich auch ein wenig Wahrheit darin. Was wahr ist und was nicht, das muss überprüft werden.

        Wichtig empfinde ich aber vor allem, dass man hier nicht "den Russen" oder "den Amerikaner" anspricht, sondern die Nationen an sich. Wladislav aus Moskau, der einfach nur sein Ding da macht und brav arbeiten geht, wird wohl kaum Schuld daran sein, dass der Russland-Ukraine-Konflikt eskalierte.
        Das eine schließt das andere nicht aus und relativiert es auch nicht.
      • Von derbeoida NPC
        Zitat von MarcHammel
        Eben drum. Die Politik wird da keine harsche Kritik üben können. Man will den Freund ja nicht vergraulen.

        In der Bevölkerung sieht es aber wiederum ganz anders aus. Da wird scharfe Kritik geübt und das nicht zu knapp.

        Aber auch Russlands Propaganda wirkt länderübergreifend und vor allem im politisch rechten Spektrum sieht man immer wieder pro-russische Propaganda. Einseitig ist die Sache ganz und gar nicht.

        Propaganda ist allerdings auch eine perfide Sache: Was propagiert wird, ist nicht immer falsch. Meist befindet sich auch ein wenig Wahrheit darin. Was wahr ist und was nicht, das muss überprüft werden.

        Wichtig empfinde ich aber vor allem, dass man hier nicht "den Russen" oder "den Amerikaner" anspricht, sondern die Nationen an sich. Wladislav aus Moskau, der einfach nur sein Ding da macht und brav arbeiten geht, wird wohl kaum Schuld daran sein, dass der Russland-Ukraine-Konflikt eskalierte.
        Das eine schließt das andere nicht aus und relativiert es auch nicht.
      • Von SethWinterstein Mitglied
        Zitat von MarcHammel
        So, jetzt sehe ich aber wirklich nicht mehr, was ich dazu noch weiter sagen kann, ohne mich zu wiederholen. Danke für die am Ende aufschlussreiche und interessante Diskussion. :)
        Ich werde jetzt nicht noch auf alles antworten, nur um noch das letzte Wort zu haben.. gut irgendwo hab ich das trotzdem, wenn ich noch antworte aber ich habe aufmerksam gelesen, was du noch geschrieben hast und will mich auch nur noch Mal für den zivilisierten Dialog und Positionsaustausch bedanken. :)
      • Von Gast1730761802 Mitglied
        Zitat von Athrun
        Das Problem hierbei ist aber das oft auf Trends in den sozialen Medien geschaut wird, die jedoch selten die Realität abbilden. Ich hab mal gelesen, das z.B. auf Twitter nur 10% der Nutzer echten Inhalt generieren, der Rest liest und kommentiert. So, wenn nun von diesen 10% ein beträchtlicher Teil LGBTQ ist (als Beispiel) dann entsteht der Eindruck, dies wäre eine große Gruppe. Was sie aber statistisch nicht ist.
        Solche Eindrücke entstehen allerdings immer wieder auch in anderen Bereichen. Bei so ziemlich jeder Meldung über irgendwelche Straftaten kann man sich schon im Vorfeld sicher sein, dass etliche Leute mit Sprüchen wie "Die Welt wird immer schlimmer" kommen. Obwohl es statistisch eigentlich eher so ist - zumindest in DE - dass die Zahl schwerer Straftaten aktuell sogar rückläufig ist.
        Zitat von Athrun
        Die haben Werbung mit Dylan Mulvaney gemacht (eine sehr kontroverse Person um es mal mild auszudrücken)
        Ich hab mich mal belesen, wer das überhaupt sein soll. Wenn sie kontrovers ist, dann nur, weil man sie kontrovers macht.
        Zitat von Athrun
        und die Gegenreaktion ist heftig: zweistelliger % Einbruch des Absatzes, die Person, die für diese Kampagne verantwortlich war, wurde gefeuert (inklusive anderer Führungspersonen), Bars haben Bud Light komplett aus ihrem Inventar gestrichen, weil es jetzt als "Schwuchtelbier" gebrandmarkt wird und Wettbewerber haben hohe Wachstumszahlen dank dieser einen Kontroverse. Ja, man sucht eine neue Zielgruppe, was nur fair ist. Aber wenn man dadurch seine Kerngruppe vergrault, dann ist das betriebswirtschaftlich extrem dumm. Oder wie es viele sagen "get woke go broke"
        Genau davon sprach ich ja aber auch im Vorfeld. Der Umgang mit solchen medialen Präsenzen ist ganz allein dem Konsumenten überlassen.
        Zitat von Nevrion
        Wir haben doch von Edward Snowden gelernt, dass wir keine Freunde der USA sind. Bestenfalls eine Zweckgemeinschaft, schlimmstenfalls eine Marionette. Wem gehören noch mal die Atombomben auf deutschen Boden? Ach ja ....
        Ich dachte, es sei klar, dass ich hier etwas übertrieben habe. ^^
        Zitat von Nevrion
        Natürlich nimmt man Coca Cola, Intel, Netflix und Co. auch gerne an
        Bis auf Coca Cola ist an dem Rest ja auch erstmal nichts wesentlich schlechtes. Und auch Cola ist in Maßen vollkommen okay. :P
        Zitat von Nevrion
        und man kann sicher auch nicht abstreiten, dass auch eine ethnische Verbundenheit zwischen den Bewohnern unserer Länder besteht, aber klar ist auch das bestimmte Einflüsse der USA durchaus einen propangandistischen Zweck haben.
        Halloween ist zwar ein recht harmloses Beispiel, aber hier haben Konzerne Menschen dazu gebracht, diesen Tag im Oktober eher anzuerkennen als den Reformationstag, der sich weiterhin nur auf einige Bundesländer beschränkt. Das ist dann zwar nicht die Folge von Propaganda, aber auch derartige Beinflussungen werden ja auch durch Spiele transportiert.
        Die Sache mit den Feiertagen würde ich eher als kulturellen Einfluss und weniger als Propaganda bezeichnen. Sicher bedingt Propaganda mal diesen Einfluss, aber es sind eben doch zwei Paar Schuhe. Und damals wie heute ist es ja nichts ungewöhnliches, wenn andere Kulturen Einfluss auf die eigene haben.
      • Von Nevrion Spiele-Kenner/in
        Zitat von MarcHammel
        Eben drum. Die Politik wird da keine harsche Kritik üben können. Man will den Freund ja nicht vergraulen.
        Wir haben doch von Edward Snowden gelernt, dass wir keine Freunde der USA sind. Bestenfalls eine Zweckgemeinschaft, schlimmstenfalls eine Marionette. Wem gehören noch mal die Atombomben auf deutschen Boden? Ach ja ....

