Rechtsextremismus im Gaming: Wie die Industrie oft wegschaut

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Rechtsextremismus im Gaming: Wie die Industrie oft wegschaut
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Rechte Gruppen nutzen Online-Games zur Verbreitung ihrer Ideologie und zur Rekrutierung. Dagegen unternimmt die Branche zu wenig. Aber auch Spieler sollten Haltung zeigen. Eine kommentierende Analyse von Autor Christoph Jaschinski.

Gaming als Rückzugsort - auch für Extremisten: Ob nach der Schule, der Uni oder der Arbeit — für viele bedeutet das Zeit zu haben um entspannt eine Runde zu zocken. Die Welt um einen herum für einen Augenblick vergessen. Manche bauen entspannt weiter an ihrer Basis in Enshrouded, andere verabreden sich für den nächsten Raid in World of Warcraft und wieder andere messen sich gegnerischen Teams in Counter-Strike oder Valorant.

Steam ist DIE Plattform, auf der Gamer Spiele kaufen, zocken und sich organisieren. Mit ihren Möglichkeiten lockt Steam Millionen von Menschen an, die sich auf der Plattform organisieren, vernetzen und einen Beitrag zur Popkultur weltweit leisten - beispielsweise durch Memes von Lieblingsgames. In Gruppen tauschen sie sich aus, posten Reviews. Eine zu unterstützende Gemeinschaft könnte entstehen.

Ausschließlich positiv sind Steam-Communities allerdings nicht. Denn: Unter die Gamer mischen sich auch immer Leute, die nationalsozialistisches Gedankengut verbreiten. Ihre Gesinnung zeigen sie beispielsweise als Profilnamen und -bild. In Gruppen sammeln sich Personen, die das rechts- und nationalsozialistische Gedankengut fördern und verbreiten. Jüngst suchten sich Gleichgesinnte in Gruppen, um sich in ihrer Weltanschauung bestätigen zu lassen. Drahtzieher des Anschlags von 2016 im Münchner Olympia-Einkaufszentrum und des Schulattentats von New Mexico (2017) organisierten und vernetzten sich auf Steam. David S. erschoss in München neun Menschen, die er für Migranten hielt. William A., getrieben von rassistischen und nationalsozialistischen Gedanken, ermordet an der High School von Aztec, New Mexico (USA), zwei Schüler hispanoamerikanischer Herkunft. Die Attentäter waren Mitglied in der rechtsextremen Chatgruppe "Anti-Refugee-Club" auf Steam - die William A. sogar gründete.

Auch die überaus erfolgreiche Online-Spieleplattform Roblox missbrauchen vermeintliche Rechtsextremisten für ihre Zwecke. Roblox ist bei 17- bis 25-Jährigen beliebt. Hier können Nutzer eigene Spiele bauen und diese der Community zur Verfügung stellen. Neben vielen harmlosen und unterhaltsamen Spielen gibt es immer wieder höchst problematische und drastische Inhalte. So finden sich Spiele, die den Anschlag von Halle 2019 detailgetreu nachbauen und für Spieler erlebbar machen. Auch der Anschlag des Rechtsterroristen Brenton T. 2019 in Christchurch ist auf Roblox zu finden. In anderen Ablegern können Spieler SS-Uniformen als Skin für den eigenen Avatar kaufen.

Das Problem wird überwiegend ignoriert

Valve geht kaum dagegen vor; problematische Inhalte oder Verhaltensweisen bleiben unbehelligt. Gegen die Entwicklungen kämpft das Berliner Violence Prevention Network. Bis letztes Jahr unter anderem mit dem Projekt Re:Gain. Das Projekt untersuchte: "... in welchem Maße Gaming-Communities durch Rechtsextreme missbraucht werden, welche Funktionen sie für Rechtsextreme erfüllen und welche Möglichkeiten es zum Schutz von Gamern gibt", heißt es auf der Website.

Benedikt Büchsenschütz ist dort wissenschaftlicher Mitarbeiter und war Teil des Projekts. Im Gespräch mit PC Games sagt er, dass sein Projekt rund 100 Steam-Profile ausfindig machte und meldete, die eindeutigen Bezug zur NS-Diktatur hatten. Fünf vermeintliche Rechtextremisten sperrte Steam im Laufe des Vorjahres.

