Vergiftet und unheilbar? Ein analytischer Blick auf toxische Gaming-Communitys, Seite 4

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Special Marc Schmidt - Autor Lukas Schmid - Autor Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen 17,55 €
Vergiftet und unheilbar? Ein analytischer Blick auf toxische Gaming-Communitys, Seite 4
Quelle: Pixabay

Wir beschäftigen uns in diesem Special mit toxischen Gaming-Communitys und fragen: Wie stark ist der Hass ausgeprägt und was können wir gegen ihn tun?

Es ist essenziell, dass Spielestudios ihre Arbeitskultur verbessern und mit gutem Vorbild vorangehen, um darauf aufbauend auch toxisches Verhalten unter den Spielern zu reduzieren.

Die Liste der ADL beinhaltet noch viele weitere Punkte, und obwohl die Studie bereits 2020 erschienen ist, hat sich seitdem wenig getan.
Stattdessen macht es den Anschein, dass sich Entwickler für einen anderen Weg entschieden haben. So schaffen sie die Kommunikation zwischen Spielern einfach komplett ab.

Ein Beispiel dafür ist das neue Battlefield 2042. Hier hat man den Chat mit dem Gegner-Team und auch den Voice Chat im eigenen Team komplett abgeschafft. Riot Games versucht in League of Legends denselben Ansatz und deaktiviert den "All-Chat", mit dem man mit dem gegnerischen Team kommunizieren kann, in ausgewählten Regionen.

Zwar können so negative Interaktionen vermieden werden, jedoch nimmt die Einschränkung der Kommunikation den Spielern auch die Fähigkeit zu jeglicher Form taktischer Absprachen und die Möglichkeit, positive Erfahrungen zu sammeln. Schließlich gaben in der ADL-Studie auch 83 Prozent der Teilnehmer an, Freunde über den Chat gefunden zu haben.

Ein weiterer Weg im Kampf gegen den Hass ist die positive Verstärkung. Dieses Konzept stammt aus der Psychologie und wird in der Pädagogik bereits seit Jahren angewendet. Hierbei gibt es bereits passende Ansätze in der Gaming-Industrie. So gibt es in manchen Spielen ein Empfehlungs-System, welches Spielern die Möglichkeit gibt, sich gegenseitig zu empfehlen und dadurch Vorteile zu verschaffen. Genau solche Mechaniken müssen ausgebaut und verbessert werden. Auch hier lässt sich das Ehrungs-System von League of Legends als Beispiel heranziehen.

Was kann man selber tun?

All das sind Maßnahmen, die Entwickler ergreifen müssen, um toxisches Verhalten zu verringern. Doch was kann jeder einzelne von uns konkret tun?

Als Erstes gilt es, den Opfern zuzuhören, sie ernst zu nehmen und sie dabei zu unterstützen, Fehlverhalten gegebenenfalls auch zur Anzeige zu bringen. Außerdem sollte die sogenannte "Zuschauerkultur" zwingend vermieden werden. Wenn man Hass im Netz sieht, sollte jeder einzelne von uns einschreiten. Und ja, natürlich, das ist nicht der angenehme oder bequeme Weg, aber durch Zuschauen wird es nicht besser.

Hierbei hat jeder von uns schon mal das Argument gehört "Das Internet ist eben so und man braucht halt ein dickes Fell". Aber ist das wirklich, was wir wollen? Wollen wir uns im Netz ernsthaft gegenseitig beleidigen und fertigmachen? Und einfach zusehen, wie Mitmenschen in Depressionen und Angststörungen getrieben werden, die teilweise sogar in Selbstmord enden?

Auch für den Kampf gegen Trolle haben Studien Empfehlungen ausgesprochen: Aufgrund des komplizierten Profils eines Trolls und dessen oft mangelnder Empathie bringt es wenig, an seine Menschlichkeit zu appellieren. Stattdessen lautet die Empfehlung der Studie, den Trollen einfach nicht die erhoffte Reaktion zu geben, indem man sie ignoriert. Das heißt jedoch keinesfalls, dass diese Menschen toleriert werden sollten. Sie müssen für ihre Handlungen verantwortlich gemacht werden.

Der letzte und vermutlich wichtigste Punkt ist: Selbstreflexion. Wir müssen uns ALLE zuerst an die eigene Nase fassen. Dabei helfen Fragen wie: War ich schon einmal toxisch? Warum war ich toxisch? Wann war ich toxisch? Wenn man sich selbst überprüft und hinterfragt, kann man auch entsprechend agieren.

So kann man zum Beispiel, wenn man weiß, dass man besonders nach einem harten Arbeitstag zu Wutausbrüchen neigt, sich bewusst entscheiden, am Abend keine Multiplayer-Titel spielen. Stattdessen kann man sich lieber ein entspanntes Singleplayer-Spiel reinziehen, um runterzukommen.

Nur gemeinsam können wir diese Aufgabe bewältigen. Es ist eine Teamleistung und nur als Team sind wir in der Lage, toxisches Verhalten nicht nur in Videospielen, sondern im gesamten Netz zu stoppen. Helft uns dabei, dasss Netz zu einem schöneren Ort für alle zu machen!