        Klar ist, dass die Bevölkerung die Beziehungen zu den USA oft kritischer sehen als die deutsche Regierung selbst. Natürlich nimmt man Coca Cola, Intel, Netflix und Co. auch gerne an und man kann sicher auch nicht abstreiten, dass auch eine ethnische Verbundenheit zwischen den Bewohnern unserer Länder besteht, aber klar ist auch das bestimmte Einflüsse der USA durchaus einen propangandistischen Zweck haben.
        Halloween ist zwar ein recht harmloses Beispiel, aber hier haben Konzerne Menschen dazu gebracht, diesen Tag im Oktober eher anzuerkennen als den Reformationstag, der sich weiterhin nur auf einige Bundesländer beschränkt. Das ist dann zwar nicht die Folge von Propaganda, aber auch derartige Beinflussungen werden ja auch durch Spiele transportiert.
      • Von Athrun Gelegenheitsspieler/in
        Zitat von MarcHammel
        Hier muss ich für mich doc haber zugeben, dass die aktuelle Darstellung - die ich ja in meinem ersten Post hier im Thread kritisierte - von Diversität doch schon als recht invasiv empfinde. Die Darstellung, nicht Diversität an sich. Das mag ich hier mal betonen. Das Gendern empfinde ich zwar als befremdlich, aber nicht als invasiv. Nicht in dem Maß, wie die Darstellung von LGBT+.

        Hier kann man aber nicht mal sagen, dass es sich hier um Symbolpolitik handelt. Die Firmen wollen sich einfach nur einer weiteren Zielgruppe bedienen, die immer sichtbarer wird. Durch Medien übrigens.
        Das Problem hierbei ist aber das oft auf Trends in den sozialen Medien geschaut wird, die jedoch selten die Realität abbilden. Ich hab mal gelesen, das z.B. auf Twitter nur 10% der Nutzer echten Inhalt generieren, der Rest liest und kommentiert. So, wenn nun von diesen 10% ein beträchtlicher Teil LGBTQ ist (als Beispiel) dann entsteht der Eindruck, dies wäre eine große Gruppe. Was sie aber statistisch nicht ist. Und dann kommen dann solche Extremfälle wie der "Boykott" (hahahaha) von Hogwarts Legacy bei rum, wo auch Streamer schwer angegangen wurden (ein Extrembeispiel war wohl die VTuberin Pikame die dermaßen angegangen wurde, das sie sich vom VTubing verabschiedet hat). Oder auch ein schönes Beispiel, die aktuelle Kontroverse um das Bier Bud Light. Die haben Werbung mit Dylan Mulvaney gemacht (eine sehr kontroverse Person um es mal mild auszudrücken) und die Gegenreaktion ist heftig: zweistelliger % Einbruch des Absatzes, die Person, die für diese Kampagne verantwortlich war, wurde gefeuert (inklusive anderer Führungspersonen), Bars haben Bud Light komplett aus ihrem Inventar gestrichen, weil es jetzt als "Schwuchtelbier" gebrandmarkt wird und Wettbewerber haben hohe Wachstumszahlen dank dieser einen Kontroverse. Ja, man sucht eine neue Zielgruppe, was nur fair ist. Aber wenn man dadurch seine Kerngruppe vergrault, dann ist das betriebswirtschaftlich extrem dumm. Oder wie es viele sagen "get woke go broke"
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