Roblox Logo auf einem Mobile-Phone Quelle: stock.adobe.com Rechtsextremismus im Gaming: Wie die Industrie oft wegschaut (1)

Auch auf Roblox lassen sich immer wieder Spiele mit rechtsextremen Inhalten oder Symbolen finden. Rechtsextreme nutzen die Plattform, um ihr Weltbild zu transportieren. Sie machen es anschlussfähig und wollen junge Spieler für sich und ihre Ideen gewinnen. Laut Nutzerstatistiken der Plattform sind 36,1 Prozent der User 13 Jahre oder jünger. Die ideale Zielgruppe für subtile, popkulturell getarnte Ansprachen: "Es ist eine Möglichkeit Bilder zu schaffen", sagt Benedikt Büchsenschütz. Gemeint sind damit rechte Narrative. Es werden Amokläufe reproduziert und dann als Clip auf TikTok oder in Form von Links auf Telegram verbreitet. Ein Loop aus Ingame-Inhalten und medialer Verbreitung.

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Es entsteht der Eindruck, dass es in der Gaming-Community ein Rechtsextremismusproblem gibt. Doch leider verfällt die mediale Berichterstattung schnell in polemische Behauptungen. Das sieht auch der Projektleiter Mick Prinz von Good Gaming - Well Played Democracy so. Es sei wichtig Gaming als einen weiteren Schauplatz zu verstehen, den Rechtsextreme nutzen. Auf diesem ginge es nicht schlimmer als im Rest der Gesellschaft zu.

Dennoch ist es so, dass sich Rechtsextreme in digitalen Räumen zunehmend wohlfühlen und auch im Gaming gerne ihre Inhalte, eigene Modifikationen und sogar Spiele teilen. Natürlich haben die genannten Plattformen und weitere Spiele eine Meldefunktion. Diese sollte bei verfassungsfeindlichen Inhalten auch immer bemüht werden. Diese Meldungen scheinen jedoch im Sand verlaufen. Viele Studios und auch Plattformbetreiber verweisen auf diese, auf KI-Filter und ihre Codes-of-Conducts. Und auch wenn immer wieder Plattformen einzelne Konten sperren, Posts löschen oder Inhalte entfernen, gelangen diese Kommentare wieder im Netz. Durch Änderung der Schreibweise.

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  1. Seite 1 Rechtsextremismus im Gaming: Wie die Industrie oft wegschaut
  2. Seite 2 Digitale Tarnung für Hass: Was KI nicht erkennt, bleibt online
  3. Seite 3 Gegenwehr ist mühselig, aber notwendig!
    • Kommentare (5)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Texer Gelegenheitsspieler/in
        "Den Anschlag von Halle nachzubauen ist KEINE Meinungsfreiheit." - Na anscheint haben Sie darüber doch eine Meinung ... .
      • Von Texer Gelegenheitsspieler/in
        "Den Anschlag von Halle nachzubauen ist KEINE Meinungsfreiheit." - Na anscheint haben Sie darüber doch eine Meinung ... .
      • Von Chicola NPC
        Zitat von Texer
        Es gibt halt nun mal Meinungsfreiheit. Ob es denen gefällt oder nicht, egal. Wenn das untersagt wird und man somit einem "Diktat" unterliegt, naja, dann gibts halt kein Geld mehr und fertig. Mal schauen, was da nun wirklich wichtiger ist ^^.
        Den Anschlag von Halle nachzubauen ist KEINE Meinungsfreiheit. Es gibt auch für Meinungsfreiheit Grenzen. Und hinter denen dürfen sich auch Radikaler aller Coleur nicht verstecken.
      • Von Texer Gelegenheitsspieler/in
        Es gibt halt nun mal Meinungsfreiheit. Ob es denen gefällt oder nicht, egal. Wenn das untersagt wird und man somit einem "Diktat" unterliegt, naja, dann gibts halt kein Geld mehr und fertig. Mal schauen, was da nun wirklich wichtiger ist ^^.
      • Von LOX-TT Mitglied
        Zitat von Bonkic
        diskursverschiebung - der thread
        irgendwann wird das geschreibsel (einiger) hier vlt als anschauungsunterricht zum thema verwendet. :B
        Gute Idee, erledigt
      • Von Bonkic Mitglied
        diskursverschiebung - der thread
        irgendwann wird das geschreibsel (einiger) hier vlt als anschauungsunterricht zum thema verwendet. :B
      Direkt zum Diskussionsende
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