Quellen

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  1. Seite 1 Vergiftet und unheilbar? Ein analytischer Blick auf toxische Gaming-Communitys, Seite 1
  2. Seite 2 Vergiftet und unheilbar? Ein analytischer Blick auf toxische Gaming-Communitys, Seite 2
  3. Seite 3 Vergiftet und unheilbar? Ein analytischer Blick auf toxische Gaming-Communitys, Seite 3
  4. Seite 4 Vergiftet und unheilbar? Ein analytischer Blick auf toxische Gaming-Communitys, Seite 4
    • Kommentare (50)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Martina Hobby-Spieler/in
        Es ist doch nicht nur in Spielen so. Auch hier schlägt einem der Hass schon mal entgegen wenn man "anders" ist.
        Was nicht in die eigene "kleine" Welt passt, wird halt runtergemacht.
      • Von Martina Hobby-Spieler/in
        Es ist doch nicht nur in Spielen so. Auch hier schlägt einem der Hass schon mal entgegen wenn man "anders" ist.
        Was nicht in die eigene "kleine" Welt passt, wird halt runtergemacht.
      • Von fud1974 Mitglied
        Zitat von AlBundyFan
        ich denke da anders: "Normale Person + Anonymität + Zuschauerschaft = Totaler Vollidiot" ist falsch - denn dann müßten 100% der onlinespieler sich so verhalten.

        mMn heisst es: im kopf ein a-loch + Anonymität + Zuseherschaft = den wahren Charakter zeigen"
        dasselbe gilt z.b. für besoffene die dann ausfällig werden.

        Ich habe das eher so aufgefasst, das jede "normale Person" nun mal auch etwas "A-Loch" ist.. und es dann schnell dazu kommt dass die tünne Tünche der Zivilisation abfällt wenn die Umstände passen, wie hier halt die Kommunikation über das Internet.

        Man lacht ja immer über Frau Merkels Spruch "das ist für uns alle Neuland"... aber vielleicht war da doch mehr dran als man so dachte. Ob beabsichtigt von ihr oder nicht. Die begleitenden Maßnahmen dass da eine Generation darauf vorbereitet wird dass da eine neue Kommunikationsform mit neuen Herausforderungen ist, fanden nie in ausreichenden Maße statt, weder durch Elternhäuser noch durch andere "formende" Einrichtungen (und es traf ja auch Leute die waren schon aus dem Alter raus wo man sich noch im "formenden" Alter befand).

        Ging ja auch (zu) schnell. Generell hat die Gesellschaft mit "schnellen" Veränderungen (und das können durchaus mehrere Jahre sein) ein Problem.. und wenn man mal übelegt wie das Leben prä-Internet, prä-Social-Media usw. aussah, waren die Änderungen massiv, da hat sich vieles massiv geändert, solche Veränderungen passieren nur normalerweise innerhalb von (technischen, sozialen) Revolutionen.. aber so richtig bewusst geworden ist uns das wohl nie dass das eine Revolution war.

        Da war dann Wildwuchs, und die Folgen zeigen sich dann halt.
      • Von -JB- Anfänger/in
        Man merkt beim lesen sehr schnell, wieviel Arbeit in diesen Artikel geflossen ist. Toll recherchiert, spannend zu lesen und dazu ein ganz wichtiges Thema. Großes Kompliment, Marc!

        Habe mal 2 der "OMG A GIRL"-Videos geschaut und es ist echt beschämend...
      • Von AlBundyFan Hobby-Spieler/in
        ich denke da anders: "Normale Person + Anonymität + Zuschauerschaft = Totaler Vollidiot" ist falsch - denn dann müßten 100% der onlinespieler sich so verhalten.

        mMn heisst es: im kopf ein a-loch + Anonymität + Zuseherschaft = den wahren Charakter zeigen"
        dasselbe gilt z.b. für besoffene die dann ausfällig werden.

        der a-loch-charakter wird nur unterdrückt - aber die umstände zeigen dann, wie man wirklich ist.
      • Von weazz1980 Hobby-Spieler/in
        Zitat von fud1974
        Das habe ich jetzt hier schon wiederholt gelesen.. jetzt mal ernsthaft, ist das ein "wünschenswertes" Verhalten? Ist das "verehren" nicht schon eher als aufdringlich zu bewerten?

        Sicherlich muss man da auch wieder unterscheiden.. aber mir kommt das schon etwas seltsam vor.

        Ich bin nunmal keine Frau, aber für mich wäre das eher unangenehm... eigentlich will man doch nur das gleiche machen und gleich behandelt werden wie alle anderen?

        Mag nun auch Leute geben denen das angenehm ist.. wer weiß, wie gesagt, einzelne Fälle sind zu unterscheiden, aber ich hab bei diesen "Verehrungs" Geschichten immer ein komisches Gefühl...
        Naja, die eine Frau mag das, die andere nicht. Könnte mir schon vorstellen, dass manche Frauen das nicht möchten.

        Aber als kurzes Beispiel, wie es damals in der Gilde ablief: Ich kam Online, suchte eine Gruppe, wohl gemerkt als Tank... keiner hatte Lust...

        2 Minuten später kam Frau X online und fragte mit ihrem DD! ob jemand Lust hat einen Dungeon zu laufen und mind. 5 Leute haben sofort geschrieben: Ja, hier, lad ein, bla blub...

        Und es lag NICHT an der Klasse, soviel kann ich euch sagen.

        Wenn Frauen dumm angemacht werden, wird das allgemeine Alter dieser Community wohl eher im niedrigeren Bereich angesiedelt sein...
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